Juli 2008 im Kontext

Montag, 04 August 2008 23:01 MET

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Foto: Radarschirm
Juli 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Mit Webstandards zugänglich und barrierefrei, damit das Netz für alle offen bleibt, Browser, CSS und kurze URLs, waren ein viel umschriebenes Thema im Juli.

Wertschätzung ist ein wichtiger Teil interner Social-Web-Anwendungen, Blogs und Wikis in Unternehmen. In vielen Unternehmen ist dieses Verhalten allerdings ein Fremdwort. So wird damit aber keine Wertschöpfung generiert.

Was im Juli sonst so aufgefallen ist, ist ein toller Beitrag zum sicheren Verhalten im Internet, Wissenschaft-Blogs, Geschichten über Journalisten und so, deren Chefs sich lieber gerne dieses moderne Zeugs vom Leibe halten.

Abschnitte

  1. Mit Webstandards zugänglich und barrierefrei; Browser, CSS und kurze URLs
  2. Unternehmen, Wikis, Wertschätzung und Wertschöpfung
  3. Sicheres Verhalten im Internet, Wissenschaft-Blogs, Journalisten und deren Chefs

Mit Webstandards zugänglich und barrierefrei

HTML ist das Handwerk, CSS ist die Kunst. Jan Eric Hellbusch, Sonnenseiten: Barrierefreiheit

Opera entwickelt ja schon lange standardkonforme Produkte. Nun setzen sie einen drauf und haben auf ihrer Website eine Sektion eingerichtet, die eine Art Nachschlagewerk werden soll und auch ständig erweitert wird: Opera Web Standards Curriculum.

Sylvia Egger (sprungmarker.de) hat den zweiten Teil ihrer informativen Studie zum Einsatz von Überschriften verfasst: Studie: Überschriften und Barrierefreiheit - Initiativen.

… damit das Netz für alle offen bleibt

Es war einfach mal wieder an der Zeit, dass irgendwer aus der Accessibility-Szene ausrastet und diesem Ohnmachtsgefühl der Ignoranz Luft macht:

Was wir wirklich brauchen, ist eine verbesserte Zugänglichkeit. Machen Sie sich einfach mal auf den Weg, auch wenn es kein Ziel gibt. Ansgar Hein, Niemand braucht Barrierefreiheit, oder: Offener Brief an Herrn X aus Y

Danke, dieser offene Brief an X aus Y hat sicher vielen in der Szene einen Wutausbruch erspart und eine Art mentale Erleichterung verschafft.

Wie es um diese Ignoranz bestellt ist, zeigt auch ein kürzlich erschienenes Buch zur Web-Programmierung. Die programmiertechnische Fachkenntnis des Autors mag ja unbestritten sein, die Kenntnisse über standardkonformes HTML (HyperText Markup Language) scheinen sehr bescheiden. Ein Buchautor sollte sich seiner Verantwortung bewußt sein. Als Autor ist er Vorbild. Er lehrt mit allem, was er schreibt. Dieses Buch richtet sich zudem bewußt an Anfänger, schreibt Jens Grochtdreis hierzu in: Rezension: Einstieg in PHP5 & MySQL5.

Da passt auch noch ein Beitrag von Ende des Monats Juli im Webstandard-Blog: Jeder 10. Mann sieht Webseiten mit anderen Augen.

Das Internet ist vielfältig, so vielfältig wie seine NutzerInnen, die die unterschiedlichsten Bedürfnisse mitbringen, schreibt Beate Hattinger in einem Artikel bei WAI-Austria und erzählt über ihre Erfahrungen als blinde Benutzerin, die auch als Betreuerin von Webseiten tätig ist: Informieren, kommunizieren - lernen Unterwegs im World Wide WebUnd gerade deswegen ist das Engagement all jener, die sich für Barrierefreiheit einsetzen so wichtig, damit das Netz für alle offen bleibt.

Browser, CSS und kurze URLs

Eine interessante Entwicklung gibt es für Benutzer von Vorleseprogrammen zu vermelden. WebAnywhere ist ein Open-Source Screen-Reader on the go. Also im Web überall verfügbar, in Alpha-Version und derzeit nur in englischer Sprache. Es zeigt aber ganz klar die Richtung auf: Weg vom teuren Desktop-Reader, hin zu frei benutzbaren Lese-Programmen im Netz mit offenem und erweiterbarem Quellcode.

Ein Browser für autistische Kinder wurde in Zusammenarbeit und Beobachtung mit einem autistischen Jungen entwickelt und vorgestellt: ZAC Browser - Zone for Autistic Children.

Wieder einmal Internet Explorer

Im Juli flammte wieder eine kurze Diskussion auf, wie lang der IE6 eigentlich noch unterstützt werden soll. Einige haben schon damit begonnen, dem IE6 keine Stylesheets mehr zuzuweisen, andere finden dieses Vorgehen (noch) nicht angebracht.

Ich selbst hatte vorige Woche wieder mit eigenen Augen und Ohren erfahren müssen, dass Menschen – die auch viel im Büro im Netz sind – nicht die geringste Ahnung davon haben, dass es verschiedene Ausgabe-Programme gäbe. Der installierte IE6 – der auch gar nicht als solcher bewusst wahr genommen wird – ist eben ganz einfach das Fenster ins Internet.

