Oktober 2008 im Kontext
Samstag, 01 November 2008 18:26 MET
Webstandards und -gestaltung
Zwei Themen waren in der Szene im letzten Monat viel diskutiert: Positionierungen mit CSS (Cascading StyleSheets) Tabellen-Anweisungen und mangelnde Fähigkeiten von Ausgabegeräten systematisch über eine Art JavaScript-Bibliothek quasi organisiert zu beheben. Zu beiden Themen habe ich mir noch keine klare Meinung gebildet und beobachte die Diskussionen interessiert. Hier meine gesammelten Lesezeichen:
- MAMA: Operas Projekt bringt Analysen für Webentwickler [Dr. Web]. Eine schnelle Zusammenfassung einiger statistischer Ergebnisse gibt es bei Jürgen Liechtenecker: MAMA ist enttäuscht über Webstandards - Opera Studie.
CSS-Tabellen und Positionierung
- Zoom [mezzoblue] –
Somehow over the last year or two we’ve landed in a situation where most browsers now default to full page zoom instead of traditional text-resizing.
- Pixel, Zoom und Flüssigkeit – Layout-Modelle im Überblick [praegnanz.de]
- The Problem with CSS is … [sitepoint] –
It’s time for us to show the beginners who are just now learning to design web pages for the first time that CSS isn’t too hard anymore.
- Everything You Know About CSS Is Wrong [digital-web] –
CSS tables solve all the problems encountered when using absolute positioning or floats to create multi-column layouts in modern browsers.
- Schönes neues CSS: Die Rückkehr der Tabellen [Peter Kröner]
- The Return of Table-Based Layout (Well, Sort Of) [FreelancerMagazine] –
Please note that this article is targeted at those of us who are more code-centric and well versed in xHTML/CSS.
- Zoom [mezzoblue] –
JavaScript
- JavaScript Will Save Us All [Eric Meyer]
- JavaScript, rette uns [Tobias Otte]
- JavaScript als Rettungsanker für Webdesign? [Webstandard-Blog] –
Diese fehlenden Fähigkeiten einzelner Browser durch JavaScript zu lösen, ist unserer Meinung nicht der der richtige Weg.
- Der große Gleichmacher [rorkvell.de] –
Erstens müssen die Webseiten nicht in allen Browsern gleich aussehen, sie müssen nur in allen Browsern benutzbar sein.
- Javascript ist kein Retter. Aber auch kein Spielverderber. [Webzeugkoffer] –
Was mir aufstößt sind Schwarz-Weiß-Diskussionen.
Internet für alle Menschen
Da wird auf der Frankfurter Buchmesse großartig ein Buch für blinde und sehende Kinder vorgestellt. Ist ja toll und zweifelsohne ein wertvolles Projekt. Wir können im genannten Beitrag aber auch lesen, dass solche Drucke sehr aufwändig und kostenintensiv sind und gerne Spenden dafür entgegen genommen werden.
Das Buch für Alle
ist im Web Realität!
Ohne diese Initiative nun herabwürdigen zu wollen, mache ich bescheiden darauf aufmerksam, dass dem Internet genau diese Innovation quasi systeminhärent – Teil des Systems – ist; beziehungsweise noch mehr wäre, wenn sich mehr Entwickler, Entscheider und Gestalter diese Tatsache bewusst machen würden. Ohne zusätzliche Kosten. Nur mit mehr Kompetenz und etwas Einfühlungsvermögen.
Accessible Rich Internet Applications (ARIA)
Einiges wurde im Oktober 2008 über die WAI-ARIA gesprochen und geschrieben. ARIA macht mit JavaScript und AJAX angereicherte Webseiten und Webanwendungen besser für behinderte Menschen zugänglich
, erklärt uns Wikipedia hierzu. Zu tieferen Einblicken empfiehlt sich
- die Einführung der WAI (Web Accessibility Initiative): WAI-ARIA Overview oder / und
- Accessibility of Rich Internet Applications [WebAIM]
ARIA ist zwar noch nicht verabschiedet und zählt daher offiziell auch noch nicht zu den Webstandards. Fast alle neueren Programme (Browser, Screenreader) unterstützen aber zu großen Teilen mit ARIA-Attributen angereicherte HTML Elemente.
