Buchrezension: Leitfaden Web-Usability

Freitag, 20 November 2009 17:46 MET

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Webgestaltung, Empfehlungen, Bücher  
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Buchrezension: Leitfaden Web-Usability [hyperkontext | Weblog]
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»Strategien, Werkzeuge und Tipps für mehr Benutzer­freund­lich­keit«, so der Untertitel, schärft vor allem unsere Augen für das Detail im Zusammenhang.

Die primäre Zielgruppe wird nach der Lektüre jedoch nach wie vor davon ausgehen, dass Webseiten so eine Art Pixelgemälde sind, in denen rumgeklickt wird.

Fazit: Ein empfehlenswertes Kompendium zu Fragen der visuellen Benutzbarkeit von Websites, aber auch eine Buchempfehlung mit Bauchweh!

Benutzerfreundlich – ein wichtiges Thema

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Sorgfalt in die Bedienbarkeit von Websites gelegt wird, obwohl diese 24 Stunden und sieben Tage in der Woche geöffnet haben, insbesondere im E-Commerce-Bereich.

Erstaunlich ist auch, wie beratungsresistent sich so manche Anbieter verhalten.

Der Buchautor – Frank Puscher – hat schon vor längerer Zeit einmal ein Buch zum Thema geschrieben und stellt im Vorwort des gegenständlichen nun fest:

Es vergeht kein Tag in meiner redaktionellen Praxis, an dem ich nicht über haarsträubende Usability-Fehler auf Webseiten stolpere. Das gilt leider heute noch ebenso wie vor sieben Jahren, als ich das erste deutsche Buch zum Thema schrieb. Seite 1

Angefangen mit dem Versuch der Definition des englischen Begriffes »Usability«, teilt der Autor seine weiteren Ausführungen in nachfolgende vier wesentliche Bereiche:

  1. Website-Usability
  2. Marketing-Usability
  3. E-Commerce-Usability
  4. Usability im zweiten Web (meint Web 2.0).

Anschließend werden die Methoden gängiger Tests besprochen, inklusive Checklisten, Vorbereitung und Arbeitshilfen.

Angereichert wird das Werk mit einem ausführlichen Interview mit Jakob Nielsen (ab Seite 29) und zwei kürzeren, mit jeweiligen Experten zum Thema Landing Pages (ab Seite 113) beziehungsweise der Auswahl zum richtigen Analyse-Tool (ab Seite 198).

Worum es geht

Leitfaden Web-Usability – Strategien, Werkzeuge und Tipps für mehr Benutzerfreundlichkeit schärft vor allem unsere Augen für das Detail im Zusammenhang. Das ist wohl auch der Sinn des Ansinnens. Und das gelingt dem Autor auch hervorragend.

Die Vielfalt der angesprochenen Bereiche erstaunt den Laien und wird auch Leute überraschen, die schon viele Jahre im Bereich Webgestaltung tätig sind.

Ob es sich nun um winzige Details in einem Formular handelt, um das »Gesetz der Nähe«, die Darstellung von Produkten oder die Relevanz von sogenannten Tagclouds: All das wird kurzweilig mit klarer, aber durchaus auch humoriger Sprache transportiert; phasenweise mit Ironie zerpflückt.

Nicht nur zur visuellen User-Experience gehört auch Text und Sprache. Der Autor erwähnt das Thema an mehreren Stellen und sieht gerade hier erhebliches Optimierungspotential:

Nur ganz wenige Site-Betreiber widmen sich explizit dieser Disziplin – und das ist ein fataler Fehler. Seite 151

Auch die Frage, wie Tests angelegt werden, welche Befragungsmethoden zu Erkenntnisgewinn führen und welche Testmöglichkeiten es überhaupt gibt, ist ein wesentlicher Teil des Buches. Übersichtliche Checklisten und Arbeitshilfen lassen diese Abschnitte auch zu einem wertvollen Handbuch werden.

Worum es nicht geht

Webgestalter finden hier keine Anleitungen zur technischen Umsetzung.

Das gesamte Werk fokussiert sich primär auf visuelle Benutzbarkeit und User-Experience.

Das ist auch gut so, denn die Leserinnen werden mehrheitlich wohl aus den Fächern Marketing, Werbung und Kommunikation sein.

Der Autor streift nur behutsam den Bereich technischer Komponenten, indem er zum Beispiel darauf aufmerksam macht, dass komplett auf Flash basierende Seiten oder PDF nicht gerade die beste User-Experience erzielen (Seite 19).

