burgenland.at - macht Hoffnung auf behördliche standardkonforme Zukunft

Samstag, 04 August 2007 21:47 MET

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Webgestaltung, Empfehlungen  
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burgenland.at - macht Hoffnung auf behördliche standardkonforme Zukunft [hyperkontext | Weblog]

BurgenländerInnen, die temporär oder dauerhaft behindert sind, haben es auf den Web-Seiten ihres Landes ein wesentliches Stück angenehmer, als derzeit in den meisten anderen österreichischen Bundesländern.

Alles in allem macht die offizielle Site des Burgenlandes Appetit und Hoffnung auf mehr Webstandards bei Behörden.

Eine klassenlose Website

Dass barrierearme Seiten keine unterschiedlichen Versionen brauchen, implizieren Webstandards bereits.

Auf vielen Seiten von Behörden läuft es so:
Du kommst hier nicht klar? Dann ab zur Deppenversion.
Sofern es so eine gibt.

Eine standardkonforme, barrierearme Website zeichnet viele Punkte aus und beschränkt sich nicht auf eine genormte Validierung. Das Wesentliche ist auch das tatsächliche Verständnis der Anforderungen und das scheint bei dieser Site auf die Ersteller zuzutreffen.

Es langweilt nur, wenn ich hier alle Einzelheiten durchgehe. Obwohl ich nur die Besonderheiten erwähne, sollen dabei nicht die vielen selbstverständlichen Kleinigkeiten vergessen werden, die solche Dokumente ausmachen. In diesem Sinne soll auch diese Beschreibung verstanden werden.

Zwei wesentliche Punkte trüben das Bild

Ganz zu Anfang möchte ich auf zwei wesentliche Mängel hinweisen, die es nicht nur Programmen und Benutzern von assistiven Ausgaberäten erschwert, die Seiten vernünftig zu verwenden:

Fehlende sinnvolle Überschriftenordnung und Titelbezeichnungen

Dies zieht sich leider wie ein roter Faden durch die Site und deutet darauf hin, dass das Konzept semantischer Dokumentenstruktur – obwohl sonst konsequent angewendet – in dieser Beziehung nicht verstanden wird oder außen vor gelassen wurde.

Die Variationen reichen hier von gerade mal einer H1 Überschrift, meist auf Artikelseiten, bis zu Seiten, wo die erste Überschrift auf Ebene drei beginnt (Beispiel). Und konsequente Titelbezeichnungen aller Seiten würde allein schon das Ranking in Suchmaschinen erheblich steigern und zur Verständlichkeit der Informationsstruktur beitragen.

Das lässt sich aber mit wenig Aufwand durchaus nachholen. Statt einem sinnlosen DIV-Konstrukt vor Navigationslisten zum Beispiel mit einem Überschriften-Element.

Generell fehlende Auszeichnung von Abkürzungen

Das ist nun auch ein Thema für durchschnittlich gebildete Normalos, mit einem durchschnittlich konfiguriertem PC und einem schönen großen Bildschirm, welche sich auf den Seiten der burgenländischen Landesregierung schlau machen wollen.

Was bitte ist denn eine UVS-Bekanntmachung? Soweit reicht meine Bildung leider nicht.

Gelernte Österreicher wissen ja in der Regel, was ein LR (Landesrat) und LH (Landeshauptmann) ist.

Programme können aber nun mal nicht zuordnen, ob ein DI nun ein Schreibfehler sein könnte und für die steht oder es sich um einen Diplomingenieur handelt. Genau deswegen gibt es eben Textauszeichnungen für Abkürzungen und Akronyme.

Mir ist durchaus die Schwierigkeit der konsequenten Anwendung von Textauszeichnungen durch Redakteure bekannt. Dieses Thema dann aber offensichtlich gleich mal weg zu lassen, muss ich heftig ankreiden.

Die positiven Besonderheiten

Da ich ja die Website vom Burgenland 1 deswegen beschreibe, weil sie bereits konsequent den Regeln einer standardkonformen und barrierearmen Umsetzung folgt und die vielen hilfreichen Kleinigkeiten gar nicht extra erwähne, gibt es doch ein paar Besonderheiten, die ich gerne zusätzlich aufzeige.

Herausragendes Beispiel für eine Definitionsliste

Wo andere wahrscheinlich in Tabellengesülze verfallen, werden hier demographische und geografische Daten des Burgenlandes in einer vorbildhaften und sinnmachenden Art und Weise per HTML-Definitionsliste implementiert und mit CSS (Cascading Style Sheets) für das Auge aufbereitet.

Das Layout bewegt sich mit der Schriftgröße

Dort wo auf vielen Sites das Layout auf der linken Seite des Bildschirms im festen Pixelgefängnis eingesperrt bleibt – auf großen Bildschirmen wirkt das so lächerlich – und sich auch bei Schriftgrößenveränderung und genügend Platz am Screen nicht vergrößert, bewegt sich hier das gesamte Konstrukt bei größerer Schrifteinstellung automatisch mit. Gemeinhin als Liquid Elastic-Layout bezeichnet. Dass sich dabei die Bilder verdoppeln, ist Geschmackssache.

