Oktober 2009 im Kontext

Samstag, 07 November 2009 23:53 MET

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Oktober 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Webgestaltung im Oktober 2009 über Accessibility und Verweisen zu den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) und Screenreader, mobiles Webdesign und HTML5.

Vertrauen und Misstrauen in Organisationen und die 68er als Antithese.

Es mangelt an selbständigen Menschen in Unternehmen, die Vertrauen schenken und Sinn darin finden, miteinander etwas unternehmen zu wollen.

Abschnitte

  1. Webgestaltung im Oktober 2009
  2. Organisationen: Vertrauen oder Misstrauen

Webgestaltung im Oktober 2009

Es ist ein erschütterndes Zeugnis für das Web-Business, wenn – nach einer jüngsten Umfrage – im Jahr 2009 ein Drittel der Internetnutzer mit der Navigation nicht klarkommt. Hm … ich lasse das mal unkommentiert.

Wie Peter M. Müller in meinem Interview ankündigt, hat er nun im Oktober Little Boxes Teil 1 als HTML-Version freigeschalten. Damit gibt es jetzt eine weitere, hervorragende Online-Ressource zu CSS. Siehe auch meine Buchrezension und auch die ergänzenden Anmerkungen auf Webseiten-Infos.de.

Barrierefreie Webgestaltung (Accessibility)

Die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, hat sich in einer Rede dafür ausgesprochen, die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte europaweit als einheitlichen Standard zu übernehmen.
Einfach für Alle schrieb mehr darüber: EU-weite Regelung für barrierefreie Websites nötig.

Roger Johansson weist auf Usability- und Zugangsprobleme mit den allseits beliebten Lightboxes hin. Der Back-Button im Browser funktioniert meist nicht mehr und der oft nur rudimentär vorhandene Zugang per Tastatur macht sie für manche mitunter unbrauchbar: Lightboxes and keyboard accessibility.

Weiteres im Telegrammstil:

Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG), Version 2

Screenreader

Webentwicklung

Mobil

HTML, HTML5

Vertrauen oder Misstrauen

Am A-Tag in Wien mussten wir an einer Stelle von Chris Heilmanns Vortrag wohl alle schmunzeln: Mit einem nicht zu überhörenden ironischen Einschub wies er auf die Möglichkeit hin, Facebook nun auch via Yahoo! verwenden zu können. Nur so mal erwähnt für all die halblustigen Ausdrucker, die sich ständig darüber Gedanken machen, welche Sites nicht noch für Mitarbeiter in Firmen gesperrt werden müssten.

Damit sind wir auch schon mitten in meiner Ansammlung der vielen Texte aus dem Oktober 2009, die sich am leichtesten mit dem Oberbegriff »Kommunikation in Organisationen« zusammenfassen lassen.

Sollen Unternehmen das Twittern offiziell verbieten, fragt Klaus Eck rhetorisch, um an Hand vieler Argumente und einiger Beispiele zu zeigen, dass es

  1. technisch ziemlich zahnlos und immer schwieriger wird lückenlos zu filtern und
  2. die mittelfristige Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen zumindest kontraproduktiv ist.

Ersteres ist übrigens noch einen Verweis auf die oberösterreichischen Grünen wert, die den österreichischen Big-Brother-Award 2009 in der politischen Kategorie einfahren konnten.

Hier ist auch ein Video der amüsanten Reden im Landesparlament, wo in einträchtiger Ahnungslosigkeit eine heimische Version der deutschen Internet-Verbotsschilder – die sich dort mehr oder weniger nun als Wahlkampf-Populismus herausstellen – gefordert wird.

Die Grünen Oberösterreich – Der Tanz im Fettnäpfchen [Martin Leyrer].

Zurück zum Thema. Im Namics Weblog argumentiert Susanne Frank:

Ein Mensch bringt seine ganze Leistung nur jemandem entgegen, der ihm vertraut. 10 Gründe warum Firmen Facebook nicht blockieren sollten

Jane McConnell stellt fest, dass die Chancen übersehen werden. Beispielsweise das enorme Potenzial von Micro-Blogging innerhalb von Organisationen:

The real-time intranet connects people to people in organizations where there is often no official means for making contact. Corporations are way behind the curve in real-time social media

Im Seibert-Media-Weblog wird Micro-Blogging ausführlich an eigenen Erfahrungen erläutert und erklärt: Warum digitalisierte Cafeteria-Gespräche wichtig sind.

Es hilft aber nichts, wir werden auch die alten Kanäle noch eine Weile offen halten müssen, kommentiert Jochen Robes einen Artikel im Wall-Street-Journal, der einmal mehr das Ende der E-Mail ausruft: Why Email No Longer Rules.

Relevanz haben diese Ratschläge und Überlegungen allerding nur für Organisationen, in denen Menschen sinnvoll arbeiten und sich einbringen können; wo ein allen bekanntes Ziel verfolgt wird.
Gratuliere, wenn Sie so eine Organisation kennen.

