Buchrezension: Little Boxes, Teil 1 (2. Auflage)
Freitag, 31 Juli 2009 23:05 MET
Webseiten gestalten mit HTML & CSS
Ohne HTML (HyperText Markup Language) gibt es kein CSS (Cascading Style Sheets). Diese einfache Erkenntnis schlägt sich im Buch durch einen vorgeschalteten Crashkurs in HTML nieder. Ansonsten geht es um eine praktische Einführung, vor allem, wie wir mit CSS robuste Layouts erstellen.
Für wen das Buch geschrieben ist
Die Erwartungshaltung zu diesem Buch spricht der Buchautor gleich auf der ersten Seite mit eigenen Worten an: Little Boxes ist als Wegweiser durch das CSS-Labyrinth gedacht und will nicht jede Blume am Wegesrand erklären
, um eine Seite weiter konkreter zu werden:
- Einsteiger, die ihre ersten Versuche hinter sich haben und mehr wissen wollen.
- Tabellenbauer, die gehört haben, dass es auch ohne geht, aber nicht wissen, wie.
- Webdesigner, die eine kompakte, strukturierte Einführung in CSS benötigen.
- Blogger, die das CSS in ihren Themes und Layouts verstehen und anpassen möchten.
- Programmierer, die ein mediengerechtes Frontend für ihre serverseitigen Skripte erstellen möchten.
Das Buch vermittelt Ihnen ein solides Grundwissen zu HTML und CSS, mit dessen Hilfe Sie die zahllosen Beispiele im Web und in anderen Büchern besser verstehen lernen. Seite 22
Der dritte Punkt müsste wohl angehender Webdesigner
heißen, ansonsten sehe ich die Zielgruppe wie vom Autor selbst beschrieben.
Wie wir das Buch verwenden können
Das Buch lässt sich auf zwei Arten verwenden:
- Lehrgang: Typische Anfängerfragen werden Schritt für Schritt aufgearbeitet und können an Hand einer Beispiel-Website gleich in die Praxis umgesetzt werden. Am Ende des Buches haben Sie gemeinsam mit dem Autor eine kleine Site erstellt.
- Nachschlagewerk: Wenn Sie etwas Vorwissen und konkrete Fragen haben (auch, indem Sie das Buch bereits wie in vorigem Punkt durchgearbeitet haben), können Sie praktisch an jeder Stelle einsteigen. So ist dieses Werk auch ein Nachschlageband, der nicht so schnell im Buchregal verstauben wird.
Es juckt manchmal in den Fingern, während der Lektüre die Hand zu heben und eine Zwischenfrage stellen zu wollen. Wenn wir doch nicht so ungeduldig wären, denn oft im nächsten Absatz, auf der nächsten Seite steht bereits was uns unklar war und wir verstehen dann auch, warum der Autor zum besseren Verständnis noch vorher etwas eingeschoben hat.
Wenn uns bewusst ist, dass der Buchautor seit vielen Jahren unterrichtet, was er da schreibt (siehe mein Interview mit Peter Müller), dann erklärt sich sein zielgerichteter Stil.
Fragen die beantwortet werden
- HTML ist keine Programmiersprache
- HTML ist keine Seitenbeschreibungssprache
- HTML dient nicht zum Gestalten von Webseiten
Seite 45
Das Buch beantwortet einige solcher Fragen wie die vorherige, die in manchen Werken schlicht vergessen werden, weil sie selbstverständlich scheinen.
Für Anfänger kann das fatale Folgen haben, wenn Zusammenhänge nie richtig verstanden werden. Der beste Beweis für solch mangelndes Verständnis zu HTML und seiner Funktion ist, dass ich bei so manchen Projekt-Heinis nicht erst ein Mal aus Verzweiflung meinen Kopf in meine ausgebreiteten Hände fallen ließ.
Positionierungen und die Erstellung von mehrspaltigen Layouts werden ab Seite 233 umfangreich auf rund 130 Seiten behandelt.
