Februar 2008 im Kontext

Mittwoch, 05 März 2008 23:53 MET

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Radarschirm
Februar 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Das Web gestalten und entwickeln ist eine sehr vielschichtige Sache. Diese Nachlese spannt einen Bogen von Permalinks über Texteditoren und Wissen zur Barrierefreiheit.

Vieles hat sich im Februar auch an Beiträgen zu Web 2.0 in Unternehmen angesammelt. Da wurde dann auch schon provokant gefragt: Sind Unternehmen Autisten?

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  1. Web gestalten und entwickeln
    1. Nachhaltig durch Permalink (Dauerlink)
    2. Zugänglich durch Wissen
      1. Pflichtlektüre Modernes Webdesign
    3. Texteditoren
  2. Web 2.0 in Unternehmen
    1. Manche Köpfe stecken fest im Sand
    2. Kopf aus dem Sand ist der erste Schritt
  3. Sind Unternehmen Autisten?

Web gestalten und entwickeln

Im letzten Monat wurden zum Thema Webgestaltung und barrierefreier Zugang einige Themen angeschnitten, die für Interessierte in der folgenden komprimierten Zusammenstellung von Wert sein kann.

Im Bewusstsein, dass Permalink nicht netzaffine Benutzer kaum verstehen, verwende ich in diesem Blog übrigens den Namen Dauerlink. Keine Ahnung, ob das verständlicher ist.

Inspiriert durch einen Beitrag von Peter Kröner greift Jörg Petermann (einfach-persoenlich.de) das Thema Permalink sehr umfangreich auf: Blog-Permalinks sind doof – Pro & Contra. Wie der Name perma(nent) schon sagt, handelt es sich um einen dauerhaften URL (Uniform Resource Locator) mit dem ein bestimmter Eintrag immer erreicht werden kann.

Abgesehen von der Reihenfolge und Schreibweise von Permalinks bietet Daniel Smolcic (reduxo.de) einen hilfreichen Tipp, wie ein permanenter URL auch bei Systemwechsel wirklich dauerhaft bleibt: URLs für die Ewigkeit.

Zum Abrunden des Themas empfehle – besser noch befehle – ich dann noch ein hervorragendes PDF-Tutorial von Thomas Promny (seo-news.de) zur allgemeinen Erklärung, wie Suchmaschinen eine Website lesen und was wir für die Optimierung tun können: Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung (das ist der Link zum Blog-Eintrag, PDF-Download dort).

Ich habe zum Beispiel daraus meinen letzten Anstoss entnommen die Wörter eines Eintrages im URL nicht mehr mit Unterstrich, sondern mit Bindestrich zu trennen. Ab nun werden also die Titel meiner Beiträge im URL mit Bindestrich erscheinen; die bisherigen – mit Unterstrich – bleiben natürlich.

Zugänglich durch Wissen

Mit Wissen und Kompetenz um Zugänglichkeit verhält es sich im Mainstream der Webentwicklung und -gestaltung wie mit dem Klimawandel: Seltene Erscheinungen, deren systemische Häufigkeit zunehmen könnte.

Das Wissen um Entwicklungen von Standards zur barrierefreien Erstellung von Dokumenten in Programmen zur Textverarbeitung sollte auch eine Pflichtlektüre sein, um die Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren. Markus Riesch (access4all.ch) hält uns auf dem Laufenden: Open XML to DAISY XML - Barrierefreie digitale Dokumente direkt aus Word.

Michael Stenitzer (wienfluss.net) hielt einen Vortrag über Zugänglichkeit von PDF (Portable Document Format), der auf BIZEPS (Zentrum für Selbstbestimmtes Leben) kurz zusammengefasst wurde: Das war der 8. Accessibility-Stammtisch zum Thema barrierefreie PDF-Dokumente.

Mike Cherim wartete im Februar gleich mit drei lesenswerten Beiträgen auf:

  1. Eine eher allgemeine Kost als Gastbeitrag auf WPDFD: Twelve Things Most Sites Need - Part I. Wie der Titel schon verrät, folgt noch ein zweiter Teil.

  2. Der bedeutungsvolle Einsatz von Überschriften in HTML (Hypertext Markup Language) ist ein Thema das ich auch schon einmal behandelt hatte: Von der Einsicht der Struktur zur Vielfalt der Ansichten (2).

    Mike beschränkt sich in seinem Artikel nicht nur auf die Semantik von Überschriften und zeigt gleich als Draufgabe ein paar sehenswerte Beispiele der Gestaltung solcher: A Command of Headings: Usage and Styling.

