Miteinander Mitmachen lernen

Montag, 16 Juni 2008 21:34 MET

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Kommunikation  
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zwei spielende Mädchen springen gemeinsam über Schnur
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Der Führer-Mythos und die krankhafte Modellierung einer Kasten- und Linien-Welt ist Kultur!

Heerscharen von Vollstreckern der gängigen Management-Lehre vagabundieren durch die Lande und saugen die letzten Tropfen Menschlichkeit aus ihren Opfern.

Ist die Organisation weitgehend A-Virus befreit, dann kann ein lesenswertes Whitepaper von Anecdote helfen, Kollaboration quasi in Trockenübung langsam zu erlernen.

Das A-Virus ist allgegenwärtig

Auch wenn es ein Tabu ist und viele es nicht geeignet finden das Problem der hirntoten Organisation direkt anzusprechen, hatte ich mich vor kurzem mit Sarkasmus – beißender Spott – diesem Thema angenommen: A-Virus ist nicht Web2.0 kompatibel.

In den letzten Wochen tauchten Artikel und Geschichten auf, die in indirekter Weise dieses Thema ansprechen:

Oder auch das A-Virus auslassen und davon ausgehen, dass es wohl nur um Überzeugungsarbeit geht:

  • Gewinne maximieren. Das Märchen wird wahr! [mediationsblog.de] – Je größer das Unternehmen ist, umso teurer werden die Konflikte, da mehr Abteilungen und Menschen in die Situation involviert werden, bis hin in die Managementetagen.
  • Was Mitarbeiter und Chefs wirklich wollen [muellerkonzept.de] – Wertschätzung und Liebe, Sinnorientierung und Motivation durch humanistische Werte, sind keine Begriffe der Sozialromantik, sondern tatsächlich lebbar […].
  • Hierarchien vs. Struktur [communixx.de] – Es ist also zu unterscheiden zwischen Hierarchien/Rollen und (komplexen) Strukturen.
  • Enterprise 2.0: Anarchie in Unternehmen? [injelea.de] – In welchen Strukturen soll gemeinsam gearbeitet und kommuniziert werden? Wer soll diese Strukturen festlegen?

Diese Texte haben natürlich alle ihre argumentative Logik und erzählerische Brisanz. Sie übersehen und verschweigen geflissentlich aber das simple Problem des Arschlochs. Daher will ich die Sache noch einmal aus anderem Blickwinkel ansprechen.

Es geht eben nicht nur um Überzeugungsarbeit. Es geht ganz direkt auch um prinzipielle Lebens- und Kultureinstellungen.

Der Führer-Mythos lebt

Auch wenn es heuchlerisch versteckt wird, träumen viele von der Macht. Koste es was es wolle. Und gar nicht versteckt, sondern glorifizierend, zirkuliert der Helden-Epos des starken Führers und die positiven Eigenschaften von aggressiven Alpha-Männchen und -Frauchen.

Der Führer-Mythos und die krankhafte Modellierung einer Kasten- und Linien-Welt ist Kultur! Für Millionen Menschen gehört das zum Weltbild, ist das unverrückbare Lebensordnung. Millionen steigern ihren Selbstwert schon am kleinsten Krümel eines Machtkuchens.

Unternehmen sind das Spiegelbild dieser Kultur

Heerscharen von Vollstreckern der projekt- und prozessorientierten, ziel- und gewinnmaximierenden Management-Lehre vagabundieren durch die Lande und saugen die letzten Tropfen Menschlichkeit aus ihren Opfern.

  • Unter Mitmachen beziehungsweise Teamorientierung wird Unterwerfung verstanden.
  • Zielorientierung wird zu einem einzigen Weg stigmatisiert: Wer zu langsam ist, eigene Ideen hat oder zu viel fragt, wird beseitigt, vernichtet, liquidiert.
  • Alles was nicht innerhalb eines Quartals Gewinn bringt oder in einem Prozess modelliert ist, wird eingestellt oder ignoriert und gibt es gar nicht.

Erklärung:
Natürlich braucht es Projekte, Prozesse, Zielorientierung und auch gewinnmaximierende Maßnahmen. Allerdings nicht in jeder Lebenslage und in den Köpfen dogmatischer Vollstrecker!