Ich glaube, dieses Problem wird sich gegen Ende des Jahres 2009, Anfang 2010 endgültig erledigt haben. Dann wird das neue Problem der IE8 sein, der zwar nun weitgehend CSS-2.1 versteht, alle anderen Browser aber bereits Cascading Style Sheets der (dann noch immer nicht verabschiedeten?) Version 3 komplett unterstützen.

Der IE7 hat ja leider auch noch genügend Macken, derer wir über Ausschlussmethoden habhaft werden müssen. Ein herausragender Artikel über Filterungen dieses IE-Zustandes findet sich seit Juli auf Perishable Press: CSS Hackz Series: Targeting and Filtering Internet Explorer 7.

Peter Kröner macht auf den zum Sprachumfang von CSS-3 gehörenden Sibling-Combinator aufmerksam, der wundersamerweise sogar schon vom IE7 unterstützt wird: Schönes neues CSS: General Sibling Combinator (~).

Kurz-URL-Dienste

Wir alle kennen die kurze Tiny-URL (Uniform Resource Locator). Seit kurzem gibt es einen neuen Dienst: bit.ly, welcher eine Menge zusätzlicher Funktionen bietet. Zwei Beschreibungen hierzu:

Die wichtigsten Punkte:

  • Die Namen der Kurz URL können selbst ausgesucht werden.
  • Die 15 zuletzt eingegebenen URLs merkt sich der Dienst per Cookie und zeigt sie bei erneutem Besuch an.
  • Der Dienst archiviert die Anzahl der Klicks und von wo der Traffic kommt.
  • Jede Kurz-URL wird unbegrenzt gespiegelt und gespeichert.
  • Alle diese Daten können per API via XML oder JSON angezapft und weiterverarbeitet werden.
  • Weitere Features sollen noch hinzu kommen.

Wenn wir kurz innehalten werden wir bemerken, dass all diese nützlichen Funktionalitäten auch erhebliche Risiken mit sich bringen können. Martin Seibert (seibert-media.net) hat über diese Shortener im Juli einen aufklärenden Artikel geschrieben: Kurz-URL-Dienste: nützlich und riskant.

Unternehmen, Wikis und Wertschöpfung

Andrea Back nimmt in einer lesenswerten Serie Unternehmenswikis in Form von Vlogs (Video-Logs) unter die Lupe: Wiki als Intranet: So räumt man Hürden für die Mitarbeit aus dem Weg (Teil 1 von 9).

In diesem ersten Teil geht es um das Wiki der Synaxon AG. Eine Aussage aus dem Interview mit dem Projektleiter Frank Roebers:

Wir haben heute noch Hierarchien, zwei Führungsebenen mit einer schwach ausgeprägten dritten. Mein Eindruck ist: Da ist noch was im Fluss. Frank Roebers

Auch das erfolgreiche Wiki des Frankfurter Flughafens (Fraport) ist immer wieder als Vorbild im Gespräch. Diesmal ein Artikel in der Computerwoche: Fraport macht´s vor - Wie man ein Firmen-Wiki zum Laufen bringt.

Wenige Menschen verstehen kontroverse Meinungen als wertschätzenden Beitrag und suchen zu oft die heuchlerische Harmonie. In Organisationen drückt sich das meist im Streben nach gleichgeschaltetem Command and Control aus.

Zum Leben, aber vor allem auch im Social-Web, gehört auch Vielfalt, unterschiedliche Meinungen und Kontroversen. Nur so bleibt die Gesellschaft, Unternehmen und Organisationen innovativ. Armin Karge hat wieder einmal ein Interview mit Professor Peter Kruse etwas genauer analysiert und zitiert: Harmonische Systeme sind dumme Systeme! Auch Christian Henner-Fehr interpretiert und zitiert den Professor: Bauen Sie Systeme, die stören!

Wertschätzung wird zur Wertschöpfung

Eine Bitkom-Studie wanderte im Juli durch das Netz, wo behauptet wurde, dass 60 Prozent der Unternehmen Blogs, Wikis und soziale Netzwerke ausbauen wollen.

Wenn das solche Unternehmen sind, die sich noch Gedanken über Privates Surfen im Job - Verbieten oder Erlauben? machen, dann müssen wir fragen, was solche Organisationen mit Web2.0 anfangen wollen?

Außerdem sucht die junge Generation dann schnell das Weite, wie Hans Fischer (rolotec.ch) beschreibt: Web 2.0: Unternehmen-Nutzen und Talent-Garantie. Das wird für Command and Control Fraktionen in Zukunft ein echtes Problem.

Es gibt auch Bemühungen, die Wertschöpfung von Wikis zu berechnen: The PBwiki ROI Calculator. Simon Dueckert beschreibt den Versuch der Berechnung eines ROI (Return On Investment) in einem Beitrag auf dem Cogneon-Portal genauer: ROI-Berechnung für ein Wiki.

