Intranet-Knigge 2.0 für Arschkriecher

Freitag, 20 Februar 2009 16:26 MET

Thema:
Kommunikation  
Stichworte:
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Wurm als Stofftier mit großen Augen und Hut am Kopf
Intranet-Knigge 2.0 für Arschkriecher [hyperkontext | Weblog]

Ich komme nun den Kniggen des Blogs Karrierebibel zuvor und kolportiere bereits heute die virtuellen Benimm-Regeln für das Intranet im Enterprise2.0.

hyperkontext schreibt schon heute die Knigge für das Intranet von morgen: Intranet-Knigge für Arschkriecher (Satire).

Und falls die Welt des Klientelismus doch nichts so für Sie ist, habe ich eine Checkliste von Robert Sutton übersetzt, die ich als Knigge für Gesundheitsbewusste bezeichne und der psychischen Hygiene dient.

Bei den gewöhnlich dumpfbackenen Knigge-Tipps in diversen Holz- und Einwegmedien werde ich sowieso meist von Lachkrämpfen durchgeschüttelt.

Das Blog Karrierebibel habe ich als Abrundung zu Unternehmensthemen nun schon lange in meinem Feed-Reader. Neben mitunter interessanten Beiträgen lässt sich das Grundrauschen der anderen Überschriften und damit den mehr oder minder auch erheiternden Knigge-Tipps dort nicht vermeiden.

Nun habe ich mir aber mal einen der neueren solcher Beiträge durchgelesen. Auf dem Niveau von bunt bebilderten Holzmedien zeigt uns dieser in sorgsam grafischer Aufbereitung die Uhrzeiten zu denen der Arschkriecher ins Büro kommen sollte (zehn Minuten vor dem Boss) und dieses verlassen sollte (zehn Minuten nach dem Boss): Eindrucksvoll – Anwesenheit ist wichtiger als Fleiß. Ja, ich war beeindruckt.

[Ironie] Mein bisheriges unredliches Verhalten fiel mir abrupt wie Schuppen von den Augen und ich fühlte mich wie neu geboren einem Ölbad entstiegen. [/Ironie]

Meine Hand wurde so glitschig, dass ich unvermittelt auch die weiteren Beiträge der Knigge-Kategorie anklickte. Ich kam aus dem Lesen gar nicht mehr heraus:

  • Ob und welche Knöpfe des Sakkos zugeknöpft werden;
  • dass es tunlichst zu vermeiden sei, sich bei Weihnachtsfeiern zu betrinken oder gar auf den Tisch zu kotzen (pro Jahr natürlich ein Beitrag darüber) oder
  • Sie ja nicht den Fehler machen sollten, Ihre Hand einem ranghöheren Schleimi als erster zum freundlichen Gruß entgegenzustrecken.

Leider finde ich in all diesen öligen Tipps keine Anleitung, wie sich der kleine Arschkriecher in einer modernen 2.0 Unternehmenswelt verhalten sollte. Da ich mir vorstellen kann, dass sich so mancher Apparatschik in solchen Umgebungen zunehmend verloren fühlen wird, komme ich nun den Kniggen der Karrierebibel zuvor und kolportiere bereits heute die virtuellen Benimm-Regeln für das Intranet im Enterprise 2.0.

Anmerkung:
Der folgende, als Satire markierte, Teil kann aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mittlerweile getrost als Realsatire bezeichnet werden.

[Anfang Satire]

hyperkontext schreibt schon heute die Knigge für das Intranet von morgen.

Keine Panik: Mit den folgenden Regeln überleben Sie die 2.0 Mode unbeschadet.

Überlassen Sie das Mitmach-Intraweb den gutgläubigen Weltverbesserern, die ihr Wissen ganz naiv preisgeben und ihre wirren Ideen ungeniert vor allen präsentieren.

Nach einiger Zeit wird die Sache sowieso wieder eingestellt. Mit diesen Ratschlägen erhöhen Sie jedoch im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern die Chancen für Ihre Beförderung.

