Interview: Peter Kröner - Webentwickler und Buchautor

Dienstag, 21 Dezember 2010 14:09 MET

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Kommunikation  
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Interview: Peter Kröner - Webentwickler und Buchautor [hyperkontext | Weblog]
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Über sein HTML5-Buch – »Die nächste Auflage wird erheblich erweitert und verbessert sein« –, seine Projekte und die Zukunft führte ich mit Peter Kröner ein E-Mail-Interview.

Meine Absicht war es, mehr vom Menschen Peter Kröner zu erfahren. Allein für die Ansage, »Ich freu mich drauf, egal was kommt«, hat es sich gelohnt.

Eine Herausforderung ist es allerdings, einen Nerd per E-Mail zu befragen.

Wie frage ich einen Nerd

Motive für Handlungen hinterfragen, sich von Gedanken anderer inspirieren lassen und neue Sichtweisen erfahren ist nicht nur spannend, sondern auch die Grundlage unseres Menschseins.

Meine Absicht war es, mehr vom Menschen Peter Kröner, seinen Gedanken und das Drumherum des Webentwicklers und frisch­ge­backenen Buchautors zu erfahren. Eine spannende Angelegenheit, zumal ich ihn nicht persönlich kenne.

Eine Herausforderung ist es, einen Nerd per E-Mail zu befragen.

Weil ich ausführliche überlegte Antworten bevorzuge, stieß ich anfangs mit dem Begehren, das Interview Schritt für Schritt per E-Mail führen zu wollen, auf etwas Unverständnis. Wohl alles viel zu langatmig für einen Nerd. Wir einigten uns dann auf eine gestraffte Form.

Nunja, ich weiß zwar nicht ob er mir nun nur aus Mitleid – mit einem alten Mann und seinem Tick – einen Gefallen tat, aber er ließ sich letztendlich darauf ein.

Peter Kröner im E-Mail-Interview

Kröner markant

  • Zum HTML5-Buch:
    »Die nächste Auflage wird erheblich erweitert und verbessert sein.«
  • »Ich freu mich drauf, egal was kommt.«
  • »HTML ist schon eine sehr gute Lösung.«
  • »Ich weiß, dass ich mich keinesfalls langweilen werde.«

Zu den Hauptfragen springen:

  1. Wie zufrieden bist du mit deinem HTML5-Buch?
  2. Wann kommt die 2. Auflage?
  3. Fachbuchautor oder Webentwickler?
  4. Web-Fachbücher primär als Website?
  5. Deine Einführungskurse in HTML5: Für welche Zielgruppe?
  6. Entwickler: Ein paar Sätze zu deinen Lieblingsprojekten?
  7. Wie bist du zur Webentwicklung gekommen?
  8. Das Web 2025? HTML das optimale Instrument?
  9. 2025 noch gedruckte Tageszeitungen?
  10. Lebensträume?
  11. Neben dem webigen Nerd-Dasein noch Interessen?

Zum HTML5-Buch

#1 hyperkontext

Wie du zum Buchschreiben gekommen bist, können wir ja nachlesen. Wie zufrieden bist du nun mit diesem, deinem Debütwerk?

#1.1 Peter Kröner

Mit Büchern über Web-Themen ist es immer so eine Sache. Die Technik entwickelt sich so schnell weiter, dass das gedruckte Wort nicht immer so aktuell ist, wie man es als Autor gern hätte. Insofern betrachte ich das auch nicht als abgeschlossenes Projekt.

#2 hyperkontext

Wann kommt die 2. Auflage deines HTML5-Buches vorausssichtlich und welche Änderungen, Ergänzungen gibt es?

#2.1 Peter Kröner

Die nächste Auflage, die Anfang des kommenden Jahres [2011] erscheint, wird erheblich erweitert und verbessert sein.

Neben der üblichen Fehlerkorrektur und Aktualisierung der Browser-Support-Tabellen wird es auch ganz neue Kapitel geben, unter anderem zu WebWorkers und File API.

Anders als durch solche Erweiterungen und Verbesserungen kann man der sich ständig weiterentwickelnden Thematik meiner Meinung nach auch gar nicht Herr werden.

#2.2 hyperkontext

Welche Rolle spielt deine Fragen-zum-Buch-Plattform? Hast du aus dieser Kommunikation mit der Leserschaft etwas in die 2. Auflage übernommen?

