Buchrezension: Praxisleitfaden Enterprise 2.0

Samstag, 13 März 2010 17:08 MET

Thema:
Kommunikation, Empfehlungen, Bücher  
Stichworte:
, , ,  
 
Buchrezension: Praxisleitfaden Enterprise 2.0 [hyperkontext | Weblog]

Guter Wille und Leidenschaft ist wohl die Voraussetzung zum Enterprise 2.0. Das meint auch der Buchautor.

Der Buchtitel »Praxisleitfaden« wird seinem Anspruch gerecht. Besonders hervorzuheben ist der analytische Aufbau und die übersichtliche Form.

Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung für Entscheider.

Allerdings: Die Entdeckung, dass Enterprise 2.0 tatsächlich möglich ist, werden die meisten Manager-Karlis dann doch als ziemlich beunruhigend empfinden.

Guter Wille und Leidenschaft

Der Buchautor, Frank Schönefeld, ist für Technologie und Innovation der T-Systems Multimedia Solutions verantwortlich. Analytik und Übersichtlichkeit sind in seinem Werk nicht zu übersehen.

Das Buch schafft ein hervorragendes Ineinandergreifen aus Theorie, Beispielen und praktischen Anleitungen. Angefangen von der Frage, was eigentlich das so genannte Web2.0 ausmacht, der Definition verschiedener Erscheinungsformen, bis zur Erörterung von Netzwerkeffekten und Vorgehensmodellen.

In welchem Licht das Thema zu sehen ist und wieviele Organisationen einen Übergang zum Enterprise 2.0 letztendlich wirklich vollziehen werden, lässt sich an zwei Sätzen zum Schluss des Buches ablesen:

Was macht denn ein gutes Projektteam für die Einführung von Enterprise 2.0 aus? Nun, um es kurz zu machen, neben den klassischen Erfolgsfaktoren im Projektmanagement, vor allem eines: Leidenschaft. Seite 245

Realistisch betrachtet scheidet damit schon einmal die übewältigende Mehrheit von Organisationen aus.

Nun gut, das ist nicht das Thema. Der Autor geht nun mal davon aus, dass wir uns mit der Umsetzung zum »Unternehmen 2.0« beschäftigen.

Aufbau des Buches

Als ich überlegte, wie ich potentiellen Leserinnen das Buch näher bringen kann, fiel mir auf, dass vor jedem Kapitel sehr anschaulich die Fragen aufgeführt sind, welche darin beantwortet werden.

Nichts liegt also näher, diese Fragen hier als Übersicht aufzulisten. Ich wundere mich vielmehr, warum ich solch eine Aufstellung nicht schon anderswo zur Bewerbung dieses Buches gefunden habe.

