Januar 2009 im Kontext

Freitag, 06 Februar 2009 18:27 MET

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Januar 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
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Web-Accessibility: Umfrage zeigt, dass Überschriften wichtige Orientierungspunkte sind. Auf dem CSS-Framework YAML basieren sechs der 19 ausgezeichneten Websites der BIENE.

Web-Gestaltung ist mehr als nur fürs Glotzen und in der Web-Sphäre verwelkt gerade die Magnolie der Lesezeichen.

Mut gegen Stillstand: Was die Deutsche Telekom so treibt. Über die Krankheit des Zeitgeistes und infantilen Optimismus, der wohl nicht zum erhofften Aufschwung führen wird.

Abschnitte

  1. Web-Accessibility, Web-Gestaltung, Web-Sphäre
  2. Business: Mut gegen Stillstand

Web-Accessibility

In letzter Zeit hat sich einiges zur formalen Standardisierung der Zugänglichkeit für das Web getan. WCAG 2.0 wurden offiziell verabschiedet und die WAI-ARIA stehen auch knapp davor. Sehr interessant sind daher Beiträge, die sich mit dem praktischen Einsatz dieser Standards befassen.

Nützliches aus dem Januar 2009 im Zusammenhang mit diesen Webstandards:

Umfrage zeigt: Überschriften sind wichtige Orientierungspunkte

Vor einiger Zeit hatte WebAIM eine Umfrage unter Benutzern von Bildschirm-Leseprogrammen initiiert. Die äußerst interessanten Resultate liegen nun vor: Screen Reader Survey Results.

Hier eine gute deutschsprachige Zusammenfassung: Screen Reader Umfrage [Wienfluss Weblog] (eingefügt am 7. Februar 2009).

Nicht nur Suchmaschinen und andere Programme bewerten und orientieren sich an den Headings.

Diese Umfrage zeigt: Auch für die große Mehrheit der Screenreader-Benutzer ist die strukturierte Gliederung mit Überschriften die wichtigste Orientierung in einem HTML-Dokument.

In diesem Zusammenhang gibt es eine nie endende Diskussion um die ein- oder mehrmalige Verwendung der H1 Überschrift. Eine zeitliche Aufgliederung vieler Beiträge seit dem Jahr 2004 habe ich im Sommer 2008 schon einmal zusammengestellt (Webseite mit Überschriften strukturieren – eine Chronologie).

Roger Johansson hat mit Jahresanfang wieder nachgelegt und die daran anschließenden Kommentare zeigen, dass sich die Diskussion seit Jahren im Kreis dreht: Headings, heading hierarchy, and document outlines.

Vielleicht widme ich meine Meinung hierzu noch einmal einen separaten Artikel – siehe H1-Headings in HTML: Wieviel Einser braucht eine Seite. Nur so viel: Wenn die logische Gliederung stimmt, spricht für mich und auch laut Spezifikation nichts gegen die Verwendung mehrerer Überschriften erster Ordnung. Die Gebrauchstauglichkeit muss stimmen.

Was die BIENE mit YAML zu tun hat

Ein Grund mehr, sich mit YAML intensiver zu beschäftigen.

Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten (BIENE) zeichnet barrierearme und zugängliche Websites im deutschsprachigen Raum durch eine Fachjury jährlich aus. Anfang des Jahres war es wieder soweit: BIENE 2008 - Die Gewinner.

Yet Another Multicolumn Layout (YAML) ist ein CSS-Framework, welches als Basis zum Aufbau von komplexen CSS-Positionierungen dienen kann. Dirk Jesse hat YAML 2005 konzipiert und unterhält auch die Website zu YAML, mit klarer Dokumentation und zusätzlichem Werkzeug (YAML-Builder).

Sechs der diesjährig insgesamt 19 ausgezeichneten Websites der BIENE verwenden YAML als Grundlage zum Aufbau. Ein eleganter Beweis für die Tragfähigkeit dieses Konzeptes. Verständlich, dass Dirk sich darüber freut: 1x Gold, 4x Silber und 1x Bronze bei der Biene 2008.

Web-Gestaltung

Wenn es nicht immer dieses Unverständnis gäbe, das Web wäre nur fürs Glotzen geschaffen. Und das auch noch so aussehen muss, wie es irgendein Auftraggeber oder ein halbwissender Webdesigner auf seinem Bildschirm sieht.

Wissende Webgestalterinnen wissen, dass sie nicht wissen, welches Medium verwendet und wie es benutzt wird, um an die transportierte Information zu kommen: Sokrates für Browserflüsterer [Matthias Mees, yellowled].

