Mai 2010 im Kontext

Montag, 07 Juni 2010 08:12 MET

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Mai 2010 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Das Projekt webtermine.at schickt sich an, eine wichtige Ressource für webaffine Menschen in Österreich zu werden.

Accessibility: Wie inkompetent dürfen Anbieter sein? Neue Bücher zu HTML5 und ein paar interessante Beiträge zu CSS.

Die Chance haben, sie nicht zu nutzen, scheint wohl Chefsache zu sein. Führungskräfte werden oft mehr zum Teil des Problems, als ein Beitrag zur Lösung.

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  1. Webtermine in Österreich
  2. Webgestaltung im Mai 2010
    1. Accessibility
    2. HTML5
    3. CSS
  3. Die Chance haben, sie nicht zu nutzen
    1. Nutzbare Informationen
    2. Chefsache

Webtermine in Österreich

Ich erwähnte ja immer wieder diverse Aktionen des umtriebigen Robert Lender. Diesmal handelt es sich um das Projekt webtermine.at.

Der Mann zeigt, was aus Begeisterung und Spontaneität, aber auch aus Konsequenz und Durchhaltevermögen entstehen kann.

Webtermine.at schickt sich an, eine wichtige Ressource für webaffine Menschen in Österreich zu werden.

Angefangen hatte Robert mit einem einfachen Stream auf soup.io, um dort von Internet-Veranstaltungen in Österreich die Termine einzutragen. Mittlerweile hat er zusammen mit Robert Harm und einigen weiteren Unterstützern eine Plattform mit eigener Domain aufgebaut.

Das derzeitige Resultat kann sich sehen lassen:
webtermine.at – die erste Adresse für webnahe Veranstaltungen in Österreich. Sowohl für Organisatoren um Termine einzutragen, als auch für Leute die nach Veranstaltungen suchen.

Eine eigene Plattform gibt es für Verbesserungsvorschläge und Fehlermeldungen.

Webgestaltung im Mai 2010

Ein Eintrag von Matthias Schütz verweist auf eine Seite der Agentur Molecular, die ihre Code Standards & Front-end Development Best Practices dort schriftlich festhalten. Sehr lesenswert!

Eine themenunabhängige Gemeinsamkeit fiel im Mai auf: Das Serienfieber scheint ausgebrochen zu sein – zumindest bei den Themen die ich verfolge. Nachfolgend verweise ich daher des Öfteren auf Artikelserien.

Accessibility

Sylvia Egger setzte wieder ihre Recherche-Brille auf und berichtet in zwei Teilen:

Auf Einfach für Alle wird in einer Serie beschrieben, wie sich blinde Menschen im Web bewegen:

Wie inkompetent dürfen Anbieter sein?

Es ist kaum zu glauben, aber leider Wirklichkeit: Mittlerweile werden Websites beim Relaunch in ihrer Zugänglichkeit nicht verbessert, sondern weiter eingeschränkt. Eingeschränkt mit Methoden, die heutigem Verständnis des Frontend-Handwerks gar nicht mehr entsprechen und eher nackte Inkompetenz, als kalkulierte Einsparung zeigen.

Der jüngste BITV-Test manifestiert das wieder: Test des Monats Mai 2010 - 74 Punkte (und abgewertet) für die SCHUFA.

Da wird es verständlicher, wenn ein bekannter Web-Accessibility-Haudegen wie Roger Johansson jüngst auf Umstände hinweist, die jedem seriösen Webentwickler bekannt sein sollten:
Accessibility does not prevent you from using JavaScript or Flash.

HTML5

WebAIM startete die Artikelserie Future Web Accessibility und betrachtet HTML5 aus diesem Blickwinkel:

Nun tauchen die ersten Bücher zu HTML5 auf.

In der englischsprachigen Abteilung findet sich das Buch HTML5 For Web Designers von Jeremey Keith. Auf A List Apart gibt es das erste Kapitel: A Brief History of Markup.

In der deutschsprachigen Abteilung debütierte Peter Kröner im Mai 2010 mit HTML5 – Webseiten innovativ und zukunftssicher. Dieses Buch wird – soweit ich das richtig verstehe – bald auch in englischer Sprache zur Verfügung stehen.

Drei Artikel vom Kröner zum Thema:

  1. Sein Blogeintrag: Das HTML5-Buch
  2. Was ist HTML5 und was nicht? Und was hätte der Kaiser dazu gesagt?
  3. Auf perun.net ein äußerst gelungener Gastartikel: Drei Dinge, für die man bereits jetzt HTML5 (in jedem Browser) gebrauchen kann

Wie so ein grundsätzliches HTML5-Dokument aussieht, vermittelt auf Sitepoint Kevin Yank: A Minimal HTML Document (HTML5 Edition).

CSS

  • Wir sollten die in Mode kommenden Beiträge zu allen möglichen Einsparungen der Ladezeit nicht überbewerten, aber interessiert lesen: Efficiently Rendering CSS.

    Ja nicht falsch verstehen, denn schließlich ist die Kaskade auch der Sinn von Cascading Style Sheets (CSS), wie der Name impliziert. Henne–Ei? Logischerweise braucht ein Browser bei ausgiebigem Einsatz der Kaskade dafür Verarbeitungszeit.

