Von digitaler Evolution zur Revolution - 1/2
Freitag, 04 März 2011 19:15 MET
Despoten, Politiker, Narzissten, Plagiatoren
Heute ist schon absehbar, dass westliche Politiker und Manager aus dem Schwitzen nicht herauskommen werden, weil noch viele solcher Länder anstehen, mit denen unsere Unternehmen zwar gewinnbringende Beziehungen pflegen, deren politische Basis mit unserer aber wenig gemein hat, um nicht zu sagen konträr ist. Einige unserer Politiker versuchen sogar noch Kleingeld (für wen auch immer) aus Revolten in anderen Ländern zu schlagen.
Es sind bewegte Zeiten, nicht nur in fernen Ländern.
In einem unserer südlichen Nachbarländer gängelt ein seniler Opa seit Jahren Rechtsstaat und Menschen und krallt sich mir dubiosen Tricks an die Macht.
Die Karriere von unbehandelten Narzissten und Hochstaplern endet mitunter in völligem Realitätsverlust, wie uns manche Psychopathen aus arabischen Ländern – denen bestenfalls eine dicke Krankenakte zustünde – gerade vorführ(t)en. Sie halten ungeniert völlig verwirrte Reden und nehmen ganze Völker unter Androhung von Leib und Leben in Geiselhaft.
Die Guttenbergsche Unschärferelation
Die Physikerin und deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die aus der Heisenbergschen Unschärferelation kurzerhand offenbar eine Guttenbergsche ableitet – hab ihn ja nicht als wissenschaftlichen Assistenten eingestellt
–, blickt mittlerweile auf ein kleines Arsenal an Plagiatoren und Hochstaplern aus ihren Reihen.
Aufgeflogene Parteigänger der letzten Jahre
An etwaige Parteientrolle
- Spart euch Kindergarten-Fingerzeig-Kommentare wie,
die andern machen das ja auch
. Gegen Ende des Textes findet sich sowieso noch einer aus anderer Partei. - Welchen Farbanstrich die Leute haben, ist mir pfeifegal. Die Liste ist einfach das Ergebnis einer einstündigen heuristischen Recherche im Web.
Nach Familiennamen sortiert
- Mario Czaja
-
- »Diplom-Ökonom« einer freien Schweizer Uni. Titel in Deutschland nicht als akademischer Grad anerkannt.
- 2006 aufgeflogen.
- Abgeordnetenhaus von Berlin (CDU).
-
Aufgeflogen 2006 kündigte er danach an, nochmals ein Studium in Deutschland zu beginnen. Das schloss er im Dezember 2010 erfolgreich mit dem Titel Diplom-Betriebswirt (FH) ab. Na immerhin.
Die gesamte Zeit im Abgeordnetenhaus von Berlin für die CDU tätig.
- Karl-Theodor zu Guttenberg
-
- »Doktor« von der Uni Bayreuth wurde 2011 wegen Plagiat aberkannt.
-
Herr K-T zu G kommt an der Stelle wohl ohne weiteren Kommentar aus.
- Dieter Jasper
-
- »Doktor« einer freien Schweizer Uni. Titel in Deutschland nicht als akademischer Grad anerkannt.
- 2010 aufgeflogen.
- Mitglied des deutschen Bundestages (CDU).
-
Erwarb laut Spiegel den »Doktor der Wirtschaftswissenschaften« einer Schweizer Titelmühle. Macht sich allerdings nicht mehr so gut, wenn das nun alle wissen, daher Titel einfach wieder abgelegt, weil er eh nicht gültig war und Basta. Seine Partei störts offenbar nicht.
Hier gibts eine Artikelsammlung zu dem Herrn.
- Andreas Kasper
-
- »Doktor« der Uni Göttingen wurde 2009 wegen Plagiat aberkannt.
- 2010 Strafbefehl.
- Weitere Plagiate in Fachzeitungen.
