November 2009 im Kontext

Dienstag, 08 Dezember 2009 21:56 MET

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Foto: Radarschirm
November 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Themen: Pflichtangaben in Web-Formularen, H1 und Dokumentstruktur, CSS, IE9 und ein Tipp zur Suchmaschine Bing.

Gerade im weihnachtlichen Medienlicht wird es ein Thema: Wir brauchen weniger Mitleid, dafür mehr barrierefreie Akzeptanz im Alltag.

Zum Abschluss noch empfohlene Beiträge über Unternehmen und Medien in Listenform.

Überschriften direkt anspringen:

  1. Webgestaltung im November 2009
    1. Cascading Style Sheets
    2. Mikroweich: IE9 und Bing
    3. Barrierefreie Akzeptanz im Alltag, Websites mobil
  2. Empfohlene Beiträge über Unternehmen und Medien

Webgestaltung im November 2009

Geübte Web-Nutzer kennen die Bedeutung des Sternchens – Pflichtangabe – neben Beschriftungen zu Eingabefeldern in Formularen. Doch für ungeübte, meist ältere Personen ist das Zeichen * durchaus nicht so selbsterklärend.

Von welchen Selbst­ver­ständlich­keiten wir beim Entwurf eines Web-Formulares ausgehen können, wurde von Elske Ludwig im usabilityblog.de unter die Lupe genommen: Kennzeichnung von Pflichtfeldern in Formularen: Wann man auf den * verzichten kann.

Passend zu diesem Thema weist Matthias Schütz auf eine spezielle Javascript-Bibliothek hin, mit der die Validierung komplexerer Formulare sehr benutzerfreundlich gestaltet werden kann: Validatious: Formular-Validierung mit JavaScript.

Seit zwei Monaten veröffentlicht die Agentur Wienfluss eine lose Serie über die Entstehung des umfangreichen Relaunches von wien.info. Zwei jüngere Artikel sind äußerst lesenswert:

Dauerbrenner H1.

Mit Hinweis auf einen älteren Beitrag von mir, erinnern wir uns schnell an die nie enden wollende Diskussion um Überschriften und Dokumentstruktur. Mit Headings and document structure conclusions versuchte sich Roger Johansson nun an einer abschließenden Klärung.

Ich stimme nach wie vor nicht mit ihm darüber ein, (bei HTML4) nur eine H1 auf einer Webseite zur Regel zu erheben. Für mich ist es eine der Möglichkeiten. Ich habe das Thema Anfang 2009 hierzu beleuchtet: H1-Headings in HTML: Wieviel Einser braucht eine Seite.

Cascading Style Sheets (CSS)

In einem gelungenen Beitrag erklärt Mathias Schäfer (aka molily) die Funktionsweise von Floats und verlinkt auch auf mögliche Alternativen und Diskussionen: CSS kompakt: Einschließen von Floats.

Mit CSS3 und der mächtigen Pseudoklasse :nth-child() beschäftigte sich Markus Schlegel im November: Ente Ente Ente – Folgen in CSS mit späterer Klarstellung zu den etwas verwirrenden Bezeichnungen.

Die Webkit-Engine (Safari und Chrome) bringt ja ein sehr praktisches Feature mit: Eingabefelder können nach Lust und Laune in die Länge und Breite gezogen werden. Es kann natürlich auch Gründe geben, diese Freiheit beschränken zu wollen. Jonas Hellwig zeigt diese Möglichkeit: ‹textarea›-Größe in Safari und Chrome mit CSS3 erzwingen.

Mikroweich

Der IE8 ist die Draisine auf den Schienen des Netzes.

Es kam so, wie ich schon vor einem Jahr prophezeite: Der IE8 kann zwar jetzt CSS 2.1, derweil alle anderen Browser bereits immer vollständiger CSS3 beherrschen.

Während sich also noch immer genug Wahnsinnige – gezwungen oder freiwillig – mit Zustandsnummer 6 auf irrwitzige, und mindestens ebenso gefährliche, Explorationen ins Web aufmachen (sogar der Hersteller selbst warnt), gleicht der IE8 einer – nunmehr normgerechten – Dieseldraisine auf den Schienen des Netzes.

Der Fensterhersteller kündigte nun im November den Start der Weiterentwicklung des IE, zu Zustandsnummer 9 an. Fertigstellung unbekannt.

Noch ein Tipp zur hauseigenen Suchmaschine: Ohne Anmeldung Microsoft Bing XML Sitemap einreichen [MountainGrafix].

Barrierefreie Akzeptanz im Alltag

Jan Eric Hellbusch hat sich mit einem neuen Best-Practice-Abschnitt auf Barrierefreies Webdesign wieder zu Wort gemeldet:

Wenn etwas nicht barrierefrei ist, wie soll jemand, der auf die Barrierefreiheit angewiesen ist, zur barrierefreien Version gelangen? Mythos Textversion

Anmerkung für Herrn Hellbusch zur Usability:
Bitte versehen Sie Ihre Artikel mit Erstellungsdatum! Das wäre sehr hilfreich.
Danke, Monat wird nun angegeben (oder wurde von mir ursprünglich übersehen).

Stups mich nicht, du armes Hascherl.