Intranet-Knigge für Arschkriecher

  1. Nur Ihre Beförderung zählt. Vergessen Sie die unrealistische Fiktion der Weltverbessserer 2.0. Die Welt ändert sich nicht.
  2. Nur nach Aufforderung. Schreiben Sie aktiv nur Beiträge, wenn Sie von der unmittelbar vorgesetzten Person (schriftlich im Dienstweg) dazu aufgefordert werden.
  3. Wenn die vorgesetzte Person Sie zur aktiven Teilnahme am Intranet auffordert, empfehlen sich folgende Richtlinien:
    1. Achten Sie auf das Foto Ihrer Profil-Seite. Ein nicht geeignetes Foto kann bereits Ihre gesamte Reputation zerstören (siehe Karrierebibel).
    2. Halten Sie Ihren Namen rein. Wenn Sie sich schon Offline in einer exponierten Kommunikationsfunktion befinden, dann sehen Sie zu, dass Ihre Mitteilungen Ihrer Abteilung oder des Unternehmens nicht unter Ihrem Namen erfolgen. Am besten überhaupt ohne Quellenangabe.
    3. Beschränken Sie sich in Ihren Blogbeiträgen auf ein Randthema Ihres Sachgebietes, das nur wenige Personen im Unternehmen verstehen und kaum interessiert.
    4. Vermeiden Sie eine Meinung in eigenen Beiträgen oder vertreten Sie nur eine in Absprache mit Ihrer vorgesetzten Person.
    5. Falls Sie von außen auf das Intranet zugreifen können, schreiben Sie Beiträge zu später Nachtstunde. Wenn Sie nur im Unternehmen Zugriff haben, dann schreiben Sie Beiträge mit einer Uhrzeit vor dem gewöhnlichen Eintreffen Ihres Chefs. Das schindet Eindruck (siehe Karrierebibel)!
    6. Reputation. Ergreifen Sie günstige Gelegenheiten, missverständliche Formulierungen oder offensichtlich falsche Aussagen anderer ranggleicher Kollegen bloßzustellen und sich so bei ranghöheren Leuten die Reputation des blitzgescheiten integrativen Mitarbeiters zu erarbeiten.
    7. Skandalisieren. Beobachten Sie Beiträge aus anderen Abteilungen – mit denen ihr Chef sowieso schon immer im Streit war – und schreiben Sie Einwände und fragende Kommentare. Versuchen Sie bei günstiger Konstellation solche Beiträge zu skandalisieren, indem Sie andere KollegInnen und Ihren Boss darauf aufmerksam machen.
    8. Ranghöhere Personen nicht korrigieren. Wenn eine ranghöhere Person einen von Ihnen erstellten Wiki-Eintrag korrigiert oder einen Blogpost von Ihnen kommentiert, korrigieren Sie nicht und kommentieren Sie nicht zurück. Wenn es dennoch für Sie wichtig ist, dann leiten Sie es an Ihre vorgesetzte Person (im Dienstweg) weiter.
    9. Wenn Ihre vorgesetzte Person selbst aktiv im Intranet schreibt, gelten noch zusätzliche Empfehlungen:
      • Schreiben Sie im Blog Ihres Vorgesetzten in unregelmäßigen Abständen kurze zustimmende Kommentare zu seinen Statements. Vermeiden Sie kritische Anmerkungen und werfen Sie keine Fragen auf.
      • Vermeiden Sie Themen oder Kommentare bei anderen, zu denen bereits Ihre vorgesetzte Person Stellung bezogen hat oder das noch tun wird.
      • Schreiben Sie niemals zu Themen die auch Ihre ranghöheren Vorgesetzten regelmäßig bearbeiten.
  4. Knöpfe zählen nicht vergessen. Zuletzt vergessen Sie nicht, beim Lesen des Beitrages einer ranghöheren Person Ihr Sakko zuzuknöpfen. Aber richtig bitte (siehe Karrierebibel)!

[Ende Satire]

Knigge für Gesundheitsbewusste

Falls die Welt des Klientelismus doch nichts so für Sie ist, die mentale Konstitution den notwendigen Gleitgel-Faktor (noch) nicht erreicht hat oder Sie nicht schon wieder unverhofft in einem stinkenden Schleim suhlen wollen, hält Robert Sutton eine Knigge der anderen Art bereit, die vor allem der psychischen Hygiene dient.

Nach Abarbeiten dieser Checkliste entscheiden wir frank und frei, ob wir mit dem in Frage kommenden Typen arbeiten wollen. Das kann sich äußerst positiv auf unser Wohlbefinden auswirken!

