Satire: Abwrackprämie für Internet Explorer 6

Freitag, 27 Februar 2009 17:01 MET

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Kommunikation  
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Satire: Abwrackprämie für Internet Explorer 6 [hyperkontext | Weblog]
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Abwrackprämien sind derzeit eine populäre Bauernfängerei, um das Publikum vom Trauerspiel der Vereinigten Weltwirtschaftsbühnen zu den volkstümlich inszenierten Ausflugsfahrten zu locken.

Mit den jahrelangen chronischen Beschwerden von Webgestaltern und dem jüngsten Aufstand norwegischer Mediengestalter, Benutzer des IE6 eindringlich zum Umstieg aufzufordern, würde eine Abwrackprämie für veraltete Browser der Nachhaltigkeit dienen.

In diesem Sinne ist auch der folgende satirische Text geschrieben.

Prämie für das Abwracken veralteter Browser

Eine Gruppe engagierter Webgestalter, vorwiegend aus Europa, forderte heute in einer Video-Presskonferenz und einer Presseaussendung eine Abwrackprämie für veraltete Browser, insbesondere den Internet Explorer 6.

Da diese Programme meist kostenlos verbreitet werden, soll diese Abwrackprämie über den Umweg von Entwicklern und Online-Shops auf Endkunden wirken. Veraltete Programme zur Anzeige von Internet-Inhalten stellen zusätzlich ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Benutzer dar, so die Presseaussendung.

Weiters werden Hersteller – und auch die Open-Source-Gemeinde – unmissverständlich aufgefordert, die aktive Verbreitung veralteter Anzeigeprogramme für das World Wide Web zu unterlassen.

Die Frage eines Journalisten nach Beispielen wurde konkret mit zwei Punkten beantwortet:

  1. Der IE7 und der IE8 sind nur ab XP-Systemen mit Service-Pack-2 (SP2) installierbar. Währenddessen unzählige Unternehmen mit Windows2000 arbeiten und die Standardinstallation von XP natürlich auch nur IE6 installiert.
  2. Der IE6 wird seit kurzem mit der neuesten Generation mobiler Telefone ausgeliefert. Diese Vorgangsweise wird auch von unabhängigen Experten bestätigt (IE 6 mobile standards compliance tests), entgegen den Beteuerungen des Produzenten, diese mobile Version des Internet Explorer 6 an moderne Erfordernisse angepasst zu haben.

Die Ergänzung von Max Mustermann, dem Sprecher der Gruppe, löste Erheiterung aus: Titus Maccius Plautus hätte zu solch einer Firmenpolitik wohl gesagt, Nomen atque omen – Name und zugleich auch Vorbedeutung. [aus Persa (Zeile 625)].

Die Eckpunkte der Forderung:

Der Zeitraum der folgenden Maßnahmen sollte vorerst bis 31.12.2011 begrenzt sein. An Details zum genauen Prozedere wird noch gearbeitet.

  1. Agenturen, Webentwickler und -gestalter werden aufgefordert, bei neuen Projekten einen ausgewiesenen Preisabschlag von 20 Prozent zu gewähren, wenn nachweisbar keine spezifischen Maßnahmen für veraltete Anzeige-Programme eingesetzt werden (CSS-Hacks), deren letztes Update vom Hersteller mehr als fünf Jahre zurückliegt.

    Die Hälfte dieses ausgewiesenen Preisabschlages sollte anschließend steuerlich absetzbar sein.

  2. Online-Shops können einen Verschrottungsrabatt von 2% gewähren, wenn der Kaufabschluss mit einem Browser durchgeführt wurde, dessen letztes Update vom Hersteller nicht mehr als fünf Jahre zurückliegt. Hierzu wird ein zentraler Server als Clearing eingerichtet, der die entsprechende Überprüfung beim Kaufvorgang durchführt.

    Die Summe der gewährten Rabatte an den Endkunden wird pro Quartal an den jeweiligen E-Commerce-Betreiber vom Staat bezahlt.

Mit den geforderten Maßnahmen sollen sich somit auch Staaten an der überlebenswichtigen Grundlage für das qualitative Wachstum der immer wichtiger werdenden digitalen Ökonomie beteiligen.

Bisherige Reaktionen

  • Innenminister fordern Bürger-Browser:

    Die Innenminister einiger Länder lehnen diese weiche Prämie ab und fordern gleich die generelle Sperrung von Internetzugängen für veraltete Programme. Gleichzeitig plädieren sie für einen einheitlichen Bürger-Browser, da die Anpassung staatlicher Trojaner an verschiedene Umgebungen einen nicht unerheblichen Aufwand verursacht.

