Juni 2009 im Kontext
Samstag, 04 Juli 2009 18:17 MET
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- Juni 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
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Webgestaltung im Juni 2009
Es ist nicht nur spannend, sondern auch notwendig, zu erfahren, wie Personen mit einem für sie geschaffenen Programm umgehen. Maria Putzhuber hat eine Testreihe mit blinden Menschen, welche die Bedienung einer Website mit unterschiedlichen Screenreader-Programmen testeten, in zwei Beiträgen im Blog der Agentur Wienfluss festgehalten:
Und wieder hat es Zoom gemacht
Ich werde den Verdacht nicht los, dass die immer wieder aufkeimende Diskussion über flexible und elastische Layouts gegen festgezurrte Pixelkonstrukte im Zusammenhang mit Zoom-Funktionen des Browsers immer von denen angezettelt wird, die sich einer etwas komplexeren Aufgabe nicht stellen wollen.
Für mich haben ein visuelles Layout-Konstrukt und eine eventuelle Vergrößerungsfunktion in einem Ausgabegerät keine zwingenden Abhängigkeiten.
Ein elastisches Layout hat weiteren Nutzen. Etwa die unmittelbare Veränderung der Fenstergröße oder mehr Flexibilität bei Design-Veränderung, -Erweiterung.
Im Juni war es also wieder mal so weit und ich habe keine Ahnung aus welcher Ecke die Diskussion diesmal angestoßen wurde.
Ich liste hier in subjektiver Weise nur drei Beiträge auf, die ich persönlich besonders lesenswert finde und auch meinem Zugang zu dieser Thematik entsprechen:
- Page Zoom, Elastic Layouts & Em (Erratic Moustaches [Dial D for Design]
- Warum der Seitenzoom nicht das Ende für flexible Layouts bedeutet [highresolution.info]
- Die Barrierefreiheit heranzoomen: ein Ausblick [sprungmarker]
HTML-Semantik (Bedeutung)
Ich hatte schon mal darüber geschrieben, dass ich Definitionslisten für Dialoge einsetze, zumal das auch in HTML5 so ähnlich vorgesehen sein wird. Die Diskussion darüber, scheint allerdings auch nie enden zu wollen. Hier wieder ein Stück aus dem Juni: Definition list for article comments or IM dialogue [maratz.com].
Was sind Webstandards? Das fragen leider nicht nur Anfänger.
Vor einigen Jahren wurde ich trotzig angeschnauzt, was denn das sein sollte und wer solche Standards denn geschrieben hätte
, nachdem ich unvermutet knapp vor dem Release einer größeren Site mit den Verantwortlichen des Dienstleisters ins Gespräch kam. Nun, ich machte mich über ihre Tag-Soup lustig.
Die Leute wurden aggressiv und ich verpisste mich hurtig. Kein Wunder, die hatten schlicht überhaupt keine Ahnung, wurden für den Job jedoch fürstlich bezahlt.
Andere können da noch viel lustigere Geschichten erzählen. Traurig dabei ist, dass immer noch zu viele solcher Scharlatane sich als Profis schmücken und qualitativ einfach grottenschlechte Seiten verkaufen.
Vermehrt finden sich auch irreführende oder schlecht recherchierte Artikel im Web, die aber den Anspruch eines Lehrenden dabei stellen. Ich beschrieb ja selbst so einen Fall vor kurzem über einen oberflächlichen Artikel im Smashing-Magazin.
Dirk Jesse stieg im Juni dann auch mal die Galle hoch: Das Qualitätsbewusstsein bleibt auf der Strecke …
Auffällig ist auch, dass Kommentatoren dann immer wieder fragen, wo denn die gute Literatur zu finden sei. Ich finde solche Fragen ziemlich heuchlerisch, denn einem angehenden Webgestalter sei
- Kompetenz im Umgang mit dem Web und Suchmaschinen ans Herz gelegt und
- die Lektüre eines oder mehrerer der vielen (Holz-)Bücher über HTML (HyperText Markup Language) und CSS (Cascading Style Sheets) als Pflichtprogramm in den Lehrplan geschrieben.