- Bezieht bis 2016 Bezüge aus abgewähltem Posten.
-
Ihm wurde sein Titel jedenfalls von der Uni Göttingen wieder aberkannt, weil er zu viel von andern abschrieb, ohne diese als Zitat zu kennzeichnen. Zusätzlich ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz. 2010 Strafbefehl zu € 9.000,–.
Daraufhin wurde der CDU-Mann einstimmig als Verbandsvorsteher des Landesverbandes Lippe abgewählt. Zitat:
Aufgrund der Abwahl erhält Kasper bis zum Ende seiner regulären Amtszeit 2016 75% seiner Bezüge in Höhe von 7.200 Euro monatlich.
Geläutert? Von wegen. Vor wenigen Tagen erklärte er, wenn Guttenberg nicht zurücktreten muss, dann macht er sich auch wieder Hoffnung auf ein Amt – Guttenberg II - mit zweierlei Maß (RBB).
- Niels Neu
-
- »Doktor« einer Warschauer Uni.
- 2009 Verdacht auf Titelmissbrauch.
- 2010 Zahlung einer Geldbuße.
-
Führt den Titel jetzt nicht mehr, weil die in Warschau meinten, dass der dort nie promoviert habe. Den Personalausweis hatten sie ihm dann mal weggenommen.
Was solls: Ein Vergleich mit der Staatsanwaltschaft durch Zahlung von 300 Euronen machte es wieder gut. Dem Vorsitz eines Kreisverbandes der Mittelstandsvereinigung der CDU tut das keinen Abbruch.
- Alessandra Venda do Rosario
-
- »Doktor«
- 2004–2009 CDU Altona.
- 2009 Verdacht der Urkundenfälschung.
-
Hat sie ihren Doktor-Titel erschummelt? Staatsanwalt ermittelt gegen CDU-Abgeordnete. Außer diesem Artikel findet sich nichts mehr. Nicht einmal, ob die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu einer Anklage führten.
Etwas irritierend ist auch, dass offenbar nur die Bild-Zeitung und das Hamburger Abendblatt ein Mal darüber berichteten. Hier fehlt also der seriöse Gegencheck. Bezirksabgeordnete der CDU Hamburg-Altona ist die Frau jedenfalls nicht mehr.
- Kai Schürholt
-
- Nannte sich »Doktor theol.«.
- 2007 aufgeflogen, anschließend Parteiaustritt.
-
Der Mann weckte denn dann doch noch den Reflex des Anstandes in seiner Partei. Der hat nämlich neben seinem Titel auch noch andere Sachen erfunden: Polit-Hochstapler - Als Herr Schürholt einen Tumor erfand.
Kam einem drohenden Parteiausschluss aus der CDU durch Parteiaustritt zuvor. Wurde zu € 4.500,– Geldstrafe verurteilt.
Fragen an die Wissenschaft
- Wie kann es sein, dass erst engagierte Bürger innert weniger Tage öffentlich eine Dissertation zerlegen müssen und Plagiatsvorwürfe eindrucksvoll und zusätzlich quantitativ untermauern, bevor sich die universitären Protagonisten offiziell vor den Vorhang trauen um diese Ergebnisse quasi zu bestätigen?
- Was liegt da noch im Argen, wenn die vorgesehenen Institutionen wissenschaftliche Arbeiten nicht ausreichend prüfen (können)?
- Was wird aktiv für wissenschaftliche Redlichkeit getan?
- Wieviele solcher Blender laufen denn da geschätzt noch so rum?
In der Beziehung leistet die Presse immerhin schon seit Jahren gute Arbeit:
- 2010-11-04: Bestechung bei Doktortiteln: Geldauflagen und Strafbefehle gegen 44 Professoren [Spiegel]
- 2009-10-16: Russische Titelhändler Harvard-Abschluss aus der Fälscherwerkstatt [Spiegel]
- 2010-08-18: Wissenschaftsplagiate: Keine Angst vor der Hochstapelei [Zeit] –
Die Empörung ist regelmäßig groß, wenn ein Hochschullehrer als Textdieb auffliegt. Eine handfeste Strafe braucht der Täter trotzdem nicht zu befürchten.