  • Gewerkschaft will Recht auf Arbeit ohne IE6:

    Gewerkschafter sehen die Maßnahme als indirekte Subvention für Wirtschaftstreibende und würden in einem einklagbaren Recht für Dienstnehmer zur Verwendung zeitgemäßer Software am Arbeitsplatz mehr Sinn sehen. Hierzu wurde bereits vor einigen Monaten die Initiative Recht auf Arbeit ohne IE6 ins Leben gerufen.

  • Wirtschaftstreibende zur Freiheit des Marktes:

    Wirtschaftstreibende kritisieren den überhöhten Verwaltungsaufwand und den Angriff auf die Freiheit des Marktes. Letztendlich müssen die Kunden bestimmen, welchen Browser sie verwenden.

  • Daten- und Konsumentenschützer:

    Datenschützer orten Probleme mit der vorgeschlagenen Clearing-Stelle, während Konsumentenschützer damit einen wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit und Qualität im Web sehen.

  • Mediengestalter:

    Web- und Mediengestalter begrüßen die Vorschläge, einzelne fordern jedoch gleich die Ausweitung auf die gesamte Familie der Internet Explorer. Vereinzelt sind auch Unsicherheiten aus diesen Kreisen zu verspüren, die Grund und Sinn der Sache noch suchen.

  • Medienvertreter und Werber in Fäkalsprache:

    Der Programmdirektor einer öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt eines kleinen europäischen Landes kommentiert den medialen Vorstoss dieser Initiative gleich aus gesamtheitlicher Sicht mit den Worten Sch[piep] Internet. Ein Kollege aus der Werbebranche ergänzt auf dieser Linie und versteht diese Abkackprämie zum Betrachten beschmierter virtueller Klowände nicht.

  • Grüne Patina will IE6 auf Sondermüll:

    Einige ältere Grün-Politiker begrüßen zwar die Intention, kritisieren aber scharf die sinnlose bürokratische Handhabe. Sie weisen auf die seit vielen Jahren bewährten Deponien für Sondermüll hin. Es ist nicht einzusehen, warum die abzuwrackenden Brauser nicht einfach gegen eine Barprämie dort abgegeben werden sollen, heißt es in einer Presseaussendung.

    Nachfragen der Redaktion bei der entprechenden Fraktion erübrigten sich abrupt mit den Worten einer großväterlichen Stimme am Telefon: Brauser? Startseite? Kenn ich nicht.

  • Rechtsaußen wollen keinen Zugriff für Ausländer:

    Europa kann nicht zum Tummelplatz für veraltete Weichware werden, so eine gemeinsame Aussendung rechtsgerichteter Fraktionen des Europaparlamentes. Um einen IE6-Tourismus zu verhindern, wird eine generelle Internet-Sperre für Ausländer gefordert, die mit veralteten Programmen auf europäische Server zugreifen wollen.

Abseits von offiziellen Stellungnahmen zeigt die Nachfrage bei einzelnen Politikern, Managern und Interessensvertretern sehr indifferente Reaktionen:

  • Die überwiegende Mehrheit meint, ihre Sekretärin hätte sich noch nie beschwert und bis jetzt immer alle verlangten Informationen in die Infomappe eingeordnet.
  • Andere sagen wiederum, dass sie öfter das Problem mit abgeschnittenen Texten beim Ausdruck haben. Deswegen würden sie eher eine Initiative für moderne und breitere Drucker befürworten.
  • Ein Politiker eines großen europäischen Landes sieht hingegen in einer einstweiligen Sperrung der Wikipedia die besten Chancen, die Existenz und unrühmliche Geschichte des IE6 aus dem Gedächtnis der Menschen streichen zu lassen.
  • Eine Managerin meinte, dass sie kein Problem beim Brausen hätte [auf die Marke schaue sie nicht], sich aber regelmäßig über undichte Duschkabinen ärgere.
  • Eine politische Amtsträgerin amüsierte sich hörbar und rief: Kinder, Kinder, was sind denn jetzt nochmal Browser?
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Hinweise:

  1. Der vorangegangene Text ist Satire!

  2. Texte, Bildmaterial und Namen auf den verwiesenen Seiten stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit diesem Beitrag. Auffällige Ähnlichkeiten sind aber nicht ausgeschlossen.


Quellenverweise, welche die Inspiration zu dieser Satire boten

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 27. Februar 2009 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 27 Februar 2009, 17:01 MET.
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