A-Virus ist nicht Web2.0 kompatibel

Montag, 26 Mai 2008 17:27 MET

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Kommunikation  
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Mann in mittelalterlichem Kapuzenmantel mit Schwert
A-Virus ist nicht Web2.0 kompatibel [hyperkontext | Weblog]

A steht für Arschloch, Apparatschik, Apathie und Aggression.

Das ist das brisante Gemisch, das das A-Virus zur gefährlichsten Organisationskrankheit macht, die bis zum Hirntod führen kann.

So lustig das klingt, aber es ist ein ernst zu nehmendes Problem. In einem A-infizierten Unternehmen wird niemals ein Enterprise, Intranet und Wissensmanagement 2.0 funktionieren!

A-Virus im Überblick

A steht für vier Wörter, die mit dem Buchstaben A beginnen:

Arschloch

Das Arschloch ist der Urheber der Infektion und tritt zuerst einzeln auf. Es sucht aber die Gesellschaft Gleichgesinnter, solange es genügend andere Opfer hat, auf die es eintreten kann.

Das Arschloch verwendet andere Menschen zur Befriedigung seines Bedürfnisses beziehungsweise zum Ausgleich seiner Unzulänglichkeiten. Arschlöcher verbreiten Angst, Wut, Unruhe, Schuldgefühle, Schuldzuweisungen, Erniedrigung, Peinlichkeiten, Feindseligkeiten, Hektik und viele weitere Grauslichkeiten. Im zeitgemäß vornehmen Anglizismus wird das auch als Mobbing bezeichnet.

Das Arschloch verkleidet sich oft und wandelt sich wie ein Chamäleon. Ein einzelnes Arschloch verwandelt mitunter eine ganze Gruppe von fröhlichen Menschen in ein Rudel fieser Bestien oder in einen ärmlichen Haufen teilnahmslos dahinvegetierender Geschöpfe.

Apparatschik

Der Apparatschik ist im Regelfall ein beförderter Apathiker oder feiger Aggressivling, der nun schrittweise zum geprüften Arschloch mutiert. Buckelt nach oben und tritt nach unten.

Nur mit diesen Leuten ist es möglich, den Status der flächendeckenden A-Infektion zu erreichen und aufrecht zu erhalten. Wir können auch sagen, es sind Schizophrene zwischen Apathie und Aggression, ihr Medikament ist ihr Posten. Apparatschiks können nur in Gruppen und nur in Symbiose mit dem Arschloch existieren.

Apathie

Die Apathie ist die Teilnahmslosigkeit. In vielen infizierten Unternehmen ist dieses Verhalten so ausgeprägt, dass zwischenmenschliche Interaktionen von den Akteuren nicht mehr bewusst wahr genommen werden.

Diese Form wird auch innerer Rückzug genannt und bewahrt das Individuum vor dem Bewusstwerden einer erschreckenden Realität oder dem unmittelbaren Angriff eines Arschlochs.

Diese Verhaltensweise ist eine natürliche menschliche Überlebenstaktik, die zum Beispiel auch bei Folter- und Missbrauchsopfern, Kriegsgefangenen und Menschen in dauerhaft ausweglosen Situationen zu beobachten ist.

Es ist aber auch der Typus des infizierten Apathikers anzutreffen, der unauffällige und ja-sagerische Fähigkeiten entwickelt und sich immer wieder für diverse Apparatschik-Posten anbiedert. Die Chancen dieser infizierten Leute steigen fast proportional mit der Größe der Organisation.

Aggression

Die Aggression ist die ureigenste Eigenschaft des Arschlochs und wird in vielen Facetten ausgeübt. Arschlöcher übertragen aggressives Verhalten ganz gezielt und bewusst auf eigentlich nicht aggressive Menschen, um ihre Ziele zu erreichen.

Jemand der mit dem Virus infiziert wurde – also durch die Interaktionen eines Arschlochs oder Apparatschiks, versucht durch aggressives Verhalten sich als Kandidat zum Posten eines Apparatschik zu qualifizieren.

Im Gegensatz zum echten Arschloch ist der Apparatschik-Anwärter nicht grundsätzlich aggressiv, sondern sieht die Aggression als gesellschaftlich anerkanntes Mittel, einen höheren Posten erkämpfen zu müssen. Ist er mal Apparatschik, dann unterscheidet ihn vom echten Arschloch nur mehr seine Naivität.

Mitarbeiter, die sich normalerweise nicht feindselig verhalten und noch nicht vom A-Virus befallen sind, versuchen sich manchmal auch aggressiv gegen Arschlöcher und Apparatschiks zu wehren oder auf das Problem aufmerksam zu machen. Oft pendelt dieses Verhalten dann zwischen Apathie und Aggression.

