HTML: img und alt-Attribut – Bild- und Beschreibung

Dienstag, 23 Juni 2009 17:51 MET

Thema:
Webgestaltung, Kommunikation  
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Gemälde: Blumenstrauß in Vase
HTML: img und alt-Attribut – Bild- und Beschreibung [hyperkontext | Weblog]
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Regeln für den Einsatz von alternativen Bildbeschreibungen sind nun schon seit zehn Jahren unbestritten und allgemein akzeptiert. Diese scheinen allerdings bei einem Fachautor des Smashing-Magazins noch nicht angekommen zu sein.

Ein kürzlich erschienener irreführender Artikel in diesem weit verbreiteten Magazin hat nicht nur kleine Fehler oder ist das Werk eines übereifrigen jungen Studenten. Er vermischt in verwirrender Weise Webstandards, Accessibility und schlichtes Handwerkswissen.

Regeln für den Einsatz des Attributes alt

  1. Ein Bild muss ein Attribut alt haben.
    <img alt="" src="[bildadresse]">
  2. Ein Bild kann eine erklärende Beschreibung haben.
    <img alt="[bildbeschreibung]" src="[bildadresse]">

Diese Regel lässt sich aus Sicht der Zugänglichkeit auch ganz einfach erklären: Ein Browser zur visuellen Betrachtung versteht das Bild nicht, sondern zieht aus dem Attribut src die Information, wo er die Grafik findet und zeigt sie an.

Programme die den HTML-Code hingegen nicht zur unmittelbaren visuellen Aufbereitung verwenden (Screenreader, Crawler), haben nicht nur oder gar kein Interesse daran, wo sie das Bild finden. Sie brauchen Information über die Grafik:

  1. Hierzu dient erst einmal der Dateiname.
  2. Durch das Attribut alt die Beschreibung der Grafik.
  3. In weiterer Folge vielleicht auch noch Begriffe im Attribut title.

Daraus ergibt sich für einen Screenreader folgende Vorgangsweise:

  1. Trifft er auf eine Grafik ohne Attribut alt, liest er den Dateinamen vor.
  2. Enthält die Grafik ein Attribut alt, dann liest er anstatt des Dateinamens dessen Inhalt vor.
    1. Enthält alt keinen Text (also alt=""), dann liest er gar nichts vor.
  3. Zusätzlich, unabhängig und je nach Einstellung wird das Attribut title vorher oder nachher gelesen.

Dieses Verständnis und der Einsatz ist nun schon seit rund zehn Jahren in Fachkreisen unbestritten und wird vom durchschnittlich informierten Webgestalter auch so eingesetzt, weiter gegeben und erklärt.

Wie und wann Bildbeschreibungen nun eingesetzt werden, wurde bereits in vielen Beiträgen aufgearbeitet. Muss ich nicht noch selbst einen schreiben. Da ich hier deutschsprachige Leserinnen bediene, nachfolgend ein paar solcher, die ich gefunden habe:

Es gibt aber noch viel mehr englischsprachige Beiträge (hier einer zum alternativen Text eines Bildes) aus den letzten zehn Jahren über den Einsatz von img und alt in Bezug auf Zugänglichkeit.

Diese scheinen allerdings von einem Studenten aus Illinois, der sich seit kurzem auch als Fachautor in einem weit verbreiteten Online-Magazin betätigt, noch nicht gelesen worden zu sein.

Er schreibt über Webstandards …nein doch Accessibility … oder vielleicht gleich Access-Standards? Die Unterscheidung scheint dem Autor schwer zu fallen, das praktische Verständnis noch mehr.

Webstandards, Accessibility oder wie jetzt

Ein kürzlich erschienener irreführender Artikel im Smashing-Magazin hat nicht nur kleine Fehler oder ist das Werk eines übereifrigen jungen Studenten. Er vermischt in verwirrender Weise Webstandards, Accessibility und schlichtes Handwerks­wissen, garniert mit unreflektierten schwarz/weiß Ansagen und, wie folgend gezeigt, auch falschen. Der Autor des Beitrages ist Student und auch angestellt an der State University of Illinois.

