Oktober 2007 im Kontext

Montag, 05 November 2007 21:49 MET

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Radarschirm
Oktober 2007 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
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Während via Accessibility Blog-Parade die akademische Definition der Barrierefreiheit ausbalanciert wird, lässt derwesten.de schon mal Druck ab von der Blase 2.0, hingegen der ORF seit Jahren keinen solchen verspürt.

Jetzt ist es auch dem Werbeblogger passiert: Blog geknackt und Links reingeschmuggelt. Da kommen die weißen Ritter des Abendlandes zur rechten Zeit, die unsere Jugend mit ordentlichem Journalismus und gedruckten Zeitungen wieder auf rechtschaffene Pfade bringen wollen.

Accessibility Blog-Parade

Seit 10. Oktober läuft nun die Accessibility Blog-Parade. Abgesehen vom anfänglichen Gesülze um die Wa(h)re Barrierefreiheit, gab es schon einige interessante Beiträge, die einen Lern- und Vertiefungseffekt beinhalten und mitunter weiteres Diskussionsbedürfnis wecken.

Auf die Schnelle fallen mir jetzt zum Beispiel die Artikel von Eva Papst und den Leuten vom Access-for-all-Blog ein, welche praktische Belange und Befindlichkeiten sehr eindrücklich schildern:

Interessant fand ich auch einen Beitrag von Judith Göller im Gehörlos-Blog, welcher mir etwas Einführung in die Bedürfnisse und Anwendungsgewohnheiten dieser Menschen gibt. Sehr spontan und pfiffig auch die Idee Maus raus vom accessBlog und die ernüchternden Folgen davon im MAIN_blog von Maria Putzhuber.

Selbstverständlich gibt es noch einige erwähnenswerte Texte, die ich in den nächsten Tagen noch genauer sichte. In einem eigenen Beitrag werde ich dann noch allgemein auf diverse Diskussionsansätze eingehen und meine subjektive Sichtweise dazu bringen.

Wie lange hält die Blase 2.0?

Hier eine Auflistung von diversen Ereignissen, Analysen und Artikeln, die sich im Laufe des Monats zum Thema Blasen-Phänomen bei mir angesammelt hatten:

Für mich sind die Anzeichen unübersehbar: Die Blase füllt sich langsam, das Platzen ist unausweichlich. Die Frage ist nur, was eigentlich dann platzt und wer wirklich davon betroffen sein wird.

Über das nachzudenken, wird mir zu kompliziert. Da widme ich mich dann lieber doch den einen oder anderen praktischen Auswirkungen des Alltages.

Blasenschwäche im Westen – DerWesten.de im Blickpunkt

Warung: Wenn Sie keinen Werbeblocker installiert und keinen Breitband-Anschluss haben, kann derwesten.de zu unangenehmen Nebenwirkungen führen!

Auf der neuen Plattform derwesten.de konnten sie es nicht mehr halten und besudeln unkontrolliert die Neugierigen durch einen warmen Werbestrahl. Danach macht sich dieser unangenehme Geruch des eingetrockneten bemerkbar:

  • Eine Startseite, bei der Sie schon mal 1,2 MB runterschaufeln.
  • Darin enthalten sind 20 Java-Scripts im Wert von 260 KB und je nach Seite bis zu 800! KB Bilderchen.
  • Popup-Werbung und unzählige andere Werbeanzeigen, die schon auch mal fast die Hälfte des Inhalts einer Seite ausmachen können.
    Tipp für Bastler ohne Werbeblocker: Schalten Sie Java-Script aus und sie sind den ganzen Werbemüll los. Plötzlich hat die Seite dann nur noch 400 KB und ist so gut wie werbefrei.
  • Keine vernünftige Überschriften Struktur im HTML (nur H1), nicht einmal generelle Zeichen- und Sprachkodierung des Dokuments.
  • mit einem assistiven Gerät nicht wirklich zu bedienen
  • und vieles mehr

Weniger feinfühlige Nasen lassen sich von den reichlich verwendeten Accessoires (Javascript), den vielfältig (aufhüpfenden) bunten Plakaten (Werbung) und den verfließten Wänden (<DIV>-Orgien) verzaubern.

Ich habe keine Lust, auf diese Geburt weiter einzugehen und möchte mich auch nicht immer wiederholen müssen: Bullshit 2.0 – Vorwärts in die Vergangenheit.

Nur soviel dazu:
Weil eine Bloggerin (Katharina Borchert) das Projekt leitet, heißt das noch lange nicht, dass die über den Unfug unter der Oberfläche Kenntnis haben muss. Die unkontrollierte Werbe-Orgie laste ich ihr als Projektleiterin allerdings schon an. Der Ruf nach (staatlich) geprüften Web-Entwicklern dringt mir wieder ins Ohr.

Nein, derwesten.de ist kein Ort, an dem ich mich länger aufhalte – es ist feucht und stinkt. Peter Kröner formuliert diesen (Re)Launch auch sehr treffend aus Sicht von Webstandards als Griff ins Klo.

