Dezember 2008 im Kontext

Dienstag, 06 Januar 2009 19:09 MET

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Foto: Radarschirm
Dezember 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Web-Accessibility erfährt im Dezember 2008 einen offiziellen Schub durch die Verabschiedung der WCAG 2.0. Mit CSS Schatten schlagen ist durchaus möglich und so manche klickerhaschenden Listen können auch nützlich sein.

Vom Schein und Sein. Nur wenige Unternehmen schaffen wohl das Sein ohne Schein; auf gutem Weg ist aber die Synaxon AG zum Unternehmen 2.0.

Bezugnehmend auf meine Überlegung die Monatsrückblicke einzustellen: Es geht es weiter, wahrscheinlich aber in geänderter Form.

Web-Accessibility und Gestaltung

Nun sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) der zweiten Version offiziell: W3C Web-Standard definiert Barrierefreiheit für das Web der nächsten Generation [Einfach für Alle]. Für uns Webentwicklerinnen heißt es ab jetzt, sich mit den Details der neu formulierten Standards wirklich zu beschäftigen und in die Arbeit einfließen zu lassen.

Zwei interessante Einträge widmeten sich im Dezember 2008 der barrierefreien Einbindung von Karten:

Den Screen Reader Jaws zum Testen von Webseiten auf Barrierefreiheit benutzen heißt ein von Fritz Weisshart übersetzter Artikel von WebAIM. Der dazugehörige Blogeintrag: Barrierefreiheit testen mit einem Screen Reader.

Barrierefreiheit ist nicht nur Webdesign für blinde Menschen, schreibt Fritz, aber im vorliegenden Fall ist jeder blinde Screen Reader Nutzer ein Experte. Deswegen sollten wir auch gleich einmal den jüngsten Erfahrungsbericht der blinden Eva Papst lesen, die uns ein Prosit Neujahr - vom Sofa aus sendet und über das Surfen am Handy plaudert: Surfen mit Mobiltelefon und Screen Reader.

Es vergeht wohl keine Monatsrückschau, in der nicht der Internet Explorer erwähnt wird. Diesmal zwei Verweise (ohne Seitenhieb und Kommentar):

Mit Cascading StyleSheets Schatten schlagen

Aus Bequemlichkeit werden JavaScript-Bibliotheken mittlerweile auch für Dinge verwendet, die durchaus auch mit CSS realisiert werden könnten. Tim Wright zeigt auf SitePoint ein Beispiel, das mich sehr fasziniert und ich bei gegebenem Anlass sicher darauf zurückgreifen werde: CSS Angles: Just the Edge Your Web Page Needs!

Sonstige Tipps

Ich bin ja nun wirklich kein Freund dieser nach Klicks sabbernden Listen wie Die 10 besten Klobesen oder 20 Tipps zur guten Website. Die folgenden zwei dieser Sorte halte ich aber ausnahmsweise für wirklich extrem wertvoll:

Chris Coyer [css-tricks] hat ein neues Projekt gestartet, das für jeden Site-Betreiber von Interesse sein könnte: Launch: Are My Sites Up? Der Dienst prüft regelmäßig und automatisiert genau das, was der Name vermuten lässt.

Und dann wird noch ein Webstandards Magazin als vierteljährliches Druckwerk angekündigt, das ab März 2009 im Handel erhältlich sein soll. Dahinter steckt die Agentur anatom5, wo auch der in der deutschsprachigen Webstandard-Szene bekannte Ansgar Hein Gesellschafter ist.

Vom Schein und dem Sein

Einige Zahlen zum Medienwandel versuchte KoopTech zu erstellen, wobei die Verlage nur wenige Kennzahlen freigeben, aber diese wenigen schon sehr bedeutsam sind. Sehr treffend ist der Vergleich mit dem Niedergang der Eisenbahnen von Michael Gisiger: Von Eisenbahnen und Zeitungen.

Im Social-Web zählt Authentizität

Susanne Holzer [Liechteneckers Blog] beschreibt die Pläne so mancher Unternehmen, die entweder auf Täuschung ausgerichtet oder zumindest auf dem Verständnis naiver Einweg-Kommunikation basieren, ein Corporate-Blog einzurichten: We want a Blog!

Sie müssen uns nur garantieren, dass es keine negativen Kommentare in den Blogs gibt, beschreibt Martin Oetting in 10 Anzeichen, dass die Social Media/Viralkampagne in die Hose gehen wird die Vorstellungen so mancher Kommunikatoren.

