Nachlese: Logbuch Accessibility – da guckst du

Dienstag, 01 April 2008 01:10 MET

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Webgestaltung, Kommunikation, Empfehlungen, Bücher  
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Nachlese: Logbuch Accessibility – da guckst du [hyperkontext | Weblog]
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Dieses Buch beinhaltet ausgewählte Beiträge der Accessibility Blog-Parade 2007 und ist gedruckt oder als E-Book kostenlos bei MAIN (Medienarbeit Integrativ) erhältlich.

Ich wünsche mir, dass nun auch einige von den netz-abstinenten Entscheidern aus Behörden und Wirtschaft da reingucken. Wenn nach der Lektüre nur ein paar wenige verstanden haben, dass es darum geht die tatsächlichen Möglichkeiten der digitalen Welt zu begreifen, dann hat sich dieses Druckwerk gelohnt.

Machen Blog-Texte in Buchform Sinn?

Da predigen wir immer, dass Inhalte des einen Mediums nicht 1:1 auf das andere übertragbar sind. Da reden wir von anderen Zugängen, von unterschiedlichen Strukturen für unterschiedliche Medien, von Hyperlinks, die das wesentliche Merkmal in Hypertexten zur Vernetzung und unmittelbaren Quellenüberprüfung sind, von zeitnahen Kommentarfunktionen und von zeitgleichen Interaktions- und Editiermechanismen.

Bei webaffinen Zeitgenossen löst der Gedanke an Blog-Texte als Buch in der Regel Skepsis aus. 

Auch mein erster Gedanke zum Logbuch war: Blödsinn. Wozu?

Zum einen weisen die Herausgeberinnen – Beate Firlinger und Brigitta Aubrecht von MAIN_Medienarbeit Integrativ – darauf hin, dass gedruckten Texten aus Weblogs eine wesentliche Komponente der Vernetzung und Diskussion in Form von weiterführenden Hyperlinks, Kommentaren und Bezugnahmen fehlt.

Zum anderen kommt es natürlich auf die Art der Texte an. Und hier hatten die Herausgeberinnen ein sensibles Gespür, welche für solch ein Buch geeignet sind.

Vielmehr haben wir die Texte nochmals sondiert, einige davon ausgewählt und neu sortiert. Anders als das Web mit seiner Gleichzeitigkeit der verfügbaren Information bietet das gute alte Buch die Möglichkeit, die Inhalte in einer bewussten Abfolge zu reihen und in einer Gesamtschau zu studieren. Seite 8

Ey, da guckst du

Jetzt halte ich das gedruckte Exemplar in Händen und bin vom Resultat angenehm überrascht. Vor allem die Art der Aufbereitung – Paperback, stark bebildert und ungewöhnliches Schriftformat – empfinde ich für diesen Zweck sehr geeignet.

Kein Buch im herkömmlichen Sinn, aber auch keine Broschüre zum schnell wieder Weglegen.

So gesehen wurde das Buch nur für sehende Menschen gemacht.
Da guckst du!

Foto: Buchausschnitt mit der Überschrift Maus raus, daneben die Grafik einer aufziehbaren Spielmaus
© Andreas Hafenscher

Sehen Sie den Unterschied?

Das Buch in Händen macht wohl nur Sinn für sehende Menschen. Blinde müssten auf eine eigene (natürlich mit Kostenaufwand verbundene) Braille-Version warten, ansonsten sie auf menschliche Hilfe angewiesen wären, die ihnen den Inhalt des Buches vorliest und die schöne grafische Aufmachung erklärt.

Konsequenterweise gibt es das Büchlein aber auch in barrierefreier PDF-Version und kann daher auch blinden Menschen etwas Stimmung von der Aufbereitung und der grafischen Gestaltung vermitteln.

Die meisten Texte in diesem Buch gibt es aber schon seit dem Moment ihrer Veröffentlichung im Web durch ihre jeweiligen Autorinnen überall abrufbar und eben zeitgleich auch für Blinde zu lesen. Solche Menschen bekommen dadurch mehr Unabhängigkeit und Lebenskomfort – ohne zusätzlichen Kostenaufwand.

Ich hoffe, jetzt sehen Sie auch den Unterschied!

Die Menschen zum Buch

Hinter den Texten stehen natürlich die vielen Blog-Autoren. Im Zuge der öffentlichen Buchausgabe am 27. März 2008 fanden sich auch einige – inklusive meiner Wenigkeit – persönlich ein.

Unter dem Motto Stimmen zum Buch wurden von Fabian Topfstedt kurze Interviews aufgenommen, die nun als MP3 zur Verfügung stehen, das Gesprochene natürlich barrierefrei auch in Textform (MAIN_blog > Themenarchiv Podcast).

Kennen Sie das auch?

Je mehr wir uns mit einer Sache beschäftigen, umso differenzierter werden die Dinge. Umso schwerer wird es, Sachverhalte oder Entwicklungen kurz und bündig rüberzubringen. Da lobe ich mir so manch redegewandte Kommunikatoren, die oft in völliger Ahnungslosigkeit einer Materie mit nichts sagenden Worten die Fachperson markieren.

Spontane Fragen zu einem Thema mit dem ich mich nun schon seit Jahren ständig beschäftige und die eine kurze Antwort erwarten, bereiten mir dann so meine Schwierigkeiten. Nachträglich fallen mir die Sätze ein, die ich eigentlich wirklich gerne gesagt hätte.

Was ich mir wünsche

Hier also nun das, was ich auf die Frage von Fabian – Stimmen zum Logbuch 3: Gerald Brozek – in dem Moment gerne geantwortet hätte:

Ich wünsche mir, dass nun auch einige von den netz-abstinenten Entscheidern aus Behörden und Wirtschaft animiert werden da reinzugucken und sich mit ihren Augen von der schönen optischen Aufmachung verführen lassen etwas mehr darin zu lesen.

Wenn nach der Lektüre nur ein paar wenige verstanden haben, dass es hierbei nicht um

  1. technische Details,
  2. mitleiderhaschendes Licht ins Dunkel,
  3. einen neuen Marketing-Gag,
  4. Zielgruppen und
  5. auch nicht um Einschränkung der Publikations- und Gestaltungsfreiheit

geht, sondern letztendlich um

  • die notwendige zeitgemäße Anpassung unserer virtuellen Architekturen,
  • die tatsächlichen Möglichkeiten der digitalen Welt zu begreifen,
  • zukünftigen Kostenaufwand für nachträglich unabwendbare Standardisierungen in Grenzen zu halten und
  • kommenden Generationen nicht einen digitalen Misthaufen zu hinterlassen,

dann hat sich dieses Druckwerk gelohnt.

Abschnitt 1 von 1

Verweise zum Thema

Daten zum Buch

Logbuch Accessibility
über Barrieren im Netz …
Autor(en):
Ausgewählte Beiträge verschiedenster Autoren zur Accessibility Blog-Parade 2007.
Weitere Daten:
Herausgeber: Beate Firlinger, Brigitta Aubrecht (März 2008). Gefördert durch das österreichische Bundessozialamt.
Sonstige Infos:

Gedruckt oder als E-Book kostenlos bei MAIN (Medienarbeit Integrativ) erhältlich.

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Datum:
veröffentlicht am 01 April 2008, 01:10 MET.
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