Halleluja für das Christkind 2.0

Mittwoch, 24 Dezember 2008 12:15 MET

Thema:
Kommunikation  
Stichworte:
 
 
Foto: Engel in weitem Kleid als Porzellanfigur
Halleluja für das Christkind 2.0 [hyperkontext | Weblog]

Das Christkind schwebt auf und ab und wartet unruhig auf das Eintreffen des Weihnachtsmannes. Zwei Monate hat es gedauert, bis der bärtige Alte einen Termin frei hatte. Endlich zeichnen sich die Umrisse seines Gespannes am Wolkenboden ab. Das Christkind hält sich die Ohren zu, denn es kann dieses Ho, Ho Gejaule zur Begrüßung schon lange nicht mehr hören.

Die Himmelskonferenz konnte beginnen. Seit diesem denkwürdigen Ereignis sprechen die Engel vom Christkind 2.0.

Himmelskonferenz

Anwesend: Christkind, Weihnachtsmann, je ein himmlischer PR (Public-Relations)-Fuzzi und eine Juristin.

  1. Christkind:

    Die himmlische PR-Abteilung hat darüber berichtet, dass oft über uns schlecht geschrieben wird, ja sogar unsere Namen in missverständlichen Zusammenhängen verwendet werden. Manche Erdlinge zwitschern unter dem Namen Christkind im Internet.

  2. Himmlische Juristin:

    Meiner Auffassung nach hätten Abmahnungen gegen diverse Dienste durchaus Erfolg, die es zulassen, die Namen Christkind und Weihnachtsmann als Benutzernamen zu verwenden.

  3. Weihnachtsmann:

    Jo. Auch gleich bitte ganze Domains wie weihnachtsmann.de, die sich meinen Namen zueigen machen.

  4. Himmlischer PR-Fuzzi:

    Es geht im Wesentlichen um ein klares Profil und Unverwechselbarkeit. Eine Viral-Campaign kann Confidence aufbauen und Compliance wieder herstellen. Mehr Presseaussendungen und Stories in Zeitungen wären angezeigt.

  5. Weihnachtsmann:

    Kannst du auch mal deutsch reden, Fuzzi? Es gibt sogar schon öffentliche Listen für Weihnachtswünsche in diesem Internet. Social Shopping nennen die Erdlinge das.

  6. Christkind:

    Ich habe mir vor ein paar Wochen von einem unserer himmlischen Assistenten (Engel) dieses Internet zeigen lassen. Anfangs war ich auch verärgert über die vielen Späße, die in unserem Namen getrieben werden.

    Unser Engel stellte mir aber auch einen perönlichen Nachrichtenstrom zusammen, der mir nun die Wünsche der Erdlinge an uns kontinuierlich anzeigt. Ich muss sagen, das ist sehr interessant. Ich erkenne plötzlich Wünsche, die mir noch nie so bewusst wurden.

  7. Weihnachtsmann:

    Wo soll das denn hinführen, wenn jeder von jedem weiß, was er sich zu Weihnachten wünscht? Da können doch alle sehen, wenn wir den ein oder anderen Wunsch nicht erfüllen können. Das schadet unserem Ansehen!

    Da weiß dann schon bald jedes fünfjährige Kind, dass wir nicht perfekt sind. Früher waren es sogar noch die zehnjährigen, die an uns geglaubt haben.

  8. Christkind:

    Genau das beschäftigt mich ja und ich sehe enormes Potential. Es gibt auch Menschen in fernen Ländern, die uns schreiben – also in diesem Fall an dich, Weihnachtsmann. Hier lies: Brief eines palästinensischen Muslimen an den Weihnachtsmann. Ohne Internet hätte uns solch ein Brief wahrscheinlich nie erreicht.

    Es gibt aber auch versteckte Wünsche, die nicht direkt an uns gerichtet sind, uns aber durchaus betreffen: Die Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008.

  9. Weihnachtsmann:

    Also hör mal. Da können wir gleich bei diversen Spendenaktionen der Erdlinge mitmachen.

  10. Himmlischer PR-Fuzzi:

    So etwas führt früher oder später zu Kontrollverlust der Kommunikation. Wir müssen handeln und unsere unantastbare Reputation wieder herstellen.

  11. Himmlische Juristin:

    Christkind, die Definition eines Geschenkes ist klar festgelegt. Deine Absichten führen in juristische Grauzonen.

  12. Christkind:

    Langsam; ihr habt noch gar nicht verstanden, worauf ich hinaus will.