Es ist sehr angenehm und dieser Effekt hat natürlich auch mehr mit Benutzbarkeit, als mit Standardkonformität zu tun. Das erhöht den Komfort auch für Normalos, die kurz mal ihre Lesebrille verlegt haben oder ihren großen Bildschirm mit der Seite ausfüllen wollen. Ich persönlich bin ein großer Freund dieser Konstrukte und weiß, dass es eben extra Arbeit erfordert, solche flexiblen Layouts fehlerlos hinzukriegen.

Druck per Stylesheet

So etwas sollte eigentlich ja schon Standard sein und nicht zusätzlich erwähnt werden müssen. Leider sieht die Realität anders aus.

Deswegen erwähne ich es hier: Jede Seite wird nur mit dem relevanten Inhalt ausgedruckt. Hierzu wird nicht das CMS (Content Management System) missbraucht – und damit unnötige Serverabfragen erzeugt –, sondern per CSS gesteuert. Die Einbindung von Grafiken eines Artikels im Ausdruck halte ich allerdings für unnötig.

Die Adresse im Mikroformat

Auf jeder Seite steht die Adresse der burgenländischen Landesregierung. Das wäre ja nicht so besonders erwähnenswert. Allerdings ist diese vorbildhaft in ein Adressen-Element eingebettet, mit dem Klassen-Attribut des Mikroformats vCard deklariert und die einzelnen Teile korrekt dafür ausgezeichnet. Sehr bemerkenswert!

Die kleinen Mängel

Abgesehen von den zwei bereits erläuterten gravierenden Unzulänglichkeiten, fallen noch ein paar technische Kleinigkeiten auf.

Newsfeed funktioniert nicht

Ist ja schön, wenn auch ein RSS (Really Simple Syndication)-Feed angeboten wird. Nur leider ist der für Feedreader und Browser nicht nur teilweise lesbar und validiert auch nicht. Das hat offenbar bis jetzt noch keiner der Verantwortlichen bemerkt.

Der Grund scheint zu sein, dass Sonderzeichen nicht in korrekte numerische Entitäten umgewandelt werden oder solche Textabschnitte nicht in CDATA (Character Data) eingebettet werden.

Der Dokumententyp

Die Festlegung auf den Dokumententyp XHTML Strict bedingt, dass ALIGN- zur Ausrichtung oder BORDER-Attribute in IMG-Tags nicht mehr erlaubt sind. Es liegt wohl am verwendeten Texteditor-Programm der Redakteure, dass die sowas dann trotzdem noch einfügen können. Und das genau passiert dann auf Artikelseiten.

Ist kein Beinbruch, aber die rechtsseitige Ausrichtung der Kontaktdaten der Autoren kann wohl über CSS auch geregelt werden. Oder der Dokumententyp wird auf Transitional gesetzt, dann wird so eine Seite auch vom Validator-Programm als gültig deklariert.

Vorbild für viele Behördenseiten

Alles in allem macht die offizielle Site des Burgenlandes Mut und Zuversicht, dass sich die konsequente Einhaltung von Webstandards und die nötige Ernsthaftigkeit dahinter, auch in unzähligen anderen Behörden in absehbarer Zeit durchsetzt.

Warum betten die Navigationslisten in das Element MAP?

Die Seiten lassen dann auch über so manche Kleinigkeiten und Rätsel hinwegsehen.

Zum Schluss frage ich mich noch, warum auf der gesamten Site nirgends zu finden ist, wer die eigentlich gemacht hat? Auf diversen miserablen Behördenseiten ranken naiv ungenierte Links zur unfähigen Agentur, die den Mist verbrochen hat und auf hervorragenden Seiten gibt es keinen einzigen Hinweis auf die Ersteller.

Dies lässt einen naheliegenden Schluss zu:

Das Schicksal von fähigen Angestellten in großen Organisationen

Ich vermute, dass die Site von MitarbeiterInnen des Landes erstellt wurde. Von Leuten, die sich in ihrer Freizeit weiterbilden und aus Leidenschaft dann solche Projekte in Angriff nehmen. Wahrscheinlich hat denen, wenn der Sachverhalt denn wirklich so ist, nicht einmal jemand Danke gesagt oder finanziell den zusätzlichen Aufwand entschädigt. Dann mache ich es jetzt:

Danke, für eine sinnvoll zu benutzende und standardkonforme Website einer österreichischen Behörde.

Abschnitt 1 von 1

Quellenverzeichnis

  1. burgenland.at – Offizielle Site des österreichischen Bundeslandes Burgenland

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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 4. August 2007 auf Relevanz geprüft.

Datum:
veröffentlicht am 04 August 2007, 21:47 MET.
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burgenland.at - macht Hoffnung auf behördliche standardkonforme Zukunft [hyperkontext | Weblog]
Kurz-URL:
http://hyperkontext.at/s/73
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