Juni 2008 im Kontext
Sonntag, 06 Juli 2008 21:17 MET
Webgestaltung im Juni 2008
Martin Riekert versucht im Blog von Seibert-Media in zwei Beiträgen die Gedanken und Gefühlswelt von Gestalterinnen nahe zu bringen. Schöne Artikel, die Außenstehenden in Zukunft vielleicht auch fruchtbareren Umgang mit Kreativen ermöglichen:
Einen Designer besser verstehen
- so denkt und arbeitet er oder: Warum gute Ergebnisse Zeit brauchen
- seine Illusionen und seine Realität
CSS (Casdading Style Sheets)
Auch wenn der Umgang mit Floats
jeder ernsthaften Web-Gestalterin wohl geläufig ist, sind Artikel zu diesem Thema, wie der jüngste von Chris Coyier (css-tricks.com), immer wieder lesenswert: All About Floats.
Schrift-Familien
Einen Top-Beitrag schrieb Nathan Ford im Juni über sinnvolle und praktische Gruppierung von Schrift-Familien.
Sofortiger Lesebefehl: Better CSS Font Stacks [Nathan Ford, unitinteractive.com].
Kalender mit HTML-Listen?
Nicht unumstritten, aber interessant!
- A Semantic List-Based CSS Calendar [cssnewbie.com]
- Elastic Calendar Styling with CSS [css-tricks]
Eine Diskussion entwickelte sich rund um den Sinn solcher Konstruktionen, da in den Augen vieler ein Kalender nun mal tabellarische Daten sind und dementsprechend auch in einer Tabelle aufbereitet werden sollten. Rob Glazebrook (cssnewbie.com), der Autor des oben ersteren Artikels, ist denn auch etwas überrascht über die handfeste Kritik und schreibt einige Tage später hierzu eine Erklärung: On Calendars, Lists, Tables and Semantics.
Ich bin zwar auch der Meinung, dass reine Kalenderdaten in einer klassischen Tabelle bedeutsamer aufgehoben sind, aber sehe das als spannendes Experiment. Mit etwas Fantasie lassen sich davon ja interessante Einsatzgebiete ableiten; zum Beispiel chronologische Zeitleisten oder ähnliches.
CSS 3
Cascading Style Sheets der Version 3 sind zwar theoretisch immer noch weit weg, praktisch aber zum Teil schon Realität. Viele Browser unterstützen bereits nicht wenige dieser Befehle. Einen genaueren Überblick bietet CSS3: Vorschau und aktueller Stand [webmasterpro.de].
Und im Webstandard-Blog findet sich ein Beitrag, wie auch dem leidigen Internet Explorer nachgeholfen werden kann: CSS3 Features für den Internet Explorer zugängig machen.
Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Gerrit van Aaken [praegnanz.de] hat es im Juni gleich zwei Mal geschafft, kurze aber heftige Diskussionen und Folgebeiträge auszulösen :
- Zugänglichkeit im Webdesign – es bleibt schwierig! [praegnanz.de]
- Barrierefreiheit: Je exotischer die Anforderungen, desto besser :) [sprungmarker.de]
- Barrierefreiheit: Das Gesamtbild zählt [yatil.de] –
Wir müssen weg von der Technik kommen, hin zu einem Fokus auf den Menschen.
- Definiere: Barrierefreiheit [Tomas Caspers auf webkrauts.de] – bezieht sich nicht explizit aber wohl im Zusammenhang auf den Artikel von Gerrit.
- Fluilastisches Layout [yatil.de]
- Eine oder mehrere H1 [praegnanz.de]
- Studie: Überschriften und Barrierefreiheit - Einleitung [sprungmarker.de]
- Studie: Überschriften und Barrierefreiheit - Agenturen [sprungmarker.de]
- Webseite mit Überschriften strukturieren – eine Chronologie – mein Artikel hierzu
- Studie: Überschriften und Barrierefreiheit - Einleitung [sprungmarker.de]
Und auch wenn diese Grundsatz-Diskussionen für Spezialisten schon so abgedroschen wirken, zeigt uns die Realität ja doch ein komplett konträres Bild: Europäische Kommission: öffentliche Konsultation für barrierefreies Internet [Kerstin Probiesch, barrierefreie-informationskultur.de].