Wolff Horbach (faktor-g.de) – er befasst sich mit Glücksforschung – hat in einem Beitrag ein paar Buchtipps zum Stichwort Wertschätzung parat und den wichtigsten Ratschlag im Monat Juli:

Wenn es Ihnen gelingt, dass sich die bei Ihnen tätigen Menschen mit einer Haltung gegenseitiger Wertschätzung begegnen, denn haben Sie einen goldenen Schlüssel zur Wertschöpfung in der Hand. Wolff Horbach, Wertschätzung: der Weg zur Wertschöpfung

Wertschätzung ist ein wichtiger Bestandteil des Social-Web. In vielen Unternehmen ist dieses Verhalten allerdings ein Fremdwort.

Und auch hier wird das enge Verhältnis zwischen Wertschätzung und Wertschöpfung angesprochen: Intrinsische Motivation: Warum berechtigtes Lob ebenso wichtig ist wie berechtigte Kritik.

Immediate feedback in the moment, beobachtete Shawn (anecdote.com.au) bei einem Basketball-Training und fragt sich, warum das nicht öfters in Arbeitsumgebungen passiert. Auch das ist ein wichtiger Teil von Wertschätzung und Wertschöpfung. Ein paar Tage später wird in nämlichem Blog in diese Richtung nachgeschoben, Giving credit where credit is due: Trust creating behaviours.

Was im Juli sonst so aufgefallen ist

Levente Dobszay hat einen tollen Beitrag – wir können fast sagen, eine kleine Anleitung – verfasst, wie wir uns im Internet verhalten sollten, um auf der sicheren Seite zu sein. Dieser informative Artikel ist nicht nur für Anfänger.

Lesebefehl:

Wissenschaft und Blogs

Es gibt auch bloggende Wissenschafterinnen. Viele wollen aber nicht nur ganz alleine vor sich hinbloggen, sondern treffen sich dann auch im virtuellen Wissenschafts-Café. Und dort gibt es auch einen Chart der die beliebtesten Wissenschaft-Blogs auflistet, aktualisiert für Juli 2008: Wissenschaftsblog-Charts | 07/2008.

Journalisten und so

In den USA hat das Zeitungssterben schon eingesetzt, in Europa stehen wir wohl kurz davor: Wo ist das Publikum hin?

Doch wenn es ganz schlimm kommt, dann werden die gedruckten Medien von den heute 14-jährigen einst so bestaunt, wie jetzt schon die Museumsbahnen […] jendert, Die elektrische Dampflok [Handelsblatt Weblog]

Journalisten sind die schlesischen Weber des Webs, meint Martin Recke auf fischmarkt.de. Diese These untermauert er aber dann noch ganz eindrucksvoll: Warum Journalisten das Web nicht mögen.

Einen Tag später dann noch ein paar erklärende Sätze zu dem viel diskutierten Beitrag und eine noch klarere Aussage:

Journalisten werden sich als Kommunikatoren und Lohnschreiber für Unternehmen verdingen. Martin Recke, Wozu wir noch Journalisten brauchen

Thomas Knüwer hat es mit Chef-Studien beim Media Coffee wieder einmal auf den Punkt gebracht.

Lebenslang lernen sollen die anderen

Da treffen sich Chefs und schwadronieren über Dinge die sie gar nicht verstehen (wollen), aber verstehen das als Gespräch über die gemeinsame (also auch die der anderen) Zukunft.

Da gibt es eine Chefredakteurin des Bayerischen Rundfunks, die einen iPod hat und unumwunden zugibt, ihn nicht bedienen zu können; aber auch keine Gebrauchsanleitung lesen will.

Deutlich war herauszuhören, dass sie sich mit solchen Themen einfach nicht beschäftigen mag, schreibt Thomas. Und das, obwohl mittlerweile Radioprogramme über Internet via Podcasts angeboten werden und mit MP3 beziehungsweise iPods gehört werden.

Also nochmals langsam:

  • Chefredakteurin des Bayerischen Rundfunks.
  • Hat einen iPod, kann ihn nicht bedienen.
  • Will auch die Gebrauchsanleitung nicht lesen und interessiert sich eigentlich nicht wirklich dafür.

Leider steht Riederers Haltung aber stellvertretend für viele Lenker im Mediengeschäft: Sie propagieren lebenslanges Lernen, sehen sich selbst davon aber ausgenommen. Thomas Knüwer, Chef-Studien beim Media Coffee

Ich kann es nur immer wieder sagen

Diese Menschen haben die letzten zehn Jahre verschlafen und trennen noch immer zwischen Technik und Leben.

Es gehört in diesen Kreisen einfach zum guten Ton, sich als technisches Nackerpatzerl auszugeben und es sich leisten zu können, die – vermeintliche – Technik von anderen bedienen zu lassen.

Es war zwar schon immer einfach, aber es wird mittlerweile auch wieder unverschämt normal, in feudalistischer Art von anderen Menschen Dinge zu fordern, die die Forderer nicht einmal im Traum tun würden … fallen Ihnen da auch gerade so viele Beispiele ein wie mir?

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 4. August 2008 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 04 August 2008, 23:01 MET.
Artikel:
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Kurz-URL:
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