  1. Das Enterprise 2.0 im digitalen Lebens- und Geschäftsraum
    • Welche grundlegende Veränderung hat sich in den letzten 15 Jahren für alle Unternehmen gleichermaßen ergeben?
    • Was ist der digitale Lebens- und Geschäftsraum?
    • Wie kann man diesen Raum quantitativ erfassen?
    • Wie ist es zu Web1.0, Web2.0 gekommen?
    • Wie wird diese Entwicklung weitergehen?
    Seite 1
  2. Vom Web 2.0 zum Enterprise 2.0
    • Welches sind die Erkennungsmuster (Pattern) zu Web2.0?
    • Wie kann Web2.0 die Hoheitsverhältnisse von Unternehmen beeinflussen?
    • Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen mit Web2.0?
    • Werden die Unternehmensgrenzen durch Web2.0 neu gezogen?
    • Was ist Technologiepopulismus und gibt es die Digital Natives wirklich?
    • Welche Anpassungs- und Gestaltungsnotwendigkeiten ergeben sich für Unternehmen?
    • Welches sind die Handlungsfelder des Enterprise2.0?
    • Was heißt es, ein Enterprise2.0 zu sein?
    Seite 31
  3. Soziale Software im Enterprise 2.0
    • Was ist soziale Software?
    • Was sind Wikis, Blogs, Social Networks, Social Bookmarks?
    • Was sind Feed, Tags, Mashups und Mikroblogs?
    • Wofür kann soziale Software im Unternehmen eingesetzt werden?
    • Was kostet soziale Software?
    • Welches sind die Wirkkategorien (der Zweck) sozialer Software?
    • Was ist das Wirkprinzip (das Geheimnis) sozialer Software?
    • Kann man soziale Software definieren?
    • Wird soziale Software Hierarchien im Unternehmen verändern?
    Seite 53
  4. Die Netzwerkeffekte im Enterprise 2.0
    • Was sind Netzwerkeffekte, worin besteht der Wert eines Netzwerks?
    • Wie hängen Netzwerkeffekte und Emergenz zusammen?
    • Wie hat sich der Begriff des Netzwerkeffektes weiterentwickelt?
    • Welche Netzwerkeffekte sind für soziale Netzwerke bekannt?
    • Wie können mit sozialer Software positive Netzwerkeffekte im Unternehmen geschaffen werden?
    Seite 91
  5. Die Wertversprechen des Enterprise 2.0
    • Was ist ein Wertversprechen für ein Unternehmen?
    • Welches sind die aktuellen Probleme
      • in der Nutzung von E-Mail?
      • in der Nutzung von Enterprise-Software?
      • in der Organisation von Zusammenarbeit?
      • im Projekt- und Wissensmanagement?
      • in der Ansprache junger, ambitionierter Mitarbeiter?
    • Welche Wertversprechen kann Enterprise2.0 dazu geben?
    • Welche Gefährdungen und Barrieren existieren für Enterprise2.0?
    • Wie hängen Wertversprechen und ROI zusammen?
    Seite 117
  6. Der Status quo von Enterprise 2.0
    • Wie groß ist der Veränderungseffekt durch Enterprise2.0?
    • Welche belastbaren Erkenntnisse liegen zu Enterprise2.0 vor?
    • Woher kommen die Fallstudien zu Enterprise2.0?
    • Gibt es allgemeine Anwendungsmuster für Enterprise2.0?
    • Welches sind Blueprints des Enterprise2.0?
    Seite 153
  7. Eine Referenzarchitektur für das Enterprise 2.0
    • Was ist eine Referenzarchitektur? Wobei kann sie mir helfen?
    • Was versteht man unter SLATES und FLATNESSES?
    • Welche Bausteine und welche Schnittstellen besitzt die Enterprise-2.0-Referenzarchitektur?
    • In welchem Kontext steht soziale Software im Unternehmen?
    • Wie ordnet sich die Referenzarchitektur in Intranet- und Internetkonzepte des Unternehmens ein?
    • Welche modifizierten Governance-Prinzipien gelten für das Enterprise2.0?
    • Wer ist für die Realisierung der Referenzarchitektur verantwortlich?
    • Welche Aufwände verursachen die Schritte zur Realisierung der Referenzarchitektur?
    Seite 175
  8. Ein Reifegradmodell für das Enterprise 2.0
    • Was ist ein Reifegradmodell?
    • Welches sind die Entwicklungsdimensionen und Reifegrade des Enterprise2.0?
    • Was ist ein partizipatives Unternehmen?
    • Welche Wettbewerbsvorteile sind entlang der Reifegrade gestaltbar?
    • Was können Fachabteilungen tun, um sich entlang der Reifegrade zu entwickeln?
    • Wie lange wird diese Entwicklung dauern?
    • Welche Faktoren beeinflussen die Dauer und Akzeptanz?
    Seite 203
  9. Ein Vorgehensmodell zur Etablierung von Enterprise 2.0
    • Was ist ein Vorgehensmodell? Wie wende ich es an?
    • Warum sollte man ein Vorgehensmodell verwenden?
    • Wie hängen Vorgehensmodell und Reifegradmodell zusammen?
    • Welche Phasen hat das Vorgehensmodell für Enterprise2.0?
    • Welche Input- Outputparameter werden für jede Phase benötigt?
    • Welche Aktionen sind in welcher Phase notwendig?
    • Welche Tools stehen für die einzelnen Phasen zur Verfügung?
    • Wie fließen die Erkenntnisse dieses Buches im Vorgehensmodell zusammen?
    Seite 227

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass der Autor all die aufgeworfenen Fragen auch wirklich behandelt.

Besonderheiten

Das Werk ist eine kompakte und doch detaillierte Darstellung des gesamten Umfeldes dieser Art von Projektumsetzung. Einzelheiten in dieser Rezension zu diskutieren gibt meiner Ansicht nach keinen Sinn.

Besonders hervorzuheben ist der analytische Aufbau und die übersichtliche Form, durchsetzt mit vielen Überschriften, Zusammenfassungen und Listen, unterlegt mit Abbildungen, Tabellen und Diagrammen.

Eine nüchterne, aber klare Schreibweise unterstützt ein zielgerichtetes Lesen dieser rund 260 Seiten. Selten ein Satz zu viel, kaum einer zu wenig.

