Juli 2010 im Kontext
Samstag, 07 August 2010 16:34 MET
Webgestaltung im Juli 2010
In unserer Welt von Listen und Bewertungen, welche vorgeben, komplexe Zusammenhänge vermeintlich mit einer einzigen Zahl beurteilen, zu oft verurteilen zu können, mutiert ein sogenannter Validator für Webseiten zum digitalen Richter für Ahnungslose.
Validatoren werden zu oft für typische Anpassungsheuristik missbraucht.
Validatoren ergeben nur für Fachpersonen Sinn und sind für Laien ziemlich aussagelos, unabhängig vom Resultat. In einem ausführlichen Beitrag beschäftigte sich Dirk Jesse mit diesem Thema: Alles valide oder was?
Im Juli veröffentlichte das W3C (World Wide Web Consortium) übrigens den Unicorn All-in-One Validator.
Thomas Jöchler – einer vom Team der vorbildhaften wien.gv.at – wundert sich, warum dieses Ding keine Prüfung für WAI-ARIA (Web Accessibility Initiative - Accessible Rich Internet Applications) beinhaltet. Zu seiner Frage hat er ein Support-Ticket eröffnet.
Benutzerfreundlich
Es ist recht angenehm, wenn auf einer Webseite auf einen Blick erkennbar ist, ob ein Hyperlink nur zu einer anderen Seite der selben Präsenz führt oder auf eine andere Domain.
Auf diesem Blog verwende ich durchgängig den Code, dass ein Link mit Hintergrundfärbung weg von dieser Site führt. Genau andersrum zeigt Christian Watson, aka Smiley Cat, ein Beispiel in seinem Beitrag: To Click or Not to Click.
Wie wir das nun auch immer kennzeichnen, eine rasch erkennbare Unterscheidung zwischen internen und externen Hyperlinks fördert sicherlich die angenehme Benutzung. Per CSS ist das auch schnell und einheitlich umgesetzt.
Einen weiteren informativen Beitrag lieferte Christian Watson auch noch zur Größe von Suchfeldern: What's the Best Search Box Size?
CSS (Cascading Style Sheets)
Auffällig war im Juli vor allem das gehäufte Auftreten von Beiträgen, die sich CSS Media-Queries widmen. Hier ein paar interessante daraus:
- Eine gut verständliche Einführung zu den Möglichkeiten von CSS Media-Queries bereitete Michael Jendryschik in einem Vortrag auf. Die Slides mit begleitenden Worten stellte er in seinem Blog bereit: WordCamp-Session über CSS Media Queries: Auf Geräte und Browser reagieren.
- Auch Chris Coyier bereitete eine leicht verständliche Einführung auf: CSS Media Queries & Using Available Space.
- Eine weitere gute Einführung, hier im Zusammenhang mit Mobile-Web: Media Queries: Mobile Versionen von Websites mit CSS 3 erstellen [Dr. Web].
- Detaillierte Übersicht zu den Möglichkeiten, Websites für mobile Geräte aufzubereiten. Media-Queries werden hier auch behandelt: Mobile-friendly: The mobile web optimization guide [Opera Developer Community].
- Auch eine Einsatzmöglichkeit für Media-Queries: Supersize that Background, Please! [Bobby van der Sluis on A List Apart].
Empfehlenswertes Hintergrundwissen liefert Markus Schlegel in einer Serie auf Dr.Web zu den verschiedenen möglichen Modulen in CSS3 für Spaltenlayouts. Hier sein Blogeintrag mit den weiterführenden Links: Die Zukunft der Spaltenlayouts.
Eric Meyer kommt in einem langen Artikel auf A List Apart zu dem Schluss, dass der Einsatz von Hersteller-Prefixes in CSS3 nicht wirklich mit den früheren CSS-Hacks zu vergleichen ist und darin einen Fortschritt für Webentwicklerinnen sieht: Prefix or Posthack.
Sonstiges schnell verlinkt
- CSS Dropdowns Part 1: The 2 Big Problems With CSS Dropdowns [Division by Zero] – spricht ein wesentliches Problem der Zugänglichkeit und Benutzbarkeit solcher Menüs an.
- JavaScript muss asynchron werden [molily]
- Übersicht über HTML5-Spezifikationen und -Literatur [molily]
- Von Spalten und der Lesbarkeit [Art of Web-Usability]
- Nice Entity: HTML-Entities schneller finden [Matthias Schütz]
- Turbine: ein PHP-Framework um schneller und problemfreier Stylesheets zu schreiben [Christian Schaefer auf perun.net]
- Real World Embedded Metadata – RDFa, Microformats And Microdata Practical Examples [spyrestudios]
- DNS-Umstellung (schnell und mit doppeltem Netz) [namics-Blog]
Bezahlt – ohne Sinn und Wert
Ich muss mich gar nicht besonders anstrengen, Beiträge über ignorantes Verhalten, widersinniges Management oder asoziale Verhaltensmuster in Unternehmen zu finden. Immer mehr solcher Texte oder Hinweise finden sich in den Blogs, die ich sowieso regelmäßig lese.
Ganz abseits von Social-Web und Enterprise2.0.
