November 2007 im Kontext

Dienstag, 04 Dezember 2007 06:43 MET

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November 2007 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
Bezugnahme 3

Wir sind alle Wikipedianer! Solch kumpelhafte Formulierungen werden seit neuestem von REWE verwendet, um auf Verdacht von Inhalte-Klau zu reagieren.

Das Live-Event zur Accessibility Blog-Parade und einiges zu Webgestaltung. Cameron Moll warnt vor einer neuen Pest: SharePoint und Co. Und zum Schluss wieder etwas zur Blase 2.0.

Wir sind alle Wikipedianer

Einzelne Mitarbeiter in Werbe-Abteilungen bedienen sich mitunter an Inhalten des großen weiten Webs, ohne Quellen zu nennen oder übersehen geflissentlich die Lizenz für nicht-kommerzielle Nutzung, um sich zu profilieren.

Andere sind von der Sorte Hotlinker – verlinken Bilder aus anderen Seiten direkt in Forumsbeiträge – und kopieren genauso naiv Texte ohne Quellenangabe für Werbematerial ihres Unternehmens oder Kunden.

Die Firmenleitung oder die Chefs sind ahnungslos, weil sie das Web nur aus der Zeitung kennen.

Das Unternehmen REWE ist kein Krämerladen

So oder ähnlich wie oben beschrieben, scheinen Texte aus Wikipedia und Weblogs auf Werbeprospekten der Firma REWE zu landen.

Es verwundert, wenn auf Anfrage von weinverkostungen.de eine fast verhöhnende Antwort per E-Mail mit kumpelhafter Formulierung aus einer REWE-Vertriebsfirma kommt: Wir alle sind doch Wikipedianer.

Das verleiht der Sache noch den besonders schalen Beigeschmack. REWE ist doch nicht irgendein Krämerladen.

Eine der Folgen digitaler Spaltung

Während das obere Management meist vollkommene Null-Ahnung vom Web hat, verlustieren – scherzhaft vergnügen – sich Angestellte an der kommunikativen Wissensteilung des Webs und manövrieren mitunter ganze Unternehmen damit in ein PR-Desaster.

Es haben sich schon einige Blogs und mittlerweile auch die Süddeutsche Zeitung der Sache angenommen. Hier der chronologische Ablauf bis 3. Dezember:

Jetzt bin ich gespannt, wie das Unternehmen sich aus dieser PR-Sackgasse lenkt. Vielleicht sollten sie hierzu ihren permanent beworbenen Hausverstand einsetzen.

Live-Event zur Accessibility Blog-Parade

Am 29. November war ich auch persönlich beim Live-Event zur Accessibility Blog-Parade in Wien. Interessant war natürlich – neben den Vorträgen – auch das persönliche Kennenlernen zumindest einiger Gesichter, die sich hinter den Blogs verstecken.

Die Veranstaltung war gut organisiert und das Büfett sehr lecker. Danke!

Besonderen Dank möchte ich aber noch den Gebärden-Dolmetschern aussprechen, die einige Stunden unermüdlich im Einsatz waren. Sehr faszinierend – weil ich noch nicht so viel mit Gehörlosen zu tun hatte – war für mich vor allem der umgekehrte Weg: Joe Spelbrink hielt einen interessanten Vortrag über Video-Plattformen, die auch Untertitel anbieten, in Gebärdensprache und wurde stimmlich so lebhaft übersetzt, als wenn er selbst da vorne plaudern würde.

Sehr amüsiert habe ich mich beim Beitrag von Max Kossatz (wissenbelastet.com), der über wundersame Erlebnisse – als virtuell Behinderter – in Second Life berichtete. Das hat gerockt!

Weniger überraschend – weil ich diese Sites auch schon mal näher unter die Lupe nahm – waren da die deprimierenden Einblicke in die Web-Shops von BILLA (gehört übrigens REWE, siehe vorigen Abschnitt), OTTO und Amazon (werden nicht verlinkt) von Michael Stenitzer (Agentur Wienfluss). Oder die Orgien von Tastenanschlägen, wenn ein Zeitungsportal mal ohne Maus besucht wird, wie Maria Putzhuber eindrücklich gezeigt hat.

Einige Blog-Einträge über das Event und Folien der durchaus interessanten Vorträge gibt es mittlerweile auch schon im Netz.

Einiges zu Webgestaltung

Zum Thema Web-Design, Webstandards, Semantik und Zugänglichkeit hat sich in diesem Monat doch einiges angesammelt.

Für das Auge und nützliche Werkzeuge

Zur Semantik

Zu Barrierefreiheit und Standards

So sehr ich die Artikel von Mike Cherim schätze und ich im folgend erwähnten zu seinen Hinweisen für mehr Qualität in der Entwicklung nur zustimmen kann, so heftig widerspreche ich seinen alles wird gut Träumen:

Kostet Zugänglichkeit mehr?

Das fragt sich Mike Cherim auf accessites.org. Mehr als was? Das frage ich mich, weil auch Websites erstellt werden, die ganz einfach inkompetenter Schwachsinn sind und die Ersteller dafür trotzdem mehr abgesahnt haben, als so mancher standardkonformer Entwickler jemals verlangt hätte. Ganz zu schweigen von enormen Wartungs- und Traffic-Kosten, die sich dann laufend zu Buche schlagen.

Mike Cherim hofft aber immer noch auf faire Bezahlung. Woran sollen Kunden denn fair festmachen? Zu warten darauf, dass Kunden Web-Spezialisten werden und eine standardkonforme barrierefreie Website von schlimmstem Code-Gemetzel unterscheiden können? Nee, diese Hoffnung kann nur aus dumpfbackenen Hollywood Gerechtigkeits-Tränendrüsen-Schinken indoktriniert worden sein.

Und während Mike vom Sieg der Qualität träumt, kommt schon die nächste Plage auf uns zu:

SharePoint und Co – die neue Pest

Abgesehen von der Tatsache, dass diese Monster-Produkte nur von allem etwas bieten, Web 2.0 als neuen Verkaufstrick verwenden und die wenigsten dann – nach erfolgtem Kauf – wissen, was sie mit Weblogs und Wikis eigentlich machen wollen, müssen sich immer mehr Web-Designer (die etwas von ihrem Fach verstehen) mit dieser Art Produkt Zustand herumschlagen.

Was hierbei zutage tritt, ist unfassbar: Namhafte Unternehmen bringen 2007 Web-Produkte unter Millionen Leute, in tausende Firmen, deren Front-End Vorlagen mit Methoden aus 1999 erstellt werden.

Die Verantwortlichen und Ausführenden für solchen Mist stellen ganz offen ihre Inkompetenz in Sachen moderner Webgestaltung zur Schau …denn sie wissen nicht, was sie tun.

Und wieder etwas zur Blase 2.0

Die eben erwähnten Monster-Programme können durchaus auch als Blasenphänomen bezeichnet werden.

Aber abgesehen vom technischen Kontext, bietet sich ein breites Spektrum in anderen Bereichen, welche die Blase 2.0 deutlicher werden lassen:

Abschnitt 1 von 1

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veröffentlicht am 04 Dezember 2007, 06:43 MET.
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