Weihnachtspost für Karli Manager

Freitag, 25 Dezember 2009 17:34 MET

Thema:
Kommunikation  
Stichworte:
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Lässiger Weihnachtsmann, flankiert von zwei Damen in Bikini
Weihnachtspost für Karli Manager [hyperkontext | Weblog]

Eine Leserin meines Blogs bat mich um anonyme Veröffentlichung ihres elektronischen Weihnachtsgrußes an einen Manager-Karli in ihrem Unternehmen.

Karli Manager schickt gerne Weihnachtsgrüße per E-Mail en gros los, lobt sich selbst darin und verabschiedet sich in den Urlaub. Eine Verarsche der plattesten Sorte.

Falls sich noch ein Manager-Karli Gedanken über menschlichen Umgang macht, mein Tipp für ihn: Einfach mal Danke sagen, Karli.

Weihnachtsgrüße von Karli Manager

Für die meisten Angestellten in – vornehmlich großen – Unternehmen ist es ein jährliches Ritual: Gruppen- oder Ober-Karlis schicken vor Weihnachten ein paar Zeilen weihnachtlicher Grüße per E-Mail en gros los, loben sich selbst darin für ihre Arbeit und verabschieden sich auch gleich in den – zumeist extra betont wohlverdienten – Weihnachtsurlaub.

Wenn es besonders gackernd sein soll, ist noch ein animiertes Bildchen mit weißbärtigem Mann im roten Bademantel und farblich passender Haube angehängt.

Auf gut Deutsch übersetzt, steht da meist folgendes drin:
Hallo Leute, ich habe in dem Jahr ganz tolle Sachen gemacht. Ich bin mächtig stolz auf mich. Vielleicht habt Ihr ja auch daran Anteil. Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal. Ich habe auf jeden Fall genügend Kohle verdient, sodass ich einen winzigen Teil davon jetzt für einen teuren Urlaub raushau. Und Tschüss.

Eine Verarsche der plattesten Sorte.

Traurig ist auch, dass viele – sowohl Sender, als auch Empfänger – diese Art von Hohn offenbar gar nicht mehr bewusst als solchen wahrnehmen.

Angesichts dieser Manieren meint Claudia Tödtmann [Management-Blog (Handelsblatt)] denn auch:

Wem seine Mitarbeiter nicht den Gang durch die Abteilung und den persönlichen (!) Händedruck wert sind, der braucht sich nicht wundern, wenn er ihnen auch nichts wert ist. Wenn die Firma keine Weihnachtskarten mehr spendiert

Weihnachtsgrüße an Karli Manager

Auch eine Leserin meines Blogs hatte dieses Jahr in ihrem Unternehmen wieder so eine »weihnachtliche« elektronische Verhöhnung bekommen.

Sie hat sich dieses Mal so geärgert, dass sie eine Antwort verfasste und mich per E-Mail bat, diese hier – und somit anonym – zu veröffentlichen.

Sie fragen sich, warum sie ihren Brief nicht wirklich an den Karli verschickt hat? Nunja, ich glaube, die Reaktion solcher Karlis wäre vermutlich leider äußerst einfältig und sie würden der Mitarbeiterin kündigen. (Andere kündigen schon wegen einer unrechtmäßig verzehrten Frikadelle oder ähnlichem Blödsinn.)

Gerne komme ich daher dem Wunsch meiner Leserin nach und veröffentliche ihre Post an Karli.

Hinweise zu nachfolgend zitierter E-Mail:

  1. Die Schreiberin hat sich mir gegenüber nicht mit richtigem Namen zu erkennen gegeben und ihre E-Mail über einen anonymen Account geschickt. Ich weiß daher auch nicht – und will es gar nicht wissen – um welches Unternehmen es sich handelt.
  2. Auch wenn die Sache von der Schreiberin erfunden wäre: Aus Arbeits- und Lebenserfahrung kann ich – und vermutlich viele Leser – bestätigen, schon einige solcher Antwort-E-Mails gedanklich formuliert zu haben.
  3. Zum Schutz der Schreiberin anonymisierte ich den Text noch weiter, formulierte einige Textstellen um oder setzte andere Angaben.

