Mit Little Boxes Buchautor Peter M. Müller im Gespräch

Samstag, 23 Mai 2009 09:46 MET

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Webgestaltung, Kommunikation  
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Mit Little Boxes Buchautor Peter M. Müller im Gespräch [hyperkontext | Weblog]
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Ab Juni 2009 ist Teil 1 der Buchreihe Little Boxes als aktualisierte und erweiterte Neuauflage erhältlich. Little Boxes erschien ursprünglich im Jahr 2006 via Book-On-Demand im Eigenverlag. Erst später wurde unter Obhut eines klassischen Buchverlages eine Serie daraus.

Ich bat den Buchautor und Dozenten Peter M. Müller im März 2009 um ein Gespräch per E-Mail. Es wurde ausführlich und informativ.

Abschnitte

  1. Einleitung und Zusammenfassung
  2. Zur Zukunft von Little Boxes und Büchern allgemein
  3. Peter M. Müller über sein Leben und Berufserfahrung
  4. Der Buchautor über die Kunst des guten Fachbuches

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Peter M. Müller über sein Leben und Berufserfahrung

#6 hyperkontext

Durch ein Interview mit Frank Bültge (Januar 2007) weiß ich, dass Du im nordwestlichen Raum Deutschlands aufgewachsen bist und Dich offenbar die Liebe ein paar Kilometer weiter nach Westen trieb.

Dein Lebensmittelpunkt ist nun das niederländische Groningen?

#6.1 Peter

Als Hobby ist groningen-info.de ent­standen, das ja in Little Boxes 0 auch erwähnt wird und seit 2003 hartnäckig auf absoluter Positionierung [meint das Layout in CSS] beruht.

Tja, also das mit dem Aufwachsen im Nordwesten stimmt. In der Nähe von Oldenburg, in einem kleinen Dorf namens Ahlhorn.

1980 ging es mit 20 Jahren nach London, um dort gut drei Jahre lang eine Ausbildung als Krankenpfleger zu machen. Anschließend zog es mich wieder nach Nordwestdeutschland zum Zivildienst.

Danach habe ich Anglistik und Geschichte studiert. Magister als Abschluss statt Lehramt, denn ich wollte auf keinen Fall Lehrer werden. Diplomierte Arbeitslosigkeit, aber es hat Spaß gemacht.

Mein privater Lebensmittelpunkt hat sich kurz nach dem Millenium 140 km weiter westlich nach Groningen verlagert. Dort lebe und schreibe ich.

Groningen ist eine wunderschöne Stadt mit 180.000 Einwohnern. Viel Wasser und noch mehr Studenten (rund 45.000).

#6.2 hyperkontext

Gibt es irgendwelche regionale Eigenheiten dieser nördlichen Niederländer, die Du als Noord-Duitser besonders schätzt und welche Du bei Wegzug aus Groningen vermissen würdest?

#6.3 Peter

Was ich an Groningen als Stadt schätze ist die Lebendigkeit.

Natürlich gibt es auf beiden Seiten der Grenze unterschiedliche regionale Eigenheiten, aber die sind nicht so besonders groß.

Das beginnt mit der Landschaft, die in Nordfriesland kurz vor Dänemark ganz ähnlich ist wie hier in der Nähe von Westfriesland und geht weiter über die Mentalität der Leute.

In Norddeutschland gilt eine Dopplung wie Moin, moin schon als geschwätzig. Das ist hier ähnlich. Auch die Dialekte sind ähnlich. Mit nordwestdeutschem Plattdütsch kommt man auf dem Groninger Markt wahrscheinlich gut durch.

Ich habe ja zwanzig Jahre in Oldenburg gelebt und die beiden Städte sind einander nicht unähnlich, aber Groningen ist ein bisschen weltoffener.

  • Menschen aus aller Herren Länder.
  • Moderne Architektur direkt neben alter.
  • Newscafé neben dem Goudkantoor.
  • Das Museum mitten in der Gracht, teils italienisch (Mendini), teils österreichisch (COOP Himmelb(l)au).
  • Direkt gegenüber der Bahnhof im Jugendstil.
  • Überall Fahrräder.
  • Der Wochenmarkt im Stadtzentrum.
  • Neben den üblichen Ketten viele kleine, einzigartige Läden.

