März 2009 im Kontext
Freitag, 03 April 2009 19:00 MET
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Webgestaltung
Das Fachmagazin T3N kürt Liechtenecker im März zum Blog der Woche. Grund: Jürgen hatte mal so ein bisschen über den Mythos der eierlegenden Wollmilchsau geschrieben, die wohl manche hinter der Bezeichnung Webdesigner
vermuten:
Vielleicht sollte der gesuchte Wunderwuzzi das Angebot noch bereichern in dem er täglich frische Gerichte als Kantinenersatz zaubert? Webdesigner haben es schwer!
Wie aus der Seele tausender Webworker gesprochen, breitete sich sein Beitrag – und die dazu sehr treffende Grafik – binnen kürzester Zeit in der Fach-Blogosphäre wie ein Lauffeuer aus und wurde mittlerweile mit vielen zustimmenden Kommentaren bereichert.
Wir sind bloß verschieden begabt
Eigentlich mag ich keine Ausdrücke, wie behindert
. Sie drücken einseitig die Beobachtung der Mehrheit aus; aber auch ich verwende sie in der Alltagssprache.
Genau genommen wären behinderte Personen
etwa solche, die mit einem IE6 oder anderem museumsreifen Schrott im Web unterwegs sind.
Wenn wir es differenzierter betrachten, sind viele vermeintliche Behinderungen
von Menschen nur andere Begabungen. Manche Einschränkungen sind ein Weg zu anderen Erfahrungen und Einsichten, von denen auch Normalos
lernen können.
Joe Dolson schrieb auf accessites.org im März 2009 ein paar Zeilen mehr darüber, die ich Ihnen gerne ans Herz lege: Leveling the Playing Field: We’re all Differently Abled.
Empathische Erfahrungen sammeln.
Man muss selbst sehen, dass man nichts mehr lesen kann um die Folgen fürs Design zu verstehen
, beschreibt Thomas Link von namics den Alterssimulator: Technologienutzung ohne Barrieren. Wenn so etwas Pflichtprogramm für Webgestalter wäre, würden viele Webseiten wohl anders gebaut sein.
Im schweizerischen Access-for-all Blog befragt René Jaun einen leidenschaftlichen blinden Surfer, wie er sich auf den Webseiten zurechtfindet: Mohamed Sherif: Er ist der blinde Hobby-Surfer.
Neben der Beschreibung diverser Hürden betont Mohamed Sherif im Interview auch, dass der sichere Umgang mit dem eigenen Werkzeug – seinem Screenreader – natürlich Voraussetzung ist. Passend hierzu, gibt es auf nämlichem Blog auch einen extra Beitrag: Den Screenreader beherrschen: Zugängliche Websites sind nur der eine Teil.
Von diesen allgemeinen Betrachtungen gelernt, wenden wir uns nun Fachbeiträgen zur Web-Accessibility aus dem März zu:
- Interessante Erkenntnis – WebAIM: Inhalt vor Screenreadern verstecken: Update [sprungmarker.de]
- Literaturbeilage: WAI ARIA [Einfach für Alle]
- Nachlese European Accessibility Forum Frankfurt [Eric Eggert]
Cascading Style Sheets (CSS)
- CSS: Style the Non-Obvious [meiert.com] – Schönes Beispiel, wie CSS intelligent genutzt wird.
- Fluid Grids [Ethan Marcotte on alistapart.com]
- Was Sie über CSS-Frameworks wissen sollten! [highresolution.info] – Der Macher von YAML – Dirk Jesse – schreibt über Nachteile und Vor(ur)teile.
Sonstiges
- Einfach schön – Free Custom RSS Icons: ‘Music’ [Theme Blog]
- Weitere Testumgebung – Alle Internet Explorer gleichzeitig: Internet Explorer Collection [Dr. Web]
- Anti IE6 Kampagne und mehr – browser-update.org – bietet ein online anpassbares Javascript zur Einbindung, um Surfer mit veralteten Programmen (nicht nur IE) auf die Möglichkeit der Aktualisierung hinzuweisen.
- Das wars: Digital Web Magazine closes its doors – Schade.