#2.3 Peter

Die Plattform ist tatsächlich etwas weniger stark frequentiert als ich gedacht hätte und meist beziehen sich die Fragen auf konkrete Anwendungsfälle.

Einiges davon ist insofern in die nächste Auflage eingeflossen: An jenen Stellen an denen besonderes Interesse besteht, sind jetzt zusätzliche Erklärungen und Beispiele zu finden.

»Ich freu mich drauf, egal was kommt«

#3 hyperkontext

Hat dich die Lust am Buchschreiben dauerhaft gepackt oder andersrum gefragt: Fachbuchautor oder Webentwickler, welchen Zusatz möchtest du in Zukunft lieber vor deinem Namen sehen?

#3.1 Peter Kröner

Ich hab immer viel geschrieben und ob ich das nun für mein Blog oder ein Buch oder eine Zeitschrift mache, ist eigentlich nicht wichtig.

Zur Zeit reise ich viel und mache Seminare über HTML5 und JavaScript.

Was ich in Zukunft nun öfter machen werde, weiß ich nicht und ich mache mir da nicht so viele Gedanken drüber. Bisher ist jedes Jahr – seit ich auf eigene Rechnung Webwork betreibe – so dermaßen anders verlaufen als geplant, dass ich es aufgegeben habe große Pläne oder Prognosen anzustellen.

Es wird sich schon sicher auch in Zukunft Interessantes ergeben und ich freu' mich drauf, egal was kommt.

#4 hyperkontext

Wie siehst du meine Argumentation – siehe meine Buchrezension zum HTML5-Buch –, dass vor allem Web-Fachbücher primär als Website zur Verfügung stehen sollten. Papier- und E-Buch eigentlich nur angehängte Dienstleistung wäre.

#4.1 Peter Kröner

Würde ich so unterschreiben.

Auf Papier zu Web-Themen zu schreiben, ganz ohne Links und dergleichen, fühlt sich für mich – als jemand, der eigentlich in Hypertext denkt – schon ein bisschen komisch an. Dass aber die ganze Welt für so ein Vertriebsmodell schon mental bereit ist, würde ich momentan noch bezweifeln. Auf lange Sicht muss und wird es kommen, aber noch ist der Zeitpunkt nicht da.

#5 hyperkontext

Du machst ja zusätzlich – organisiert durch deinen Buchverleger – Einführungskurse in HTML5. Was passiert in diesen Vorträgen genau beziehungsweise für welche Zielgruppe sind diese Kurse aus deiner Sicht geeignet?

#5.1 Peter Kröner

Die vom Verlag organisierten Schulungen hangeln sich am Buch beziehungsweise an der gerade in der Entwicklung befindlichen Fassung entlang. Dort kommt also alles genau so vor, wie es in der nächsten Auflage stehen wird.

Ansonsten lasse ich mich auch von Unternehmen und Organisationen für jeweils nach Wunsch angepasste Seminare anmieten. Gedacht ist das natürlich in erster Linie für Frontend-Entwickler mit JS- und HTML-Kenntnissen, aber weil HTML5 ja Auswirkungen auf das ganze Web hat, denke ich schon, dass sich eigentlich jeder Webschaffende damit befassen sollte.

Auch reine HTML-Autoren und hartgesottene Java-Backendentwickler waren schon bei meinen Schulungen dabei und haben es, glaube ich, nicht bedauert.

#5.2 hyperkontext

Ich halte fest: Die vom Verlag organisierten Kurse zum HTML5-Buch sind – analog zum Buch – für pure HTML- und JavaScript-Anfänger wohl nicht geeignet.

Einige Leserinnen interessiert nun vielleicht, ob du dich auch für Einführungsseminare in HTML bzw. JavaScipt engagieren lässt.

#5.3 Peter

Auf jeden Fall. Insbesondere an einer JavaScript-Einführung besteht momentan gesteigertes Interesse, weil das zweifellos in Zukunft ein viel wichtigeres und auch komplexeres Thema werden wird, als noch zur Zeit.

#5.4 hyperkontext

Nach einigen dieser Veranstaltungen: Wo gibt es deiner Meinung nach den größten Aufklärungsbedarf im Verständnis von HTML5?

#5.5 Peter

Es fehlt manchmal an JavaScript-Grundkenntnissen.