Nur fünf Prozent der öffentlichen und drei Prozent der privaten Webseiten Europas entsprechen Leitlinien für Zugänglichkeit. Europäische Kommission (via e.punkt)
Es scheint also so, dass wir uns noch lange mit diesen immer wiederkehrenden grundsätzlichen Miss- und Unverständnissen konfrontiert sehen. Bei diesen Diskussionen treten dann auch immer wieder die selben Muster von Argumentationslinien und ähnlichen Diskutanten auf. Quasi ein sich wiederholender Film.
Deswegen ist mir ein Satz aus den letzten Schriften hängen geblieben, der diesen Automatismus zu durchbrechen versucht:
Wir müssen weg von der Technik kommen, hin zu einem Fokus auf den Menschen. Eric Eggert, Barrierefreiheit: Das Gesamtbild zählt
Ohne Licht ins Dunkel
erhaschen zu wollen, versuchte ich es jüngst mit einem Beitrag in diesem Sinne: Zugänglichkeit von Websites mit Empathie testen.
Und BIK liefert uns den vierten Teil der Serie zu den bald zu verabschiedenden Web Content Accessibility Guidelines
der Version 2: WCAG 2.0 Teil 4: Kontraste von Grafiken.
Alternativtexte und Untertitel
Nach den vielen Verweisen zu Diskusionen und theoretischen Auseinandersetzungen zur Barrierefreiheit, liefert uns Selamet Aydogdu (access4all.ch) gleich ein praktisches Beispiel von unangebrachten Alternativtexten zu Grafiken: Alternativtexte - Zuviel des Guten.
Die Netzspielwiese zeigt in einem übersichtlichen Tutorial, wie wir mit Hilfe eines praktischen Werkzeugs Untertitel in ein Flash-Video (FLV) einbinden können: Untertitel für FLV-Video-Dateien.
Intranets und Zugänglichkeit
Überraschung ist das für mich keine, wenn die schnelle vorab Umfrage
zur 2008 Global Intranet Strategies Survey
– eine weltweite Umfrage für Intranet-Manager – die Wichtigkeit von zugänglichen Intranet-Sites an letzter Stelle reiht: 3 surprises on the "relevancy list" for Intranet managers.
Jane McConnell (Globally local - locally global) ist deswegen verwundert, weil es in vielen Ländern hierzu auch gesetzliche Vorgaben gibt (übrigens auch in Österreich) und schreibt im vorher erwähnten Artikel unter der Überschrift, Surprise 2: Accessibility is at the bottom of the list
:
There are also legal requirements in many countries that employees should all have equal access to the information they need to do their jobs. Jane McConnell
Im Klartext heißt das, 46% finden ein barrierearmes Intranet überhaupt nicht relevant und 44% gerade mal angedacht.
Ich bin da überhaupt nicht überrascht und kann aus eigener Erfahrung sprechen. Mehrheitlich handelt es sich hier um ein brisantes I
-Gemisch:
- Inkompetenz,
- Inkonsistenz,
- Ignoranz und
- Insellösung.
Ein stark beworbenes Produkt eines großen Software-Herstellers spielt da auch eine Rolle, welches übelsten Code-Salat aus dem vorigen Jahrhundert ausliefert und zusätzlich noch extrem schwierig angepasst und individualisiert werden kann.
Dann kommt noch die zumeist völlige Unwissenheit von Entscheidern, die (auch in guter Absicht) partout – um jeden Preis – keine Verbindung zwischen standardkonformen zugänglichen Webseiten, plattform-unabhängigen Formaten und (temporären) menschlichen Einschränkungen erkennen können.
Hierzu gesellen sich dann noch Scharlatane, die unwissenden Entscheidern um teures Geld völlig inakzeptable Konstrukte (auch für Intranets) verkaufen. Bitte, liebe Behindertenverbände, tut das Eure, um solchen Scharlatanen das Handwerk zu legen
, schreibt Jens Grochtdreis und hat wieder einmal eine Agentur gefunden, die mit der Marke Barrierefrei
wirbt: Scharlatane.
Das soziale Web = nah dran sein
Oscar Berg (thecontenteconomy.com) schreibt, dass dieses nah dran sein
wohl den Unterschied macht: Being close makes a difference.