Zeitungen und Bücher
In der vorigen Monatsrückschau hatte ich über das mutige Experiment der New York Times berichtet, die ihre Schnittstellen für mögliche Mashups freigibt. Zur Medienbranche sind im März einige Artikel angelaufen, welche die dramatischen Entwicklungen analysieren, die mit der Zeitungssparte in den USA gerade einen Showdown erleben:
- The 10 Most Endangered Newspapers in America [Time.com]
- USA: Zeitungen in der Krise [wortgefecht.net]
- US-Traditionszeitung erscheint nur noch im Netz [heise]
- Interneteinnahmen amerikanischer Zeitungen brechen ein [netzökonom]
Der webaffine Journalist Georg Holzer meint, dass noch genügend Zeit sei, aus dem amerikanischen Desaster zu lernen. Warum findet bei keinem großen Medienhaus des Landes eigene Webentwicklung statt
, fragt er und noch viel mehr zur Situation im deutschsprachigen Raum: Die Zeit ist auf unserer Seite …
Gefährlich: Lobbyisten beackern digitale Analphabeten
Einige Antworten auf Holzers Artikel finden sich wohl zum Teil in einem Beitrag von Marcel Weiss auf netzwertig.com. Der folgende Absatz gegen Schluss dieses Artikels, drückt sehr schön die momentane Situation aus:
Journalisten, die nichts vom Internet oder ihrer eigenen Situation darin verstehen, beeinflussen den öffentlichen Diskurs, auf dessen Grundlage Politiker mit genauso wenig Sachverstand und unter zusätzlicher Bearbeitung von Lobbyisten eine immer weltfremdere, von der eigenen Bevölkerung entfernte Gesetzgebung betreiben. Die Mär von der “Generation kostenlos”
Das erklärt treffend den gefährlichen Aktionismus mancher Internet-Analphabeten in Entscheiderpositionen. Etwa unsinnige Maßnahmen, wie Netzsperren oder infantile Forderungen nach Protektionismus in dieser Art: US-Verleger fordern Veränderungen am Google-Algorithmus [Frischer Wind, ScienceBlogs].
Farbe bekennen, Schwachsinn bekämpfen
Es ist schlicht erschütternd ansehen zu müssen, wie Lobbyisten und 1.0-Manager immer dreister werden und so manch ahnungs- und ratlosem Politiker das letzte Quäntchen Integrität aus dem Kopf korrumpieren.
Wir kommen auf immer gefährlicheres Terrain und Jan Tißler [Upload-Magazin] hat im März dazu auch eindeutig Stellung bezogen:
Freiheit ist ein Grundwert unseres Staates. Es ist das, was uns die Mütter und Väter des Grundgesetzes nach den Erfahrungen aus Kaiserreich, Weimarer Republik und Naziherrschaft sehr eindrücklich mit auf den Weg gegeben haben. Wissen wir das eigentlich noch zu schätzen? Die bedrohte Netzfreiheit und warum ich für sie eintrete
Wenn Sie diese bedrohlichen Entwicklungen kontinuierlich verfolgen wollen, schließe ich mich Jans Hinweis an und und empfehle Ihnen das Blog netzpolitik.org.
Zum Farbe bekennen eignet sich dieser Verweis: INDIVIDUAL-I – Ein Symbol für die Freiheits- und Bürgerrechte des Individuums (via bueltge.de).
Als nächstes stehen bereits die Kampfansagen der Verlagslobby an, die anscheinend nichts – aber auch gar nichts – von der Musik- und Filmindustrie gelernt hat und bereits im Vorfeld vermeintliche Ansprüche absteckt und das bisherige Geschäft mit Lobbyismus und unmissverständlicher Einschüchterung aufrecht erhalten will.
- Buchhandel kündigt Massenklagen gegen Filesharer an [netzwertig.com]
- Bibliotheken im Zeitalter der E-Books [netzwertig.com]
- Open Access: Wissenschaftsorganisationen wehren sich gegen
inakzeptable Unterstellung
[heise] - Schwedische Schriftsteller stellen Strafanzeige wegen illegaler Hörbuch-Kopien [heise]
Die Musikindustrie hat einen schmerzhaften Weg schon hinter sich. Die Filmindustrie steckt mittendrin. Als nächstes sind nun die Bücher dran … Das Internet und neue Technologien erreichen damit jetzt eines der ältesten, noch gebräuchlichen Medien. Medienwandel: Die Digitalisierung erreicht das Buch
Dieser erwähnte Beitrag gehört übrigens zu einer empfehlenswerten Artikel-Serie vom Magazin Upload im März 2009: Themenwoche Buch 2.0.
Auch noch interessant
- Efficient meetings with blogs and wikis [Content Economy] – webaffinen Personen mag dieser Beitrag wohl historisch erscheinen. Für die Mehrzahl ist es wohl ein Tutorial.
- Wie man Social Media im Unternehmen rechtfertigt [PR Blogger] – da kann ich nur zynisch anmerken, dass es da nichts zum
Rechtfertigen
gibt. - Dorfläden gehen ins Internet [mitra.ch]
- Museen: ohne Zukunft und ohne Vergangenheit [Kulturmanagement Blog] –
was hat Ihnen der Museumsbesuch und das andächtige Anstarren des Gemäldes gebracht? Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen?
Eine Frage, die mich auch immer schon beschäftigte. Prädikat Lesenswert!
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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 3. April 2009 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 03 April 2009, 19:00 MET.
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