- 2010-04-13: Wenn der Professor abschreibt [Zeit] – mit Hinweis auf das Buch Vom Versagen eines Systems.
- 2009-09-02: Doktorspiele: Der Promotionsberater, ein scheuer Geselle [Spiegel]
- 2009-08-23: Verkaufte Doktorandenstellen: Razzia bei Professoren [Manager Magazin]
- 2009-06-19: Verurteilter Schädelforscher: Der Professor, an dem nichts stimmt [Spiegel]
- 2008-04-02: Handel mit Doktortiteln: Drei Jahre Haft für bestechlichen Jura-Professor [Spiegel]
Nun kommt das Internet ins Spiel: Viele Menschen sind aktiv im Netz und werden für weitere Recherchen und den anschließenden Druck zu Veränderungen sorgen. Da wird wohl noch die ein oder andere Fassade vielleicht in sich zusammenbrechen.
Der kafkaeske Aspekt
Der gesellschaftlich kafkaeske Aspekt sei zwar nebenbei erwähnt, aber wohl die Basis dieser Malversationen.
Als Beispiel sei hier Verdacht der Hochstapelei von einem Herrn mit anderem politischen Farbanstrich präsentiert, der gleichzeitig schön die Verfilzungen bis ins kriminelle Milieu zeigt.
Germans are fixated on earning titles [The Local] – Was? Ich erlaube mir als Österreicher einen Nachsatz dazu:
Nicht nur, dass es in Österreich viel mehr Titel gibt auf die der gemeine Ösi fixiert ist. Zusätzlich leiden viele noch an titeleuphemistischer Echolalie, die streckenweise in absurde Dialoge abgleitet. Das absurdeste daran ist allerdings mitnichten die Absurdität, sondern der stoische Gleichmut mit dem hier das Absurde gelebt wird.
Postdemokratie und Internet
Das Internet ist Katalysator für demokratiepolitische Entwicklungen.
Wenn Menschen in fernen Ländern demokratische Grundrechte mit ihrem Leben einfordern müssen und gleichzeitig in unseren Breiten Rechtsbrüche von selbstverliebten Egomanen, die sich eines politischen Mandates bedienen, bagatellisiert werden, dann müssen wir Fragen stellen.
Trotz Sonntagsreden im hippen Videostream auf Websites von Ministerien und Parteien, lässt der gemeine Polit-Zombie wohl immer noch das Internet von anderen bedienen
, wie Onkel Glos das einmal herzig im Brustton seiner Überzeugung ausdrückte.
Die Entwicklung kann gefährlich werden. Die Zivilgesellschaft ist gefragt.
Es finden sich zwar verzeinzelt immer öfter Entscheidungsträger die das Internet in seinen Ausprägungen zunehmend als gesellschaftlichen Transformationsprozess begreifen und danach handeln, aber ich gewinne – nicht unerwartet – den Eindruck, dass ein großer Teil unserer sogenannten Eliten die Zusammenhänge nicht einmal versucht zu begreifen.
Fragen werden heute im Social-Web gestellt, analysiert und immer öfter auch Antworten (ohne politische Institutionen) gefunden. Mitunter werden damit Enwicklungen in einer derartigen Geschwindigkeit angestoßen, die Digitalabstinente völlig überrumpeln.
Deswegen habe ich mir mal Gedanken gemacht, welche Bedeutung das Social-Web für die Weiterentwicklung unserer Postdemokratie hat und zukünftig haben könnte.
» Teil 2/2: Lunten liegen überall herum - Die Chance der digitalen Evolution
- Abschnitt 1 von 1
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- Datum:
- veröffentlicht am 04 März 2011, 19:15 MET.
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- Kommunikation
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