Karli Manager: Kommunikation und Social-Intranet - eine Persiflage
Montag, 20 Februar 2012 20:18 MET
Wie erkläre ich Karli das mit dem Social
Meine satirische Bezeichnung Karli Manager, erklärte ich hier schon mal. Nachfolgend oft nur Karli genannt.
Es gibt vor allem zwei Gruppen von Managern:
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Welche aus der Privatwirtschaft mit Konkurrenzdruck, die nur hellhörig werden, wenn es um Kostenreduktion, Umsatz- und Gewinnsteigerung geht.
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Die aus öffentlichen Verwaltungen und Betrieben oder staatsnahen Unternehmen – meist in Monopolstellung.
Manager dieser Unternehmen interessieren sich primär für ihren Posten an sich, den sozialen Status drumherum und die Klüngelei. Nichtstun oder Aktionismus zur Kostenreduktion prägen die unternehmerische Umsetzung.
Dieser Beitrag beschäftigt sich primär mit Karli Manager, Typus 2.
Satirehinweis:
- Mit dieser Anleitung übernehme ich keine Haftung.
- Beachten Sie auch, dass die Empfehlungen nicht bedingungslos auf Manager des Typus 1 übertragen werden können.
Karli und die Nicht-Kommunikation
Viele Karlis verstehen als Kommunikation einen definierten Prozess, der im Wesentlichen die Regeln für das Verschieben von Dokumenten beschreibt: Wer wem unter welchen Bedingungen was schickt und so weiter – auf Papier, versteht sich.
Anders gesagt: Karlis lassen kommunizieren.
Im Resultat kommt das meist einem Nicht-Kommunizieren gleich. Watzlawick sei gedankt – auch das darf als Kommunikation definiert sein.
Deswegen sollte ich dringend darauf hinweisen, dass es mehr eine Ausnahmesituation darstellt, mit Karli überhaupt ein Gespräch zu führen. Die Regel ist vielmehr, dass sich diese Gattung hinter gepolsterten Türen verkriecht und die Repräsentation kultiviert oder sich des Reisens durch die Welt des Klüngels, von Konferenzen und Jetset-Parties erfreut.
Grundlagen der Empathie.
Einem Manager musst du also erstmal erklären, dass Kommunikation nicht nur ein natürlicher Vorgang auf gleicher Augenhöhe zwischen Menschen sein kann, sondern dazu auch noch das Ausmaß sozialer Bedürfnisse erreicht, die auch in seinem Unternehmen mit anzunehmend hoher Wahrscheinlichkeit nicht ignoriert werden können.
Wenn er/sie diese Einführung in die Grundlagen der Empathie verstanden hat, was mitunter an diesem Punkt schon scheitert, lässt sich vielleicht noch klarstellen, dass Kommunikation nicht zwingend vom Management ausgeht und nicht kontrolliert werden kann.
Hier wird es heikel und mitunter werden wir auf der Stelle rausgeschmissen.
Kann sich Karli mit diesem Denkanstoß doch anfreunden, müssen wir uns der natürlichen Reflexe dieser Spezies bedienen und ungefähr so einen Satz loslassen:
Kommunikation ist kein linearer Prozess, keine stille Post und auch keine Befehlskette – zumindest in einer Organisation die keine militärischen Strukturen braucht.
Damit sollten wir den natürlichen Karli-Reflex – genannt Bullshitbingo oder auch Elefantenscheiße reden – in Aktion gebracht haben.
Der Karli-Reflex
In diesem Moment der Erregung, wird dir ein redundanter Systempfosten sein gesamtes Vokabular an Buzzwords, die er in letzter Zeit so gehört hat, an den Kopf werfen.
Wir können derweil unsere Bullshit-Bingo-Tafel auspacken.
Bullshitbingo erste Runde
In Ruhe haken wir nun ab: Metaebene, Responsibility, Visionen, Compliance, Economizing, Controlling, Mission, Struktur, Meetings. Spätestens jetzt sollten wir schon Bingo! rufen können.
Den Kontext brauchen wir nicht verstehen. Primär meinte Karli, dass er/sie so viel als möglich wissen will, was im Unternehmen vor sich geht und darauf reagieren möchte. Schließlich bekommt er ja so viel Kohle, weil er für alles die Verantwortung hat. (Husten erlaubt.)
Nicht gesprochen hat er/sie davon, dass die anderen 20, 100, 1000 oder vielleicht sogar 100.000 im Unternehmen, das auch gerne wissen würden. Weil sie im Regelfall ebenso darauf angewiesen sind auf andere zu reagieren.
Wenn wir Karli also mit unserem unverschämten Bingoruf auf seine, sagen wir mal einseitige, Argumentation hinweisen, wird damit die zweite Bingorunde eingeläutet – auf dass uns die verbale Elefantenscheiße nun so um die Ohren fliegt.
Bullshitbingo zweite Runde
Wir dürfen wieder abhaken: Prozesse, Lenken, Effizienzsteigerung, Abteilungen, Divisionen, Unit, in charge, Leader, Team, Linie, Dokumente, alternativlos. Yep, Bingo!
Karli meint, dass wir Volltrottel wären, weil Unternehmen gar nicht anders existieren können, als in einer Linie straff geführt zu werden. Ist ja seit Jahrhunderten so.