Da das Buch ja für Anfänger geschrieben wurde, wird richtigerweise bei einigen Problemlösungen nur ein Weg gezeigt, wo im zweiten Buch dieser Serie (siehe meine Rezension zu Little Boxes, Teil 2) genauer die Komplexität besprochen wird.
Eine kleine Berichtigung
Auf Seite 123 wird behauptet, der Internet Explorer bis inklusive Version 6 kennt die Eigenschaft dotted nicht. Das ist in dieser vereinfachten Erklärung leider falsch.
Hier das genaue Fehlverhalten:
-
Der
Internet Explorer
bis Version 5 kenntdottedüberhaupt nicht und stellt statt dessen eine durchgehende Linie dar. -
Version 5.5 und 6 stellen eine gepunktete Linie erst ab einer Mindestgröße von 2px beziehungsweise 2pt dar. Darunter wird
dottedso dargestellt, als wenn esdashedwäre.Wenn die Größe von
borderin em angegeben wird, hängt die Darstellung von der vererbten Schriftgröße ab. Eine Angabe von0.1emwird bei Schriftgrößesmallin diesen Browser-Versionen alsdasheddargestellt, bei Schriftgrößemediumhingegen aber als gepunktete Linie.
Dieser Einschub nur zur Vervollständigung und eine Lappalie in Zeiten wo endlich absehbar ist, dass diese alten IE-Versionen nun wirklich langsam endgültig aussterben.
Was Al Bundy mit HTML und Gregor Mendel mit CSS zu tun haben
Wie in allen seinen Büchern, spricht Peter Müller klare humorvolle Sprache. So zum Beispiel, wo er gerade dabei ist Beispiele von CSS-Klassen zu zeigen, darauf hinzuweisen, nicht in »Klassitis« zu verfallen:
[…] Klassen sind klasse, aber nicht die Grundlage der Gestaltung mit CSS. Falls Sie im HTML am liebsten jedes zweite Element mit einer Klasse versehen würden, sollten Sie sich vielleicht ab Seite 122 die verschachtelten Selektoren noch einmal genauer ansehen. Seite 127
Das ist in der Tat eine schnelle Verführung und oft angewendet: Alles mit Klassen zu versehen und Selektoren und Kaskade komplett zu vergessen. Es gibt sogar ganze Content-Management-Systeme, die jedes Element schon einmal vorsorglich mit einer Klasse versehen.
Kapitel 11 (ab Seite 219) beschäftigt sich dann noch ausführlich und eindrücklich mit dem DOM (Document Object Model) und der Kaskade von CSS. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Teil, der das Fundament festigt.
Mit Peter Müller wird auch solch ein Abschnitt nicht langweilig:
- Wir können nämlich ein HTML-Dokument auch
als schrecklich nette Familie mit diversen verwandtschaftlichen Beziehungen und Al Bundy in der Rolle des
verstehen.body - Und auch wenn wir
von den mendelschen Regeln aus dem Biologie-Unterricht nicht mehr viel wissen
, empfiehlt uns der Autor,die Vererbungslehre für CSS doch etwas genauer anzuschauen
.
Richtige Fragen stellen
Das Dilemma der immer weiter um sich greifenden gesellschaftlichen »digitalen Spaltung« beruht auch auf dem Missverständnis, digitale Verarbeitung wäre der verlängerte Arm aus Druck und Papier.
Der hilflose Umgang mit dem Web, die Verweigerung oder gar der Kampf dagegen, von großen Teilen der derzeitigen Entscheidungsträger, führt geradewegs in eine Art Kulturkampf.
Tatsache ist, es entsteht seit wenigen Jahren ein vollkommen neues Medium, das nur eine geringe Teilmenge aus althergebrachtem antizipiert.
Das Web ist eben nicht Papier hinter Glas.
Fragen ergeben sich normalerweise aber erst dann, wenn wir ein Problem erkennen. Wenn aber ein Missverständnis gar nicht erst als solches wahrgenommen wird, wird es auch keine Fragen geben oder die falschen.
