Social-Media ist Zuhören vor dem Reden

Dienstag, 24 Mai 2011 21:58 MET

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Als Schulmädchen verkleidete Frau, welche eine Hand als Zeichen des Zuhörens zum Ohr hält
Social-Media ist Zuhören vor dem Reden [hyperkontext | Weblog]
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Wer sind Österreichs Social-Media-Blogger, fragen Alexander Stocker und Stephan Wiesenhofer.

Wenn ich die heutigen Möglichkeiten der Teilnahme in Betracht ziehe, dann rede ich lieber von Social-Web, weil es durch die rasend schnellen Entwicklungen der letzten Jahre sich immer mehr zum sozialen – im eigentlichen Wortsinn – Web entwickelt und Brechts Radiotheorie in wenigen Jahren zur Wirklichkeit wurde.

Obwohl ich mich also mit dem Präfix Social-Media nicht wohl fühle, beantworte ich nachfolgend die Fragen der Blogparade: Wie bin ich zu Social Media gekommen? Was mache ich mit Social Media? Warum bin ich von Social Media begeistert?

Blogger im Social-Web

Von Alexander Stocker und Stephan Wiesenhofer wurde die Frage gestellt, wer Österreichs Social-Media Blogger sind. Ich fühle mich da normalerweise nicht wirklich angesprochen, weil das Buzzword Social-Media bei mir mittlerweile eher einen Abwehrreflex auslöst.

Da mich aber Alexander via Twitter auch direkt ansprach, hat er mich damit etwas in die Pflicht genommen, zumindest darüber nachzudenken. Ich mache das hiermit als Beitrag zur Blogparade.

Erstmal meine kritischen Gedanken zu »Österreichs Social-Media-Bloggern«:

  • Was das Präfix Social-Media bedeuten soll, will mir nicht recht einleuchten. Sozial ist das ursprüngliche Konzept eines Blogs bereits in evolutionärem Sinne und das Web ist das Web, das Medium.
  • Die zusätzliche Eigenschaft Österreich ist eine politisch regionale Einteilung, die in diesem Kontext nicht viel bringt. Deutschsprachig wäre für mich eine logischere Zuordnung.

Obwohl ich mich also mit dem Präfix Social-Media vor der Bezeichnung Blogger nicht wohl fühle, beantworte ich nachfolgend die Fragen von Alexander und Stephan:

  1. Wie bin ich zu Social Media gekommen?

    Ich entdeckte vor knapp 20 Jahren Compuserve, damals das weltweite Netzwerk, lange bevor es das Web gab. Da gab es zwar schon das Internet, aber noch kaum das Web. 1994 wurde ein sogenannter Gateway ins Internet eingerichtet, wo das Versenden zu einer E-Mail-Adresse außerhalb des Compuserve-Netzwerkes ein paar Cent kostete und die Anzahl der Websites hätte vermutlich in eine längere Liste gepasst. Ich muss lachen, da existierten später sogar gedruckte Bücher zu Webadressen.

    Natürlich waren die Einstiegsbarrieren wesentlich höher und die partizipativen Möglichkeiten äußerst beschränkt, sodass das Web damals – im Gegensatz zu den verbreiteten Mailinglisten und Forensystemen – eher dem gewohnten Sender-Empfänger Modell entsprach.

    Erste Schritte zum Social-Web waren sicherlich die Foren auf Webbasis, die nun via Browser zugänglich wurden.

    So ab 1999 faszinierte mich die Entwicklung sosehr, dass ich mich zusätzlich aktiv mit Technik und Gestaltung von Websites zu beschäftigen begann.

    Wenn ich die heutigen Möglichkeiten der Teilnahme in Betracht ziehe, dann rede ich lieber von Social-Web, weil es durch die rasend schnellen Entwicklungen der letzten Jahre sich immer mehr zum sozialen – im eigentlichen Wortsinn – Web entwickelt und Brechts Radiotheorie in wenigen Jahren zur Wirklichkeit wurde.

    Das Wort Medien wird sich vermutlich auch langsam auflösen beziehungsweise erweiterte Bedeutung und anderes sprachliches Verständnis erlangen. Sehr entgegen kommt mir in dem Zusammenhang der Begriff Web-Literacy, auf den auch Heinz Wittenbrink in seinem Beitrag zur Blogparade aufmerksam macht.

  2. Was mache ich mit Social Media?

    Im Social-Web tue ich das, wofür ich schon immer das Web verwendete: Nachschlagen, informieren, manchmal reden (schreiben), viel zuhören (lesen), daraus lernen und gestalten. Nur die Einstiegsbarrieren zum Reden und Zuhören sind in den letzten Jahren niedriger geworden und immer mehr Menschen verwenden das Web zur Kommunikation. Deswegen wird es halt jetzt sozial genannt.

