Österreich: Website Bundeskanzleramt ist barrierefrei
Montag, 10 Dezember 2007 22:38 MET
- dieser Artikel

- Österreich: Website Bundeskanzleramt ist barrierefrei [hyperkontext | Weblog]
- Kommentare 2
Standardkonform und barrierefrei
Seit 26. Oktober 2007 – österreichischer Nationalfeiertag – präsentiert sich die Website des Bundeskanzleramtes standardkonform und barrierefrei, ohne wenn und aber. Das sollte Vorbildwirkung haben.
Es ist schön, dies vermelden zu können, zumal ich ja in meiner sommerlichen Serie zu Webstandards bei Ministerien und Landesseiten in Österreich nicht viel Gutes zu amtlichen Seiten berichten konnte.
Da unter der Regie des österreichischen Bundeskanzleramtes offenbar mehrere Sites verwaltet werden und ich natürlich diese Kompetenzen nicht durchschauen kann, ist das allgemeine Bild nach wie vor zwiespältig. Hier meine damaligen Beiträge, in denen auch (nach meinem Wissensstand) Seiten des Bundeskanzleramtes erwähnt werden:
- help.gv.at - wirklich für Alle vom 23. Juli 2007
- Webstandards bei Ministerien und Landesseiten in Österreich vom 30. Juli 2007
- Kurioses und komisches auf Websites österreichischer Ministerien vom 27. August 2007
Nun ist also mit der eigentlichen Website des österreichischen Bundeskanzleramtes ein weiterer Barrierefrei-Schritt vollzogen:
Die Website des Bundeskanzleramtes
Es gibt in Bezug auf Webstandards und Zugänglichkeit hier nichts mehr auszusetzen. Der Relaunch wurde ganz klar von kompetenten Leuten geplant und begleitet und auch beim Einpflegen von neuen Inhalten wird sogar (bis jetzt zumindest) auf anderssprachliche Auszeichnungen und Abkürzungen geachtet.
Über Kleinigkeiten lässt sich immer trefflich streiten und Schlampigkeiten (schnell mal eine unsemantische Tabelle von der alten Site reinkopiert) passieren in großen Organisationen ganz einfach. Aber eine generelle Aussage lässt sich treffen:
So wird das gemacht!
So wird eine behördliche Website für alle Staatsbürger zugänglich. So wird Steuergeld nutzbringend eingesetzt.
Es ist ein gutes Gefühl, wenn hier zunehmend fachlich fundierte Leute engagiert werden und nicht inkompetente Web-Agentur-Quatschköpfe mit Steuergeld gefüttert werden.
Ein (optisches) Detail gefällt mir übrigens besonders gut:
Elastisches Layout
Die Site kommt mit elastischem Layout daher. Die Vergrößerung der Schrift dehnt die Seite entsprechend. Hat jemand einen großen Bildschirm, lässt sich dieser bei vergrößerter Schrift optimal mit der Seite auffüllen.
Ich bin ein Fan von gut umgesetzten elastischen Layouts und freue mich deswegen immer wieder, wenn ich auf derartige Sites stoße.
Hoffentlich hat das Vorbildwirkung
Dieses Beispiel zeigt, dass es mit Professionalität und mehr Ernsthaftigkeit geht.
Das Kanzler-Vorbild sollte sich auch auf Ministerien auswirken. Ob das allerdings – wie großartig kolportiert – ab 1. Jänner 2008 der Fall sein wird, ist wohl mehr als zweifelhaft.
Weiters sollte dies auch ein Zeichen für diverse Agenturen setzen, dass es ohne fundiertes Wissen um Webstandards und dem nötigen Ernst und Verständnis für Zugänglichkeit und Barrierearmut mit staatlichen Aufträgen zunehmend eng wird.
Schon mal was von RSS gehört?
Eine wirklich einfache Verbreitung von Neuigkeiten (Really Simple Syndication - RSS) gibt es schon in Urform seit 1999 beziehungsweise seit 2002 und ist mittlerweile zum Standard der Informationsverbreitung geworden und wird zweifelsohne in Zukunft der Standard. (Es gibt natürlich auch noch anders benannte Formate, zum Beispiel Atom, das Prinzip bleibt immer gleich.)
Leider gehört so eine winzig kleine XML-Datei nicht zur Ausstattung der Website des Bundeskanzlers.
Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten, warum der Relaunch nicht auch gleichzeitig zur Implementierung von heute gängigen Standards zur Informationsverbreitung genutzt wurde:
- Die Gatekeeper-Funktion der Presse wird bewusst begünstigt und konserviert oder irgendeine Sicherheits-Mär geht dort um.