Ursache und Beginn der Krankheit

Aggression als akzeptiertes Mittel zur Machtgewinnung.

Die identifizierte Ursache dieser Organisations-Krankheit sind Arschlöcher und deren mutierte Abkömmlinge, die Apparatschiks. Arschlöcher sind auf die Mutation von Apparatschiks angewiesen, die Apparatschiks wiederum auf die Koordination der Arschlöcher.

Das Arschloch beginnt seine Tätigkeit meist alleine, aber oft sehr aggressiv. Durch Einschüchterungen, Ignoranz und Machtgehabe gerät zuerst das unmittelbare Umfeld aus dem Gleichgewicht und verbreitet Unsicherheit auch in andere Bereiche. Durch gezielte Anfeindungen kommt es zu ersten personellen Konsequenzen – also Mutationen von Apparatschiks – im Sinne des Aggressors.

Das Arschloch versteht es auch, Netzwerke von Unterwerfungswilligen zu knüpfen und bisher zurückhaltende Arschlöcher zu identifizieren, die Aggression als akzeptiertes Mittel zur Machtgewinnung anerkennen und einsetzen wollen.

Apparatschiks verbeißen sich in den Organen, saugen sie sukzessive aus und leiten zwei Drittel dieser gestohlenen Energie an ihre Arschlöcher weiter. Die Arschlöcher verwerten die erhaltene Energie, um die Apparatschiks zu koordinieren.

Apparatschiks vermehren sich zwar langsam, setzen sich dafür aber sehr tiefgreifend in den inneren Organen der Organisation fest. Je länger ein Apparatschik in einem Organ festsitzt, umso mehr verfälscht er die ursprünglichen Funktionen.

Die Symptome

Betroffene erkennen ihre Krankheit nicht!

Die Symptome sind breit gefächert und lassen sich vor allem anhand der Kommunikation und den Verhaltensweisen der Angehörigen der Organisation feststellen.

Die Gefährlichkeit dieser Krankheit liegt vor allem darin, dass Symptome nur mehr von nicht infizierten Personen erkannt werden. Ähnlich eines Suchtkranken, der keine Krankheitseinsicht hat.

Starke Schmerz-Symptome äußern sich nur in finanziellen Notlagen und sind nicht zwingend auf das A-Virus zurückzuführen. Leichte Schmerzen treten mitunter auf – vor allem in der Kommunikation und Kooperation –, werden aber selten mit dieser Infektion in Zusammenhang gebracht.

Der Krankheitsverlauf

Der Verlauf ist meist langsam und subtil.

Die Mutanten (Apparatschiks) bilden Schritt für Schritt eine hierarchische Pyramide, in der einige wenige Arschlöcher mit immer mehr Energie versorgt werden. Das Ziel ist die letale Lähmung der Zentren zur Selbstreflexion und Erneuerung der Organisation.

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einem Energieüberschuss an der Spitze der Pyramide. An diesem Punkt besteht Infektionsgefahr für andere Organisationen, die mit dem infizierten Unternehmen in Verbindung stehen.

Im Endstadium eruptiert die überschüssige giftige Energie und es kommt zur Gründung neuer Organisationen. Diese sind dann bereits von Beginn an mit Arschlöchern besetzt, die das Gedeihen der Apparatschiks verwalten.

Die Wissenschaft aus den Bereichen Ökonomie, Philosophie, Psychologie und Soziologie streitet sich, ob von einem letalen – tödlichen – Ausgang dieser Krankheit gesprochen werden kann. Es tritt nämlich zwar der erwiesene Hirntod der Organisation ein, aber die Organe arbeiten immerzu weiter.

Die Behandlung

Arschlöcher entfernen, Mutanten integrieren sich.

Auf Grund kleinerer Schmerz-Symptome entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten einige Methoden zur Symptom-Bekämpfung, die aber im Wesentlichen auf einer falschen Diagnose beruhen.

Bekannte Methoden der Symptombekämpfung

  • Outsourcing: Meist die beliebteste Methode die darauf abzielt, bereits zu sehr infizierte Teile von Organen operativ zu entfernen. Leider oft unwirksam, da Metastasen (Apparatschik-Schläfer) sich auch schon an anderen Organen festgesetzt und erneute Operationen zur Folge haben.

  • Consulting: Ist die langwierigste, aber beinhaltet sehr breit gefächerte Methoden. Hier geht es in vielen Fällen um lange Therapien, die oft durchaus temporär Erfolg zeigen. Wesentlich bei diesen Methoden ist die Qualität der Therapeuten.