Viele Anfänger stellen daher anfangs gar nicht die richtigen Fragen und ernten später oft enttäuschte Erwartung.
Peter Müller erklärt dieses Dilemma für angehende Webgestalter so:
Es klingt paradox, aber wenn Sie Webseiten gestalten wollen, müssen Sie zunächst aufhören, Webseiten gestalten zu wollen. Tao. Lassen Sie los. Sie haben keine Kontrolle über das Aussehen der Seite im Browser des Betrachters. Seite 30
Fazit: Für Einsteiger der ideale Begleiter
Da Sie das Buch Little Boxes, Teil 1 nicht nur als Lehrgang betrachten können, sondern auch als Nachschlagewerk, wird es auch nicht so schnell in Ihrem Buchregal verstauben. Vielmehr kann es ein wertvoller Begleiter werden.
Die Referenzkarte erleichtert das sofortige Auffinden von Seiten zu bestimmten CSS-Eigenschaften oder HTML-Elementen. Die beigelegte CD beinhaltet alle gedruckten Quelltexte, Videotrainings und die besprochenen Programme (zumindest als Testversion).
Einige Rezensenten bei Amazon verstehe ich nicht, wenn sie fehlende Details bemängeln.
Es ist was es ist
- Der hier besprochene Teil 1 ist eine Einführung in CSS. Daran vorgehängt ein Crashkurs in HTML, der – wie der Name schon sagt – die elementare Basis lehrt, ohne der Sie CSS sonst nie verstehen werden.
- Teil 1 ist der ideale Begleiter für Anfänger, da Sie praktisch an jeder Stelle einsteigen können. Und deswegen werden Sie in Ihrer Anfangszeit immer wieder auf das Buch zurückgreifen wollen.
Genau das bezweckt der Autor mit Teil 1 – Webseiten gestalten mit HTML & CSS, wenn er bereits auf der ersten Seite schreibt:
Sie sollten möglichst wenig Zeit mit dem Buch verbringen, und möglichst viel mit dem Erstellen von Webseiten. Seite 21
Ich persönlich halte die gesamte Buchreihe Little Boxes für eine hervorragende Einführungs- beziehungsweise Fachliteratur in lockerer deutscher Sprache zu Web-Publishing (Teil 0) und CSS (Teil 1 und 2).
Update (2009-10-17): Der Autor hat den hier besprochenen Teil nun auch im Web zugänglich gemacht – Little Boxes Teil 1 kostenlos online lesen.
- Abschnitt 1 von 1
Hinweis
Das vorliegende Buch habe ich als Rezensionsexemplar bekommen. Ich bedanke mich bei Peter Müller und Herrn Karnikowski vom Verlag.
Interne Verweise:
- Rezension: Little Boxes, Teil 2 (29. Januar 2008)
- Rezension: Little Boxes, Teil 0 (15. Dezember 2008)
- Mit Little Boxes Buchautor Peter M. Müller im Gespräch (23. Mai 2009)
Externe Verweise:
- Die wichtigsten Neuerungen in der 2. Auflage von Teil 1 [little-boxes.de]
- Leseproben und Inhaltsverzeichnisse (als PDF) zu allen Büchern der Serie [little-boxes.de]
- infotekten.de – Das Weblog vom Buchautor Peter Müller
Daten zum Buch
- Little Boxes, Teil 1 (2. Auflage)
- Webseiten gestalten mit HTML & CSS. Grundlagen.
- ISBN-10:
- 3827244749
- Autor(en):
- Peter Müller
- Weitere Daten:
- Markt und Technik, 2. Auflage, 9. Juli 2009
- Sonstige Infos:
- Website zur Buchserie, Blog des Autors.
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- Datum:
- veröffentlicht am 31 Juli 2009, 23:05 MET.
- Artikel:
- Buchrezension: Little Boxes, Teil 1 (2. Auflage) [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/218
- Thema:
- Webgestaltung, Empfehlungen, Bücher
- Stichworte:
- CSS, HTML, Little Boxes, Rezensionen
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