Von der Einsicht der Struktur zur Vielfalt der Ansichten (2)
Montag, 15 Oktober 2007 21:40 MET
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- Von der Einsicht der Struktur zur Vielfalt der Ansichten (2) [hyperkontext | Weblog]
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Accessibility Blog-Parade 2007

Die Webseite als gegliedertes Dokument
Bei einer Webseite sprechen wir auch von einem HTML (Hypertext Markup Language)-Dokument. Dokument ist in diesem Sinne nicht als hochoffizielles belehrendes Schriftstück oder Urkunde zu verstehen, wie aus dem lateinischen docère – belehren.
Eher sollte hier die Interpretation des lateinischen Wortes documentum herhalten: zur Erhellung einer Sache dienlich
(Duden, Herkunftswörterbuch). Dies führt dann schon näher an den Anspruch, jede Form der Übermittlung so aufzubereiten, dass die Sache (der Text) für Empfänger verständlich dokumentiert ist.
Die digitale Dimension
Wie schon im ersten Teil erklärt, kommt mit digitaler Verbreitung und Verarbeitung eine weitere Dimension der Verständlichkeit hinzu:
Ein digitales Dokument – also auch eine Webseite – dient nicht nur dazu, sehenden Auges verarbeitet zu werden. Dies ist nur eine von vielen Möglichkeiten.
Die Schlussfolgerung daraus ist, dass die Qualität eines digitalen Textes nichts mit der optischen Aufmachung zu tun hat. Auch wenn das jetzt banal und logisch klingt, scheint diese Herangehensweise in der Praxis kaum eine Rolle zu spielen (Hauptsache Mann/Frau sieht es
).
Um Dokumente also digital verständlich zu machen, müssen sie konsequenterweise zuerst dementsprechend strukturiert und aufbereitet werden; erst anschließend werden Formatierungen für optische Ausgabegeräte – gemeinhin Browser genannt – vorgenommen.
Von Überschriften und Absätzen
Größere Dokumente brauchen Struktur. In Druckmedien wird dies durch Trennung in Teile, Kapitel und Abschnitte gelöst. Im Mikrobereich dieser Abschnitte wiederum in Unterabschnitte, die durch Überschriften und Absätze gekennzeichnet sind. Optisch werden Überschriften meist fett, in größerer Schrift und größerem Abstand zwischen den Absätzen gekennzeichnet.
Ah, das ist eine Überschrift und dieser Text beschreibt in Kürze das, was in den kommenden Absätzen folgt
.
Jede halbwegs vernünftige Suchmaschine geht heute schon so vor.
Da ein HTML-Dokument aber nicht nur der Optik dient, müssen Überschriften adäquat markiert
sein. Viele Programme orientieren sich an Überschriften, gewichten diese Texte höher ein und verwenden sie auch zur schnellen Indizierung. In den meisten Fällen derzeit die Elemente <H1>, <H2> und <H3>.
HTML kennt eine Hierarchie der Überschriften
HTML (Hypertext Markup Language) hat die Elemente <H1> bis <H6>, wobei H für Head
und 1 für die höchste Ordnung steht. Diese Reihenfolge wirkt wie die Baumstruktur des allseits bekannten Dateisystems und sollte auch strikt eingehalten werden.
Auf eine Überschrift erster Ordnung muss also entweder
- wiederum ein Element
<H1>folgen – dazwischen kann sich natürlich beliebiger Inhalt befinden – und bedeutetneuer Abschnitt
oder- das Element
<H2>folgen und bedeutetUnterabschnitt
der letzten Überschrift erster Ordnung.
- das Element
Eine Struktur von Überschriften könnte also etwa so aussehen:
- H1
- H2
- H2
- H3
- H2
- H3
- H4
- H4
- H5
- H4
- H3
- H4
- H3
Verwendet nun ein blinder Mensch ein assistives Programm zum Lesen digitaler Dokumente, dann gibt es zumeist die Möglichkeit, sich alle Überschriften eines Dokumentes in einer Liste vorlesen beziehungsweise anzeigen zu lassen. Analog zu der Gewohnheit von sehenden, lange Texte erst einmal runter zu scrollen, um sich einen Überblick zu verschaffen, was da auf einen zukommt
.