    Mit Glück finden sich auch Therapeuten, die das A-Virus diagnostizieren und die einzig effektive Behandlungsmethode (siehe die Ursachenbehandlung) vorschlagen. Das Problem besteht dann meist in der fehlenden Krankheitseinsicht der Organisation, die dann lieber die Therapeutin wechselt.

  • Personalrochaden, neue, geteilte oder zusammen gelegte Abteilungen: Dies ist als Pseudo-Methode zu betrachten, da sie meist von den Arschlöchern eingefädelt wird und darauf abzielt, über neu geschaffene Posten Apparatschiks zu befördern.

Akut-Intervention

Starke Schmerz-Symptome treten eher selten und nur in Form eines finanziellen Kollaps auf. Diese Schmerz-Symptome können durch Akut-Intervention einer Geldspritze sehr schnell aufgelöst werden und den Patienten vorübergehend schmerzfrei stellen.

Ursachenbehandlung

Werden die Arschlöcher der Organisation aufgespürt und entfernt, sind Apparatschiks isoliert, da sie vom alleinigen Aussaugen ihres Wirtes nicht überleben können.

Warnung:
Das Entfernen von Arschlöchern kann sich als schwieriges Unterfangen erweisen. Die Arschlöcher haben mit Hilfe ihrer Apparatschiks die Bürokratie schon so verschachtelt, dass erst einmal unzählige Formulare ausgefüllt und Verfahren durchlaufen werden müssen, um überhaupt die Lizenz zum Aufspüren zu bekommen.

Gibt es keine Arschlöcher mehr, dann passen sich Apparatschiks dem im Heilungsprozess befindlichen Organ an. Anschließend integrieren sich die Mutanten in ein freundlich herzliches Klima zumeist sehr schnell und wollen auch von ihrer Vergangenheit dann nichts mehr wissen.

Die Prophylaxe

Ein Vorzeige-Arschloch immunisiert besser.

Als beste Vorbeugung erweist sich, wenn Arschlöcher von Organisationen fern gehalten werden. Wie Arschlöcher keine solche werden, ist nicht Thema dieser Übersicht.

Robert Sutton1 – Professor für Management Science und Engineering – weist allerdings darauf hin, dass ein Impfstoff, in Form eines Vorzeige-Arschloches innerhalb der Organisation, in Vorrat gehalten werden sollte. Durch die regelmäßige Verabreichung von kleinen Dosen dieses Giftes scheint die Immunisierung nachhaltiger zu sein.

Das A-Virus verträgt sich nicht mit Web2.0

Ist eine Organisation bereits flächendeckend mit dem Virus befallen, kommt auch niemand auf die Idee, kollaborative interne Web-Anwendungen zu brauchen.

Das Buzzword Web2.0 dringt aber mittlerweile auch in Vorstands-Etagen durch. Neue, und noch nicht A-Infizierte, kommen dann schnell auf die Idee, ein Intra-Web2.0 jetzt einführen zu wollen.

Ich brauche wohl nicht zu erklären, dass kollaborative Web-Anwendungen in einem flächendeckend A-infizierten Unternehmen nichts taugen. Das ist dann etwa so, als ob ein Arzt mit Patienten von frisch operierten Leistenbrüchen Gewichtheben trainieren will.

So lustig das klingt, aber es ist ein ernst zu nehmendes Problem.

Falls Ihnen also die noch nicht infizierten Neuen aus den oberen Etagen – mit ihrer brillianten Idee einer kollaborativen digitalen Grundausstattung – zuhören, dann sagen Sie denen, dass es da vorher noch eine schwere Krankheit zu bekämpfen gibt und dieses A-Virus nicht Intra-Web2.0 kompatibel ist.

In einem A-infizierten Unternehmen wird niemals ein Enterprise, Intranet und Wissensmanagement 2.0 funktionieren! Wenn Sie also selbst noch kein Attribut A besitzen, dann halten Sie sich von solch einem schlagwort-getriebenen Projekt fern.

Der schnelle Selbsttest: Bin ich ein amtliches Arschloch?

Abschnitt 1 von 1

Empfohlene Literatur zum A-Virus:

  1. Der Arschloch-Faktor (Robert I. Sutton) – vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen.
  2. Menschenschinder oder Manager (Paul Babiak, Robert D. Hare) – Psychopathen bei der Arbeit
Datum:
veröffentlicht am 26 Mai 2008, 17:27 MET.
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A-Virus ist nicht Web2.0 kompatibel [hyperkontext | Weblog]
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