Einer nicht: IE8 beta
Wie ich schon einmal beschrieben habe – August 2008 im Kontext – ist der Internet Explorer eine nie endende Tragikomödie. Microsoft kocht wieder eigenen Kaffee:
- Legacy defeats consistency in IE 8’s Web 2.0 accessibility effort [Access Garage]
- ARIA momentum and Internet Explorer [WebAIM]
Auch der 13. Accessibility-Stammtisch stand im Zeichen von ARIA und wir – auch ich war anwesend – wurden von Michael Stenitzer (wienfluss.net) sehr gut in das Thema eingeführt. Hier eine kurze Nachlese auf accessible-media – inklusive einem Link zu einer Mitschrift von Eric Eggert, der mangels Gebärden-Dolmetscher den Vortrag und Diskussionen für anwesende Gehörlose spontan mitgeschrieben hatte. Respekt Eric!
Gesprochen hat auch Kevin Yank auf sitepoint mit Derek Featherstone, unter anderem über ARIA. Das Interview ist sowohl per Audio-Datei, als auch in schriftlicher Form verfügbar:
I think in many cases it’s exactly what we need. In some cases, I don’t think we necessarily need ARIA. […]
What I see as being the rate-determining step is how long it takes for that spec from being just a spec to being a spec that’s implemented and supported everywhere. And that’s what concerns me now […] Derek Featherstone: Accessibility is More Than Compliance
Die Autoren von northtemple.com versorgten uns übrigens im Oktober noch mit einem aufschlussreichen Artikel über das was Screenreader mit JavaScript so drauf haben: JavaScript and screen readers.
Tag der Tastatur
Da ruft Robert Lender [Nur ein Blog] den 15. Oktober zum Tag der Tastatur aus. Ganz einfach so. Und macht dann noch mit den Leuten von MAIN eine Tab-Parade daraus. Da kann ich nicht widerstehen und füllte die Sammlung von MAIN vorläufig mal mit einem Beitrag aus meiner Entwicklersicht: Der Tastatur den Fokus zeigen.
Bis 25. November 2008 haben auch Sie noch Zeit Ihr Wissen, Ihre Erfahrung oder schlicht ein banales Erlebnis im Umgang mit der Tastatur und der Bedienung von Websites im Rahmen der Parade zu bloggen. Mehr Infos in einem Zwischenbericht von Robert: Tab Parade - die ersten zwei Wochen.
Robert Lender ist wohl einer der Menschen, die die Worte von Harry Truman ohne Worte umsetzen:
It is amazing what you can accomplish if you do not care who gets the credit.
Harry Truman
I love that. I would add that it is amazing what you can learn when you don't care who gets the blame! Bob Sutton, Wisdom from Harry Truman
Mit diesem Zusatz von Robert Sutton zu den Worten von Truman, sind wir dann auch schon bei der digitalen Kluft, die sich – abgesehen von technischen Voraussetzungen – anschickt unsere Gesellschaft tiefgreifend zu spalten.
Die digitalen Gletscherspalten
Sie lassen jeden Respekt vor den Menschen vermissen, die Ihr Gehalt bezahlen. Martin Oetting, Offener Brief an manche Werbekreativen in Deutschland
Nicht nur viele der sogenannten Kreativen
und abgehalfterten Musiker beschimpfen ihre Kunden aus ihren vergoldeten Elfenbeintürmen und sind sehr einfallslos, wenn es um die Kreation unserer Zukunft geht. Nein, sie lassen sich auch noch vor den Karren spannen.