Auch als sehender Benutzer entscheiden wir bereits beim Runterscrollen
, ob es Sinn macht, einen langen Text überhaupt zu lesen. Wenn nun nicht einmal Überschriften existieren, haben wir wahrscheinlich oft gleich gesagt, das tue ich mir nicht an
.
Vielleicht können wir uns jetzt leichter vorstellen, wie ungleich schwieriger es für blinde Menschen ist, sich in langen Texten zurecht zu finden.
Selbstverständlich leidet auch die digitale Verarbeitungsqualität darunter, sodass auch zum Beispiel Suchmaschinen durch fehlende, falsch oder durcheinander eingesetzte Überschriftenordnungen Dokumente weniger genau interpretieren können.
Absätze zum Ab-Setzen
Aus unzähligen Untersuchungen (und wohl auch Ihrer vielleicht sehenden Erfahrung) lässt sich feststellen, dass das Lesen am Bildschirm anstrengender ist.
Je erfahrener ein Benutzer, eine Benutzerin ist, umso mehr werden Inhalte mit den Augen zielgerichtet nach Schlüsselwörtern und auffälligen Textpassagen abgescannt
. Gesamter Text wird nur dann linear gelesen, wenn die Wichtigkeit – nach erfolgtem durchscannen
– individuell festgestellt wurde.
Die eindeutige Schlussfolgerung ist, dass Dokumente für das Lesen am Bildschirm in noch mehr Absätze und Gruppen gegliedert werden müssen, als in Druckmedien. Und genau diese Einteilung dient auch digitalen Verarbeitungsmechanismen hervorragend zur Übersicht.
Benutzer eines Screen-Readers können dann bereits am Beginn eines Absatzes (Element <p>) – der beispielsweise weniger interessant für sie ist – gleich zum nächsten Absatz springen. Wenn Sie aber viele Gedanken in einer Wurst
in einen einzigen Absatz verpacken, dann macht es das nicht nur für sehende Benutzer anstrengender, Teile zu überspringen.
Benutzerinnen eines Screen-Readers oder Braille-Ausgaberätes müssen sich Wort für Wort durch solche Textwüsten
durchangeln, um zur nächsten Passage zu kommen, die sie interessieren könnte. Um wie viel leichter ist es da, wenn sie gleich zum nächsten Absatz springen können und dort der nächste Gedanke beginnt.
Ist doch einfach, oder?
Ganz bewusst habe ich dieses grundlegende Thema gewählt. Es verdeutlicht nämlich, dass Barrierefreiheit schon mit solch einfachen Komponenten beginnt und für absolut jeden Menschen und jedes Programm mehr Zugänglichkeit und Bedeutung bringt.
Selbstverständlich hat Accessibility in Webanwendungen noch viele andere und spezielle Facetten. Aber wenn wir mit solch banalen Dingen
HTML-Dokumente konsequent aufbereiten, dann haben wir schon einen bedeutenden Schritt zur Zugänglichkeit getan.
Jeder der hier von
Mehrkosten für ein paar Blindeoderbürokratischem Kramspricht, ist entweder inkompetent, desinteressiert, ignorant oder Opfer einer ego-phlegmatischen Organisation geworden.
Im nächsten Beitrag will ich noch die besondere Bedeutung von Listen in HTML-Dokumenten herausarbeiten und wie eine gesamte Webseite mit diesen einfachen Mitteln verständlich gegliedert werden sollte.
Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Accessibility Blog-Parade 2007.
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Links zum Thema
- Webtest 1×1: Von Überschriften und Headings [Access-for-all-Blog] – Nachtrag vom 28. Oktober 2007
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 28. Oktober 2007 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 15 Oktober 2007, 21:40 MET.
- Artikel:
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- http://hyperkontext.at/s/91
- Thema:
- Webgestaltung
- Stichworte:
- barrierearm, benutzerfreundlich, Blogparaden, HTML, Webstandards
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Dieser Artikel bezieht sich intern auf frühere Einträge:
- Von der Einsicht der Struktur zur Vielfalt der Ansichten (1) vom 11. Oktober 2007
Interne Bezugnahme von neueren Artikeln
- Die Vielfalt von Listen in HTML vom 29. Oktober 2007
- HTML p-Element: Absätze statt Textwurst mit Zeilenumbruch vom 31. Oktober 2009
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