Januar 2008 im Kontext

Montag, 04 Februar 2008 23:48 MET

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Radarschirm
Januar 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
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Was das Web in Diskussion hält und was das Web im richtigen Leben bedeutet, sind zwei Paar Schuhe. Da gibt es dieses Monat viel zu sagen und daher alles andere sehr kurz.

Während sich die Ahnungslosen mit Auszeichnungen für ihre letzten Innovationen überschütten und die Euros zuschieben, quälen sich andere mit der fehlenden Zugänglichkeit solcher Seiten.

Manche fragen sich, ob überhaupt von Webstandards gesprochen werden kann, wenn sich kein Schwein daran hält, während andere das Ziel nicht aus den Augen verlieren und unermüdlich für Qualität im Web kämpfen.

Das Web in Diskussion

Eine wilde Diskussion hat sich um die Gestaltung von Blätter-Techniken entwickelt. Also vorwiegend in Blogs zu finden, wo oft die Möglichkeit besteht von einem Eintrag zum nächsten älteren oder neueren zu springen, also das sinnbildliche Weiterblättern.

Letztendlich sich also die Frage stellt: Ist die Metapher zum Weblog nun ein Ringordner oder eine Zeitleiste?

Parallel dazu stand noch die allgemeine Gestaltung einer Navigationsleiste mit Seitenzahlen, weiter, zurück, erste Seite und letzte Seite im Blickpunkt:

Internet Explorer 8 – der Haken

Ich habe es gespürt: Wenn Microsoft im Dezember damit prahlt, dass der neue IE8 sogar den Acid2-Test besteht, dann musste das irgendeinen Haken haben.

Wer kein Meta-Tag angibt, bekommt auch keine Webstandards. David Maciejewski auf webkrauts.de

Ich sag nix dazu. Es gibt hunderte Kommentare in vielen Sprachen und ich liste hier zur Übersicht zwei Verweise auf:

Standards, Zugänglichkeit und HTML

I want a better Web, and that means better practices, more education, more resources, more outreach (Molly Holzschlag).

Molly Holzschlag fragt sich mittlerweile auf ihre sehr persönliche Art, von welchen Webstandards wir überhaupt sprechen, wenn sie eigentlich von kaum jemand eingehalten werden: Web Standards Aren’t. Einen Tag später zieht sie dann noch den fatalistischen Schluss, dass sie sich wohl besser von der Web Standards Diva to Web Standards Devo entwickeln sollte. Sie ist halt sehr emotional, aber sie gibt nicht auf.

Jens Grochtdreis geht die Diskussion mit und über das W3C so langsam auf die Nerven, im Gegenzug Eric Eggert pragmatisch erwidert: Welche Standards wollt ihr eigentlich?!??

Maria Putzhuber hat wieder ganze Arbeit geleistet und den Last-Call Entwurf der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) zur Version 2 mal auf Deutsch übersetzt und kommentiert: WCAG 2.0 Last Call will kommentiert werden.

Anne van Kesteren hat die Unterschiede des Arbeitsentwurfes von HTML5 zu HTML4 herausgearbeitet: HTML 5 differences from HTML 4.

Das Web im richtigen Leben

Wie am freien Markt das kreative Handwerk der Webgestaltung eingeschätzt und bezahlt wird, habe ich ja zum Beispiel schon hier dargelegt. Bei maratz.com findet sich hierzu nun ein Schmankerl aus seinen E-Mails:

You are a little-bit too expensive, XXX is an hourly rate for a programmer. You’re Not a Programmer, We Won’t Pay You That Much

Da fehlt glatt nur noch der Zusatz: Das lasse ich doch von meinem Neffen für eine Pizza und ´ne Cola machen.

In meinem Feed-Reader sammelten sich das letzte Monat einige konkrete Site-Kritiken:

Fangen wir dieses Mal mit den positiven Beispielen an

Und jetzt zu den Ahnungslosen und Ignoranten

Sylvia Egger hat für ihr Weblog sprungmarker.de wieder einmal die Recherchebrille aufgesetzt und ein paar Preisträger unter die Lupe genommen. Damit Sie jetzt auch verstehen was ich meine, empfehle ich Ihnen den Artikel von ihr genau zu lesen: Website Award Berlin-Brandenburg 2007: Preise ohne Standards.

Meine Kurzanalyse der Geschichte:

  1. Politiker gründen Kompetenzzentren (mit Steuergeld).
  2. Die dort eingestellten Leute werden angewiesen gute Websites auszuzeichnen, aber verstehen gar nix vom Web.
  3. Die Leute stellen dann offenbar Regeln für den Wettbewerb auf, die dermaßen inkompetent formuliert sind, dass die erst einmal von Sylvia Egger gesichtet und sortiert werden müssen.
  4. In den genannten Regeln steht nach Sichtung drinnen, dass die Websites auch zugänglich und barrierefrei sein sollten, um überhaupt zugelassen zu werden.
  5. Die nix wissenden Leute vom Kompetenzzentrum verleihen dann Preise für Websites, die weder Webstandards folgen, noch in irgend einer Weise barrierefrei sind.
  6. Die nix wissenden Politiker klopfen denen vom Kompetenzzentrum auf die Schulter und verteilen noch zusätzliches Geld (der Steuerzahler) an die nix wissenden Ersteller dieser Websites.
  7. Conclusio: Alle Nix-Wisser klopfen sich gegenseitig auf die Schulter, schieben sich die Euros zu und quatschen irgendwas von Innovation und kreativen Köpfen.