Über eine Suchmaschine oder hier jetzt als Tipp, findet sich aktuell zum Beispiel die kleine Serie von Andreas Hecht über Webstandards, die er im Juni 2009 fortsetzte: Teil 3 – Die Semantik. Definition, Nutzen und Einsatz. [the-netbrain.de].
Sonstige gefundene Web-Stücke im Juni
- Mitarbeiter der Agentur Namics haben eine Testpage für verschiedene Typen Mobile-Phones erschaffen und bloggen darüber: [Mobile-Testpage] Meine Website auf dem Handy.
- Endlich findet sich mal ein handfester Grund, das optisch raffiniert gestaltete Blog von Jonas Hellwig zu erwähnen. Er kann es durchaus auch als Kompliment auffassen, dass sein Design am anderen Ende der Welt kopiert wird. Plagiate sind ein leidiges Thema: Website-Plagiate finden mit Copyscape [kulturbanause].
- Wussten Sie, dass sich die Größe einer durchschnittlichen Webseite seit 2003 von knapp 100KB bis 2008 auf über 300KB mehr als verdreifacht hat? Dies und einiges mehr: Intermission: Speed [Jens Meiert]
- Frank Hamm berichtete mit vielen Einzelbeiträgen sehr ausführlich über das Intranet Summit in Bad Homburg, das er hier zusammenfasst: Review zum Intranet Summit.
Der weite Weg nach Digitalien
Es ist wohl weit bekannt, dass das Zensursel-Gesetz bei den deutschen Nachbarn beschlossen wurde. Schlimm genug. Weniger bekannt ist, dass es nun Abgeordnete der Sozialdemokraten gibt, die zwar dafür gestimmt haben, aber eine persönliche Erklärung abgeben, dass sie bei dem Gesetz doch irgendwie Bedenken haben und es nicht so gut finden.
In verständlicher Erregung darüber schreibt Carsten Dobschat über seine Abgeordnete Elke Ferner: Will die uns für blöd verkaufen? Hält die ihre Wähler tatsächlich für lobotomierte und grenzdebile Volltrottel, die nicht von 12 Uhr bis Mittag denken können?
Dieser rückgratlosen Aktion nicht genug, stellt sich die sogenannte »persönliche Erklärung« nun als Massenbrief heraus, welcher schlicht von einigen Abgeordneten als persönliche Erklärung auf ihre Blogs gestellt wird, wie zum Beispiel bei Lale Akgün oder bei der Abgeordneten Gabriele Hiller-Ohm, die via Twitter bestätigte, dass dieses Schreiben wiederum von der Abgeordneten Monika Griefahn aufgesetzt wurde.

Dem aber immer noch nicht genug. Diese Monika Griefahn hat gar nicht selbst an der Abstimmung teilgenommen (auch hier zu erfahren: Hat mein Abgeordneter für Netzsperren gestimmt?). Carsten merkt zu seinem Artikel später als Kommentar an:
Also die Monika Griefahn, die nicht an der Abstimmung teilgenommen hat, erklärt für sich und andere Abgeordnete, warum sie bei der Abstimmung, an der sie nicht teilgenommen hat, dafür gestimmt hat? Junge, junge, ich fürchte irgendwer nimmt hier schlechte Drogen. Mail an Elke Ferner, Kommentar #9
Münte mit Lore auf abschüssigem Gleis
Ein paar Tage nach vorhin beschriebenen Aktionen lässt Franz Müntefering via Spiegel dem deutschen Volke Verantwortungslosigkeit ausrichten, weil offenbar immer mehr Menschen ganz bewusst die Verantwortung übernehmen, übermäßigen Eigennutz, Feigheit, Perfidie und Bullshit-Bingo nicht mehr zu wählen.
