März 2010 im Kontext
Mittwoch, 07 April 2010 16:25 MET
Webgestaltung im März 2010
Gleich zu Anfang verweise ich auf eine spannende und lehrreiche Geschichte von Chris Heilmann. Er entdeckte, dass ein Ordner auf seiner Domain als Spamschleuder missbraucht wurde. Unbedingt lesen: How I found out that I am running a spam blog.
Einen zweiten Aspekt dieser Sache möchte ich auch gleich erwähnen:
Es gibt wohl nicht viele, die diese Geschichte öffentlich aufarbeiten würden. Viel zu groß wäre die Angst, eigene Schlamperei oder Fehler einzugestehen. Der Nutzen für die Gemeinschaft ist aber enorm und Chris erspart damit sicherlich einigen anderen ähnlich erfolgreiche Angriffe.
Webinhalte für Smartphones und Pocket PCs aufbereiten und 10+ useful code snippets to develop iPhone friendly websites sind zwei Beiträge aus dem März, die einige wertvolle Tipps für Webentwickler enthalten.
Peter Müller berichtet von einem Sonderangebot für eines seiner Bücher: Little Boxes Teil 0 für 4,95 - billiger wird's nicht. Anfängern kann ich das Buch wärmstens ans Herz legen. Worum es darin genau geht, habe ich schon mal in einer Buchrezension beschrieben.
Mark Boulton stellt sein lesenswertes E-Buch, Designing for the Web, nun auch als kostenlose Online-Variante zur Verfügung.
Barrierefreie Aus- und Einsichten
Die Stiftung »Zugang für alle« aus der Schweiz veröffentlicht das erste Gratis-Programm zum Testen der Barrierefreiheit von PDF-Dokumenten: Prüftool für barrierefreie PDF.
Und Einfach für Alle aus Deutschland hat einige weitere Übersetzungen der WCAG 2.0 im März 2010 abgeliefert.
Es braucht aber noch viel Licht ins Dunkel engstirniger Gehirne.
Ich seh, was du nicht siehst. (Ätsch)
Steve Grobschmidt schreibt über die Ignoranz, die bei manchen Anlässen so durchschwappt: More Accessibility Ignorance.
In diesem Fall geht es um ein Spiel, das in bestimmten Situationen zu wenig Farbkontraste aufweist und für Farbenblinde daher unspielbar wird.
Sehr wenig bekannt sein dürfte nämlich, dass durchschnittlich rund 8% der Männer (hingegen nur knapp 1% der Frauen) an Rot-Grün-Blindheit leiden und diese Sache keinesfalls als »lästiges Minderheitenproblem« zerredet werden kann: Red-Green Color Blindness [colblindor].
Verschärft wird das Problem dadurch, dass viele Betroffene es entweder selbst vertuschen oder ihnen noch gar nicht bewusst wurde. Deswegen sollte dieser Grundsatz beim Screendesign gelten: Contrast is King [Leslie Jensen-Inman on A List Apart].
Steve zitiert übrigens im eingangs erwähnten Beitrag ein paar erschütternde Kommentartrolle aus dem Originalartikel. Hier einer von diesen:
It amazes me how many people with a defect think that the rest of the world should cater to them.
What BioShock 2’s Hacking Looks Like if You’re Colour Blind
Was Blinde so machen
Den Tag nicht im Blindenheim damit verbringen, sich entlang gekachelter Wände weiter zu tasten.
Etwas versteckter, in einer Mischung aus Empörung und Schutzinstinkt, äußert sich Ignoranz, wenn sich manch Blinde in der Öffentlichkeit ohne Begleitperson bewegen.
Eine Reiseplanung für blinde Weltenbummler [Fritz Weisshart] könnte da schon als Beihilfe zur Gemeingefährdung interpretiert werden. Im harmloseren Fall wirst du als naiver »Gutmensch« beschimpft.
Basses Erstaunen hingegen löst die Mitteilung aus, dass Blinde das Internet (und das meist noch sehr intensiv) nutzen. Kerstin Probiesch hat mal nachgefragt: Welche Twitter-Clients und Apps nutzen eigentlich blinde Twitterer? Die Antworten helfen durchaus weiter.
Wenn du dann noch erzählst, dass die des Sehnerves beraubten Geschöpfe sich Videos reinziehen – Und sie tun es doch – warum Blinde Videos angucken, steigen deine Chancen als Spinner bezeichnet zu werden.
CSS und HTML5
Laden durch CSS versteckte Elemente Hintergrundbilder? Die kurze Antwort: Ja. Die lange Antwort gibt es hier: Do hidden elements load background images? [Robert Nyman].
Sehr interessant ist zu wissen, welche Default-Stylesheets Browser verwenden. Für alle IE-Versionen hier im Detail: Internet Explorer User Agent Style Sheets.