    Social-Web ist zuerst Zuhören und dann wissen, wo ich sende und wie ich rede.

    Das mit dem Zuhören ist allerdings der Knackpunkt mit dem viele nicht klar kommen. Das ist schon Offline so und im Social-Web noch mehr.

    Vor allem in Unternehmen und Organisationen stehen hierarchische Strukturen und despotische Verhältnisse dem Social-Web-Gedanken im Weg. Womit wir beim Modebegriff Enterprise 2.0 wären und auch dem Intranet beziehungsweise Intraweb oder Social-Intraweb, wie ich es gerne nenne, mit dem ich mich auch beschäftige.

    Das Social im Web ist mittlerweile in so vielen Lebenslagen präsent, dass so gesehen jeder ein Gestalter desselben ist, nur in verschiedener Funktion und unterschiedlichen Auswirkungen. Auch das haben augenscheinlich viele noch nicht begriffen.

    Ich bin daher mit negativer Kritik an neuen Social-Web-Werkzeugen, die ich noch nicht selbst ausprobierte, sehr zurückhaltend.

    Ich persönlich verwende die Werkzeuge, die jeweils meinen Bedürfnissen nahe kommen. Allerdings lernte ich im Social-Web sehr drastisch, Dinge erst auszuprobieren, um sie erst dann zu beurteilen. Es ergeben sich manchmal Querverbindungen und Einflüsse, die du bei theoretischer Abwägung vorher kaum verstehst.

    Und das führt zur nächsten Frage der Blogparade:

  3. Warum bin ich von Social Media begeistert?

    Begeistert bin ich mehr davon, dass die Vorstellungen vom Internet im Ganzen, die ich vor zehn oder zwölf Jahren hatte, sich genau in diese Richtung entwickeln. Weniger begeistern mich daher Leute die glauben, Social-Media sei eine neue Erscheinungsform der Werbung, uns mit tumber Propaganda bombardieren und im Sender-Empfänger-Modell verharren.

    Wie schon geschrieben: Zuhören ist der Knackpunkt!

    Von Kommunikationsformen in Unternehmen und Verwaltungen bis zur Organisation von Märkten und Politik, überall spielt das Web eine immer zentralere Rolle. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, soziale Verhaltensformen zu zeigen, die bisher nur in kleinen Gruppen möglich waren – und schon fällt mir wieder das Zuhören ein.

    Gleichzeitig macht es mir etwas Angst, weil gerade Umbrüche beginnen, die ich in den letzten Jahren ahnte und die Wirklichkeit das Ende meiner Befürchtungen noch lange nicht erreicht. Befürchtung deswegen, weil ich beobachte mit welcher Macht und ignoranter Sturheit sich viele der älteren Generation – auch der sogenannten 68er – dagegen stemmen. Die interne Kommunikation in Organisationen ist hierzu ein besonders ergiebiges Forschungsfeld!

    Ein wichtiges Instrument junger Menschen ist das Web, das Social-Web.

    Viele in meiner Altersklasse (50+) lachen über dieses Internet, äußern sich oft abfällig und arrogant und ignorieren die Entwicklungen, weil sie es nicht verstehen wollen aber gleichzeitig für geschäftliche Interessen nutzen lassen. Bis hin zu Zensuranstrengungen. Das macht mich traurig und manchmal sehr zornig.

    Angst sollten wir nicht vor dem Internet und Social-Media haben, sondern vor der Generation, die den herrschenden Zeitgeist zu verantworten hat und die Errungenschaften europäischer Aufklärung und Sozialgeschichte gerade noch am Touristik- und Buchmarkt verkauft. Dass ich altersmäßig zu dieser Generation gehöre, darf bestenfalls theoretisch meinen Eltern angelastet werden.

    Ich glaube aber, die Mehrzahl junger Menschen hat begriffen, dass solche Leute nicht weiter das Rad drehen dürfen und ist gerade dabei die Zukunft in die Hand zu nehmen. Das Social-Web ist entscheidendes Instrument in diesem Kampf und wesentlicher Bestandteil unserer Zukunft. Das macht mir Hoffnung im Zorn.

    Social-Media mag ein Modebegriff sein. Internet und Web ermöglichen uns jedenfalls den Schritt in ein soziales Gefüge großer Gruppen, das vorher so nicht möglich war und jeden Lebens- und Arbeitsbereich erfassen wird. Im Guten, wie im Schlechten. Stay tuned!

Abschnitt 1 von 1

Startbeiträge zur Blogparade:

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Datum:
veröffentlicht am 24 Mai 2011, 21:58 MET.
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