Groningen ist toll!

#6.4 hyperkontext

Du arbeitest auch als Dozent im Bildungsbereich. Wie sollen wir uns so eine Dozententätigkeit für Web-Dinge - so nenne ich es mal - genau vorstellen?

#6.5 Peter

Der Übergang in die IT-Branche begann gegen Ende des Studiums, Anfang der 90er mit dem Schreiben und Übersetzen von Handbüchern und dann kam das Unterrichten hinzu, was überraschenderweise sehr viel Spaß gemacht hat.

Abgesehen vom Schreiben ist der berufliche Lebensmittelpunkt aber nach wie vor im nördlichen Deutschland. Dort arbeite ich bei einem privaten Bildungsträger namens Procon GmbH in Oldenburg und Hannover.

Firmenschulungen aller Art und Weiterbildungen im Auftrag der Arbeitsagentur, hauptsächlich im Bereich IT und Medien.

Richtig freie Wirtschaft, nix mit akademischer Nische. Harte Arbeit, karger Lohn, heißt das bei uns immer. Da muss man flexibel sein [schmunzelt].

Ich mache das bereits seit 1993, seit ein paar Jahren aber nur noch drei Tage die Woche, um erstens ab und an auch zu Hause zu sein und zweitens Zeit zum Schreiben zu haben.

Seminarschwerpunkt ist alles was mit Internet zu tun hat. Von effektiver Recherche über Sicherheit bis hin zum Erstellen von Webseiten mit HTML, CSS und einfachen Content Management Systemen.

Plaudert über Berufserfahrungen

#7 hyperkontext

Du hast also schon praktisches Wissen über Anwendungsprogramme zu einer Zeit vermittelt, in der gerade mal ein paar Computer-Nerds 1993 die ersten Gehversuche im Web mit dem – ersten Browser überhaupt – Mosaic-Browser machten.

Wie wir nun wissen, hält das Web allmählich Einzug in den Alltag der Menschen und ändert die Gewohnheiten.

Beobachtest Du bei Teilnehmern in Anfängerkursen nun andere Gewohnheiten? Etwa größeres Vorwissen, andere Herangehensweisen oder andere Erwartungen im Vergleich zu früheren Jahren.

#7.1 Peter

Erstaunlicherweise nein. Weder bei Internet-Einführungen noch bei Web­entwickler-Kursen.

Teilnehmer an Internet-Einführungen betrachten das Web über­wiegend als Fernseher, in dem man in Hochglanz­broschüren rum­klicken kann.

Alle kennen den Zurück-Button im Browser, aber viele nicht mal das Wort Browser.

Sie setzen keine Lesezeichen oder Favoriten und haben keine Ahnung, wie eine Suchmaschine funktioniert.

Sie zoomen nicht einmal. Strg + Mausrad ist in Einführungen immer noch der absolute Bringer.

Ich bin nicht IKEA

Eine kleine Anekdote illustriert sehr schön, wie Otto Normalsurfer das Web gebraucht:

groningen-info.de Kontaktseite Screenshot … erst seitdem ich die Worte Ich bin nicht IKEA farblich hinterlegt habe, bekomme ich keine E-Mails mehr.

In Groningen gibt es ein IKEA-Möbelhaus, bei dem auch viele Deutsche einkaufen. Nun bekam ich über das Kontaktformular des öfteren Mails mit Inhalten wie, Ich habe bei Ihnen den Küchenschrank Värde gekauft, der ist kaputt. Was machen wir jetzt?

Ich begriff anfangs überhaupt nicht, wie die Leute auf die Idee kommen, dass ich IKEA wäre.

Verstanden habe ich das erst, als ich bei google.de mehr oder weniger zufällig die Suche IKEA Groningen eingegeben habe. Meine Hobby-Site listet auf Platz 1, vor ikea.com.

Das muss bei den Surfern ungefähr so ablaufen:

  1. Ich gebe bei der Suchmaschine IKEA und Groningen ein.
  2. Wenn ich jetzt auf den ersten Treffer klicke, bin ich bei IKEA.
  3. Hey, da ist ja auch ein Foto von IKEA.
  4. Rechts oben steht Kontakt.
  5. Wenn ich da was reinschreibe, schreibe ich an IKEA.