Bewusst lasse ich Details wie Mobbing, Korruption oder Whistleblowing außen vor, sonst würde die folgende kleine Zitatsammlung schon für den Juli 2010 sehr lang werden:
Keiner wagt es, sich mit schlechten Nachrichten zu exponieren […]. Überstunden für Leerläufe gehören zum guten Ton
–
Ignoranz als (a)soziales Verhaltensmuster [dobszay]- Studie:
99 Prozent hatten beobachtet, wie andere es mit rüpelnden, diskriminierenden oder einfach nur unhöflichen Chefs zu tun bekommen hatten
–
Rüpelnde Chefs kosten Millionen [stern.de] In etlichen Unternehmen jagd eine Reorganisation die nächste
–
Wenn keiner den Chef versteht – und vom Erfolg von Chefs, die verstanden werden [Management-Blog]Schon blöd, wenn man etwas verkünden muss, hinter dem man selbst nicht steht
–
Die eingeschränkte Sicht der Top-Manager [MWonline-Blog]Diese Unternehmen verpassen, Arbeit sinnvoll zu gestalten. Sie ziehen falsche Mitarbeitende an: Business-Nomaden, Söldner
–
Sinnvolle Führung versus widersinniges Management [business-wissen.de]
Ich erlebte jahrelang dilettantische Führungskräfte, denen jede soziale Kompetenz fehlt. Leute, für die Organigramme die Bibel, Prämien der Altar und Grabenkämpfe Ausdruck ihrer Persönlichkeit sind.
Manchmal überkam mich nur mehr Mitleid, ob dieser Einfalt.
Söldner außer Kontrolle
Die Folgen im Unternehmen gleichen einem aus der Kontrolle geratenen Söldnerheer mit (selbst ernannten) Warlords, das sich untereinander zerfleischt (mobbt), gegenseitig ausbeutet und nach außen merkantile (Wikipedia: Merkantilismus) Wesenszüge annimmt.
Ob diese Zustände – anders kann ich das nicht nennen – nun ein systemisches Problem sind oder menschliches Versagen mit System, lässt sich nicht einfach urteilen. Zwei Beiträge aus dem Juli 2010 greifen diese Einflüsse auf:
- Den systemischen Ansatz diskutiert Christian Henner-Fehr sehr interessant: Otto Scharmer: „Kapitalismus 3.0″.
- So manchem Manager-Karli hingegen könnte diese Buchrezension zu einer wertvollen Urlaubslektüre verhelfen: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen! [anchor.ch].
Gesunder Verstand, statt besoldete Bedenkenträger.
Wir sollten uns auch nicht mehr von Trollen gängeln lassen, die erst drei empirische Studien und 35 Umfragen brauchen, um beispielsweise zu erkennen, dass sie auf einem Misthaufen sitzen.
Solche Leute haben noch nie etwas vorangebracht, haben keine Neugier, keine Fantasie, wollen nichts entdecken und sind ausschließlich an ihrem eigenen Wohlergehen interessiert. Diese Menschen wagen erst etwas Neues, wenn es andere gar nicht mehr so nennen.
So wird auch die Erzählung von Frank Roebers (CEO (Chief Executive Officer) Synaxon) in einem Artikel zitiert, als er vor Jahren einfach mit dem Umbau zum Enterprise2.0 begann:
Sie [IT-Abteilung] empfahlen, erst einmal eine saubere Anforderung in ein Pflichtenheft zu schreiben, […]. Ich bin mir sicher, wären wir diesen Weg gegangen, hätten wir bis heute kein laufendes Wiki. Web 2.0 im Unternehmen: Warum ignorante Führungskräfte ein Risiko darstellen
Nur wenn es um den (rücksichtslosen) schnellen Rubel geht, gibt es selten Bedenken – Die deutsche Bildungspolitik als ein Mittel zur Sicherung von Egoismus, Konkurrenzdenken und gesellschaftlicher Ungleichheit. Das gilt im Übrigen natürlich auch für österreichische Verhältnisse.
Laut gedacht
Jürg Stuker (CEO Namics) hat im Juli 2010 in einem seiner Blogeinträge mal ganz laut gedacht:
Für mich ist der Umgang zwischen Menschen im Geschäft und privat derselbe. Offenheit und der Umgang zwischen Menschen
Schön zu wissen, dass es (noch) Unternehmen gibt, wo Menschen – und nicht Robots und Abteilungen – kommunizieren, inspirieren, zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Menschen, die keinen Spagat zwischen Beruf und Privat vollführen (müssen), um ihr Leben zu leben.
Kritik
Zum Abschluss möchte ich noch auf ein oft verwendetes Wort aufmerksam machen: »Kritik« hat im breiten Sprachempfinden offenbar immer das Vorurteil, etwas Negatives zu sein. Eine Sache schlecht zu machen.
Jörg Friedrich hat sich im Blog Arte-Fakten (Science-Blogs) mit diesem oft falsch verstandenen Wort auseinandergesetzt:
Vor 230 Jahren, als Immanuel Kant die erste seiner drei großen Kritiken schrieb, kam noch niemand auf die Idee dass die Kritik eines Gegenstandes etwas mit dessen Ablehnung zu tun haben könnte.
Dann wird sich herausstellen, dass der Wissenschaft nichts willkommener sein kann, als permanente grundsätzliche Kritik. Was ist eigentlich Kritik?
Ich füge nur noch hinzu, dass der letzte Satz mit Sicherheit nicht nur für die Wissenschaft gilt.
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- Datum:
- veröffentlicht am 07 August 2010, 16:34 MET.
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- benutzerfreundlich, CSS, Management, Unternehmen
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