Das Problem ist, dass JavaScript entweder nur als Spielzeug wahrgenommen wird oder allein in Form von jQuery bekannt ist. Das ist natürlich nicht besonders hilfreich, wenn man mit den neuen HTML5-APIs [Programmierschnittstellen] etwas programmieren will.

JavaScript als ernsthafte Programmiersprache zu bewerben und weiterzuentwickeln ist, denke ich, eine der ganz großen Aufgaben, welche die Webentwicker-Community in Zukunft zu stemmen hat.

#6 hyperkontext

Du bist ja auch sonst sehr aktiv in der Entwicklerszene und arbeitest zum Beispiel an Projekten wie Turbine. Willst du nicht selbst ein paar Sätze zu deinen Lieblingsprojekten sagen?

#6.1 Peter Kröner

All meine Open-Source-Projekte sind meine Lieblingsprojekte!

Mir ist ziemlich schleierhaft, wie man heutzutage als Agentur oder Webentwickler sich nicht an dererlei beteiligen kann, denn jeder hat ein paar kleine Helferlein programmiert, die irgendwer der draußen gebrauchen und sinnvoll weiterentwickeln kann – wenn man sie denn zugänglich macht.

Mit komfortablen Plattformen wie Github geht die zusätzliche Management-Arbeit für kleine Open-Source-Projekte gegen null und man profitiert von den Ideen und Beiträgen einer kleinen, handlichen Community. Das funktioniert auch tatsächlich, denn obwohl zum Beispiel bei Turbine, einer kleinen DSL (Domänenspezifische Sprache) für Webstylesheets, vielleicht nur 15% des Codes nicht von mir sind, sind es diese 15%, die das Projekt in vielen Bereichen zu dem machen, was es ist.

Klar, man sollte vermutlich nicht all seine Assets frei veröffentlichen. Aber wenn man sowas gar nicht macht, beraubt man sich vieler Möglichkeiten.

#6.2 hyperkontext

Welche Ideen hast du so im Kopf für neue Projekte?

#6.3 Peter

Irgendwer sollte einen Audio- und/oder Videodecoder für Vorbis und Theora in JavaScript schreiben und damit den Zank um Codecs in HTML5 beenden. Das werde aber nicht ich machen. [schmunzelt]

»HTML ist schon eine sehr gute Lösung«

#7 hyperkontext

Du bist ja, soweit ich das einschätze, erst vor ein paar Jährchen quasi deiner Jugend entwachsen. Wie bist du zur Webentwicklung gekommen?

#7.1 Peter Kröner
  1. Ich hab ganz früher mal Levels für Computerspiele (Half-Life, Unreal Tournament) und diverse Mods gebaut.

  2. Dann Websites, um diese Levels zum Download zu präsentieren.

  3. Dann Websites, um neben dem Studium ein paar Euros zu verdienen.

  4. Schließlich wurde das Ganze zu meiner Hauptbeschäftigung.

Ich bin also mehr oder minder in einer geraden Linie vom Computerspiele-Nerd zum Web-Nerd mutiert, auch wenn das so natürlich nicht geplant war.

#8 hyperkontext

Wie glaubst du, sieht das Web beziehungsweise das Internet um 2025 aus? Oder besser gefragt: Wie sollte das Web 2025 deiner Meinung nach aussehen und wie glaubst du, wird die Realität sein?

#8.1 Peter Kröner

Eine Prognose bis 2025 hielte ich für nicht seriös.

Wer weiß, ob wir überhaupt 2025 noch ein Web haben werden und nicht viele kleine Walled Gardens? Oder vielleicht lauter nationale Intranets wie China heute? Meiner Meinung nach ist das völlig offen, ebenso wie die Wahl der Technologien, mit denen man dann arbeiten wird.

Für die nächsten 5 Jahre wird wohl HTML(5) das Mittel der Wahl sein, aber danach? Das kann man glaube ich nicht absehen.

#8.2 hyperkontext

Bei dem Thema will ich dich jetzt nicht so schnell entlassen.

Dann mal gezielter gefragt: Ist die Markup-Sprache HTML in Bezug auf Semantik das optimale Instrument? Wenn es nach dir ginge, sollte sie weiter entwickelt oder etwas Neues erfunden werden?

#8.3 Peter

Meiner persönlichen Meinung nach ist HTML schon ein passendes Werkzeug für das Web.

Wenn man überlegt, was man für das ideale semantische Web bräuchte, gibt es sicher Lösungen, die auf dem Papier mehr Features versprechen. Aber die Technologie muss beherrschbar bleiben.

