September 2008 im Kontext
Montag, 06 Oktober 2008 09:25 MET
Das (a)soziale Digitalien
Die Gemeinschaft, die mit dem Wort sozial
ausgedrückt wird, definiert sich im sogenannten Social-Web offenbar zunehmend über den expliziten Ausschluss von Menschen (und Programmen). Diese Interpretation manifestiert sich in Entwicklungen, über die ich im Monat August auch selbst geschrieben habe: Javascript - der Spaß hat Grenzen.
Im SELFHTML-Weblog wurde die Verwendung von Javascript im September auch thematisiert:
- Sieben Thesen zum gegenwärtigen JavaScript-Gebrauch;
- und auch gleich zur Tat geschritten: Fader-Framework - kleiner Lehrgang zum vernünftigen Schreiben eines JavaScripts.
Im Vereinigten Königreich gab es das zweitägige Event Scripting Enabled, über das Laura Whitehead einen ausführlichen Blog-Beitrag mit vielen interessanten Verweisen schrieb: Breaking down the barriers between disabled users and the social web - Scripting Enabled.
Barrieren verstehen
Digitale Knechte, die Webseiten auf Richtlinien und gesetzliche Vorgaben prüfen, sind nur dann hilfreich, wenn wir Sinn und Grundlagen verstanden haben. Leona Tomlinson hilft uns dabei auf Digital-Web mit einem Beitrag: Understanding Disabilities when Designing a Website.
Auch die Arbeit von Maria Putzhuber besteht oft darin, Leuten den Sinn von barrierearmen Websites zu erklären:
Dabei sind es gar nicht Stümper, die ich beraten darf, sondern oft hochbegabte Profis, die nur vor lauter Cleverness anscheinend die Webgrundschule übersprungen haben. Maria Putzhuber, Accessibility Consulting Alltag
Bruce Lawson beschäftigt sich im September 2008 auf thinkvitamin.com detailliert mit den Hürden, Redakteurinnen von CMS (Content-Management-Systems) vernünftige Schreibe mit HTML (HyperText Markup Language) leicht zu machen: Accessibility In Suit And Tie.
Einer seiner Vorschläge ist übrigens, Textauszeichnung unter Umständen direkt mit HTML-Elementen zu versuchen – natürlich mit entsprechender Schulung und reduziertem Sprachumfang. Bei Gerrit drüben gibts da auch gerade eine Diskussion: WYSIWYG in CMS – gut oder schlecht?
Watchlist für Ignoranten
- Alle die gesetzliche Vorgaben zu erfüllen haben und
- die mehrere Male schriftlich darauf hingewiesen wurden und den Dialog verweigern
und deren Websites noch immer nicht zugänglich sind, könnten sich bald auch auf einer öffentlich einsehbaren schwarzen Liste finden: Meldestelle für Unternehmen, die Hinweise auf Webbarrieren ignorieren [Kobinet-Nachrichten].
Webstandards 2008 – Drei Teufelskreise
- Akademisch und wissenschaftlich.
- Revolutionäre und störende unabhängige Arbeitsgruppen.
- Eigeninteressen und Profitgier mit proprietären Technologien.
Molly Holzschlag beschreibt in einem längeren Artikel auf A List Apart diese drei Punkte zur Arbeitsweise, Durchsetzung und Anerkennung: Web Standards 2008: Three Circles of Hell (mit vielen Kommentaren).
Mein vierter Punkt: Hirntote Organisationen
Manchmal ist es nicht nur Eigeninteresse und Profitgier, welche die Arbeit in übergreifenden Arbeitsgruppen erschwert; oft ist es schlicht Dummheit einer Organisation.
Die Schildbürger grüßen Microsoft.
Ich bringe daher noch eine vierte Dimension ein: Hirntote Organisationen – siehe älteren Beitrag von mir zur möglichen Ursache: A-Virus ist nicht Web2.0 kompatibel.
Während alle Welt die zweite Beta des IE8 unter die Lupe nimmt und als endlich standardkonformen Browser beschreibt, betätigen sich andere Abteilungen in dem Unternehmen als Leichenschänder: Der neueste Browser für Windows Mobile benutzt die IE6-Engine [Peter Kröner].
Kommunikation digitaler Räume
Benutzerfreundlich beziehungsweise Usability ist so eine Sache. Es steht im engen Zusammenhang mit Erfahrung und äußeren Einflüssen.
- Menschen, die etwas permanent benutzen, gebrauchen einen Gegenstand unter Umständen vollkommen anders, als solche Leute, die zum ersten Mal mit der Benutzung konfrontiert sind.
- Durch Bedingungen körperlicher Natur oder äußerer Einflüsse, aber auch Bildung und Erfahrungen – die mit dem Gegenstand ursächlich nicht in Verbindung stehen müssen –, entstehen unterschiedliche Arten der Benutzung.
Einige Blogs befassten sich im September 2008 mit Webgestaltung und Usability. Nicht überraschend ist, dass die Studien und all die Beiträge und Kommentare offenbar nur von normal sehenden Benutzerinnen ausgehen, ausgestattet mit Maus und großem Desktop-Bildschirm.
