Rezension: Webdesign mit Webstandards
Montag, 14 Mai 2007 07:12 MET
Ein Buch für alle, die das Warum
verstehen wollen
Menschen aus der Werbe-, PR-Branche, IT und Kommunikationsabteilungen. Grafiker aus dem Druckgewerbe, die bis jetzt das Web nur als verlängerten Arm ihrer Tätigkeit gesehen haben. Websitebetreiber, die Zusammenhänge wissen sollten und sich nicht jeden Mist aufschwatzen lassen wollen. Und natürlich auch Webgestalter, die noch immer Gestaltungsmethoden aus dem vorigen Jahrhundert anwenden:
All diejenigen, denen bis jetzt Hintergrundwissen und Verständnis für moderne Webgestaltung fehlt, die beruflich damit in Berührung kommen und nicht schon die erste Auflage gelesen haben, sei dieser
Klassikerwärmstens ans Herz gelegt.
Hier wird schlüssig und verständlich erklärt, dass die Einhaltung von Webstandards einen ungemeinen Innovationsschub bedeutet. Warum althergebrachte Methoden und Konzepte nur Geldvernichter sind und viele Dinge, die das heutige Internet ausmachen, mit rückwärtsgerichteter Technologie und Kenntnis nicht realisiert werden können.
Für jeden etwas dabei
Dass eigentlich für jeden etwas dabei ist, kann als Vorteil und Nachteil gesehen werden. Für meinen Geschmack war das Buch schon in der ersten Auflage zu vielfältig, da eigentlich jeder der mit dem Medium zu tun hat, wertvollen Nutzen daraus ziehen kann.
-
Webgestalter
Teil II wendet sich im Wesentlichen an Webgestalter, die auch tatsächlich Websites erstellen. Ein umfangreiches Kapitel davon widmet sich auch Beispielen und der konkreten Umsetzung von Navigationsleisten mit CSS. -
IT-Leute
Ein Kapitel widmet sich speziell dem Verständnis von diversen Produkten und Script-Technologien (FLASH, DOM-Scripting, etc.) im Zusammenspiel mit XHTML, Webstandards und Barrierefreiheit. -
Entscheider und Kunden
Teil I, Kapitel 4 widmet der Autor vor allem Chefs, Kunden, Leiter von IT-Abteilungen und anderen Entscheidern, um allgemeine Hintergründe und zukünftige Anforderungen des Mediums zu verstehen.
Kein Buch für die, die die Zukunft schon verstanden haben
Webgestalter, die schon seit längerer Zeit modernes Markup verwenden und denen Webstandards und Barrierefreiheit keine Fremdwörter sind, werden
- das Buch schon kennen und / oder
- wahrscheinlich mit Literatur, die sich einem bestimmten Problem widmet besser bedient sein.
Auch Progammierer, welche die Zusammenhänge schon verstanden haben und in ihrer täglichen Praxis diese Kenntnis einsetzen, suchen eher nach speziellen Problemlösungen.
Aber lassen wir den Autor selbst sprechen:
Gewappnet mit diesem Buch sind Designer und Programmierer in der Lage, ihre aktuellen Arbeitsmethoden anzupassen, um in vielen Browsern und Geräten benutzbare Websites zu kreieren anstatt nur in einer Handvoll. Überdies können sie die fortwährende Veralterung vermeiden, die sich aus proprietärem Markup und proprietären Programmiertechniken ergibt. Seite 14
Praxis, nicht Theorie
Ein wichtiger Aspekt dieses Werkes ist die leichte, geradezu spielerische Art, wie Zeldman diese komplexen Zusammenhänge erläutert.
Niemand, der dieses Buch liest, kann es sich leisten, die heutigen Websites mit den unsystematischen Methoden von gestern zu erstellen.
Seite 14
Im Plauderton und einer dosierten Brise von Humor schafft er es davon zu überzeugen, dass es hier nicht um trockene Theorie, sondern um die tägliche Praxis und die Zukunft eines Mediums geht, mit dem wir alle jeden Tag leben. Als Entwickler, Kunde, Unternehmer, Mediengestalter.
Nicht nur reden, sondern handeln
Dass viele immer nur reden und selten etwas in die Tat umsetzen, ist ja ein weitverbreitetes Phänomen. Dies ist vor allem auch in Behörden und Ämtern verbreitet und dürfte in den USA wohl ähnlich sein, wenn Zeldman schreibt:
Jemand aus unserem Komitee schaut sich das gerade an. Zu dem Thema soll es früher oder später eine Vorlage geben.Ein Senior-Projektmanager einer Behörde der US-Regierung teilte mir diese Erkenntnis mit, nachdemSection 508 schon seit einem Jahr USA-weit rechtskräftig war. Jeffrey Zeldman, Seite 367
Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht Sie, wer sonst?
Seite 8
Lieber heute als morgen
Zeldman räumt Missverständnisse aus dem Weg und gibt Menschen, die zwar schon davon gehört haben
, aber dieses Thema vor sich herschieben, an vielen Stellen den dringenden Rat, lieber heute als morgen umzudenken, umzulernen und sich der Zukunft des Webs innovativ zu öffnen.
Webstandards? Barrierefreiheit? – Blinde kaufen unsere Produkte nicht
Zeldman klagt nicht an und argumentiert sachlich und fundiert. Er macht Mut, die Dinge endlich richtig anzugehen und sich der Zukunft nicht zu verschließen. Er spart aber an geeigneten Stellen auch nicht mit beißender Kritik, wenn er etwa im Kapitel zu den Grundlagen der Barrierefreiheit
schreibt:
Kurz gesagt versteht ein Designer oder Programmierer oder Websitebetreiber, der die Behauptung
Blinde kaufen unsere Produkte nichtaufstellt, schlicht und einfach nicht das Wesentliche und verpasst den Anschluss. Er ist selbst blind für die wahre Natur der Zielgruppe, die er grundlos ausschließt – einschließlich Millionen von nicht-behinderten Besuchern, die seine Site vielleicht über eine Suchmaschine gefunden hätten, wenn die Site sich nur mal ein wenig Mühe gegeben hätte, den Richtlinien für Zugänglichkeit zu entsprechen. Traurigerweise steht er mit seinem falschen Verständnis darüber, was Zugang ermöglicht und wem Zugang dient, nicht alleine. Seite 364
Für alle genannten Personengruppen spreche ich diese Buchempfehlung gerne mit den Worten von Jeffrey Zeldman aus: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht Sie, wer sonst?
- Abschnitt 1 von 1
Daten zum Buch
- Webdesign mit Webstandards
- Grenzenlos kompatibel
- ISBN-10:
- 3827324378
- Autor(en):
- Jeffrey Zeldman
- Weitere Daten:
- 2. Auflage, deutsche Ausgabe: Addison-Wesley, 2007
- Sonstige Infos:
- Website des Autors
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- Datum:
- veröffentlicht am 14 Mai 2007, 07:12 MET.
- Artikel:
- Rezension: Webdesign mit Webstandards [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/28
- Thema:
- Webgestaltung, Empfehlungen, Bücher
- Stichworte:
- barrierearm, CSS, HTML, Rezensionen, Webstandards
Dieser Artikel bezieht sich intern auf frühere Einträge:
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