Januar 2010 im Kontext

Donnerstag, 04 Februar 2010 22:41 MET

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Foto: Radarschirm
Januar 2010 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Barrierefreiheit ist kein Blinde-Kuh-Spiel aber auch nicht nur für Blinde. Interessante Artikel zu CSS und Tipps für Webentwickler ergeben dieses Monat viel Lesestoff für Interessierte.

Social-Media in Unternehmen: Auch dazu sammelten sich im Januar 2010 viel lesenswerte Beiträge.

Oder nur Biedermeier 2.0? In vielen Organisationen gilt nämlich: Sozial ist wegsehen und das Medium ist schweigen.

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  1. Webgestaltung im Januar 2010
    1. Barrierefreiheit ist kein Spiel
    2. Informationsarchitektur
    3. Cascading Style Sheets
    4. Tipps für Entwickler
  2. Social-Media in Unternehmen
    1. Biedermeier 2.0

Webgestaltung im Januar 2010

Zugegeben, Zeichenkodierung und ihre Folgen sind nicht immer leicht zu verstehen und schon im letzten Monatsrückblick verwies ich auf einen interessanten Artikel. Thomas Scholz nimmt sich dieser Sache auch immer wieder an: Warum UTF-8?

Google pfeift auf IE6.

Wie schon im Laufe des letzten Jahres viele Entwickler und auch große Sites, hat nun auch Google angekündigt, ab März 2010 den IE6 nicht mehr zu unterstützen.

Das heißt, kein Nutzer darf sich bei Google beschweren, wenn eine Seite oder Anwendung im IE6 nicht mehr funktioniert. Langsam geht’s also auch ohne Abwrackprämie für Internet Explorer 6, wie ich vor einem Jahr satirisch beschrieb.

Barrierefreiheit ist kein Spiel

Im Prinzip halte ich ja nichts von diesen List-Postings. Bei manchen Themen zählt aber einfach der Wiederholungsfaktor, wie auch in diesem Fall: Common Accessibility Mistakes.

Blinde Kuh

Es nimmt mitunter groteske Züge an, wenn tatsächlich mal eine blinde Benutzerin einen bestimmte Hyperlink oder eine Adresse auf einer Website sucht, die den Anspruch stellt, zugänglich zu sein. Barrierefreiheit ist kein Spiel!

Eva Papst schreibt einmal mehr über ihre Erfahrungen als ständige Benutzerin eines Bildschirm-Leseprogrammes und nicht umgesetzte Accessibility-Richtlinien (und auch gesetzlichen Vorschriften):

Dabei spielt es im Ergebnis für mich keine Rolle, ob dies aus Unwissenheit oder mit Absicht geschieht. Bewahrt mir bitte meine Informationsqualität!

Fritz Weisshart hat im Januar seine Werkzeugliste wieder aktualisiert: Meine Testwerkzeuge und Validatoren. Der Wink mit dem Zaunpfahl an Entwickler, die ungetestete Sites ins Netz stellen.

Nicht nur für Blinde

Nicht zuletzt durch engagierte Aufklärungsarbeit vieler Menschen haben manche Entwickler und Auftraggeber in den letzten Jahren langsam verstanden, dass blinde Menschen sogar sehr intensiv das Internet nutzen.

Leider fällt zu oft aus der Wahrnehmung, dass es viele Beeinträchtigungen gibt, welche die Benutzung einer Website erschweren können.

Die wertvollsten Erfahrungen sammeln wir daher, wenn wir mit offenen Sinnen durch die Welt gehen. Auch wenn sich nur die Gelegenheit bietet, darüber zu lesen: Einfach-teilhaben.de im Usability-Test mit Menschen mit Behinderungen [Aperto-Blog].

Ian Pouncey, Entwickler bei Yahoo!, hat es im Januar in einem Beitrag erwähnt:

Content that is highly accessible to a visually impaired user with a screen reader may be inadequate for a user who lacks fine motor control. Web accessibility myths

Dabei lässt sich so manche Hürde schon mit durchdachter IA (Information Architecture) aus dem Weg räumen.

Informationsarchitektur

Michael Jendryschik diskutierte eine Leserfrage: Blättern oder Scrollen? Die ganze Seite oder nur den Content? Ich dachte nicht, dass solch eine Frage 2010 noch überhaupt jemanden beschäftigt.