Gleichgültigkeit und Misstrauen oder das Nichts

Für die große Mehrzahl geht es wohl weiter um die Frage, wann wer mit wem über welchen Kanal kommunizieren darf und was gesperrt, verboten und überwacht wird.

In solchen Vereinen besteht das Problem, gar kein Problem zu erkennen, weil ein Mangel gar nicht als solcher wahr genommen wird.

  • Mangel an Wertschätzung, der Menschen den Sinn nimmt.
  • Mangel an Freude, der Menschen den Antrieb nimmt.
  • Mangel an Vertrauen, der Menschen die Zuversicht nimmt.

Kurzum: Es mangelt an selbständigen Menschen, die Vertrauen schenken und Sinn darin finden, miteinander etwas unternehmen zu wollen.

Der ökonomische Nihilismus offenbart sich ungeniert auch in einer Studie, die in einer Automobilfabrik durchgeführt wurde:

Als wir der Betriebsleitung mitteilten, dass sich sehr viele Arbeiter offensichtlich nicht angemessen behandelt fühlten, zeigte sie sich gleichgültig. […] diese sollten einfach ihre Arbeit tun. Schlechte Führung macht Mitarbeiter krank

Willkommen im Ignorantenstadl.

Gleichgültigkeit und Misstrauen sind übrigens nur zwei der vielen Mangel­erscheinungen des gemeinen Manager-Karlis – und das nicht nur in einer Automobilfabrik.

In solch einem Umfeld gedeiht natürlich das Gewerbe beratender Kommunikations-Wunderwuzzis 2.0 ganz prächtig. Mehr oder minder stochern alle im Nichts herum, wie Florian Ranner seine Eindrücke von dieser Branche am letzten Münchener Barcamp zusammenfasst und notgedrungen eine ausreichende Inhouse-Kompetenz in Organisationen schlussfolgert.

Die 68er als Antithese

Das Bildungssystem begünstigt diesen Mangel an verantwortungsvollen, selbständigen Menschen noch, indem es in erster Linie Fähigkeiten für die optimale Integration der Ausgebildeten in hierarchische und bürokratische Unternehmensstrukturen vermittelt, wie in dieser langen Abhandlung konstatiert: Agentur, Anwalt oder Arzt (Teil 2).

Dass junge Menschen, nur weil sie mit dem Internet aufgewachsen sind, die (Arbeits)welt verändern, ist wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedankens.

Jörg Wittkewitz [digitalpublic] sieht das denn auch differenzierter: Digital Natives – Gibt es überhaupt eine Generation Internet?

Meine Antithese ist schlicht der Blick auf die 68er.

Viele der sogenannten 68er sitzen heute arrogant und herablassend in Chefetagen. Manche sind zu einfältigen Manager-Karlis verkommen, andere suhlen sich als Künstler-Millionäre in ihren Elfenbeintürmen und lassen verklagen und abmahnen.

Das Internet verspotten sie als Kulturuntergang – wie ihre Eltern ehemals den Rock’n Roll – und Unzufriedenheit nehmen sie erst wahr, wenn junge Menschen – so wie sie damals – auf der Straße protestieren.

Aber in der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab und sie spielt sich auch nicht primär in Vereinen, Gremien, Ausschüssen und Versammlungen ab. Sondern … Genau.

Bleibt also die Folgerung, dass es statt Arroganz, Misstrauen und Gleichgültigkeit – also nichts was uns Sinn gibt und Freude macht – noch etwas anderes geben muss.

Sinn und Vertrauen

Enterprise 2.0 versucht Thorsten Zoerner mal am Beispiel eines einfachen Reiseantrages zu erklären. Schnell wird klar, wie solch alltägliche Abläufe allein durch interne Transparenz ein Puzzleteil der Sinngebung sein könnten und ganz nebenbei die Effizienz erhöhen.

Ein anderes Beispiel ist ein Erfahrungsbericht von Frank Wolf auf Besser 2.0:

Das Social Intranet hat eine neue, sehr egalitäre Öffentlichkeit geschaffen, die nicht nach Status oder Position fragt, sondern in der vor allem Inhalte und gute Argumente zählen. Das macht viele engagierte Mitarbeiter sichtbar und motiviert diese gleichzeitig, sich noch mehr einzubringen. Ein Jahr Social Intranet – ein Erfahrungsbericht

Nicht umsonst wurde T-Systems Multimedia Solutions unlängst auch als excellente Wissensorganisation ausgezeichnet.

Hier finden Sie übrigens weitere Beispiele von Excellenten Wissensorganisationen. Der bekannte Fachautor, Webentwickler und Blogger, Michael Jendryschik, erwähnt im Oktober 2009 seinen mehrfach ausgezeichneten Arbeitgeber: Die CareerIng über das itemis-Arbeitszeitmodell »4+1«.

Vertrauen gibt einfach Sinn für den Einzelnen und in Folge für die Organisation.

Hier noch ein paar ergänzende Verweise aus dem Oktober zum Thema Intranet, Social-Web und Unternehmen:

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 7. November 2009 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 07 November 2009, 23:53 MET.
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