Anmerkung, um Missverständnissen vorzubeugen: Der Ausdruck Nix Wissen bezieht sich ausschließlich auf die Fachkenntnis zu Webstandards und barrierefreier Webgestaltung.

Hier offenbart sich ein unbeabsichtigter PR-Gag, der im Grunde von lauter Nix-Wissenden produziert wird. Ansonsten wäre es ja vorsätzliche Täuschung und davon will ich ja nicht ausgehen.

Ich kann mich nur nicht so recht entscheiden, ob das nun mehr Kabarett oder ein Skandal ist!

Nicht nur die Musik macht eine Website

Wieder einmal ein typischer Fall von wir machen das mit einem CMS, das alles kann. Ahnungslosigkeit von Akteuren kann aber auch ein noch so gutes CMS (Content Management System) nicht ausgleichen.

Das sollten die Verantwortlichen der Berliner Philharmoniker mal überdenken, wenn sie eine Agentur mit einer Neugestaltung beauftragen. Wolfgang Wiese, alias xwolf, beschreibt in seinem Weblog diese Geburt: Berliner Philharmoniker: Optik: 3, Usabillity: 6-.

In einem Besprechungsraum, irgendwo in Amerika:
Wozu sollen Blinde ein Buch bestellen? [Gelächter in der Runde.]

Verhinderte Amazon(en)

Das Thema von großen – in diesem Fall dem Weltmarktführer – Shopping-Sites ist mühsam und ich bin es im Moment leid, mich damit zu beschäftigen.

Eva Papst findet es nämlich überhaupt nicht bequem beim Weltmarktführer einzukaufen. Ja warum den bloß? Weil das mit einem Screen-Reader nur mit viel Geduld und Ausdauer – wenn überhaupt – möglich ist: Ich bin eine Amazone.

Hierzu sollten Sie aber noch wissen, dass Amazon im Zuge der Geschichten und Klagen um Target.com im Frühjahr 2007 verkündete, ihre Seiten im anstehenden Relaunch der US-Site barrierearm zu gestalten und mit dem amerikanischen Blindenverband zusammen zu arbeiten.

Im September 2007 wurde die neue US-Version freigegeben. Barrierefrei bedeutet für Amazon offensichtlich eine Version für mobile Ausgabegeräte anzubieten und selbst dort auf Webstandards und Umsetzung von Richtlinien zur Zugänglichkeit zu verzichten.

Wie Amazon den amerikanischen Blindenverband dazu bringt dieses zweifelhafte Konstrukt bis dato nicht mehr zu kritisieren (zumindest habe ich bis jetzt keine Stellungnahme des Verbandes vernommen), bleibt unserer Fantasie und US-Gesetzen überlassen.

Social-Networking mit Handicap

Das soziale Netz ist ja eine hype Sache und in aller Munde. Allerdings (noch) nicht für Menschen mit Handicap:

Alles andere sehr kurz

Weil es in dieser Kontextualisierung des Monats Januar so viel über Web, die Standards und Websites zu schreiben gab, zähle ich die anderen interessanten Dinge nur mehr in Verweisform auf:

Intranets, Unternehmen und Wirtschaft

  • 10 Best Intranets of 2008 [Jakob Nielsen's Alertbox] – This year's winners focused on productivity tools, employee self-service, access to knowledgeable people (as opposed to knowledge management), and better-presented company news.
    • Bank of America, US
    • Bankinter S.A., Spain
    • Barnes & Noble, US
    • British Airways, UK
    • Campbell Soup Company, US
    • Coldwell Banker Real Estate Corporation, US
    • IKEA North America Service, LLC, US
    • Ministry of Transport, New Zealand
    • New South Wales Department of Primary Industries, Australia
    • SAP AG, Germany
  • Nielsen Norman Group kürt die zehn besten Intranets und ermittelt neue Trends im Wissensmanagement [contentmanager.de]
  • Verändert das Web2.0 die Unternehmenskultur? [Kulturmanagement Blog] – Erfolg wird sich aber nur dann einstellen, wenn die Implementierung dieser Tools einher geht mit einem Wandel der Unternehmenskultur.
  • Arbeiten ohne Stechuhr - Ergebnis wichtiger als Stundenzählen [pressetext deutschland] – Best Buy: Dort gibt es weder vorgeschriebene Stundenzahlen für die Beschäftigten noch Anwesenheitspflicht bei Besprechungen und auch keine Kernzeit.
  • Mobbing am Arbeitsplatz ist in [prportal.de] – In den vergangenen Jahren ging die ablehnende Haltung gegen unkollegiales Verhalten am Arbeitsplatz zugunsten des eigenen Erfolges merklich zurück und liegt heute bei weniger als 50 Prozent.
  • Wissensmanagement mit Weblogs [namics.com] – Wir nutzen seit über 2 Jahren eine Multiblog-Infrastruktur als zentrales Element des Wissensmanagements und der internen Kommunikation.
  • Verwaltungsblog zu eGovernment ist gestartet [PR Blogger] – Erste Kommunen beginnen damit, Foren, Wikis oder Video-Podcasts aufzusetzen, um einen aktiven Beitrag zu mehr Bürgerkommunikation zu leisten.
  • JEDER Intranet-Inhalt ist Kollaborativ [INJELEA] – Deswegen wird offene und hierarchieübergreifende Kollaboration an Inhalten als Teil und Voraussetzung des Change Managements immer wichtiger werden. Wer nicht kollaboriert, der bleibt statisch und verliert.

Blase 2.0

Vermischtes

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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 4. Februar 2008 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 04 Februar 2008, 23:48 MET.
Artikel:
Januar 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
Kurz-URL:
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