- Ahnungslosigkeit.
Ich tippe mal ganz frei von der Leber weg auf den zweiten Punkt. Zu dieser Einschätzung komme ich, wenn als einzige Möglichkeit zum Erhalt von regelmäßigen Informationen ein Newsletter angeboten und im PDF-Format versendet wird.
Sollte zweiter Punkt also zutreffen, empfehle ich den Verantwortlichen der Presseabteilung dringendst Weiterbildung in Sachen Kombination Web-Technologie und moderner Public-Relations.
Sollte erster Punkt zutreffen, dann frage ich:
Ist der österreichische Bundeskanzler Mittelpunkt der Welt?
Ich glaube, dass ich die Antwort mit sehr vielen Menschen teile: Nein
!
Es gibt viele BundeskanzlerInnen und viele Ministerien und viele Informationsseiten im großen weiten Web. Warum soll ich ausgerechnet die des österreichischen Bundeskanzlers immer wieder besuchen müssen, um Neuigkeiten zu erfahren? Oder glauben die, dass ich mir von hunderten ähnlichen Seiten hunderte Newsletter pro Tag zuschicken lasse?
Daraus ist zu schließen: Das Bundeskanzleramt will nicht die Bürgerinnen, sondern nur die Presse informieren.
Dieser Standpunkt ist nach althergebrachtem Denkmuster nachvollziehbar, aber mit modernem Bürgerservice nicht mehr vereinbar.
Vielleicht ein Sicherheitsproblem?
Im momentanen Hype der Sicherheit 2.0 könnte natürlich auch folgender abstruser Gedankengang eine Rolle spielen:
Wenn ich regelmäßig Neuigkeiten von dieser Website beziehen will, muss ich mich entweder registrieren oder meine IP-Nummer wird in einer Verdächtigen-Kartei erfasst, wenn ich jeden Tag die Website besuche. Bei tausenden Abrufen von News-Readern würde der Überblick sonst verloren gehen und potenziell Verdächtige
könnten nicht ausgemacht werden. (Ich meine das ironisch, die meinen das vielleicht ernst.)
Kommunikation 2.0 – dieser qualitative Sprung
So uneingeschränkt und lobenswert die Website des österreichischen Bundeskanzleramtes nun zugänglich und barrierefrei ist, so anachronistisch bleibt leider die kommunizierte Mission. Die neuen Videos vom Bundeskanzler sind zwar hip und hyp
, aber substanzlos und damit kein Schritt ins 2.0 Zeitalter.
Und um gleich aus eines Bundeskanzlers Video zu zitieren:
[…] die besten Köpfe an einen Tisch zu holen, die darüber nachdenken sollen, wie können wir es besser machen, damit dieser qualitative Sprung auch geschieht […]. Alfred Gusenbauer
Nun Herr Bundeskanzler, Sie haben mit dieser neuen, standardkonformen und barrierefreien Website die besten Voraussetzungen geschaffen, die Leute nicht nur an einen Tisch zu holen
(so große Tische gibt es ja gar nicht), sondern gleich an Ihrer Website zu versammeln. Quasi den Schritt von Kommunikation 1.0 auf 2.0 zu vollziehen.
Denken Sie daher mit Ihren PR-Fritzen
über die Optionen moderner Web-Kommunikation nach, damit dieser qualitative Sprung auch geschieht
(Alfred Gusenbauer).
- Abschnitt 1 von 1
Quellenverzeichnis
- Bundeskanzleramt Österreich
- WIENFLUSS relauncht Website des Bundeskanzleramts [Agentur WIENFLUSS]
Weitere Links zum Thema
- Basiswissen RSS: No Feed - No Read [blanzelot.de]
(Nachtrag vom 14. Dezember 2007)
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 14. Dezember 2007 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 10 Dezember 2007, 22:38 MET.
- Artikel:
- Österreich: Website Bundeskanzleramt ist barrierefrei [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/104
- Thema:
- Webgestaltung, Kommunikation
- Stichworte:
- barrierearm, Behörden, benutzerfreundlich, RSS, Webstandards
- Reaktionen:
- Kommentare 2
Dieser Artikel bezieht sich intern auf frühere Einträge:
- Kurioses und komisches auf Websites österreichischer Ministerien vom 27. August 2007
- Webstandards bei Ministerien und Landesseiten in Österreich vom 30. Juli 2007
Mögliche themenverwandte Artikel aus dem Weblog
Blättern (chronologisch)
- « neuerer Artikel
- Rezension: Das Ende der Privatsphäre
- älterer Artikel »
- November 2007 im Kontext
Ausgespäht und abgespeichert