Jens Grochtdreis hat sich da an seinen legendären Text aus 2005 erinnert, der klar macht, dass wir es bei Webseiten nicht mit Gemälden zu tun haben:

Im Internet kann ich mir alles so einstellen, daß es mir selber paßt, nicht dem Herausgeber der Tageszeitung. Das ist das Revolutionäre, das Demokratische, das Geniale am Internet. Jens Grochtdreis, Webseiten sind noch immer keine Gemälde

Peter Müller schreibt aus einem Kapitel seines (vorläufig) neuen Buches (siehe Rezension: Little Boxes, Teil 0) einen Artikel auf akademie.de, wie auch ein Laie ungefähr erkennen kann, welche Qualität eine Webseite hat:

Fonts, CSS und HTML5

Web-Sphäre

Die Magnolie der Lesezeichen verwelkt

Der Bookmark-Dienst Ma.gnolia schmierte am 30. Januar ab und hat nach eigenen Angaben alle Daten – auch die Backups – verloren.

Bis zum Datum dieses Monatsrückblickes war der Dienst geschlossen und ich vermute, dass er auch nicht wieder öffnet – zumindest nicht mit den alten Daten.

Business: Mut gegen Stillstand

Im vorigen Monatsrückblick hatte ich vom beachtenswerten Weg der Synaxon AG zum Unternehmen 2.0 berichtet. Frank Roebers, der Vorstandsvorsitzende, schrieb im Januar 2009 einen weiteren interessanten Blogeintrag:

Natürlich basteln auch noch andere an ihrem Unternehmen 2.0:

T-ZwoNull

Egal wie wir nun die Aktivitäten der Deutschen Telekom sehen; Tatsache ist, einige Leute dort machen sich Gedanken und bewegen etwas.

Blogger wurden im Januar 2009 mit dem neuen Google-Handy von T-Mobile beschenkt. Dafür brauchen sie nur über ihre Erfahrungen damit schreiben. Wohl nach dem Kalkül, die Hand die mir das Futter reicht, beiße ich nicht. Gleichzeitig überbieten sich andere Medienkanäle mit Gewinnspielen, um die inszenierte Beschenkung des mobilen Digitalknechtes auszuschlachten.

(Eingefügt am 9. Februar 2009) Ups … Sorry, wichtigen Hyperlink beim Originalschrieb vergessen:
Wie das mit solchen Kampagnen läuft, lässt sich bei helge.at nachlesen: T-Mobile und das Google-G1 für Blogger: Ein Marketing-Showcase.

Die Leute von T-Mobile üben sich jetzt aber auch in der Nachahmung der spektakulären Flashmobs, wie im Kulturmanagement-Blog berichtet: Vielleicht bald auch an Ihrem Bahnhof? Wie ich als Kommentar dort hinterlassen habe, warte ich nur darauf, bis solche Aktionen den Mainstream der Werbe-Fuzzis erreicht und wir uns an jeder zweiten Straßenecke von solchen Spontanaktionen gelangweilt überraschen lassen dürfen.

Derweil drei Kollegen von T-Systems Multimedia Solutions ein Blog mit dem Namen Projektmanagement 2.0 führen und eine wirklich empfehlenswerte Präsentation in drei Teilen zusammenstellten. Hierbei geht es um das Verständnis und die anschließende Umsetzung, wie Unternehmen den Weg zu Enterprise 2.0 finden können.

Die Wissensmanagement-Trilogie:

  1. Der Wikipedia Irrtum
  2. Die Entdeckung des Menschen
  3. Anleitung zum Handeln

Die Krankheit des Zeitgeistes

Die positiven Beispiele sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die große Mehrheit mit Problemen anderer Art befasst:

  • Tausende verbringen ihre Arbeitszeit mit dem Schreiben von Dokumentations- und Informationssilos;
  • Millionen von Menschen wühlen sich tagtäglich noch immer durch Berge gedruckter Schriften,
  • schicken sich permanent E-Mails – oder gar noch Faxe – mit diversen Anhängen;
  • verbringen Tage mit dem Zeichnen von Organigrammen,
  • erfinden für Posten, Abteilungen und Prozesse ständig neue Managementbegriffe,
  • verplempern die Zeit in Autos und Flugzeugen, um bei sinnlosen Meetings dabei zu sein und
  • ansonsten mit Flurfunken, Mobben und Grabenkämpfen.

Und das führt

Pathologie des Zeitgeistes nennt es der Arbeitspsychologe Helmut Graf, der, im von mir im Januar 2009 gelesenem Buch, die seelenlose Jagd nach Renditen und Inszenierungen beschreibt und an Hand der Existenzanalyse nach Viktor Frankl diese Fehlentwicklungen analysiert:

Infantiler Optimismus oder Kopf in den Sand

Mit dem Wissensarbeiter werde eine Sackgasse der Zivilisationsentwicklung verlassen, in der Menschen wie Maschinen behandelt wurden. […] Diese Artikel wurden vom damaligen IG-Metall-Vorsitzenden als intergalaktischer Blödsinn verspottet. Heise Online, Vor 50 Jahren: Der Wissensarbeiter betritt die Bühne

Angesichts der derzeitigen ökonomischen Lage ist infantiler Optimismus entweder inkompetent oder zynisch.

Diejenigen, denen der Sturm den Sand schon wieder vom Kopf geblasen hat, sollten sich die Augen reiben und Mut gegen Stillstand anlesen:

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 6. Februar 2009 auf Relevanz geprüft.

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veröffentlicht am 06 Februar 2009, 18:27 MET.
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