Werbeplattform für Produkte und Mikrowelle für Pressemeldungen, fasst Björn Seibert im Webzeugkoffer den Zugang der Unternehmen zu Blogs zusammen – Corporate Blogs haben’s schwer – und verweist zu einem Beitrag auf SitePoint von Josh Catone: Corporate Blogging: You’re Doing It Wrong.

Das Dilemma: Bloggen ist persönliche Authentizität. Im Selbstverständnis von Organisationen soll die juristische Person wie eine natürliche wirken. Das geht schief, solange die Organisationskultur keine individuellen und freien Menschen akzeptiert, die gerne, ehrlich und wahrhaftig die Leistungen und Produkte kommunizieren, aber auch kritisieren.

Meinungsfreiheit nur für Konzerne?

Manche stellen ernsthaft die Frage, wer denn Blogger eigentlich dazu autorisiert, öffentlich zu schreiben.
Die Antwort: Das Grundgesetz.

Durch die bisherigen technischen Möglichkeiten konnten nur mächtige juristische oder von solchen finanziell unterstützte natürliche Personen eine Meinung nachhaltig transportieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Menschen noch immer das Veröffentlichen mit dem vorhergehenden Autorisieren durch eine Instanz gleichsetzen.

Kalle Lasn erläutert im Buch Culture Jamming (Seite 76) ein gerichtliches Urteil in den USA im Jahr 1886, mit dem Konzerne den natürlichen Personen gleichgestellt wurden. Mit dieser Vermischung und Gleichsetzung von juristischen und natürlichen Personen hat für ihn das Dilemma begonnen. Ähnliches gilt durchaus auch für Europa.

So kommt es, dass wir zwar ein Grundgesetz zur freien Meinungsäußerung haben, Arbeitnehmer aber beim Eintritt in ein Unternehmen – oder oft noch schlimmer, in öffentlichen oder staatsnahen Organisationen – dieses Grundrecht de facto unter das der juristischen Person stellen müssen. Quasi ein Maulkorb umgehängt wird, der nur mit Zustimmung der Organisation entfernt oder gelockert werden darf.

Deswegen werden – oder wird diskutiert – jetzt wieder eigene Gesetze erschaffen, die es Arbeitnehmerinnen legal ermöglichen, auch über gesetzwidrige Machenschaften oder Unregelmäßigkeiten ihrer Organisation zu berichten.

Anmerkung im aktuellen ökonomischen Kontext:
Ohne nachhaltigen Wertewandel führen uns die derzeit modischen Rufe nach mehr staatlicher Kontrolle bloß von der Traufe in den Regen.

Unternehmen intern

Was nach außen juristisch reglementiert ist, wird intern bis in die unterste Ebene der Hierarchie mit Machtgehabe, Arroganz, Mobbing und Apparatschik-Kaskaden durchgezogen. Manchmal gar nicht im Sinne der Unternehmensführung aber im Streben des ehrgeizigen Kleingeistes.

Freie und individuelle Meinungsäußerung ist in gewöhnlichen Organisationen daher systemisch kaum möglich und selten gewollt.

Für business-wissen.de schrieb Anne M. Schüller einen äußerst lesenswerten Beitrag über Manager, die sich Kadaver-Gehorsam, Wendehälse und eine maultote Meute von Mitläufern geradezu heranzüchten. Als Vorbild für Veränderungen beschreibt sie die Prinzipien des Web2.0:

So werden die Werte, für die das Web 2.0 heute steht, nämlich

  • Dialog und Interaktion,
  • Teilen und Partizipation,
  • Transparenz und Wahrhaftigkeit,
  • Kreativität und Schnelligkeit,
  • einen Beitrag leisten und helfen wollen

unseren Lebens-, Kauf- und Arbeitsstil zunehmend prägen - und damit auch Einzug in das betriebliche Miteinander halten. Anne M. Schüller, Vom Umgang mit Macht im Management

Anne M. Schüller wurde übrigens mit ihrem Buch Kundennähe in der Chefetage mit dem schweizerischen Wirtschaftsbuchpreis 2008 ausgezeichnet.

Zeitrechnung 1.0 für Web 2.0?

Was wir in herkömmlichen Organisationen als üblichen Abwehrmechanismus gegen neue, andere Arten der Kommunikation sehen, sind oftmals beeindruckende minutengenaue Zeitrechnungen, welche die Benutzung von Web2.0-Tools als zeitintensiven Aufwand darstellen und daher nach klassischer Kosten-Nutzen-Analyse nicht effizient wären.