An diesem Punkt müssen wir endgültig einschreiten und keine dritte Runde Elefantenscheiße zulassen. Vielmehr kommt nun unsere schwierigste Aufgabe, Karli das Ding mit diesem Internet, Web und Intranet anfüttern.
Guckst du Internet, Karli?
Manche Manager glauben ja noch immer, das Internet kommt aus dem Bildschirm. Ihr zwanghaftes Ausdruckverhalten sehen sie selbst als geheimbündlerische Schikane, die ihnen bei Zeitungen, Büchern und Briefen erspart bleibt.
Die Sache mit dem Social-Web.
Solchen Leuten nun klarzumachen, dass Internet nicht nur zum Angucken ist und für die Sekretärin zum Ausdrucken, ist etwa so, wie einem Kleinkind zu zeigen, dass wir einen Turm auch selbst bauen können, indem wir Stein um Stein übereinander legen.
Das ist nun wirklich keine leichte Sache, denn Manager-Karlis, vor allem die ab 50+ Lebensalter, haben entweder latente Altersresignation, leiden an konstanter Elfenbeinturm-Manie oder haben bereits seit jungen Jahren Visionen, die besser in ärztlicher Obhut wären.
Vorsicht, Panikreaktion möglich!
Natürlich ist die große Sorge von Karli, dass er theoretisch gar nicht mehr gebraucht werden würde, wenn die Leute so einen Turm – also dieses Webdingsda – in seinem Unternehmen bauen. Nunja, diese Befürchtung kann ich leider nicht ganz ausräumen.
Der Unterschied zwischen Karli Typus 1 und Typus 2 ist im Wesentlichen, dass Typus 2 den Zusammenhang zwischen seinem Pöstchen und der Erkenntnis etwaiger Erübrigung in der Regel persönlich nimmt. Typus 1 hingegen leidlich, aber würdevoll und tapfer nun das Kreuz des merkantilen Erlösers zu tragen glaubt.
Zurück zum Geschehen:
Wir sind nun einige Zeit damit beschäftigt, alle möglichen Aspekte dieses Webdingsdas zu erläutern.
- Dass es mittlerweile eine Menge Leute gibt, die da was eingeben, reinschreiben, hochladen.
- Manche Daten von anderen weiterverwendet werden, vermischt, zusammengeführt und neu aufbereitet.
- Andere bewerten, dazuschreiben, ändern, visualisieren, diskutieren und gemeinsam Dinge machen, die vorher so nie passiert wären oder drei Jahre, 100 Personen und 20 Regale von Ordnern gebraucht hätten.
Machst du Intranet, Karli
- Wir erläutern interne Blogs und wie dadurch die Menschen sichtbar werden, sich Öffentlichkeit und Reputation im Unternehmen verschaffen und neue Impulse setzen können.
- Wir erklären interne Wikis und Echtzeitdokumentationen zu Abläufen, die direkt aus dem Betrieb ergänzt und aktuell gehalten werden.
- Wir veranschaulichen interne Mikrobloggingstreams, die sich zu verschiedenen Themen bilden können und quasi in Echtzeit auch Stimmungen, Meinungen und Vorfälle transportieren.
- Wir konkretisieren, dass sich Karli damit gefilterte Wochen-, Monatsberichte ersparen könnte und selbst vieles fast in Echtzeit im Social-Intranet verfolgen könnte .
- Wir unterbreiten Szenarien, wie sich Karli via Blogeinträge artikulieren könnte.
Da bis jetzt keine Zwischenfragen kommen und die Befürchtung im Raum steht, Karli Manager ist überfordert, beenden wir an dieser Stelle unsere Ausführungen.
Mit Karli satirisch Spaß haben
Nun sollten wir uns nicht wundern, wenn die Reaktion so kommt, wie ich sie selbst leibhaftig schon mal erlebte.
Karli starrt sekundenlang belämmert auf meine Stirn – oder darüber hinweg, etwa so wie ein Äffchen, das seine Ration Bananen gerade vertilgte und die Augen in der Weite gesättigter Trunkenheit verdreht fixiert, um dann unversehens entspannt und selbstsicher zwei Sätze zu formen:
Wir haben doch ein Intranet. Es kann nicht Ihr Ernst sein, Kommunikation durch Computer ersetzen zu wollen. Karli Manager (aus meinem Gedächtnisprotokoll)
Karli, ich danke für das Gespräch.
Kennen Sie auch dieses Gefühl, den Kopf einfach mal auf die Tischplatte fallen zu lassen? Sich der Vorstellung hingeben, der Schmerz des Aufpralles könne den Ekel der Ihnen gerade hochsteigt unterdrücken, wenn Ihr Gegenüber seine gedankliche Notdurft ungeniert auf Sie entleerte?
Wenn wir es jedoch satirisch ernst nehmen, macht es richtig Spaß mit Karli Manager über Enterprise 2.0 und solche Dinge zu plaudern. Ein Social-Intranet kommt so zwar nicht zustande, aber eine Persiflage, die Freude macht.
- Abschnitt 1 von 1
- Datum:
- veröffentlicht am 20 Februar 2012, 20:18 MET.
- Artikel:
- Karli Manager: Kommunikation und Social-Intranet - eine Persiflage [hyperkontext | Weblog]
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- Thema:
- Kommunikation
- Stichworte:
- Intranet, Karli Manager, Social-Web
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