Derweil die langsam in sich zusammenstürzende Medienindustrie das nicht mehr nur schweigend kaufende Fußvolk verfolgt, bedroht und verklagt oder sehr dreist manipulieren will.
Tue Gutes und schrei nicht so laut dabei.
Medienpartizipation
Die vielen eingebetteten Hyperlinks vorhin zeigen die weit sichtbaren digitalen Gräben. Zahlreicher sind allerdings noch die digitalen Gletscherspalten, welche durch traditionelle Kommunikationsformen verdeckt werden.
Die gleißenden Sonnenstrahlen der Tue Gutes und rede darüber
PR-Fuzzis lassen das Eis des Zynismus'
schmelzen und machen Stück für Stück auch diese Gräben sichtbar.
Die digitale Kluft verläuft aber nicht ausschließlich zwischen den Generationen, wie so oft in heuristischen – Faustregel, vorläufige Annahme – Erklärungsversuchen dargestellt.
Die Digital Natives
mögen zwar eine statistische Gruppe in der Alterspyramide sein, für Sozialtheorien zur Medienpartizipation reicht das nicht aus wie ich meine und Anja C. Wagner [edFutureBlog] feststellt: Participation Culture statt Net Generation. Auch Michael Gisiger [Wortgefecht] weist darauf hin: Die digitale Spaltung.
Damit sind wir wieder einmal in der Unternehmenswelt bei den gesammelten Verweisen für den Oktober 2008 angekommen:
- Sind Mitarbeiter für das Unternehmen da oder ist das Unternehmen für die Mitarbeiter da? [wissensgarten.com] –
Immer wieder begegnen uns in Unternehmen Führungskräfte die bei dem Thema Social Networking oder besser personalorientierte Führung, leicht zusammenzucken.
- Web 2.0 in Unternehmen: Schichtleiter-Blog statt Twitter [Netzökonom] –
Die
E-Mail-Generation
sträubt sich mit aller Macht gegen dieCommunity-Generation
. - Die unkontrollierbare Unternehmenskultur [INJELEA] –
Das Schlimme für die mittleren und höheren Führungskräfte und sogenannten
Manager
ist, dass sie die Kultur nicht kontrollieren können und doch so sehr von ihr abhängig sind. […] Das Allerschlimmste daran ist jedoch, dass nur die wenigsten dies bemerken. - Intranet 2.0 - hype, reality, future trends (2008) [Globally local] –
Entitled
Intranet 2.0 - hype, reality, future trends
the slide set has attracted a lot of viewers. It detail on how 2.0stuff
was perceived and used last year. - Ein paar Wochen sind wir nun später rein gekommen - Zeit für ein Zwischenfazit. Interview mit Markus Albers [work.innovation] –
Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Technisch und gesellschaftlich bewegen wir uns unumkehrbar in diese Richtung und für die Unternehmen macht es auch ökonomisch Sinn.
Der Eingang ins Internet ist eine schmale Tür?
Es gibt aber auch noch ganz andere Aspekte der digitalen Kluft. In einer übersetzten Nutzerstudie der russischen Suchmaschine Yandex zeigt sich zum Beispiel auch, dass rund vier Prozent der Benutzerinnen in das Suchfeld des Portals komplette Internet-Adressen eingeben.
Dieses Phänomen wurde in ähnlichen Prozentsätzen auch bei anderen Suchmaschinen bereits festgestellt und deutet darauf hin, dass vielen Personen die Funktion der Adresszeile in ihrem Browser nicht klar ist und ein standardmäßig eingestelltes Suchportal beim Start des Programms quasi als Eingang ins Internet
verstanden wird.
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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 1. November 2008 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 01 November 2008, 18:26 MET.
- Artikel:
- Oktober 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
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- Thema:
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- barrierearm, Blogparaden, Tab-Parade, Browser, IE, IE8, CSS, Gesellschaft, Javascript, Unternehmen
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