Alexander Richter [CSCM] schreibt seine Antwort zu diesen klassischen Berechnungen, die ihm auch in Vorträgen als Frage gestellt werden: Enterprise 2.0 entlarvt.

Auf der argumentativen Zeitschiene läuft auch die althergebrachte Einweg-Kommunikation von Führungskräften. Wenn dann – notwendigerweise – doch mal das Fußvolk gebraucht wird, dann läuft es so ab, wie in diesem Beitrag geschrieben:

Where two-way communication does happen it is carefully managed and edited by internal communications. Elizabeth Marsh, Improving employee involvement on the intranet

Und so werden die komplexeren Anforderungen an Kommunikation und einhergehender Kollaboration mit zunehmend untauglichen Mitteln wie E-Mail und unflexiblen virtuellen, wie auch noch physischen Ordnersystemen weiter aufrechterhalten: Intranet versus Other [Globally local].

Auch so manch halbgare Versuche mit Programmen der Klasse 1.01 etwas 2.0 erleben zu können enden dann mitunter in einem verzweifelten Blog-Post: Battling with SharePoint.

Was mit Enterprise2.0 denn nun wirklich gemeint ist, zeigen ein paar sehenswerte digitale Folien: Enterprise 2.0 and innovation [The Content Economy].

Synaxon AG – Unternehmen 2.0 gelebt

Das Beispiel Synaxon ist beeindruckend. Das werden in absehbarer Zeit nicht viele Unternehmen schaffen.

Es gibt Unternehmen, die mittlerweile auch schon Erfahrungsberichte vorweisen können und die das Social-Web tatsächlich leben:

Eines zeigt das Beispiel der Synaxon auch ganz deutlich:
Es geht nicht um ein bisschen operieren, einen neuen Strategieplan oder der Idee von ein paar Leuten aus der Kommunikation. Es reicht auch nicht der gute Wille des oberen Managements und ein paar Besprechungen dazu.

Es geht ganz fundamental auch um einen systemischen Ansatz in der Organisationsentwicklung. Dazu gehört viel Mut, Kreativität und das bewusste Verlassen der ausgetrampelten Pfade – zuallererst vom Topmanagement.

Einfach mal Danke sagen

Ein Beitrag aus dem fernen Australien [Anecdote] bleibt mir aus dem Dezember 2008 besonders in Erinnerung, der auf die wichtigste kollaborative Voraussetzung hinweist, aber in vielen Unternehmen oft nicht vorhanden ist:

When it is heartfelt and authentic, saying thanks creates a new level of trust between two people. It opens up the possibility of working together, sharing knowledge and collaborating. Saying thanks is important for collaboration

Und so sage ich einfach mal aus ganzem Herzen

  • Danke an alle AutorInnen, deren Beiträge mich inspirierten oder mir Einblick in ein Thema aus ihrer Sicht gaben.
  • Danke an alle LeserInnen dieses Blogs, denen ich mit meinen bisherigen Betrachtungen und Informationen mitunter vielleicht eine interessante oder neue Perspektive eröffnete.

In eigener Sache: Monatsrückblicke

Im Dezember kündigte ich die Absicht an, die monatliche Rückschau einzustellen. Ein paar wertvolle Kommentare und zwei nette E-Mails, die im Grundtenor jeweils dem Kommentar #3 und #4 entsprechen, ließen mich die Sache noch einmal genauer überdenken.

Stand der Dinge:

  1. Mit den Monatsrückblicken geht es weiter.

  2. Gedanklich baue ich gerade die ursprüngliche Idee eines zweiten Bereiches auf hyperkontext aus, der die Erfassung von mehrteiligen Essays beinhalten soll.

    Meine Überlegung geht derzeit in die Richtung, diesen Bereich Magazin zu nennen und dort auch die Monatsrückblicke einzubauen, unterteilt in themenbezogene Einträge, mit jeweils eigener URL und eigenem Kommentarbereich.

  3. Bis ich die Idee konzeptioniert und umgesetzt habe, laufen die Monatsrückblicke in gewohnter Weise weiter.

  4. Ich setze mir dafür kein Zeitlimit und kündige daher auch keinen Zeitpunkt dieser neuen Form an.

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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 6. Januar 2009 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 06 Januar 2009, 19:09 MET.
Artikel:
Dezember 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]
Kurz-URL:
http://hyperkontext.at/s/182
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