Hier ein paar Meinungen:

Zu wenig Druck im Osten – Dinosaurier ORF

Was der inkontinente Westen nicht mehr halten kann, könnte im Osten nicht schaden. Die Seiten des ORF (Österreichischer Rundfunk) sind nicht nur konzeptionell und optisch schon etwas antiquiert, sondern entzogen sich bisher damit auch geschickt – mit Hinweis auf das Alter – der sporadisch aufkeimenden Kritik der mangelnden Zugänglichkeit (Accessibility, Barrierefreiheit).

Danke für die klare teutonische Ansage!

Das Designtagebuch hat diesem typischen Ösi-Phänomen der alpenländisch herzigen Unschuldigkeit nun ein Ende gesetzt, indem es dem ORF den Spooky-Award des Monats verlieh:
Die gruseligsten Seiten im Netz – ORF.

Selten sind sich Designer, die weniger mit technischen Dingen und Webstandards etwas am Hut haben, und die Garde der standardkonformen Entwickler so weit einig.

  • verwirrende Struktur und Aufbau (unzählige Subdomains, keine Volltextsuche, unzulängliche Seitentitel)
  • nicht zeitgemäße technische Umsetzung (antiquierte Fenstertechnik und nicht standardkonformer Code)
  • kein semantischer und struktureller Aufbau einer HTML-Seite und daher praktisch nicht mit assistiven Geräten zu benutzen
  • dürftiger visueller Kontext (keine nachvollziehbare strukturierte Hauptnavigation, viele Subdomains mit unterschiedlicher Logik und Aufbau, schwer zu findende RSS-Feeds und diese auch nur gerade mit Überschriften bestückt)

Aus welchem Eck wir es auch betrachten:

Die virtuelle Plattform des ORF ist Schrott.

Einzig die Inhalte auf einigen Subdomains, wie zum Beispiel futurezone.orf.at, sind oft lesenswert und verkümmern dann leider im unzureichenden kontextuellen Ambiente.

Renovieren hilft da nicht mehr viel. Und einen Wunsch für den Neubau – auch wenn es ein hoffnungslos frommer ist – habe ich: Macht es nicht so wie im oben erläuterten Beispiel aus dem Westen.

Blog geknackt und Links reingeschmuggelt

Da las ich doch beim Werbeblogger: Warum Google uns vom Index genommen hat - SEO hilf!. Das klang mir doch verdammt ähnlich nach einer unlängst gelesenen Geschichte, wo einer ein Blog geknackt hat und dort im Footer dezent Links platzierte, die nur von Suchmaschinen erfasst werden. Der Junge begann die Sache genauer zu recherchieren und kam dem Cracker auf die Schliche. Hierbei stellte sich erstaunliches heraus: Search Engine Marketeers are the new script kiddies.

Da in den Kommentaren vom Werbeblogger die Leute noch rätselten, wie es zu der Verbannungs-Aktion von Google kommen konnte, habe ich dort per Kommentar mein Wissen um die Ähnlichkeit der Fälle hinterlassen. Die Blog-Prominenz Robert Basic hat meine vermuteten Erkenntnisse aufgegriffen und die Sache mit Bloghackern auf der Spur auf seinem Blog dargestellt (und mich dabei vom Gerald zum Georg gemacht – zwinker).

Die Erkenntnisse führen eines vor Augen: Beliebte Blog-Software muss ständig aktualisiert werden. Sicherheitslücken werden mit Exploits beinhart ausgenutzt.

Leute ohne technisches Interesse (das soll kein Vorwurf sein), welche beliebte und bekannte Blog-Software selbst installieren, lassen diverse Einfallstore – schon allein durch schlampige Installation oder Pflege – sehr weit offen und sind ein gefundenes Fressen für Zeitgenossen mit bösen Absichten.

Postwendend kam nun Blogger Stefan Waidele auf die Idee ein Script zu schreiben, das dem Administrator eines Blogs die Seiten so anzeigt, wie Google sie sieht: What Would Google See?

Die weißen Ritter des Abendlandes

Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), will die Seelen deutscher Kinder retten und das Abendland mit ordentlichem Journalismus und gedruckten Zeitungen wieder auf rechtschaffene Pfade bringen.

Wir brauchen eine Debatte, sagt Frank Schirrmacher.
Meine Frage: Wo soll die denn stattfinden?

Hierzu will er eine Debatte führen. Offenbar soll das im alten Stil von statten gehen:

  1. Er schreibt Kolumnen in seiner Zeitung und das Fußvolk darf sie kaufen und lesen.
  2. Der erlauchte Kollegenkreis antwortet in anderen Zeitungen und das Fußvolk darf auch diese kaufen und lesen.
  3. Ein paar zensierte Leserbriefe und das Fußvolk darf kaufen und lesen.
  4. Fertig die Debatte. Beruf gerettet.

Ein Lob auf den edlen weißen Ritter. Hier die wichtigen Links (und von dort weiter):

Was sonst noch auffiel

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veröffentlicht am 05 November 2007, 21:49 MET.
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