Frank Hamm, ein europäischer Bürger, deutscher Staatsangehöriger, bekannter Blogger und Netzwerker, schreibt im Juni 2009 folgende Zeilen in sein Blog:
Die Jahre haben mich gelehrt, dass die Namen sich ändern, die Personen gehen und mit anderem Namen sogar wiederkommen, sogar die Parteinamen sich gelegentlich ändern, dass aber die Art der Sprache, die Armut der Agenden und des Settings über Jahrzehnte […] gleichgeblieben sind.
Das, meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, ist eine Schande, die Sie, arme Politikerinnen und Politiker, zu verantworten haben, aber nicht gerne hören, daran erinnert zu werden. Kommaquatschen, Komaquatschen, Jodeldiplom
In der Tat scheinen sich doch sehr viel Menschen für Politik zu interessieren und darüber zu diskutieren. Anders ist es nicht zu erklären, dass mit der Suchkombination Verräter Partei
die SPD bei Google nun an erster Stelle erscheint.
Blöd halt, dass offensichtlich nicht mehr viele die Truppe von Münte wählen wollen.
Eine Lore überschüssiger Kraft donnert gerade zu allem Überdruss dann auch noch auf eingleisiger, abschüssiger Strecke mit Abmahnturbo dem Internet entgegen. Die Frage ist nur mehr, ob die Kraftlore (vergleiche Tankloren, Personenloren) noch rechtzeitig die Weiche zum Abstellgleis schafft.
Kraftlore hin, Münte her: Gibt es in Berlin, Wilhelmstraße 141, auch noch Hirn oder legt das jeder beim Reingehen ab?
Es offenbart sich nämlich eine weitere peinliche Kraftreserve: Parteien haben jetzt den Wahlkampf im Internet entdeckt und schicken ihre Trolle aus.
Laut Recherche der Ruhrbarone (siehe Kraft hatte politische Verantwortung als SPD-Ministerin) schimpft ein Kommentator unter falschem Namen wie ein Rohrspatz via Server der SPD-Parteizentrale unbekümmert im Blog Ruhrbarone drauf los, dass einem ob dieser Dummheit auch das Staunen schwer fällt.
Vielleicht ist es aber auch ein gewiefter Agent, von denen mit anderer Kriegsbemalung.
Beide Möglichkeiten zeigen: Es ist noch ein weiter Weg bis Digitalien, denn auch die nächste Geschichte offenbart Schwachsinn in ungeschminkter Frontansicht.
Das Internet darf kein linkfreier Raum sein?
Einige Medien, Verlage und internet-ausdruckende Autoren fordern, auf den Punkt gebracht, Gebühren für das Setzen eines Hyperlinks.
Ein paar jüngste Beiträge, die sich mittelbar oder unmittelbar mit diesem infantilen Kampf gegen das Internet befassen:
- Verleger und Buchhändler rufen Merkel zum Schutz geistigen Eigentums um Hilfe [heise]
- Das Netz besteht aus Verbindungen, nicht aus abgeschotteten Inseln [Ulrike Langer auf carta]
- Das Netz ist das Netz ist das Netz [Kulturmanagement Blog]
- Hyperlinks verbieten? [internet-law.de]
- Netzneutralität – über Bauprinzipien von Kommunikationsnetzen [netzpolitik.org]
- Herfried Münkler kämpft gegen das Internet [netzpolitik.org]
- Wirtschaftsprüfer rät Verlagen: Konsolidieren, spezialisieren oder sterben gehen [Medial Digital]
Die wollen tatsächlich Geld verlangen, wenn jemand einen Hyperlink zu einer ihrer Seiten setzt. In Folge auch von Suchmaschinen, weil die das Vorhandensein ihrer Seiten anzeigen und in Kontext stellen.
Das was Verleger da fordern, lässt sich mit einer Zeile in der Datei robots.txt am eigenen Server soweit regeln, dass (seriöse) Suchmaschinen nie mehr auch nur an einer einzigen Seite ihrer Publikationen anstreifen, geschweige denn, in Suchergebnissen präsentieren. Ob das vernünftig ist, bleibt denen ihre Sache.