Das beste Feature an HTML ist ja, dass jeder sich innerhalb eines Nachmittags die Basics selbst beibringen und sofort in das Geschehen im Web einsteigen kann. Dieser einfache Einstieg ist ein Aspekt, der das WWW von heute zu dem macht was es ist. Die Preisfrage ist eben, wo die Entwicklung in Zukunft hingeht.

Bewertet man diese Einsteigerfreundlichkeit höher als sauberen Code und ein großes Arsenal an semantischen Ausdrucksmitteln, ist HTML schon eine sehr gute Lösung.

Andernfalls folgt vielleicht eines Tages die Wiederauferstehung von XHTML und Xanadu. Das Ganze ist weniger eine technische Frage als eine Frage der Zugänglichkeit des gesamtem Ökosystems WWW für alle.

#9 hyperkontext

Glaubst du, dass es 2025 noch gedruckte Tageszeitungen im deutschsprachigen Raum geben wird? Wie wird das deiner Ansicht nach mit dem sein, was wir heute unter Buch verstehen?

#9.1 Peter Kröner

Ich habe dazu keine vollständig durchdachte Meinung. Erstens ist 2025 weit weg und zweitens ist der gesamte Sektor der klassischen Medien im Moment dermaßen im Umbruch, dass so ein Außenstehender wie ich kaum wirklich sagen kann, was da passieren wird.

»Ich weiß, dass ich mich keinesfalls langweilen werde«

#10 hyperkontext

Wo siehst du dich in deiner persönlichen Entwicklung 2025? Möchtest du dann noch Webentwickler sein oder treiben dich ganz andere Lebensträume?

#10.1 Peter Kröner

Fünfjahrespläne gibt es bei mir zur Zeit nicht.

Bisher stand ich noch jeden Dezember da und dachte mir: Hätte nicht gedacht, dass dieses Jahr so laufen würde. Eigentlich finde ich das auch ganz reizvoll und es kann gerne noch ein bisschen so weitergehen.

Ich weiß zwar nie, was die nächsten 6 Monate genau bringen werden, aber ich weiß, dass ich mich keinesfalls langweilen werde. Und das ist in meinem Augen schon verdammt viel wert.

#11 hyperkontext

Stell dir vor ich biete dir ausreichend Geld, sodass für deinen Lebensunterhalt in den nächsten zwei Jahren gesorgt wäre.

Meine einzige Bedingung: Egal welches Thema, in spätestens zwei Jahren möchte ich von dir ein Manuskript für ein 500seitiges Buch. Was würden wir zu lesen bekommen?

#11.1 Peter Kröner

Ich würde das Angebot glaube ich dankend ablehnen, einfach aus dem Bauch heraus. Das fühlt sich einfach nicht nach einem Projekt für mich an.

#11.2 hyperkontext

Hm, ich muss zugeben, solch eine Antwort erwartete ich nicht und eigentlich hatte meine Frage einen Hintergedanken: Vielleicht erfahren wir, wofür sich der Nerd Peter Kröner sonst noch interessiert.

Dann mal direkt gefragt: Gibt es neben dem webigen Nerd-Dasein noch Interessen, denen du mit ähnlicher Leidenschaft nachgehst?

#11.3 Peter Kröner

Naja, ich hätte zur Zeit einfach keine Lust mich an solche Großprojekte zu ketten – nur deshalb würde ich auf diese Gelegenheit verzichten.

Aber jenseits des Web-Nerdtums bin ich ein ziemlicher Film- und Geschichtsnerd, was ich beides auch früher einige Semester lang studiert habe. Ansonsten steht bei mir Musik hoch im Kurs und wenn die Schneedecke ein paar Meter weniger hat als zur Zeit, laufe ich gern oder spiele Fußball.

#11.4 hyperkontext

Ich freu mich drauf, egal was kommt, find ich einfach ein wunderschönes Motto. Allein für diese Aussage hat sich das Interview mit dir gelohnt. Und dass du dich keinesfalls langweilen wirst, können wir auf deinem Blog verfolgen.

Ich bedanke mich für deine Zeit.

Und falls jetzt irgendwer noch mehr von dem Nerd wissen will, dann frag Peter Kröner einfach.

Abschnitt 1 von 1

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Datum:
veröffentlicht am 21 Dezember 2010, 14:09 MET.
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