Februar 2009 im Kontext

Freitag, 06 März 2009 17:58 MET

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Foto: Radarschirm
Februar 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Gebrauchstauglich gestalten ist ein weites Feld. Vitamin P macht aber eine Website keinesfalls barrierefreier, wie uns ein silberner Gewinner des BIENE-Wettbewerbes verklickern will.

Die New York Times bastelt schon ganz heftig an der Zeitung 2.0 und auch das Unternehmen Intel berichtet über ihre internen Schritte zum Intranet 2.0.

Eine Bottom-Up Kultur braucht zuallererst den Anstoss und die Hilfe von oben, schreibt McKinsey. Wenn denn nur so einige hochbezahlte bockige Esel von da oben sich denn auch mal Gedanken machen würden.

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  1. Gebrauchstauglich gestalten
  2. Zeitung 2.0
  3. Intranet 2.0

Gebrauchstauglich gestalten

Was Leute so erzählen ist noch lange nicht das, was sie tun. Dies lässt sich getrost auch auf die Art wie Webseiten bedient werden und die Relevanz von quantitativen Usability-Studien übernehmen, wie Oscar Berg [The Content Economy] berichtet: Don’t listen too much to users - observe them instead.

Mit Schlechtes HTML ist teuer (und weitere Weisheiten) macht Jens Meiert auf seine zahlreichen guten Beiträge aus der Vergangenheit aufmerksam, die zwar vielleicht schon älter, deswegen aber nicht veraltet sind.

Björn Seibert [webzeugkoffer.de] verfasste einen umfangreichen Artikel zu den vielen Aspekten der Webentwicklung: Webdesign: Ein komplexer und permanenter Prozess.

Einführung in den neuen ARIA-Standard [Stefan Walter, gefunden via Webkrauts] ist die deutsche Übersetzung des Artikels Introduction to WAI ARIA von Gez Lemon.

Barrierefrei mit Vitamin P

Spass mit Barrierefreiheit der Site des Verbundes der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) hat Mike im Trash-Log.

Offenbar wurde da zu viel an Vitamin P verabreicht.

Stellen wir uns vor, bei einem Typ Auto kann die Bremse nur mit dem Navigationsgerät bedient werden. Trotz dieser fundamentalen Verirrung bekommt dieses Auto einen Preis für besonders gute Bedienungsfreundlichkeit.

Hinweis auf der Eingangsseite des VÖBB am 5. März 2009: Zur Bedienung unserer Webseite benutzen Sie bitte nur die angebotenen Funktionsbuttons auf den Seiten. Bitte benutzen Sie nicht die Vor- oder Zurück-Taste Ihres Internet-Browsers. Auf wundersame Weise bekommt so eine Site dann eine silberne Biene (BIENE 2008 - Die Gewinner).

Ich versteh schon, dass die gesamte Organisation und Veranstaltung jede Menge Euronen verschlingt und das irgendwie finanziert werden muss. Solche Prämierungen hinterlassen allerdings Kratzspuren am Lack der Integrität.

Accessibility via Twitter

Kerstin Probiesch [Barrierefreie Informationskultur] hat das Thema Twitter auf Relevanz für Accessibility-Themen gefiltert und mit bisher zwei Beiträgen aufbereitet:

HTML und CSS

Werkzeuge

Was die Welt doch wieder braucht

Hier drängt sich das Wort krank auf.

Da werden URLs (Uniform Resource Locator) gekürzt, weil es so praktisch ist. Leider weiß dann keiner mehr, wo wir da hingeführt werden.

Deswegen gibt es jetzt ein neues Firefox-Plugin, das die Kurz-URLs wieder in voller Länge zeigt: Kurz-URLs wieder auseinanderfalten mit LongURL.

Zeitung2.0

Es mutet so unglaublich fantastisch an, dass es fast wie ein verfrühter Aprilscherz klingt: Die New York Times (NYT) öffnet ihre Programmierschnittstelle (API) für externe Entwickler. Daten der NYT können damit in allen möglichen beliebigen Zusammenhängen auftauchen und weiter verarbeitet werden. Ein mutiger Schritt in die Zukunft!

Warum sind eigentlich Nachrichtenagenturen und Verkehrsunternehmen noch nicht auf diese Idee gekommen?

Sofort melden sich die Bedenkenträger, wie damit denn Geld zu verdienen sei; Ob das überhaupt noch Journalismus sei, und so fort. Noch verwirrter werden die EinsNuller, wenn sogar die Macher selbst noch nicht so genau wissen wo der Weg weiter geht, aber den Pfad schon mal freilegen.

Fredmund Malik spricht in einem Interview mit der Wirtschaftswoche davon, dass es nicht an Geld, sondern an Kreativität und Wissen mangelt und weitsichtige Manager in tatsächlich unternehmerisch geführten Unternehmen nicht auf Vierteljahreszahlen und den schnellen Rubel starren, sondern an das nachhaltige Wachstum des Unternehmens denken. Der Profit kommt dann von ganz allein, so Malik.

Das mit dem Mangel an Kreativität und Wissen gilt übrigens auch für bürokratische Monopol-Gebilde, die sich allzugerne in Selbstgefälligkeit suhlen.

Offene Daten von Flug, Bahn, Schiff und Verkehr.

Ich habe mich schon als Jugendlicher über die Dreistigkeit der Verkehrsunternehmen gewundert, Fahrplanbücher gegen Entgelt zu verbreiten. Da wird quasi die Information zur Dienstleistung schon verkauft. Und noch immer träumen einige EinsNull-Manager davon, schon die Information zu ihrem Produkt direkt verkaufen zu wollen, anstatt den Zugang zur Dienstleistung zu erleichtern.