Ich würde nicht so reagieren und den Autor direkt angreifen, wenn er seine Ergüsse in seinem Blog veröffentlicht.

Er hat sich aber für die missionarische Verbreitung seines Halbwissens ein bekanntes Online-Magazin ausgesucht, das diesen Mist dann auch noch publiziert.

Illinois ist anders?

Der Kollege meint beispielsweise, jede Grafik muss ein alt Attribut mit Text haben und zeigt Beispiel-Code – der eigentlich korrekt ist – als inkorrekt an.

Er will seine falschen Behauptungen auch nicht zur Kenntnis nehmen, wenn bereits bekannte Fachleute unter den Kommentatoren darauf aufmerksam machen (Patrick Lauke #34, Jared Smith #29, Joe Dolson #46).

In seinem Kommentar (#70) faselt er rechtfertigend von, we must follow the Illinois Information Technology Accessibility Act (IITAA).

Es ist ganz offensichtlich, dass der noch nie ein Leseprogramm verwendet hat, noch nie einen der zahlreichen Artikel von Accessibility-Fachleuten gelesen hat oder sich mit Hintergründen oder Bedürfnissen dieser Gruppe beschäftigt.

Webstandards und Barrierefreiheit ver­schmel­zen bei ihm zu einem per­sön­lichen Potpourri aus so stell ich mir das vor und nicht anders.

Es gibt auch noch weitere Ansagen in dieser hanebüchenen 10 Punkte Liste – gleich Punkt 1 über XHTML, oder Punkt 4 zu Überschriften – auf die ich gar nicht mehr näher eingehen will.

Gerade mal Punkt 8 und 10 gehen so durch und sind gut beschrieben. Letzterer hat allerdings wiederum überhaupt nichts mit Zugänglichkeit zu tun: id und class auseinander halten zu können ist grundsätzliches Handwerks­zeug; etwa so, wie ein Mechaniker einen Schrauben­schlüssel von einem Schrauben­zieher zu unterscheiden vermag.

Weiteren Unsinn stoppen

Genau das ist es, was mich aufregt: Der Junge sollte als Student schon gelernt haben, sich über ein Thema erst einmal kundig zu machen, die Hintergründe verstehen lernen, die Historie aufarbeiten und dabei verschiedene Quellen heranziehen, diskutieren und wenn möglich auch praktische Erfahrung sammeln, bevor er solch gut/schlecht Listen publiziert.

Es kommt aber noch dicker. Der will uns in Folgebeiträgen die wahre Zugänglichkeit lehren, wie er in zwei Kommentaren in seinem irreführenden Artikel unverblümt androht:

  • Please look at this as a Step One to a series of articles that will help you make your site truly accessible (Kommentar #70) oder
  • Topics will include keyboard skips for static content, access keys, colorblindness and contrast ratios. (Kommentar #77)

Es gibt genug Fachartikel darüber. Stoppt zumindest weiteren Unsinn, den dieser Autor auf Euren Seiten noch verbreiten will!

Die Link-Machine

Dem Smashing-Magazin ist vorzuwerfen, dass sie bis jetzt (2009-06-23) keine Revision, Erklärung oder Hinweis bereits eingangs angebracht haben (hinweisende Kommentare gibt es schon einige), der auf die zweifelhaften und, wie vorher gezeigt, sogar definitiv falschen Aussagen dieses Autors hinweist.

Innerhalb weniger Tage wurde dieser irreführende Artikel im Smashing-Magazin bereits hunderte Male archiviert und verlinkt. Einige mit Kommentaren wie gute Einführung in Accessibility.

Es juckt mich in den Fingern, die miesesten Beiträge aus solchen Klick-Maschinen einmal zu sammeln. Titel: 50 schlecht recherchierte Artikel aus Online-Magazinen.

Oder sollten wir gleich mal einen Watch-Blog für solche Klick-Schleudern einrichten?

Update:
(2009-06-27) Auch Sylvia Egger [sprungmarker.de] hat sich nun mit diesem Artikel beschäftigt: Nicht wirklich alle Wege führen nach Rom - Barrierefreiheit als Nummernrevue.

Abschnitt 1 von 1

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Datum:
veröffentlicht am 23 Juni 2009, 17:51 MET.
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