  • Mit intelligenten Anwendungsmöglichkeiten der CSS3 Media-Queries beschäftigt sich: Responsive Web Design.

  • Ein sehr schönes Tutorial hat Richard Bradshaw erstellt: Using CSS3 Transitions, Transforms and Animation.

  • Irgendwie geht es auch meist mit dem IE, daran haben wir uns schon gewöhnt: How to use RGBA() in IE.

    Die eigentliche Frage ist: Wollen wir das? Wollen wir immer dem IE eine Sonderbehandlung verpassen?

Die Chance haben, sie nicht zu nutzen

Der alte Anarchisten-Spruch, »wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie«, ist aktueller denn je. Manager scheinen der Logik in simplifizierter Fassung zu huldigen: Wir haben die Chance, sie nicht zu nutzen.

Entweder–Oder, Schwarz–Weiß ist das Eldorado für einfach gestrickte Personen.

Karli Manager und eingelulltes Fußvolk sieht Menschen als Bediener der großen Maschine, der Weltmaschine. Ordnung kann nur in Schubladen und durch Hierarchien sein, Netzwerke sind für solche Leute die verteufelte Anarchie (siehe Bücher: Das Ende der Schublade, Systemisches Wissensmanagement).

Ein notwendiges Sowohl-als-auch ist die wirkliche Herausforderung unserer Zeit: Is Your Organization a Process or a Network?

Leider geht es hier nicht nur um ein Missverständnis. Gerade in der internen Kommunikation in (staatlichen) Organisationen zeigt sich das deutlich. Es geht um Bequemlichkeit, Macht, Privilegien, mitunter auch Korruption und Einflussnahme, selten aber um den Wunsch nach besserer Dienstleistung, Innovation oder Effizienz.

Nutzbare Informationen

Intranets sind in vielen großen Organisationen und Behörden oft nur in sinnbefreiten Fragmenten vorhanden und bringen daher sowieso keinen nennenswerten Nutzen. Den Menschen aus solchen Vereinen erscheinen die folgenden drei Verweise vermutlich wie eine Fata Morgana, verkleidet als Agenda 2100.

  1. Gute Intranet Manager müssen neue Wege gehen
  2. Produktive Wissensarbeiter fallen nicht vom Himmel
  3. Mangelnde Usability erstickt das Verhältnis Intranet & Unternehmenskultur im Keim
  4. Nutzbare Informationen setzen ein neues Architekturverständnis voraus
  5. Überlegene Intranets brauchen sorgfältig ausgewählte Technologie

5 Thesen zur Zukunft des Intranets als universelles Arbeitsmittel

Erfolgsfaktoren für Wikis 1: Technologie ist wichtig, wird aber überschätzt. Die organisatorische Komponente trägt unserer Erfahrung nach zu etwa 50% zum Erfolg einer Wiki-Einführung bei, konstatiert Martin Seibert im zweiten Teil dieser Serie. Ein Abschnitt davon wirbt für starke Unterstützung des Top-Managements, denn die mangelnde Beteiligung der Geschäftsführung ist mit einem hohen Risiko verbunden.

Viele Führungskräfte werden oft mehr zum Teil des Problems, als ein Beitrag zur Lösung.

Chefsache

  1. Top-Manager und Führungskräfte entscheiden über Web-Projekte in ihren Unternehmen, ohne wirklich eine Ahnung zu haben.
  2. Nachdem entschieden wurde, geht es meist so aus: Projekte scheitern am Top-Management.

Manchmal bekomme ich den Eindruck, die KISS (Keep It Simple and Stupid)-Fassung des Anarchisten-Spruches wird zur Chefsache: Wir haben die Chance, sie nicht zu nutzen. Klingt schließlich verständlicher und ist leicht umzusetzen.

Geht es hingegen um Raffgier und Korruption, dann lautet die Chefsache: Ich habe die Chance und ich nutze sie.

Neben Einfalt, Dilettantismus, Interesselosigkeit und Raffgier, gibt es zusätzlich noch eine weitere, ganz hässliche Fratze dieser Chefsachen: Das Wort »Ethik« ist vielen Manager-Karlis auch in Europa gerade mal noch, wenn überhaupt, aus dem Geschichtsbuch bekannt: Wenn Manager Mitarbeiterinnen nötigen.

Die Frage ist also mehr als überfällig: Messen wir Führungs­kräften zu viel Bedeutung zu?
Meine wenig überraschend eindeutige Antwort hat noch eine Begründung: Führungskräfte sind oft Teil eines Problems, in nicht wenigen Fällen sogar die Ursache. Selten jedoch ein Beitrag zur Lösung.

Wie auch immer. Für die meisten Menschen stellen sich die Auswirkungen solcher Chefsachen letztendlich so dar:

Die Abteilung, in der die kleine Ameise arbeitete, wurde zu einem traurigen Ort, wo niemand mehr lachte und alle nur verärgert waren. Die kleine Ameise

Abschnitt 1 von 1

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 6. Juni 2010 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 07 Juni 2010, 08:12 MET.
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