  3. The Four Principles of Web Accessibility  ist ein Artikel im Zusammenhang mit dem Arbeitsentwurf zu den WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) 2.0. Und hier mal gleich die vier Prinzipien zu Deutsch:

    1. Erkennbar (Perceivable)
    2. Benutzbar (Operable)
    3. Verständlich (Understandable)
    4. Stabil (Robust)

Da Multimedia im Web immer beliebter wird, eine Einführung über die Erstellung von zugänglichen Videos: How to Make Your Video Posts More Accessible to an Untapped Market of Millions (gefunden bei Laura's Notebook).

Erwähnt werden sollte noch, dass es nicht nur um Zugang für Gehörlose geht. Wie soll eine Suchmaschine oder andere Programme Multimedia-Inhalte erfassen, verarbeiten und Zusammenhänge herstellen? Im allgemeinen Hype wird das offenbar ausgeblendet.

Über einen Eintrag bei Fritz Weisshart (webdesign.weisshart.de) – der hat übrigens immer wieder gute Tipps und Beiträge – stolperte ich über eine Betaversion des Fraunhofer Institutes das Websites auf ihre Compliance – also Einhaltung verschiedener Normen – testen kann: imergo® online [BETA].

Ich halte das Werkzeug für ziemlich brauchbar, allerdings nur für Leute die eine Auswertung auch fachlich richtig interpretieren und danach handeln können.

Nun ist es da! Manuela Hoffmann hat ihr zweites Buch fertiggestellt.

Pflichtlektüre Modernes Webdesign

Der Luftzug ihres Freudensprunges ist in ihrem Blog-Eintrag (Nun ist es da!) förmlich zu spüren. Auch meine Gratulation.

Das mittlerweile zweite Buch von Manuela Hoffmann trägt den Titel Modernes Webdesign. Mich hat das erste Buch von Manuela schon sehr begeistert und ich freue mich daher riesig auf diese Lektüre und eines kann ich aus dem Stand jetzt schon sagen: Das ist eine glatte Empfehlung!

Eine Rezension (mit Empfehlung) wird es von mir natürlich irgendwann noch geben, Rezension: Modernes Webdesign (Nachtrag 14. April 2008) aber die wird sich wahrscheinlich sehr kurz halten und nur mehr auf unzählige ausführliche Rezensionen verweisen.
Hier die bis jetzt angelaufenen Rezensionen und Beiträge zum Buch Modernes Webdesign:

Texteditoren

Beim Erstellen von Inhalten gibt es ein grundsätzliches Problem.

Auch wenn Textverfasser um die Notwendigkeit von Auszeichnung für Abkürzungen, Sprachen und Zitaten wissen, kann das meist nur mit dementsprechender Kenntnis von HTML im Quelltext ordnungsgemäß platziert werden, da derzeit die meisten Programme (Texteditoren) sehr wenig unterstützen. Diese Problematik hatte ich schon einmal in einem Artikel angeschnitten: Textauszeichnungen in HTML mit Texteditoren.

Die gute Nachricht:
Interessiert las ich nun einen Beitrag auf Barrierefreies Webdesign: Automatisieren der Auszeichnung von Abkürzungen und Sprachwechseln.

Im Zuge eines Web-Projektes für das deutsche Wirtschaftsministerium wurde ein eigenes Editoren-Programm (in Java) geschrieben, welches Redakteurinnen beim Einfügen von Sprachwechsel, Auszeichnung von Fachtermini und so weiter, optimal unterstützt.

Die schlechte Nachricht:
Das ist wohl eine Speziallösung, die vorerst nur in großen Projekten untergebracht werden kann und gutes Geld kostet. Es ist noch ein langer Weg bis derartige WYSIWG-Editoren so etwas als Standard eingebaut haben.

Web 2.0 in Unternehmen

Die Entwicklung rund um Web 2.0 zeigt die Änderung hin zu einem Fokussieren auf das Individuum, auf individuelle, je nach Situation und Personen passende Lösungen. Regina Schlager, Wissensmanagement, Web 2.0 und persönliches Wissensmanagement

Weiters stellt Regina Schlager auf Wissensmanagement 2.0 im oben angegebenen Artikel die Frage: Gibt es in Organisationen bereits Erfahrungen damit?

Manche Köpfe stecken fest im Sand

Auf der Plattform von tekom (Deutscher Fachverband für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung) findet sich hierzu ein sehr interessanter Artikel mit dem Untertitel Einsatz von Wikis in Unternehmen – ein Blick in die Praxis: Schweizer Messer im Wissensmanagement.

