Nur Screenreader verarbeiten Sprachauszeichnung in HTML
Freitag, 23 Juli 2010 15:40 MET
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- Nur Screenreader verarbeiten Sprachauszeichnung in HTML [hyperkontext | Weblog]
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Die Mär der Sprachauszeichnung
Es ist eine weit verbreitete Mär unter Standardistas, genährt durch Auflistungen zu (theoretischen) Anwendungszwecken, dass Sprachattribute wertvolle Unterstützung für verschiedenste Programme wären. Tatsächlich verarbeiten sie offenbar nur Screenreader.
Wenn wir die Theorie auf die praktische Verwendung mal abklopfen, dann bleibt nicht viel übrig.
Ich relativiere hiermit so manch meiner früheren Ansagen zum Thema, in denen ich für eine strikte Sprachauszeichnung eintrat. Wenngleich wohl wissend, dass es mehrheitlich nie umgesetzt werden würde.
Zeit also, für eine pragmatische Sicht der Dinge.
Henne-Ei
- Weil Sprachattribute kaum jemand einsetzt, werden Algorithmen von Programmen nicht darauf ausgelegt, Sprachauszeichnung auch zu berücksichtigen.
- Weil Sprachauszeichnungen, außer von Screenreadern, komplett negiert werden, sieht sich kaum jemand veranlasst, diese ernsthaft einzusetzen.
Ein klassischer Kreislauf, der in der Henne-Ei Frage endet, die bekanntlich nicht gelöst ist.
Suchmaschinen ignorieren HTML-Sprachattribute
Suchmaschinen halten sich ja über ihre Methoden sehr zurück. Es lässt sich aber mit ziemlicher Sicherheit feststellen, dass alle bekannten Crawler Sprachauszeichnungen im HTML (Hypertext Markup Language) überhaupt nicht berücksichtigen.
Selten gibt es klare Aussagen, die oft nur beiläufig erwähnt werden, wie in diesem übersetzten Artikel der deutschen Google-Webmaster-Zentrale:
Denkt daran, dass Google alle Sprachinformationen auf Codeebene ignoriert, von "lang"-Attributen bis hin zu Dokumenttypdefinitionen (DTD). Arbeiten mit mehrsprachigen Websites
Damit ist wohl endgültig klar, dass der am meisten verwendeten Suchmaschine jegliche Sprachauszeichnung schnurzegal ist. Allgemeine Aussagen wie, Sprachauszeichnung ist auch Unterstützung für Suchmaschinen
, ist eine fromme Vorstellung, die in der Praxis seit vielen Jahren nicht mal ansatzweise umgesetzt wird.
Übersetzungen
Ich machte auch ein paar Tests mit gängigen Online-Übersetzungen. Hier gibt es unterschiedliche Resultate, die allerdings eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sprachattribute werden offenbar nirgendwo berücksichtigt.
Die Unterschiede finden sich in den Algorithmen.
Manche Programme scheinen zum Beispiel das HTML-Element code zu berücksichtigen – oder stellen sonstwie fest, dass es sich um Code handelt – und übersetzen darin eingebettete Zeilen prinzipiell nicht. Andere übersetzen sogar CSS-Angaben auf Französisch oder Deutsch.
Manche dieser Programme würden gut daran tun, wenn sie Sprachattribute zumindest als Vorschlag berücksichtigen würden.
Programme zur Silbentrennung
Immer wieder wird erzählt, dass Sprachauszeichnung einzelner fremdsprachiger Wörter im Fließtext Unterstützung für Programme zur Silbentrennung wäre.
Es ist eher üblich, in einem deutschen Text ein fremdsprachiges Wort nach deutschen Regeln zu trennen, wie auch die Hilfeseite bei Wikipedia zur Silbentrennung nahe legt.
Nach der Rechtschreibreform ist es allerdings durchaus möglich, fremdsprachige Wörter nach den Regeln der Herkunftssprache zu trennen. Ein Programm zur Silbentrennung wird dies mit Sicherheit aber nicht berücksichtigen.
Für solche Programme ist die Sprachauszeichnung einzelner Wörter daher unerheblich – zumindest innerhalb westlicher Sprachen.
Wichtig ist bloß die Hauptsprache des Dokumentes. Diese wird als Sprachattribut im Element html angegeben.
Übrig bleibt der Screenreader
In der Praxis verarbeiten Sprachauszeichnungen also nur Screenreader.
Diese Feststellung wird noch folgenschwerer:
Mindestens die Hälfte der Benutzer solcher Programme empfindet es als lästig, mitunter sogar äußerst nervend, wenn jeder Wald- und Wiesen-Anglizismus extra ausgezeichnet wird.
Es gibt unterschiedliche Fachmeinungen dazu, pragmatisch Gesinnte lassen die Auszeichnung einzelner Wörter – vor allem wenn diese schon im Sprachgebrauch geläufig sind – im Text mittlerweile gerne wieder bleiben. Ein paar Screenreader AHAs – 2. Teil
Warum also Wörter anderssprachig auszeichnen, wenn dann noch die Hälfte derer für die wir das tun, sie sogar als lästig empfindet?
Übrig bleibt die Art des Einsatzes mit dem geringsten Aufwand.
Fazit:
- Gerade mal anderssprachige Textpassagen oder längere Zitate als solche auszeichnen.
- Wo es der Verständlichkeit dient – wie nachfolgend an sehr markanten Beispielen gezeigt.
Sprachwechsel im Fließtext, deren vollständige und korrekte Auszeichnung gerade in tagesaktuellen Publikationen einen durch nichts zu rechtfertigenden Aufwand verursachen würden. Sprachwechsel ausgezeichnet
Einige Screenreader sind jedoch sehr eifrig mit der automatischen Erkennung von Fremdwörtern und plappern mitunter bedenkenlos vermeintliche Anglizismen daher.
Markante Beispiele
Wenn wir zum Beispiel über das französische Dorf Pussy schreiben, ist die französische Sprachauszeichnung des Ortsnamens vorteilhaft, weil die automatische Spracherkennung vermutlich nicht greifen wird.
Wenn wir hingegen über den oberösterreichischen Ort Fucking schreiben, so wird ein übereifriger Screenreader wahrscheinlich ein englisches Wort erkennen und aussprechen. Das ist schade, denn es gibt eben auch eine deutsche Aussprache, die mit der englischen Bedeutung nichts gemein hat.
Und wenn durch juristische Entscheidung die Biermarke »Fucking Hell« den Ort Fucking für manche Anwohner vielleicht zur Fucking Hell macht, wird ein übereifriger Screenreader seinen Benutzern die Feinheit dieses Sprachspieles nicht zugänglich machen. Das ist auch schade.
Ich könnte noch viele grenzwertige Fälle aufzählen. Ein gut erklärtes Beispiel zur Verständlichkeit findet sich auch hier:
Deutsche Sprache, schwere Sprache [An Iris].
- Abschnitt 1 von 1
Weitere Verweise zum Thema
- Sprachwechsel für Screen Reader auszeichnen [Fritz Weisshart]
- Screenreader – wer braucht Sprachauszeichnung? [Blind-Text]
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 23. Juli 2010 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 23 Juli 2010, 15:40 MET.
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- Webgestaltung
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- barrierearm, HTML, Webstandards
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Dieser Artikel bezieht sich intern auf frühere Einträge:
- Textauszeichnungen in HTML mit Texteditoren vom 18. Juni 2007
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