Welche HTML5-Elemente und CSS3-Anweisungen von welchen Browsern unterstützt werden zeigen diese Tabellen: Web Designers Browser Support Checklist [FindMeByIP].
Weitere Fundstücke
- CSS3 Linear Gradients [Dynamic Drive]
- Drop shadow with CSS for all web browsers [Robert Nyman]
- Focus on the Hover [Anton Peck]
- 10 Online-Werkzeuge zur CSS-Komprimierung [Dr. Web]
- 15 Tags, die in HTML5 nicht mehr unterstützt werden + Alternativen [pehbehbeh]
- Developing with HTML5 [Linuxers]
- The i, b, em, & strong elements [HTML5 Doctor]
Dumm 1.0 versteht nur Umsatz
Mich regen immer solche Typen auf, die denken, dass alles auf der Welt erfunden würde, um ihnen als Erlösquelle zu dienen. Alles, was nicht dazu dient, ist »Müll«. Sie sind bei Facebook? Dann reden Sie wahrscheinlich eh nur Müll …
Genau deswegen schreiben manche solcher Typen
dann Bücher, wie Dumm 3.0 – wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen. Weil es sowohl die »Generation Kugelschreiber« bedient, als auch von Leuten gekauft wird, die solche Aussagen hanebüchen finden.
Dann wird noch ein Tamtam um dieses Geschwätz gemacht und der Buchautor polarisiert in einem Interview mit überheblichen Ansagen seine kruden Thesen.
Schon der Buchtitel lässt es vermuten, aber nach solch einer Aufführung weiß ich, dass es wohl um Dumm 1.0 geht: Sell and run.
Der Verlag verdient (selten die Autoren) und die Dummen sind die Leserinnen.
Dennoch sprinten viele dieser PR-Steilvorlage nach und nehmen sie auf:
- Wer ist hier eigentlich “Dumm 3.0″? [Gedankendusche]
- Dumm gelaufen: Wenn sich der Reiter zum Affen macht [lutzland.blog]
- “Dumm 3.0″ – Markus Reiter über Hetzjagden im Internet und Journalismus als Dienstleistung [Webevangelisten]
- Was dumme Twitterer und Zeitungsleser gemein haben [Christoph Bauer auf PR-Blogger]
Die einzige Sprache die Dumm 1.0 versteht, ist keine Aufmerksamkeit und wenig Umsatz. Wenn mir jemand dieses gepresste Holz schenkt, lese und rezensiere ich es gerne. Kaufen werde ich es sicher nicht.
Genauso geht es mir, wenn ich die unzähligen Beiträge über mögliche Erlösmodelle von Zeitungen im Web lese. Warum sich so viele Leute – außer den Betroffenen – darüber den Kopf zermartern, bleibt mir ein Rätsel.
Ob Zeitungen nun im Web sind oder nicht, wird an meinem Informationsstand wenig ändern. Was ich ob rarer Qualität bereits gratis kaum beanspruche, werde ich schon überhaupt nicht bezahlen.
Auf der Suche nach dem »angemessenen Erlösmodell« spielen sich mitunter Geschichten ab, die an Heuchelei kaum zu überbieten sind und fürwahr an Dummheit in Version 3 grenzen:
Dumm 3.0
- Es soll Leute geben, die sich durch Schütteln ihres iPhones an einer immer spärlicherer bekleideten Dame verlustieren.
- Es gibt Zeitungen, die das gegen Bezahlung anbieten.
- Anglophone – englischsprachige – Sittenwächter wollen solch triebhaftes Schütteln verhindern.
- Die germanischen Wächter des Journalismus sehen hingegen im massenhaften iPhone-Schütteln eine endlich angemessene Vergütung ihrer Qualitätsangebote.
- Resultat: Flugs wird vom Verband deutscher Zeitungsverleger die Pressefreiheit aus der Tonne geholt und damit den puritanischen Angelsachsen die Standpauke gegeigt.
Wohlan, edle Ritter!
Auf zur Gegenreformation. Freiheit für blanke Brüste auf teutonischen iPhones: German publisher in row with Apple over pin-ups in iPhone app.
Muuhahaa, mir tränen die Augen … bin dann mal eine Runde lachen.
- Abschnitt 1 von 1
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 7. April 2010 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 07 April 2010, 16:25 MET.
- Artikel:
- März 2010 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/255
- Thema:
- Empfehlungen
- Stichworte:
- barrierearm, benutzerfreundlich, CSS, HTML, HTML5, Medien
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.
Mögliche themenverwandte Artikel aus dem Weblog
Blättern (chronologisch)
- « neuerer Artikel
- Buchrezension: Der Informationscrash von Max Otte
- älterer Artikel »
- CSS3 text-overflow und word-wrap: Text beschneiden oder Wörter umbrechen

Lüge als Prinzip