Hier eine Schrulle aus einem stark besetzten Wiener U-Bahn-Zug am 30.11.2009:

  1. Blinde Frau (sichtlich auch mit leicht unrhythmischen Bewegungen) tastet sich mit Stock in den Waggon. Stock berührt das Bein eines Passagiers.

    Passagier1: Au, passen Sie doch auf! … Oh Entschuldigung, ich habe nicht gesehen, dass Sie blind sind.

  2. Zug fährt an. Passagier1 zu blinder Frau: Sagen Sie, haben Sie denn niemanden, der Sie begleitet? Frau verneint.

    Passagier1 weiter zu blinder Frau: Ich frage nur deswegen, weil es ja nicht nur für Sie gefährlich ist, sich in Menschenmassen rumzutasten. Frau sagt nichts darauf.

  3. Zug hält in Station, blinde Frau steigt aus.

  4. Zug fährt wieder an.

    Zweiter Passagier sagt zu Passagier1: Früher zumindest war’s so, dass Behinderte nur mit Begleitperson fahren durften. Das hatte schon seinen Grund.

  5. Passagier1 zu Passagier2 (und mit Blick in die Runde): Ham Se das g’sehn? Is ja wirklich gefährlich, wenn die in einer vollbesetzten U-Bahn mit an Stock zwischen die Leit da rumstochert.

  6. Weiblicher Passagier3 mischt sich ein: Jetzt hörens aber auf! Gestern erst hab i wieder im Fernsehen g’sehn wie arm diese Leut’ sind. Spenden Sie lieber für Licht ins Dunkel und redens net so blöd daher.

Nicht ins Dunkel.

Blinde (und andere, nicht der deklarierten Norm entsprechende Menschen) verharren nicht in einer dunklen Ecke um vom weihnachtlichen Scheinwerfer geblendet zu werden.

Genau gegen diese Hascherl-Stigmatisierung hat sich jetzt eine Initiative gebildet, die in einem Web-Advent(s)kalender die Kraft und Selbständigkeit von Menschen zeigt, die kein Mitleid, aber Akzeptanz brauchen: Nicht ins Dunkel – die Kraft des Augen-Klicks. Hier noch ausführlicher erklärt von Beate Firlinger.

Die vorher zitierten U-Bahn-Passagiere wären vermutlich auch völlig verwundert, dass Gehörlose einen Film verstehen und blinde Menschen einen Film »sehen« können, wenn er denn richtig aufbereitet ist. Wie das für Blinde geht, beschreibt Daniele Corciulo im Access-for-all-Blog sehr gut: Audiodescription, die Art welche Filme für Blinde zum Genuss macht.

Websites für den Alltag

Blair Millen nimmt in einem Beitrag auf accessites.org die Website eines Anwaltes für Behindertenrecht unter die Lupe.

Ihr Resümee: Definitely a site that could - and should - be used as an example of accessible design. Web design students … start taking notes.

Auch ich finde diese Site sowohl optisch, als auch aus Sicht der Zugänglichkeit, sehr gelungen. Sehen Sie selbst: Law Office of Lainey Feingold.

Monster.de im Test bei BIK.

Auf der Jobbörse monster.de scheinen die Verantwortlichen zu glauben – ähnlich wie unsere vorhin zitierten U-Bahn-Passagiere –, Menschen mit nicht norm­definierten Fähigkeiten und Bedürfnissen können nicht arbeiten, leben von Weihnachts­spenden und besuchen daher ihre Website gar nicht. Anders lässt sich der Relaunch des Jahres 2009 wohl nicht erklären.

Das Fazit vom BITV-Test:

Barrierefreiheit hat sich ganz offenbar noch nicht bis zu Monster rumgesprochen. Man ist dennoch sehr stolz auf sich und die Nominierung für die »Website des Jahres 2009« […] 62,5 Punkte für Monster.de

Mobil barrierefrei

Mit interessanten Vorträgen gespickt war der Wiener 21. Accessibility-Stammtisch, zusammengefasst von Markus Ladstätter, der sich dem Thema barrierefreier, mobiler Anwendungen widmete.

Im Gegensatz zu mir konnte Robert Lender diesmal nicht dabei sein. Das hindert diesen umtriebigen Mann natürlich nicht daran, einen kurzen Blogeintrag mit weiteren guten Verweisen zum Thema zu verfassen: Mobile Accessibility Revolution.

Auch hier wieder mein Blick zu den vorher erwähnten U-Bahn-Passagieren: Die würden nicht im Traum vermuten, dass Handys von blinden Menschen bedient werden. Sie würden vermutlich noch in fürsorglicher Art gesetzlich verankert haben wollen, dass die Bedienung solcher Geräte nur von Begleitpersonen erfolgen darf.

Ich stolperte noch über einen Beitrag aus dem November 2009, wo kurz und verständlich drei Möglichkeiten beschrieben werden, mobile Geräte über Web­applikationen anzusprechen: Three Ways to Target Mobile Devices.

Empfohlene Beiträge über Unternehmen und Medien

In Listenform verweise ich noch auf ein paar ausgesuchte Beiträge aus dem November, die ich Ihnen – bei dementsprechendem Interesse – gerne empfehle:

Thema Unternehmen und Organisationen

Thema Medien

Abschnitt 1 von 1

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 8. Dezember 2009 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 08 Dezember 2009, 21:56 MET.
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