Ein umfangreiches Glossar und erklärte Abkürzungen für die vielen Fachausdrücke und die praktische Linkliste auf Delicious – für alle Verweise aus diesem Buch – im Anhang, runden das Werk überlegt ab.

Eine Sache schneide ich noch an, welche die praxisnahen Ausführungen in diesem Buch allerdings in keiner Weise schmälern:

Der Sinn

Monopol­betriebe und Verwaltungen brauchen keine Version 2.0 ihres Modells?

Das Ziel, der Zweck sozialer Webanwendungen wird einige Male erwähnt und ist sehr im Einklang mit dem Zeitgeist: Effizienz und Wettbewerbsvorteile, weil sich die Produkte sowieso immer weniger von der Konkurrenz unterscheiden.

Damit wird offenbar gleich Sinn impliziert. Ich will das nun nicht weiter ausbreiten.

Mich überkommt aber zu oft die Ahnung, dass die Erklärungsmodelle zeitgeistiger Managementlehre an einer Leere enden. Die Verbindungen zu Sinn, Glück und Verantwortung werden einfach abgerissen und die Zuständigkeit an Unbekannt übergeben.

Fazit: Empfehlenswert für Entscheider

Uneingeschränkte Empfehlung für Entscheider, die sich dem Thema nicht nur annähern wollen, sondern konkrete Umsetzung überlegen und Handlungsanleitungen suchen.

Der Buchtitel »Praxisleitfaden« wird seinem Anspruch gerecht.

Viele Tabellen und Diagramme machen weniger geübten Lesern solcher Fachliteratur mitunter Angst. Anderen dienen sie zum besseren Verständnis.

Für manche beunruhigend

Noch ein Hinweis:
Das Buch geht durchgehend davon aus, dass der feste Wille von Seiten des Managements zur Einführung sozialer Webanwendungen im Unternehmen vorhanden ist. Denn wie der Buchautor in einem Interview sagt:

Die wesentlichen Voraussetzungen für einen solchen Übergang sehe ich primär in dem Vertrauen in die Mitarbeiter und dem Willen, diesen Weg wirklich gehen zu wollen. Zweiter Teil des Interviews mit Frank Schönefeld

Konkret heißt das, dem Horten von Informationen als Herrschaftsinstrument muss nicht nur vom Management klar entgegen getreten, sondern es muss auch selbst aufgegeben werden.

Frei nach Gary Hamel sollten wir an dieser Stelle hinzu schreiben:

Die Entdeckung, dass Enterprise 2.0 tatsächlich möglich ist, werden die meisten Manager-Karlis dann doch als ziemlich beunruhigend empfinden.

Deutlicher gesagt: Das Fußvolk darf sich hier mit rund € 40,– am Thema begeistern. Für die meisten bleibt aber auch in Zukunft das bewährte Motto, Gosch’n (Mund) halten und weitermachen wie bisher.

Abschnitt 1 von 1

Weiterführende Verweise zum Buch

Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 13. März 2010 auf Relevanz geprüft.

Daten zum Buch

Praxisleitfaden Enterprise 2.0
Basis­wissen zum erfolg­reichen Einsatz von Web 2.0 Technologien
ISBN-10:
3446418008
Autor(en):
Frank Schönefeld
Weitere Daten:
Fachbuchverlag Hanser, Oktober 2009

» mehr Bücher aus der Leseliste

Datum:
veröffentlicht am 13 März 2010, 17:08 MET.
Artikel:
Buchrezension: Praxisleitfaden Enterprise 2.0 [hyperkontext | Weblog]
(twittern)
Kurz-URL:
http://hyperkontext.at/s/251
Thema:
Kommunikation, Empfehlungen, Bücher 
Stichworte:
, , ,  
Kommentarfeed:
RSS 2.0

Ihre Meinung

Absätze und Umbrüche werden im Eingabefenster automatisch erkannt.
Wenn Sie mit HTML vertraut sind, dürfen Sie gerne auch folgende Elemente verwenden:

<a href=""></a> <strong></strong> <code></code> <blockquote></blockquote>.

In der Vorschau geben Sie bitte noch Ihren Namen und mögliche weitere Daten zu Ihrer Person an und es erscheint die Schaltfläche zum Speichern Ihres Kommentars.


Mögliche themenverwandte Artikel aus dem Weblog

Blättern (chronologisch)

älterer Artikel »
Februar 2010 im Kontext