Die Grundfeste der Lebenseinstellung solcher Leute ist nun einmal, dass die Welt nur mit fester Hand regiert werden kann. Konfrontationen sind nur mit dem Ziel des eigenen Gewinns, der Beseitigung, Liquidierung von vermeintlichen Gegnern verbunden.

Die Gedankengänge und allein der Wortschatz dieser Spezies ist ganz eng mit dem militärischen verbunden. Da wird dann auch ein Krieg um Talente geführt, schweres Geschütz aufgefahren, ein Minenfeld gelegt, Schlachtpläne in Kommandozentralen entworfen oder von Säuberungsaktionen gesprochen.

Das A-Virus zerstört das Menschliche

Das Fatale dabei: Diese Haltung ist kulturell akzeptiert, wird also mehrheitlich nicht einmal geächtet.

Ein A-Virus-Träger lacht insgeheim über das Gelabere von ein paar anders tickenden Beratern und verspottet sie als Gutmensch. Erreger des A-Virus haben auch nicht das Wohl der Angestellten, Kunden und Unternehmenseigner zum Ziel, sondern die Befriedigung ihres krankhaften Bedürfnisses nach immer mehr Macht.

Solche Leute werden kollaborative Umgebungen nur so lange akzeptieren, solange sie mehr nehmen als geben können. Solange sie sich Machterweiterung damit erhoffen. Es ist also keine Überzeugung oder Lebenseinstellung, sondern nur strategisches Handeln.

Die Hoffnung ist tot. Es lebe die Hoffnung!

In diese Welt hinein labern dann Mediatoren und Unternehmensberater, dass mit kollaborativer Arbeitsweise und menschlichem Umgang Gewinne maximiert werden können? Ich kann es ihnen nicht verübeln, denn sie gehen vom Willen aller Betroffener aus.

Hierzu auch ein toller Beitrag, Kommentare und Bezugnahmen im Kulturmanagement-Blog: Streiten bis zum bitteren Ende: Friedrich Glasl und seine Eskalationstreppe.

Ich muss darauf bestehen: Ein ehrliches Miteinander wird nur dann greifen, wenn das A-Virus auch als solches erkannt worden ist und behandelt wird. Ansonsten wird ein nicht identifizierter Erreger – in menschlicher Gestalt – immer wieder aktiv und jedes Miteinander ins Gegeneinander pervertieren.

Und natürlich sind alle Nicht-Infizierten aufgerufen, ihren Unmut zu artikulieren, sich dagegen zu wehren und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass es einmal anders wird.

Jedes Unternehmen hat die Mitarbeiter, die es verdient

Im Einzelfall heißt das, dass sich langfristig wohl nur die Mitarbeiter in einer A-infizierten Organisation halten, die bei diesen Spielen mitspielen oder aus finanziellen Gründen apathisch mitschwimmen.

Auf der anderen Seite werden sich in Unternehmen, die sich dem Kampf und der Prophylaxe gegen das A-Virus stellen, die Erreger keinen geeigneten Wirt finden und sich bald eine nicht-resistente Organisation suchen.

Hier wirkt – in finanziell unabhängigeren Kreisen zumindest – der normale Marktmechanismus.

Miteinander Mitmachen lernen

Ist die Organisation weitgehend A-Virus befreit, dann kann ein lesenswertes Whitepaper von Anecdote helfen, Kollaboration quasi in Trockenübung langsam zu erlernen:

We're hoping this document creates a new conversation within organisations where people responsible for fostering collaboration not only realise that they must look beyond the technology implementation but consider ways to introduce and support collaborative practices. anecdote, Building a collaboration workplace

Mit diesen Trockenübungen im Gepäck, lassen sich dann die hypen digitalen Zwei-Punkt-Null Dinge wahrscheinlich gezielter angehen.

Ein hoffnungsvoller Bericht, dessen Überschrift allerdings nicht so mitreissend ist wie der Titel des Blog-Eintrags von Anecdote, über den ich auf den folgend zitierten Auszug stieß, macht Mut: Internal blogging builds trust in leadership.

Historically, there’s been an issue of trusting the leadership team – well, a few months ago, our senior team started blogging. And, boy, what an amazing response it’s been. Abi Signorelli, You're getting on my wiki!

Es lebe die Hoffnung!

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Datum:
veröffentlicht am 16 Juni 2008, 21:34 MET.
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