Being easy to use, encouraging open communication and sharing and putting emphasis on people instead of technology are some of the success factors. It is time to take these success factors into enterprises […] Oscar Berg
In den USA scheint das Rote Kreuz – internationale, nicht-staatliche Hilfsorganisation – im Begriff zu sein, das vorher erwähnte Zitat umzusetzen. Ein lesenswertes vorbildhaftes Early Adopters
-Beispiel interpretiert und erklärt Christian Henner-Fehr im Kulturmanagement-Blog: Rotes Kreuz: ein schönes Beispiel für den Einsatz von Social Media.
Intranet (2.0)
Susanne Franke (namics.com) stellt ein gekürztes PDF eines Vortrages von Sabrina Uthe am Euroforum Unternehmensportale
zum Download, mit dem Titel: Vom Intranet zum Unternehmensportal. Es zeigt vier Evolutionsstufen der Intranet-Konzepte:
- Die Mitarbeiterzeitung
- Die virtuelle Bibliothek
- Das Applikationsportal
- Das
Social Intranet
Wenn ich daran denke, dass die große Mehrheit wohl noch auf Stufe 1 steht, die hier mit statische Intranets mit Firmenpräsentation
charakterisiert wird, dann kann ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen. Und ich muss dann schon laut auflachen, wenn ich mir vorstelle wie viele Unternehmen in der folgenden Aufstellung wohl in Klasse 3 zu finden sind.
Jane McConnell teilt Intranets auch in drei Klassen der kulturellen Intranet-Readiness
für adäquate 2.0 Anwendungen: Intranet-readiness - 3 classes of organisations.
- Klasse 1: Die Kultur und das Intranet ist bereit für
die Art wie Menschen arbeiten
. - Klasse 2: Die
Intranet-Readiness
ist 1 bis 2 Jahre zurück. - Klasse 3: Das bestehende Intranet und die Kultur dafür ist 3 bis 5 Jahre zurück.
80% of senior management in Class 1 consider the intranet to be business critical
or very useful
, compared to just under 40% in Class 2 and under 20% in Class 3. Jane McConnell
Ross Dawson (Trends in the Living Networks) macht sich so seine Gedanken, wer in einem Unternehmen die Entwicklung zu Web 2.0 anführen sollte. Nicht überraschend kommt Ross zum Schluss, dass eigentlich die Leute aus dem Personalbereich (Denglisch: Human Resources) eine zentrale Rolle spielen sollten
: Web 2.0 and human resources – who should drive Web 2.0 initiatives in the organization?
Es gibt aber durchaus schon praktische Beispiele, wie es funktionieren kann:
Now see the new Web 2.0 IBM intranet with 30,000 bloggers, podcasts (audio & video), wikis, and Beehive, an internal version of Facebook. Toby Ward, World’s best intranet: IBM (webinar)
Und Thomas Allweyer (kurze-prozesse.de) zeigt uns, dass sich unter entsprechenden kulturellen Voraussetzungen Wikis auch hervorragend als begleitendes Werkzeug in die Prozessmodellierung einbinden lassen: Wiki- und Prozessmanagement - ein Widerspruch?
Datenschutz
Es ist ein leidiges Thema und ich könnte hier endlos lange Listen mit Verweisen auf gute Artikel oder erschreckende Tatsachen zusammenstellen. Und es ist auch nicht das eigentliche Thema dieses Blogs.
Ich bedanke mich aber für drei Beiträge im Juni bei den jeweiligen Autoren, die entweder emotional auch meine Gefühle widerspiegeln – Datenmissbrauch ohne Ende –, analytisch den Stand der Dinge aus persönlicher Sicht aufbereiten – Renaissance. Gedanken zum Stand des Datenschutzes im Internet – oder schlicht eine individuelle Erfahrung berichten: Microsoft als Spammer entlarvt.
- Abschnitt 1 von 1
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 6. Juli 2008 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 06 Juli 2008, 21:17 MET.
- Artikel:
- Juni 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/145
- Thema:
- Empfehlungen
- Stichworte:
- barrierearm, CSS, Datenschutz, Intranet, Unternehmen, Webstandards
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.
Mögliche themenverwandte Artikel aus dem Weblog
Blättern (chronologisch)
- « neuerer Artikel
- Rezension: Social Web
- älterer Artikel »
- Webseite mit Überschriften strukturieren – eine Chronologie

Die Kultur des neuen Kapitalismus