help.gv.at - wirklich für Alle

Montag, 23 Juli 2007 17:30 MET

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Webgestaltung, Empfehlungen  
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Durch eine Suchanfrage stieß ich wieder einmal auf das österreichische Amtshelferlein. Im Hinterkopf hatte ich von früher, dass sich diese Seiten sehr um barrierearmen Zugang bemühen.

Mittlerweile haben sie den BIENE-Award bekommen und bieten das beste Argument für barrierearme Seiten:
Jeder profitiert davon!


Hinweis!

Dieser Artikel behandelt die Gestaltung der Website des österreichischen Amtshelfers. Wenn Sie über eine Suchmaschine hierher kamen und amtliche Informationen zum österreichischen Reisepass suchen, dann benutzen Sie folgenden Verweis: HELP.gv.at - Reisepass


Das beste Argument für barrierearme Seiten: Jeder profitiert davon

Mir geht ja dieses ständige herummeckern an schlimmen Websites schon selbst auf den Wecker. Es ist ganz einfach triste, jeden Tag grauenhaftes Code-Gemurkse zu sehen und sich fragen zu müssen, warum solche Agenturen und Webgestalter die sowas hinsch…, dafür noch Geld bekommen.

Deswegen hatte ich mir vorgenommen, beispielhafte Sites von Unternehmen oder Behörden zu suchen und positive Vorbilder zu beschreiben. Solange ich allerdings so ab und an mal suchte, fand ich keine solchen Websites.

Tja und dann passierte etwas, das wohl beispielhaft ist:

Du bemerkst es gar nicht

Ich suchte nach Informationen zu einer Passverlängerung und hatte von früher noch die Adresse des österreichischen Amtshelfers (help.gv.at) im Kopf. Unabsichtlich hatte ich von einer vorigen Arbeit zu Testzwecken im Browser alle möglichen Features abgeschaltet und hämmerte die Adresse rein.

Gute Sites lassen dich gar nicht erst nachdenken

Themen von A–Z > Reisepass > Neuausstellung > Passbildkriterien. Dann noch Fragen und Antworten geschaut. Jau, das war es schon. Innerhalb von fünf Minuten wurden meine Fragen restlos beseitigt.

Mit abgeschalteten Stylesheets und Javascript. Und es ist mir nicht einmal aufgefallen.

Erst dann wurde mir klar, dass ich mich auf einer vorbildhaften, standardkonformen Site befinde.

Na gut. Daher musste das Ding dann wohl mal genauer unter die Lupe genommen werden:

help.gv.at in kurzer Auflistung

Klar, Sie brauchen nur mal vorbeischauen. Es gibt aber ein paar Punkte, die ich noch extra erwähnen will:

  • Wurde 2006 mit dem goldenen BIENE-Award ausgezeichnet.
  • Dem Anlass entsprechende Gestaltung: Gerade und zielorientiert.
  • Der HTML (Hypertext Markup Language)-Code bleibt sogar in Unterseiten bei oberflächlicher Validitätsprüfung durch Programme konstant valide.
  • Manuelle Durchsicht des Quellcodes zeigt, dass die involvierten Leute den Sinn vom standardkonformen Markup auch verstehen und der Code durchgehend sehr logisch und schlank aufgebaut ist. Von (unnötiger) Verwendung überdurchschnittlich vieler Inline-Styles mal abgesehen.
  • Mit einem Textbrowser oder abgeschaltetem CSS bleibt die Orientierung hervorragend sinnvoll und benutzerfreundlich.
  • Es sind durchgehend korrekte Sprachauszeichnungen zu finden.
    Diese werden auch in den laufenden Aktualisierungen von Redakteuren offenbar eingesetzt. Sehr bemerkenswert!

Warum kein Stylesheet für Handhelds?

Ein kleiner Mangel trübt das Bild allerdings etwas: Es gibt keinen speziellen Stil für Handhelds.

Mittlerweile erkennen und verwenden einige Produkte dieser Klasse ein Stylesheet mit dem Typ Handheld und ignorieren die anderen. Finden sie allerdings keinen speziellen Stil, greifen sie als Fallback auf Stylesheets mit dem Attribut Screen zurück, anstatt überhaupt keine Stile zu verwenden.

Viele Handhelds bieten auch nicht die Möglichkeit, manuell die Stile abzuschalten und das Screen-Design von help.gv.at wird dann auf das Display gezwängt. In diesem Fall ist das ein Bumerang und schade, denn damit wird die Site unnötig mühsam auf dem kleinen Display dargestellt.

Es würde hier eigentlich keinen Mehraufwand erfordern. Die Minimalmethode: Ganz einfach ein Stylesheet, mit wenigen Zeilen und dem Attribut handheld im Kopf einfügen und schon lassen Geräte – die Handhelds erkennen – alle anderen Stile außen vor.

Alles in allem ist die Freude groß, wenn hier ganz offensichtlich mein Steuergeld sinnvoll und nachhaltig verwendet wird.

Warum gibt es nicht viel mehr solcher Sites?