    Ich habe zum Beispiel auch ein Kind entdeckt, das gar keinen Wunschzettel an uns schreiben will und einfach nur möchte, dass seine Mami oder sein Papi im kommenden Jahr nicht krank wird: Weihnachtswünsche.

    Kein Wunsch, kein Geschenk, wird sich wohl unser obergescheiter Weihnachtsmann und unsere smarte Juristin sagen.

    Wenn ich zum Beispiel ein Weblog führen würde, könnte ich doch darüber schreiben, dass ich mir auch keine Krankheit für die Mutter und den Vater dieses Kindes wünsche. Ich, als Christkind, das aber nicht wirklich beeinflussen kann.

    Wenn mein Blog mit der Zeit unter den Kindern bekannt ist, wird auch der Junge das vielleicht lesen – oder per Podcast hören – können, dass ich als Christkind auch nicht allmächtig bin.

  13. Himmlischer PR-Fuzzi:

    Bist du wahnsinnig! Das wäre der absolute PR-Gau. Wir können doch nicht zugeben, dass die Krankheiten der Erdlinge überhaupt nicht in unserem Einflussbereich liegen und eine andere Abteilung betreffen. Die Träume von Millionen von Kindern wären mit einem Schlag zerstört.

    Und überhaupt: Als himmlisches Wesen kannst du nicht so einfach ein irdisches Blog zur Kommunikation benutzen.

  14. Christkind:

    Och Fuzzi mal halblang. So ein Blog ist mindestens genauso virtuell wie wir hier alle gerade sitzen.

    1. Wir können viel zu einer guten Welt beitragen, wenn wir Kindern zuhören, ihnen Zeit widmen und gerne mit ihnen reden: Weihnachtswünsche eines Kindes ... Und ihnen sagen, dass wir vor Irrtümern auch nicht gefeit sind und nicht alles gleichzeitig anpacken können.
    2. Viele Fragen müssten wir nicht immer wieder einzeln beantworten und würden uns damit eine Menge Zeit sparen.
    3. Die Kinder wollen wissen, wie es bei uns zugeht und was wir den ganzen Tag so machen. Damit gewinnen wir Vertrauen. Und Vertrauen ist allemal besser als der Glaube an Wunder und Märchen.
    4. Mit mehr Kommunikation würden die Kinder sich viele Wünsche mit anderen zusammen erfüllen, sich gegenseitig helfen und Rat geben. Auch das würde uns wieder mehr Zeit für produktivere Aufgaben – siehe die vorherigen Wünsche aus dem fernen Land – geben, als einzelne Briefe zu öffnen.

    In weniger drastischen Fällen würden wohl auch ein paar tröstliche Worte reichen: Pennys Wochenrückblick Folge 78: Das Weihnachtsmartyrium vom kleinen Max!

  15. Weihnachtsmann:

    Und was machst du mit den ganzen Namensfälschern, die sich da im Web herumtreiben?

  16. Christkind:

    Das sind doch Katalysatoren für uns. Wir versorgen sie mit exklusiven Nachrichten und behandeln sie wie eine besondere Fan-Gruppe.

    Mit der Zeit wird auch der Reiz, sich als Christkind oder Weihnachtsmann auszugeben, nachlassen, weil jeder uns als Original kennt und wir die Menschen ständig mit unseren Geschichten versorgen.

  17. Himmlischer PR-Fuzzi:

    Herrje, jetzt ist das Christkind vollkommen übergeschnappt! Ich mache da nicht mit. Das ist gegen alles, was ich gelernt habe.

    PR-Fuzzi verlässt die Runde und schwebt davon.

  18. Himmlische Juristin:

    Für die rechtliche Sicherheit solcher Aktionen kann ich aber nicht garantieren. Christkind, wenn du dich da in einen Irrweg verläufst, kann ich deine Suspendierung wahrscheinlich auch nicht verhindern.

    Juristin schwebt auch davon.

  19. Christkind:

    Was ist, Weihnachtsmann? Wir bloggen uns einen ab. Machst du mit?

    Wir könnten gemeinsam mit den Menschen auch ein Wiki betreiben, wo wir alle unsere Arbeitsabläufe und Prozeduren reinstellen. Ich wette darauf, dass es ein paar kluge Kinder gibt, die einige exzellente Ideen für Verbesserungen haben.

  20. Weihnachtsmann:

    Naja, ich bin noch skeptisch.

Seit diesem denkwürdigen Ereignis sprechen die Engel vom Christkind 2.0.

Wie es sich bewährt und ob himmelsjuristisch dem nicht doch noch Einhalt geboten wird, wissen derzeit nur die im Himmel.

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Datum:
veröffentlicht am 24 Dezember 2008, 12:15 MET.
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