Frank A. Meyer und seine reproduzierte Wirklichkeit der Medien
Montag, 17 August 2009 12:24 MET
Mensch Meyer
Normalerweise ist diese Hasstirade gegen das Internet es gar nicht wert, sich damit auseinander zu setzen. Oder frei nach Dieter Nuhr die Empfehlung, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten
.
In diesem Fall hat der neuerliche Rundumschlag eines digitalen Analphabeten allerdings eine neue Qualität bekommen: Der Mann pikt sich namentlich einen bekannten Blogger aus der Schweiz heraus.
Analoger Größenwahn
Dem Text des Herrn Meyer haftet etwas Verwirrtes, fast Pathologisches an.
Schwer nachvollziehbare Sprünge zwischen nebulosen Gedanken und Szenen eines Albtraumes, treiben einem bei der Lektüre den kalten Schauer über den Rücken und lassen in mir das Bild eines Mannes entstehen, der – mitten in der Nacht – schweißgebadet und kurzatmig Sätze in sein Diktiergerät stammelt. Dazwischen immer absetzt, mit geballter Faust im Zimmer auf und ab läuft und auf den Boden stampft.
Wenn wir ein bisschen genauer nachgraben, dann ergibt sich das Bild einer größenwahnsinnigen Ideologie. Ich zitiere aus dem von ihm verfassten Epilog zum Jahresbericht 2005 der Ringier AG (Publikationen): Wir Journalisten bestimmen die Wirklichkeit.
Wenn wir die Objekte und Personen aus dieser verwirrten Hasstirade gegen das Internet austauschen, dann bleibt nicht mehr viel von der Substanz übrig; mehr noch, die satirische Bearbeitung mutiert postwendend zur spiegelbildlichen Gegendarstellung.
Die reproduzierte Wirklichkeit des Frank A. Meyer entpuppt sich als analoger Größenwahn.
Hinweis
- Der folgende Text ist eine satirische Bearbeitung.
Quelle: Basta! von Frank A. Meyer, 9. August 2009 aus der Zeitung Blick. - Objekte und Personen aus dem Originaltext wurden – mit eckiger Klammer markiert – ersetzt oder hinzugefügt.
[Anfang satirische Bearbeitung]
Basta, [Meyer]!
[Die Medienindustrie] hat die Welt auf das Format eines [Fernsehers] reduziert. Das Medium par excellence hat aber auch [nur einen Raum – den Senderaum].
An den Tag gebracht hat dies die [Medienkrise]: Fiktive Produkte ohne Bezug zu konkreten Werten sind die Ware, mit der viele [Medien] ihre windigen Geschäfte machen. Gesetzliche Kontrollen [von Journalen] ohne [Journalisten] gibt es keine; gesetzliche Regeln oder gar Schranken für den [Quoten]-getriebenen [Medien]kapitalismus erst recht nicht.
Die schöne [alte Medienwelt] befreite den [Journalismus] von [Recherche und Redlichkeit]. Doch auch die [Medien]industrie selbst kennt kaum rechtliche Skrupel. Was machbar ist, wird in den allermeisten Fällen auch gemacht.
[Dem Anachronismus des Mediengeschäftes] fällt gegenwärtig gerade die Kulturindustrie zum Opfer. Schriftsteller und Musiker verlieren [durch Knebelverträge] das Recht auf ihre Werke: [Jeder] kann, [jeder] darf [ausgebeutet] werden. [Fast] gratis. Die Enteignung der Kulturschaffenden durch [Verwertungsgesellschaften, durch Murdoch, Berlusconi, Ringier, Springer] und Konsorten ist schon fast vollendete Tatsache.
Für geistiges Eigentum gilt nicht mehr, was bisher galt: Dass Produkte zwischen Buchdeckeln oder auf Compact Disc [entlohnt] werden müssen. Das heißt, die Künstler werden um ihre Einnahmen gebracht – und so um ihre materielle Existenz.