Ich kann mich noch gut an Diskussionen über den obligatorischen Einbau von Aufzügen in den Wiener U-Bahn-Stationen erinnern. Da gab es genug, die dagegen gemeckert haben. Teils aus Kostengründen und teils mit obskuren Gedankengängen: Zahlt sich das für ein paar Rollstuhlfahrer überhaupt aus? Kinderwägen kann ich doch auch über Rolltreppen transportieren.

Mittlerweile ist es jedem klar, dass damit das Leben für alle Passagiere ein Stück angenehmer wurde. Viele benutzen die Aufzüge; aus verschiedensten Gründen. Würden die Wiener Linien sie heute nicht mehr einbauen wollen, würde das wohl einen Sturm der Entrüstung nach sich ziehen.

Und so ist es nun auch mit Websites

Da wird von Kosten für ein paar Blinde gesprochen, von zusätzlichem Aufwand und Reglementierungen. Der hypermediale Raum wird als neues Medium mit Zugang für alle Menschen und andere Programme gar nicht begriffen.

  • Ein Katalog kann eben nicht ohne eigener zusätzlicher Version und Kostenaufwand für Blinde aufbereitet werden
    – eine standardkonforme Website schon.
  • Die Schriftgröße auf einem Blatt Papier kann nicht verändert werden
    – auf einer standardkonformen Website schon.
  • Aufwand für Einweginformation ist sehr hoch und jede Reaktion hat zeitliche Verschiebung
    – eine standardkonforme Website hat mehr Wege und Verbindungen und Reaktionen erfolgen sofort
  • Zusammenhänge kann ich auf einem Blatt Papier nur in sehr eingeschränkter Art für Menschen erklären
    – mit einer standardkonformen Website können Zusammenhänge von anderen Programmen logisch erfasst werden und ohne zusätzlichen Aufwand im größeren Kontext aufbereitet werden.
  • Die Archivierung und Sortierung von Papier und schlechten Websites erfordert erheblichen Aufwand von sämtlichen Ressourcen und allen Beteiligten
    – standardkonforme Websites erfordern dramatisch weniger Aufwand und Ressourcen zur Archivierung und Pflege

Wie wir also sehen, profitieren von standardkonformen und barrierearmen Seiten nicht nur ein paar Blinde, sondern sogar banale Suchmaschinen. Der Blick sollte vielleicht mehr auf die sich eröffnenden Chancen gerichtet werden, anstatt ständig nur Kosten zu sehen.

Mehr Kompetenz und Planung

Eine der Wahrheiten, warum es noch immer so wenig standardkonforme Seiten gibt, ist die traurige Inkompetenz von etlichen Leuten, die in der Branche tätig sind.

Klingt komisch, ist aber so. Und jemand der keine Ahnung hat, wird natürlich einem Kunden sagen, dass diese Sachen mit Barrierefreiheit und Webstandards nicht notwendig sind.

Wir wollen ja nur so eine Website haben, die nach was aussieht.

Eine zweite Wahrheit ist der Geiz ist geil-Effekt

Der pekuniäre Stellenwert für den Aufwand und die Pflege von Websites ist lächerlich gering. In Unternehmen zählt das nur als Kostenstelle, die keinen ROI (Return of Investment) produziert. Die meisten sehen die visuelle Aufbereitung als Endprodukt, weitere Zusammenhänge sind nicht klar und können natürlich von inkompetenten Leuten auch nicht vermittelt werden.

Auf Basis dieser Grundlagen bildet sich der Preis einseitig über visuelle Darstellung und Schnelligkeit der zu erbringenden Dienstleistung. Seriöse und kompetente Agenturen, Berater und Webgestalter stehen so in einem ungleichen Wettbewerb. Längere Planungszeiten und Erfassung von Kontexten zählt da nicht.

Mehr Vorbildwirkung

Ich habe beschlossen – vor allem auch in Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben – in nächster Zeit die Sites der österreichischen Landeshauptstädte Bundesländer und Ministerien unter die Lupe zu nehmen.

Ein Kontrastprogramm

Mit Ausnahme von wien.gv.at kann ich schon jetzt verraten, dass das ein scharfes Kontrastprogramm wird. Nach oberflächlicher Durchsicht bin ich gespannt, wie das dann ab dem magischen Datum des 1. Jänner 2008 aussehen wird, wo angeblich die barrierefreie Umsetzung bei amtlichen Seiten durchgesetzt sein sollte? Zur Erinnerung: das Gesetz gibt es nämlich schon seit 2004, nur hat sich kaum jemand um die Realisierung gekümmert.

Ich wünsche mir vom österr. Bundeskanzleramt, dass help.gv.at (und übrigens auch wien.gv.at) als Vor- und Leitbild in vielen anderen behördlichen Institutionen zur Vorgabe dient.

Anmerkung: Ich habe keinen subjektiven Grund, Werbung für das österreichische Bundeskanzleramt zu machen. Alle die mich kennen wissen, dass ich gegenüber bürokratischen Organisationen eine geradlinige kritische Einstellung habe. Gerade deshalb ist es wichtig, auch positive und sinnvolle Arbeit als solche zu erwähnen.

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Quellenverzeichnis

  1. HELP.gv.at Offizieller Amtshelfer für Österreich

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Datum:
veröffentlicht am 23 Juli 2007, 17:30 MET.
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Thema:
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