In Bezug auf Flash tätigt der Autor – der selbst schon einige Flash-Bücher schrieb und als Experte bezeichnet werden darf – eine eindeutige Ansage, die so manchem Agentur-Fuzzi zu denken geben sollte:

Die Flash-Umgebung ist zu offen und überfordert die meisten Gestalter. […] Nur die wenigsten Designer sind sich bewusst, dass in den schnöden Bausteinen der HTML-Formulare Mannjahre Erfahrung in Sachen Interfacedesign stecken. Seite 38

An anderer Stelle klingt die Warnung an zu technische Verspieltheit etwa so:

Die Tatsache, dass Benutzer eine Applikation laden können, bedeutet längst nicht, dass sie auch damit umzugehen verstehen. Seite 164

Auf zuletzt zitierter Seite werden dann auch einmal die Wörter »Webstandards« und »Barrierefreiheit« erwähnt. Gut und richtig. Ein Marketender oder Werbefuzzi hört diese Wörter aber vermutlich zum ersten Mal und wird wohl überhaupt nichts damit anfangen können. Geschweige denn, die Dimensionen richtig einordnen.

Zusammenhänge, die leider nicht erklärt werden.

Missverständnisse aufklären

Aus jahrelanger Erfahrung und Kommunikation weiß ich, wissen wir, dass die überwiegende Mehrheit die Mehrdimensionalität des Internets einfach noch nicht verstanden hat. Die Funktion von digital aufbereiteter Information daher gar nicht richtig einordnen kann und das Web noch immer als verlängerten Arm des Druckes sieht.

Der Autor klärt darüber nicht hinreichend auf und lässt damit wohl die meisten seiner Leserinnen in einer anachronistischen Vorstellung verharren.

Gerade in solch einem Buch wäre es angezeigt gewesen, diesem weit verbreiteten, fatalen Missverständnis ein Kapitel zu widmen.

Fazit: Empfehlung mit Bauchweh

Ein empfehlenswertes Kompendium zu Fragen der visuellen Benutzbarkeit von Websites. Das Buch gibt komprimierten Einblick in viele Stolperfallen der visuellen Benutzung von Webseiten, vorwiegend von Online-Shops.

Die vermittelten Erkenntnisse können allerdings erst dann richtig eingeordnet werden, wenn die Dimensionen des Mediums Internet verstanden wurden.

»Papier hinter Glas« prolongiert

Die optische Aufbereitung ist nur eine Art der Darstellung.

Die primäre Zielgruppe – Marketender, Kommunikations- und Werbefuzzis – wird nach der Lektüre jedoch nach wie vor davon ausgehen, dass Webseiten so eine Art Pixelgemälde sind, in denen rumgeklickt wird. Chance vertan – »Papier hinter Glas« prolongiert!

Mangel an Gebrauchstauglichkeit

Tippen Sie ellenlange URLs aus einem Buch ab?

Am Ende eines Abschnittes werden oft Hyperlinks aufgelistet. Der Autor (oder auch der Buchverlag) findet es nicht der Mühe wert, diese Hyperlinks an einer Stelle im Web vorzuhalten. Solch ein Online-Service (oder von mir aus eine beigelegte CD) zählt mittlerweile zum begleitenden Standard dieses Genres.

Es ist schon kurios, wenn eine gesamte Lektüre von Benutzer­freund­lich­keit handelt, aber die Total-User-Experience – um im Jargon zu bleiben – des Buches beschränkt wird.

Update 2010-02-17:
Web-Verweise im Buch sind nun auch als Hyperlinks vorhanden – näheres im Kommentar.

Dem Autor kann a posteriori – durch Erfahrung und Wahrnehmung gewonnenes Wissen – dieses Manko wohl nicht aus fehlender Sensibilisierung unterlaufen sein.

Alles in allem, eine Buchempfehlung mit Bauchweh!

Meine Empfehlung trotz Mangel begründe ich damit, dass das Buch wenig Konkurrenz im deutschsprachigen Raum hat und das Thema einfach zu urgent (dringlich) ist.

Abschnitt 1 von 1

Daten zum Buch

Leitfaden Web-Usability
Strategien, Werkzeuge und Tipps für mehr Benutzer­freundlichkeit
ISBN-10:
3898645819
Autor(en):
Frank Puscher
Weitere Daten:
Verlag dpunkt, 1. Auflage, Juli 2009

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Datum:
veröffentlicht am 20 November 2009, 17:46 MET.
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