2009-12-23

Lieber Manager-Karli

Danke für Deine »lustigen« Weihnachtsgrüße. Wir – das sind meine KollegInnen und ich – würden ja gerne mit Dir ein paar Worte plaudern, nur sehen wir Dich nie und bei einigen schlurfst Du immer nur ganz leise an den Büros vorbei.

Wir freuen uns ganz tierisch für Dich, dass Du auf Urlaub fährst und die Tage zwischen den Feiertagen auch entspannt genießen kannst. Falls Du die Ironie jetzt nicht verstehst: Es ist uns sch[piep]egal, ob und wohin Du auf Urlaub fährst!

Unsere Beziehung zueinander hat traurigerweise schon damit begonnen, dass Du Dich bei Einstellung nicht einmal vorgestellt hast. Wir haben nur durch eine Mitteilung der Personalabteilung erfahren, dass Du – nun schon seit einiger Zeit – jetzt unser Chef bist.

Die Weihnachtsfeier wäre eine – wenn auch magere – Möglichkeit gewesen, mit Dir ein paar Worte zu wechseln. Leider musstest Du dringend mit ein paar anderen Karlis Essen gehen.

Ich bin bereits sehr lange in diesem Unternehmen und wollte mir dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachtsurlaub nehmen. Das wurde mir leider nicht genehmigt, weil es gerade zwischen den Feiertagen immens viel zu tun gibt bei uns. Unser Team hätte es dieses Jahr aber akzeptiert, wenn ich mit meinem kranken Kind eine Auszeit in den Bergen genommen hätte – wenn ich Zeit für mein Kind gehabt hätte.

Wir – meine KollegInnen und ich – haben schon verstanden, dass wir Dir gleichgültig sind.

Verschone uns also in Zukunft mit Deinen »lustigen« elektronischen Weihnachtsgrüßen. Du bist uns herzlich egal!

Anonyme Mitarbeiterin aus unbekanntem Unternehmen

Einfach mal Danke sagen, Karli

Vor einigen Tagen geisterten wieder Interpretationen einer Umfrage durchs Netz: Mitarbeiter pfeifen auf Firmen-Weihnachtsfeier [pressetext].

Angeblich wollen bis zu zwei Drittel der Befragten gar keine offizielle Weihnachtsfeier. Verständlich, denn die meisten dieser Veranstaltungen sind entweder lustlose Prozessionen oder arten zu hochnotpeinlichen Saufgelagen aus. Personalberater denken denn auch gleich über Alternativen nach: Ausflüge im Sommer und ähnliches.

Da es aber zu Weihnachten angeblich um Liebe und so Dinge geht, habe ich nachfolgend einen Tipp, der aus schlichter menschlicher Regung und Verantwortung aus der Position entspringt:

Falls ein Karli sich doch Ge­danken über mensch­lichen Um­gang macht.

Zeit nehmen, Karli. Die Menschen – nochmals: Menschen – an ihren Arbeitsplätzen besuchen. Mit ihnen plaudern, sich für sie und ihre Tätigkeit interessieren, von sich erzählen, gemeinsam Pläne schmieden, über Zukunft und Vergangenheit reden und ohne internem PR-Getöse in aller (weihnachtlicher) Stille diesen Menschen für ihren täglichen Einsatz Respekt zollen und mal Danke sagen.

Ich kann den wenigsten meiner LeserInnen persönlich die Hand drücken. Deswegen wünsche ich Euch auf diesem Wege in weihnachtlicher Stille ein paar friedliche und ruhige Tage.

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Datum:
veröffentlicht am 25 Dezember 2009, 17:34 MET.
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