Zum Thema passend, gibt es auf Besser 2.0 ein Interview mit einem, der sich tagtäglich mit dem lautlosen Geheimnis guter Websites auseinandersetzt:
Was ist eigentlich Informations­architektur?

CSS (Cascading Style Sheets)

Tipps für Entwickler

Social-Media in Unternehmen

Der Einsatz von Social Media in Intranets nimmt zu, interpretiert HirschTec eine Nielsen-Analyse in seinem Blog. Zumindest sammelten sich eine Menge Artikel zu Enterprise 2.0 und hier vor allem zu technischen Möglichkeiten und Plattformen.

Gedankenaustausch einmal anders, betitelt die Computerwoche einen Artikel zu internen Barcamps. Unternehmen, welche diese Veranstaltungsformen nutzen, lassen sich im deutschsprachigen Raum vermutlich an einer Hand abzählen.

Google ist da schon weiter und der Erfolg gibt ihnen unbestritten recht. Wir nennen es Googliness, sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google-Deutschland, in einem Interview mit Thomas Pfeiffer auf Webevangelisten.

Biedermeier 2.0?

Organisationen, die das Internet außen vor halten, wo externe Domains gesperrt werden als gäbe es das alles nicht, wo meist nicht mal ein halbwegs benutzbares Intranet vorhanden ist, solche Unternehmen haben ein Führungsproblem, wie Frank Hamm kürzlich anmerkte.

Christian Henner-Fehr schreibt in einer Buchrezension:

Die Welt ist zu komplex geworden, um den daraus resultierenden Herausforderungen mit Organisationsmodellen aus dem Zeitalter der Industriellen Revolution zu begegnen. Rezension: Leadership im Kulturbetrieb (Armin Klein)

Das letzte Argument der Verzweifelten ist wohl die Hoffnung:

Das Internet ist das letzte Schlachtfeld, auf dem die noch verbliebenen »Autoritäten« ihre endgültige Niederlage erleiden werden. Die heterarchische Kommunikation

Meine Hoffnung auf diesen »Zeitfaktor« hält sich vor allem bei staatsnahen Organisationen und Verwaltungen in engen Grenzen. Auf breiten Strecken – und nicht zuletzt aus persönlicher Erfahrung – sehe ich dort nicht einmal die Erkenntnis, ein Problem zu haben.

Damit sind wir am Punkt.

Es gibt unzählige Unternehmen da draußen – genau genommen die erdrückende Mehrheit –, in denen das Zeitalter des Biedermeier entweder noch nicht endete oder die Aufklärung noch gar nicht begonnen hat. Diese Feststellung bezieht sich nicht auf die betriebs­wirt­schaftliche Sicht, sondern auf das Menschenbild.

Allein schon aus Lebens­erfahrung überkommt mich Sarkasmus.

Weblog? Also wie jetzt

Da reden wir schon jahrelang von Blogs und Wikis, jetzt auch von Microblogging und Social-Media.

Wenn du in Gesprächen mit Leuten aus solchen Organisationen das Wort »Blog« fallen lässt, geht das Gespräch dann ungefähr so weiter: Weblog? Also wie jetzt … Sie meinen eine Hompädsch, wo jemand jeden Tag was reinschreibt?

Oder wenn du von internen Social-Networks redest, die fragende Bemerkung, ob ich so etwas wie eine Kontaktbörse im Internet meine, mit hilfesuchendem Blick in die Runde der Anwesenden, als hättest du nicht mehr alle Latten am Zaun.

In diesen Organisationen gilt: Sozial ist wegsehen und das Medium ist schweigen.

Social-Media der Dilettanten

  • Hierarchie, der Unternehmenszweck.
  • Durchhalten, das Motto.
  • Schweigen, das Medium.
  • Ignoranz, die soziale Intelligenz und
  • Arroganz, die Überlebensstrategie des Einzelnen.

Das Resultat ist Dilettantismus und im schlechtesten Fall mafiose Strukturen.

In der Regel haben viele nur die Wahl zwischen Biedermeier 2.0 oder Tyrannei. Für kreative Menschen bleibt das einerlei.

Zu diesem Thema hatte ich schon einmal ausführlicher geschrieben:

Ach, nennen Sie mich nun Miesmacher, Pessimist oder was Ihnen sonst noch einfällt. Nein, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt, selbst wenn bei manchem Nachwuchs keine so recht aufkommen will: Vom Sinn der Arbeit [MWonline-Blog].

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Datum:
veröffentlicht am 04 Februar 2010, 22:41 MET.
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