An verschiedenen Stellen lese ich in den kurzen Praxisberichten zwischen den Zeilen und am Ende die konkrete Aussage, dass unflexible Unternehmenskultur und starre hierarchische Systeme derzeit den innovativen Sprung schlicht verhindern.

Anders gesagt: Führungskräfte und Eigendynamik der Organisation stehen sich selbst im Weg.

Es läuft also wieder darauf hinaus, dass viele Unternehmen und Branchen offensichtlich erst dann Veränderung schaffen, wenn die wirtschaftliche Notsituation einsetzt beziehungsweise das platte Abbauen von Personal und fantasielose Kostensenkungen für wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr ausreichen.

Staatliche und staatsnahe Verwaltungen sind mit Handlungseinsicht oft – wenn überhaupt – auch sehr spät dran, weil dort zumeist erst politischer oder öffentlicher Druck Veränderungen in Gang setzt.

Hier noch ein paar Verweise vom Monat Februar aus mitunter resignierender Sicht:

  • Intranet 2.0 on the rise, but barely [corporatewebsite.com] – As I’ve said many times before, and is well represented in my Nexus of Intranet Success model, the single greatest and most critical success factor is senior management’s involvement in the intranet.
  • Web 2.0 fails the grade, according to executives [libtechplayground.wordpress.com] – It’s not that there isn’t value in Web 2.0 – I believe there’s tremendous value, […] it’s that most companies to don’t agree, don’t see value in it, aren’t realizing the value, and have better things to do.
  • Companies are taking the intranet more seriously? [IntranetBlog] – after 20 years of working in corporate communications, I still run across business people – usually leaders or middle managers – who believe employee communication is a luxury and not a fundamental piece of company infrastructure.
  • Change me [Capgemini, CTO-Blog] – I have a theory. It seems that most people learn something in their early to mid 20s, and then spend the rest of their career happily doing the same thing over and over again.
  • The Trouble With Web 2.0 [Alexander Wilms on BoxesandArrows.com] – Web 2.0 patterns will only work if the corporate and even national culture is already responsive to more collaboration and participation or if the implementation is accompanied by other measures to support cultural change.

Kopf aus dem Sand ist der erste Schritt

Andere Beiträge die über erfolgreiche interne Projekte berichten haben immer wieder Aussagen, die im Kern die bisherigen Erfahrungen der digitalen Mitmach-Kultur bestätigen. Etwa Zusammenarbeit klappt zunehmend besser und der Zeitaufwand für Projekte sinkt dramatisch.

Also Köpfe aus dem Sand liebe netz-abstinente Manager und aufmerksam lesen:

Sind Unternehmen Autisten?

Diese provokante Frage stellt Roland Keller (Krisenblogger) in einem Gastbeitrag zu einer Serie auf PR-Blogger: Corporate Communication I: Dem Wahren, Schönen, Guten. Dialoge, die Zeit und Argumente erfordern, werden oft gar als störend empfunden, führt Roland Keller aus, um einen anderen Blickwinkel einzunehmen: Unternehmen verschenken Zufluss von Informationskapital, welches über das Internet einfach und günstig akkumuliert werden kann.

Im Zusammenhang mit einem Bericht zu Misstrauen made in Germany - 9. Edelman Trust Barometer veröffentlicht stellt Frank Hamm (INJELEA) in einem Beitrag – CEO und Werbung - Anspruch, Elfenbeintürme und Wirklichkeit – die Frage: Kann es sein, dass ein Clan der Elfenbeintürme letztendlich sich selbst feiert während in der Wirklichkeit die Karawane längst weiterzieht?

Das ist wohl so. Die Karawane bleibt in sicherer Entfernung nur noch ein Weilchen stehen und sieht den Managern zu, wie sie ungeniert die Hosen runterlassen, während diese selbst es noch nicht einmal bemerken.

Was nützt es, wenn man sich selbst für das beste aller Unternehmen hält und letztlich so nackt ist wie der Kaiser bei Hans Christian Andersen, weil alle Kunden es dank Google längst besser wissen … Klaus Eck, Mehr Ehrlichkeit wagen

Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache) – Reporter in der Redaktion Handelsblatt – formuliert im Zusammenhang mit einer dumpfbackenen PR (Public Relations)-Aktion etwas drastischer:

Sie setzen einen Haufen hin, stehen im Kreis darum und erfreuen sich an den Fliegen. Und währenddessen steht eine Ecke weiter eine Runde von Leuten, die eigentlich Adressaten der Kommunikatoren wären, schütteln den Kopf und murmeln, was für eine Sch… Thomas Knüwer, Wenn Tanja-Anja einen Haufen setzt

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veröffentlicht am 05 März 2008, 23:53 MET.
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