Die Checkliste habe ich (amateurhaft) aus dem Blog from Bob Sutton übersetzt: Warning Signs About Your Future Boss: A Checklist.

Warnsignale über Ihren (zukünftigen) Boss

  1. Buckelt nach oben und tritt nach unten: Wie geht der mögliche Chef mit Rückmeldungen von in der Hierarchie höher und niedriger gestellten Personen um? Können Sie Beispiele aus Erfahrungen besorgen?

    Eine Charakteristik amtlicher Arschlöcher ist die Tendenz, diejenigen mit weniger Einfluss zu erniedrigen und ihren Vorgesetzten in den Arsch zu kriechen.

  2. Kann nichts einstecken: Akzeptiert der mögliche Chef Kritik und Tadel wenn es hart auf hart kommt?

    Vorsicht vor Menchen, die ständig Kritik austeilen aber selbst keine gesunde Dosis vertragen.

  3. Kurzschlüsse: In welchen Situationen hat ihr möglicher Chef schon die Fassung verloren?

    Manchmal kann Zorn berechtigt sein oder wenn sparsam eingesetzt, auch effektiv. Aber jemand der zu oft Boten erschießt, züchtet ein Klima der Angst am Arbeitsplatz. Haben Mitarbeiter Angst mit der Person im Aufzug zu sein?

  4. Mangelndes Vertrauen: Welcher Stil beschreibt am besten Ihren möglichen Chef?

    1. Teilt grundlos Lob aus;
    2. Gibt Anerkennung, wenn Lob gerechtfertigt ist;
    3. Glaubt, jeder sollte sein eigener Meister sein.

    Diese Frage eröffnet die Diskussion, ob jemand dazu tendiert selbst viel Lob entgegenzunehmen während er/sie die Arbeit des Teams nicht (an)erkennt.

  5. Krebsgeschwüre: Was sagen frühere MitarbeiterInnen über den möglichen Chef?

    Arschlöcher haben gewöhnlich bereits eine Geschichte von hässlichen Konflikten und Funktionsstörungen in von ihnen infizierten Teams. Die Welt scheint talentierte Arschlöcher zu dulden, das heißt aber nicht, dass Sie das auch tun müssen.

  6. Anschwärzer: Welcher Art E-Mail-Schreiber ist der mögliche Chef?

    Die meisten Arschlöcher können sich in E-Mails nicht zurückhalten: Schwärzen Leute an, carbon-copying (CC) an die Welt, blind carbon copying (BCC) um ihren eigenen Hintern zu verdecken.

  7. Heruntermacher: Welche Art von Menschen finden es schwierig mit dem möglichen Boss zu arbeiten? Welche Menschen scheinen gut mit ihm auszukommen?

    Beachten Sie vor allem Antworten die empfehlen, dass willensstarke oder selbstmotivierte Menschen am besten mit diesem Chef arbeiten sollten, weil Arschlöcher gewöhnlich nur antriebslose und demotivierte Leute zurücklassen.

  8. Karten-Hai: Teilt der mögliche Chef seine Informationen zu aller Vorteil?

    Eine Tendenz die Karten verdeckt zu halten – beispielsweise eine Zurückhaltung im Teilen von Informationen – ist ein Zeichen, dass diese Person Mitarbeiter als Konkurrenten sieht, die bekämpft werden müssen; nach dem Motto: nur einer kann weiterkommen.

  9. Ein-Mann-Armee: Würden Leute den möglichen Chef für ihr Team auswählen?

    Manchmal kann es vorteilhaft sein, ein Arschloch im Team zu haben. Das macht gar nichts, solange die Mitarbeiter sich weigern mit dieser Person zu arbeiten. Stellen Sie diese Frage um zu bestimmen, ob der Nutzen, diesen möglichen Chef im Team zu haben, das Arschloch-Gehabe überwiegt.

  10. Offene Architektur: Wie würde der mögliche Boss reagieren, wenn das Buch Der Arschloch-Faktor auf seinem / ihrem Schreibtisch auftaucht?

    Sei vorsichtig, wenn die Antwort Ducken lautet!

Abschnitt 1 von 1

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 19. Februar 2009 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 20 Februar 2009, 16:26 MET.
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Intranet-Knigge 2.0 für Arschkriecher [hyperkontext | Weblog]
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