Allein die Überlegung, verschiedene Daten nicht als großes Betriebsgeheimnis zu wahren, sondern ganz im Gegenteil, mit Offenlegung der API neue – vielleicht ungeahnte – Optionen zu eröffnen, ist bei solchen Leuten noch nicht einmal angekommen.

Intranet 2.0

Das Unternehmen Intel hat sich schon länger Gedanken gemacht und bloggt über den anstehenden Release von internen Social-Web-Tools:

We believe these tools have the potential to be transformational. This isn’t our mother or father’s information workplace any longer. Why Intel is investing in Social Computing

Manager 1.0 können dem nicht folgen und wüten im schlechtesten Fall fortan als Don Quijote.

Dass viele Menschen über drei Jahre ihres Arbeitslebens mit der Bearbeitung irrelevanter E-Mails verbringen scheint für viele hochbezahlte Führungskräfte wohl kein Grund, um sich abseits ausgefahrener Autobahnen Gedanken zu machen: Nicht relevante E-Mails sind böse [Seibert Media].

Und während so mancher dieser Betonköpfe beim Stichwort Wiki noch immer an den Zeichentrickfilm aus seinen Jugendtagen denkt, beschreibt Toby Ward schon unternehmensinterne Zwitscherkanäle: Twitter explodes, reaches intranet [Intranet Blog].

Web 2.0 Tools eröffnen eine breite Palette von Möglichkeiten, heißt es bei McKinsey Quarterly mit der anschließenden Einschränkung, für Unternehmen, die damit umzugehen wissen: Six ways to make Web 2.0 work.

In einem längeren Beitrag werden sechs beachtenswerte Punkte aufgezählt. Für mich persönlich sticht besonders der erste hervor, den ich auch immer wieder anspreche: The transformation to a bottom-up culture needs help from the top.

Bockige Esel

Auch wenn es um Bottom-Up geht, hat eine kulturverändernde Entwicklung nur eine Chance als ernsthafte Chefsache. Dazu gehört auch die Berücksichtigung in der strategischen Planung der Organisationsentwicklung und das Top-Management als Vorbild.

Die entscheidende Frage ist daher, ob das denn von oben auch so gewollt wird.

Mein persönlicher Praxistipp:
Wenn Sie als (webaffiner) Mitarbeiter in einer mittleren oder größeren Organisation vom Top-Management keine ernsthafte Unterstützung für Ideen zu 2.0 Arbeitsweisen bekommen, dann ist jeder weitere Einsatz von Ihnen in diese Richtung nur mehr Leerlauf.

Auch Implementierungen im kleinen Rahmen, die von intrinsisch motivierten Leuten dann gerne initiiert werden, können da nur sehr selten etwas bewegen.

Mit andern Worten: Ein Mitmach-Web kann letztendlich nur im dementsprechenden sozialen Kontext der Organisation bestehen und sich entfalten: Is your intranet ready for interactive communication?

Wozu sind Manager da? Sicherlich nicht dafür, um auf sie wie auf einen bockigen Esel einreden zu müssen.

Punkt. Diese Erkenntnis hat bei mir auch eine Zeit gedauert.

Wie sag ich es meinem Herrn?

In Geschichtsbüchern ist das als Feudalismus bekannt, wenn sich die Untertanen gefinkelte Methoden überlegen, um mögliche zukunftsweisende Wege überhaupt zur Diskussion zu bringen und vom Feudalherren angehört zu werden.

In der modernen Version anno Februar 2009 wird da glatt über Senior management wakeup triggers gesprochen um ein Intranet2.0 als eine Art Chance in der Krise schmackhaft zu machen.

Oder auch: hatte ich vorher schon einmal die Chance, dem Vorstandsvorsitzenden die Idee eines Forums im deutschen Intranet vorzustellen. Und jetzt war die Zeit gekommen, Wissensmanagement in der Krise - Krise im Wissensmanagement, Teil 1.

Also wie jetzt? Soll ich mich nun auch noch freuen, dass solche – zumeist überbezahlten – Ignoranten vielleicht endlich doch einmal zuhören, weil sie den Karren gerade an die Wand fuhren und selbst nicht mehr weiter wissen? Kühler Pragmatismus ist da geradezu ein Entgegenkommen.

Ich bin mir meiner Polemik natürlich bewusst, aber oft braucht es diese Zuspitzung. Darum lesen Sie ja auch gerade ein Blog. Doch vielleicht kommt bei Ihnen der Herr Patrick Walsh in englischer Sprache besser an:

Hopefully you’ve now got the message that something radical needs to be done to improve our intranets so that they can begin to add real value within our companies and organizations. The Lean Intranet: from Intranet Zero to Intranet 2.0 and beyond (Part One: Intranet Zero)

Vielleicht kann aber auch die Feststellung von Johannes Thönneßen [Managementwissen online] so manchen überbezahlten bockigen Esel zum Weitergehen motivieren:

Ich für meinen Teil schätze es ungemein, dass ich mit wenigen Suchbegriffen animierte Darstellungen eines Stromgenerators finde und dessen Funktionsweise verstehe, ein Erfolg, der dem Physikbuch meines Sohnes leider verwehrt blieb. Albtraum Web 2.0?

Abschnitt 1 von 1

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Datum:
veröffentlicht am 06 März 2009, 17:58 MET.
Artikel:
Februar 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
Kurz-URL:
http://hyperkontext.at/s/192
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