Aus Sicht von Otto Normalsurfer ist das perfectly logical. Er weiß nichts von URLs [Uniform Resource Locators], Domain-Namen und der Adresszeile des Browsers, Adressen tippt man bei Google ins Suchfeld …

Ich habe inzwischen oberhalb des Kontakt­formulars ein bisschen Lektüre platziert, sodass man erst scrollen muss, um eine Nachricht zu schreiben, und danach wurde es weniger aber nicht gleich Null.

Papierdenken in der Wahrnehmung

Wer sich mit dem Erstellen von Webseiten beschäftigt, weiß meist schon etwas mehr über das Web, aber da bleibt die Hauptschwierigkeit das Papierdenken.

Jens Grochtdreis prägte den schönen Satz, Webseiten sind keine Gemälde, sie werden nicht nur betrachtet sondern benutzt. Das war 2005 und im Januar 2009 hat sich in der Wahrnehmung der breiten Masse nicht viel geändert.

Das Geniale am Web ist seine Flexibilität, und wie sagt Jens? Es gilt, diese Genialität zu entdecken und zu nutzen, nicht sie zu negieren.

Leider sind wir dem in den letzten Jahren nur sehr wenig näher gekommen, denn viele Kunden surfen mit dem Wissensstand des oben beschriebenen Groninger IKEA-Besuchers.

#7.2 hyperkontext

Es scheint auch einen Mangel an genügend qualifiziertem Lehrpersonal für Web-Dinge zu geben.

Die meisten Lehrkräfte stammen offenbar aus dem klassischen Druck- und Grafikgewerbe mit wenig Weberfahrung, die noch selbst diesem Papierdenken frönen. Kannst Du das bestätigen?

Braucht es geregelte Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrende in diesem Bereich?

#7.3 Peter

Yep. Die braucht es. Ganz ganz viele Webdesigner haben den gedank­lichen Paradigmen­wechsel selbst noch nicht vollzogen und geben ihr Papierdenken dann auch ungefiltert weiter, wenn sie irgendwo unterrichten.

Nicht nur für Lehrende, auch für die im Web­design Tätigen wäre vielleicht ein bisschen Regelung nicht schlecht.

Auch für Kunden auf der Suche nach einem Web­designer ist es wahnsinnig schwer, Scharlatane von seriösen Anbietern zu unterscheiden. Wobei man aber auch sagen muss, dass die Bereitschaft, für eine professionelle Website einen professionellen Preis zu zahlen, nicht sonderlich ausgeprägt ist.

Kunden, die ohne mit der Wimper zu zucken ein paar Tausend Euro für eine einmalig erscheinende Anzeige in der Wochenendausgabe einer Zeitung berappen, fallen in Ohnmacht, wenn sie die selbe Summe für eine Website bezahlen sollen, die rund um die Uhr bereitsteht. Waas? So teuer? Mein Neffe ist zwölf, und der kann das auch.

Qualifizierungsmaßnahmen für Otto Normalsurfer

Genau genommen fängt das aber noch viel früher an. Am dringendsten werden eigentlich Qualifizierungsmaßnahmen für Otto Normalsurfer gebraucht.

Ganz simple Dinge, die in Little Boxes 0 im ersten Kapitel in sehr komprimierter Form angesprochen werden:

  • Internet und Web,
  • Browser bedienen,
  • Lesezeichen setzen.
  • Wie funktioniert eine Suchmaschine und wie sucht man sinnvoll?
  • Internet-Sicherheit-Grundlagen: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Das Hauptproblem ist, dass viele der Betroffenen diesen Bedarf gar nicht erkennen und glauben, dass sie ganz gut klarkommen.

Abschnitte dieses Artikels:

  1. Einleitung und Zusammenfassung
  2. Zur Zukunft von Little Boxes und Büchern allgemein
  3. Peter M. Müller über sein Leben und Berufserfahrung
  4. Der Buchautor über die Kunst des guten Fachbuches

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veröffentlicht am 23 Mai 2009, 09:46 MET.
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