Ich zitiere Thomas Knüwer [Handelsblatt - Indiskretion Ehrensache] der das noch anschaulicher beschreibt:
Also, liebe Verleger und Geschäftsführer: Habt Ihr einen Arsch in der Hose? Habt Ihr Eier? Dann holt den Knoblauch gegen den digitalen Vampir heraus. Eure IT-Abteilung hat ihn. Er besteht aus einer simplen Programmzeile, die verhindert, dass die Google-Roboter Eure Seite besuchen und auflisten. Verleger hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
Und es ginge noch restriktiver: Nur mehr zahlende Kunden mit Passwort auf seine Seiten lassen.
Das Internet in Geiselhaft
Die Angst, die Konkurrenz macht es billiger oder gar wieder gratis, treibt zur Forderung, gleich das ganze Internet in Geiselhaft zu nehmen.
You cannot blame the medium for your failure to execute
, meint Amber Naslund im Zusammenhang mit Social-Media, trifft die Sache aber auch hierzu letztlich auf den Punkt.
Es ist wirklich unfassbar, mit welcher ahnungsloser Dreistigkeit Forderungen gestellt werden und meist genauso ahnungslose Politiker damit zu Gesetzen provoziert werden, um nicht korrumpiert sagen zu müssen.
Die Vision (im medizinischen Sinne) solcher Leute im Klartext:
- Das Internet darf kein linkfreier Raum sein.
- Jeder Hyperlink muss den Rubel rollen lassen.
Gratuliere! Genau die Leute, deren einfältige, perfide und oft auch korrupte Art zu wirtschaften uns alle gerade an den Abgrund führt – in jeglicher Hinsicht –, die wollen uns jetzt noch ihre Vorstellung von Fortschritt oktroyieren.
Aber auch der in der vorigen Geschichte erwähnte Münte – Sie wissen schon, der der seine Bürger für verantwortungslos hält – hat sehr zukunftsträchtige Vorstellungen über Fortschritt, die sein Parteikollege und Rechtsanwalt Jan Mönikes Ende Juni in einem Interview so beschreibt:
[…] dass sich Franz Müntefering gerade ganz stolz mit seiner alten Gabriele-Reiseschreibmaschine hat fotografieren lassen und dass er dann auch noch sagt, die sei viel besser als ein Computer, dann bin ich wirklich sprachlos. «Ein Beispiel für tragisches Führungsversagen»
Michael Gisiger [wortgefecht] weist auf das Werk eines spanischen Soziologen, der historische Parallelen im gegenwärtigen Medienbruch feststellt: Sokrates 2.0. Danke Michael, für diesen Beitrag! Damit kann ich zumindest für eine Weile diesen andauernden Lesekot von bornierten und selbstgefälligen Internet-Ausdruckern verkraften.
Wenn Leute, die sich Texte aus dem Internet prinzipiell von ihrer Sekretärin ausdrucken lassen, die Spielregeln für den Cyberspace aufstellen möchten, kann das nicht gut gehen. Die intellektuelle Elite weiß nichts vom Internet
Das Internet gleich direkt ausdrucken
Ein bekannter Drucker-Hersteller entwickelte ein Multifunktionsgerät, das ohne PC auf das Internet zugreift und Seiten gleich direkt ausdruckt. Vermutlich der erste, wirklich spürbare »Fortschritt« aus dem Informationszeitalter für die europäische Manager- und Politkaste.
Damit ihr in eurem Papierhaufen erstickt.
Kein blöder Bildschirm mehr auf dem Schreibtisch, keine Tastatur mehr, die eh nie gebraucht wird, sondern direkt das Internet in Holz geschnitzt.
Ein Blogbeitrag aus dem Juni bietet sich da gleich zum direkten Ausdruck an:
Gefangen in selbsterzeugten Welten [ScienceBlogs - Arte-Fakten].
- Abschnitt 1 von 1
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- Datum:
- veröffentlicht am 04 Juli 2009, 18:17 MET.
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