Wenn ein Mensch aus dem Gebrauch eines Gegenstandes (Website) keinen Nutzen ziehen kann, ist auch die Verpackung für ihn wertlos.
- What You Need to Know About Improving the User Experience [Smiley Cat] – interpretiert eine kürzliche Studie.
- Bezieht sich auf die selbe Studie: Online-Studie zur Nutzererfahrung [Dr. Web]
- Inhalte sind für die User wichtiger als Usability und Ästhetik [text-gold.de] – verweist auf ein PDF der Universität Münster:
Inhalt, Usability und Ästhetik in der Bewertung durch Webnutzer
. - User experience: Sehen Internetnutzer Webseiten so, wie es sich Webdesigner gedacht haben? [blog.biedenkapp.it] – Interpretiert ein Video, in dem Passantinnen Merkmale ihrer Lieblings-Website mit Worten beschreiben.
Die Einbeziehung der Dimension durch Benutzung mit assistiven Ausgabegeräten oder von Menschen mit eingeschränktem Sehfeld oder anderen Beeinträchtigungen, würde die aufgezeigten Diskrepanzen wahrscheinlich noch wesentlich vergrößern. Ich kann es nur immer wiederholen:
Im Gegensatz zu Druckwerken definiert sich Gestaltung und Gebrauchstauglichkeit digitaler Räume nicht ausschließlich über visuelle Ästhetik und Benutzbarkeit!
HTML-Element label
Viele Erkenntnisse müssen wir im Kontext sehen.
Auf maratz.com wurden einige erhellende Erkenntnisse zum label-Element publiziert: Label element secret powers.
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Unter anderem, dass mehrere form-labels mit dem Attribut
for
auf das selbe Eingabefeld verweisen können.Verschiedene Screen-Reader und andere Ausgaberäte interpretieren diese fantastische Möglichkeit allerdings äußerst unterschiedlich. Hierzu ein paar Einsichten von Roger Johannsson: Multiple form labels and screen readers.
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Und auch das Einbetten eines
inputin einlabel-Element bedarf genauerer Prüfung in der Praxis. Mike Cherim hat darüber bereits vor längerer Zeit geschrieben: Inaccessible Label-Wrapped Form Inputs.
Open-Source verändert Content-Management
Grob geschätzt, gibt es rund eintausend CMS (Content Management Systems), die öffentlich angeboten werden – habe ich irgendwann, irgendwo gelesen.
CMIS
(Content Management Interoperability Services)
Die Strategie der großen kommerziellen Anbieter ist (war?) natürlich, mit einem teuren proprietären System der Klientel die virtuellen Fessel anzulegen. Einen Wechsel so schwer und teuer als nur irgendwie möglich zu machen. Mit dieser Fessel-Strategie
geraten die kommerziellen Anbieter aber gegenüber der zunehmend ernsthaften Konkurrenz von Open-Source CMS ins Hintertreffen.
So haben am 10. September 2008 die Unternehmen EMC, IBM und Microsoft den CMIS-Standard vorgestellt, der auch die Unternehmen Alfresco, OpenText, Oracle und SAP einbezieht – soweit ich diese Geschichte jetzt richtig auf die Reihe gebracht habe.
CMIS defines a model or framework ensuring that content can be used by one or more Enterprise Content Management repositories or systems. Intranet Blog, Buying or moving to a new CMS? Be very careful…
Da bin ich ja mal auf die weitere Entwicklung gespannt. Für die Interessierten ein paar tiefere Verweise:
- CMIS Specification v0.5 (full) [EMC Developer Network]
- Alfresco ermöglicht Entwicklern ersten Einblick in CMIS [jdk.de]
- Alfresco releases first CMIS implementation [John Newton]
- CMIS and Atom/AtomPub [Cornelia Davis’ Weblog]
- Interoperability, SharePoint and the Future of ECM [c3associates]
Einen Test wert: OpenGoo
Ein neues Werkzeug für Online-Zusammenarbeit wird von Martin Sauter im Blog Open-Mind beschrieben; Ganz konkret ist
: OpenGoo: Eine vielversprechende Online Collaboration Platform. OpenGoo
eine Web-Applikation, die auf PHP und MySQL basiert und verschiedene Informationsobjekte verwaltet
Und dann ist da noch Google Chrome
Für alle die es noch nicht mitbekommen haben: Google hat im September 2008 einen eigenen Browser veröffentlicht. Und die halbe Welt hat natürlich darüber geschrieben und spekuliert.
Vier ausgewählte Beiträge zu diesem Thema in zeitlicher Reihenfolge, die ich mit Interesse gelesen habe und empfehle:
- Google Chrome - die Frechheit aller Browser [dobszay.ch]
- Google Chrome [Jens Meiert] – Jens ist Mitarbeiter von Google.
- Google Chrome Der Anfang von etwas Großem [netzwertig.com]
- Google Chrome ist ein Betriebssystem, kein Browser [helge.at]
- Abschnitt 1 von 1
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 4. Oktober 2008 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 06 Oktober 2008, 09:25 MET.
- Artikel:
- September 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
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