Ein [Journalist namens Frank A. Meyer] formuliert [im Jahresbericht 2005 des Unternehmens Ringier AG (Publikationen)] die [größenwahnsinnige] Ideologie, die hinter einer Total-[Auf]wertung des [journalistischen] Schaffens steckt:
[Wir Journalisten bestimmen die Wirklichkeit. Die von uns reproduzierte Wirklichkeit ersetzt die wirkliche Wirklichkeit. In der Wahrnehmung der Menschen, also in ihren Köpfen, schaffen wir die Welt. Gibt es grössere Macht?] Ringier AG, Jahresbericht 2005 – Epilog (Seite 40)
[Und auch im Jahresbericht 2006 formuliert Meyer:]
[Denn die Internet-Welt, die ausschliesslich dem binären Prinzip Null oder Eins gehorcht, ist eine Welt der unermesslichen Zahl, eine unwirkliche Welt also, vor allem eine eindimensionale Welt, sie ist flach – eine Scheibe. Der Journalist jedoch modelliert, was er wiedergibt, beschreibt und erzählt. Er ist der Skulpteur, der Bildner der Wirklichkeit – er bildet.] Ringier AG, Jahresbericht 2006 – Epilog (Seite 38)
Die [Menschen] sollen also [weiter schweigen]; die [Journalisten] gegen milde Gaben [schreiben]; währenddessen machen die Herrscher über [die Medien] das Geschäft.
Der Raubtier-Kapitalismus greift sich neue Opfer. Internet-[Analphabeten] wie [Frank André Meyer], die selber offensichtlich wenig oder gar keine [digitale Erfahrung] haben, verkünden unter dem romantischen Signet der [journalistischen Werte] die Umwertung der bisher gültigen Werte. Aber dürfen sie denn das?
Genau das ist die Frage: Gilt unsere bürgerliche Rechtsordnung noch oder gilt sie nicht? Auf keinen Fall ist sie teilbar: in Gesetze für die reale Welt – und keine Gesetze für [Medienkonzerne].
Denn [Medien] sind keine andere Wirklichkeit. Sie bilden die reale Welt nur ab. Als Technik, das heißt als Instrument, gehören [die Medienkanäle] ganz und gar zur Welt hienieden. Deshalb hat sich alles, was [medial] geschieht, Recht und Gesetz unserer demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft unterzuordnen.
Basta, [Meyer]!
Die [Medienindustrie] sieht das anders: Sie beruft sich auf den [Exklusivitätsanspruch] ihres Mediums, welcher schon vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts [entstand]. Wer dagegen etwas einwendet, den bürstet sie ab – als hoffnungslos revolutionär entgrenzt, als höchstwahrscheinlich virtuellen Anarchen.
Die neue [Ausdruckerbewegung] tobt sich am [Diktiergerät] aus, nicht auf der Straße, wie einst die 68er. Das aber ändert keinen Deut an der Gültigkeit der bestehenden Ordnung: [Der Diskurs] ist geschützt, ob nun Scheiben eingeschlagen, Straßen blockiert, Häuser besetzt – oder eben [diktiert, Bullshit geschrieben, gedruckt und Andersdenkende denunziert] werden.
Der bürgerliche Rechtsstaat hat sich gegenüber [Lobbyisten] und anderen [Korrumpierten] mit keinem Wort zu rechtfertigen, auch dann nicht, wenn sie sich zu [Magnaten] einer neuen [medialen] Weltordnung aufblasen und, wie neuerdings in Europa, sogar Parteien gründen [und regieren].
[Anachronismus] ist kein Argument, [Alter] schon gar nicht.
[Alter] war stets das Zauberwort für [Bestandsbewahrer] von rechts und links. So, wie [Alter] jetzt erneut als Zauberwort der [digitalen Analphabeten] gilt.
Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten. [Digitales Analphabetentum ist kein Schicksal.]
[Ende satirische Bearbeitung]
Quelle: Basta! von Frank A. Meyer
- Abschnitt 1 von 1
Verweise zum Thema
- InFAMtiles im «Blick» [wortgefecht.net]
frank a. meyer, ringier.ch, droht der online-gemeinde:(2011-09-15: nicht mehr verfügbar) [blog.rebell.tv]Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten
- Journalismus im Hause Ringier (2) [Ronnie Grob]
- Frank A. Meyer: Basta, abtreten! [Columbus]
- Offenster Brief zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet [Beta Thoughts]
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 15. September 2011 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 17 August 2009, 12:24 MET.
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