Befreiung aus der Geiselhaft des IE6

Montag, 09 Juli 2007 01:05 MET

Thema:
Webgestaltung, Kommunikation  
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Screenshot einer Newsmeldung vom 28.8.2001
Bild: News vom 28.8.2001
Befreiung aus der Geiselhaft des IE6 [hyperkontext | Weblog]
Bezugnahme 1

Der IE6 (Internet Explorer 6) hielt Webgestalter jahrelang in erdrückender Geiselhaft.

In liebgewonnener Manier versuchen viele auch lange nach der Veröffentlichung der Version 7, Layouts in stundenlanger Kleinarbeit auf IE6 Niveau anzupassen. Schluss damit!

Mehr Öffentlichkeit für standardkonforme Entwicklungen

Es gibt keinen Stillstand. Auch in Entwicklung von standardkonformeren Ausgabegeräten. Menschen ändern aber oft nur etwas, wenn sie sich in Notsituationen befinden.

Solange Webgestalter versuchen, auch für museumsreife Ausgabeprogramme Layouts anzupassen und sich dem kleinsten gemeinsamen Nenner beugen, umso länger werden viele keinen Grund sehen ihre Software zu aktualisieren.

Also ich weiß nicht, kann man das nicht grafisch ansprechender gestalten? – blickt auf Bildschirm mit IE5 und abgespeckter CSS-Darstellung.

In der Softwarebranche ist es ganz selbstverständlich und allgemein anerkannt, dass veraltete Versionen eben nur mehr eingeschränkt oder gar nicht funktionieren. Warum bemühen sich Webgestalter aber ein Layout auch in einem sechs Jahre alten Programm (Internet Explorer 6) so aussehen zu lassen, wie in der letzten Version eines standardkonformen Browsers?

Ich sehe einen Zusammenhang mit dem niedrigen Stellenwert standardkonformer Webentwicklung und daraus resultierender Ignoranz. Auch seriöse Entwickler und Gestalter müssen sich über kurz oder lang der Meinung und des Unverständnisses von Auftraggebern anpassen – oder sich eine asketische Lebensweise angewöhnen.

Da quasi alles hinter der Bühne abläuft, sind weitreichende Zusammenhänge sehr schwer vermittelbar. Organisierte Public-Relations in Fachkreisen wäre notwendig um

  • Hintergründe und Zusammenhänge aufzuzeigen
  • die tatsächlichen Innovationen und Chancen klarzumachen
  • die Wichtigkeit standardkonformer Webentwicklung kontinuierlich zu transportieren
  • zu verdeutlichen, dass Entwicklung und Gestaltung hypermedialer Räume ein eigenständiger Zweig ist und viel mehr Verknüpfungen hat, als bloße visuelle Darstellung auf Bildschirmen

Solche Initiativen gibt es lobenswerter Weise schon (Webkrauts, Vorsprung durch Webstandards, nur um zwei aus dem deutschen Sprachraum zu nennen). Allerdings in viel zu kleinem Rahmen, in dem nur die Leute erreicht werden, die bereits eine Affinität zu dem Thema entwickelt haben. Das wäre doch mal eine sinnstiftende Aufgabe für eine große PR-Agentur, anstatt sich platt an die 2.0-Posse dranzuhängen.

So what

Auftraggeber und Benutzer müssen sichtbar mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es offensichtlich aktuellere Programme gibt, die ihre Seiten auch schöner darstellen.

Nicht zu vergessen, dass diese Programme allesamt kostenlos zur Verfügung stehen.

Ich sehe das so: Würden Desktop-Browser etwas kosten, würden die meisten Leute Updates geradezu einfordern!

Leute die keinen Wert auf die Aktualität ihrer Software legen, dürfen sich auch nicht über schlichte Seiten wundern. Noch dazu wird niemandem etwas vorenthalten, denn der Inhalt in standardkonformen Seiten ist immer zugänglich.

Ein humorvolles Beispiel

Screenshots von
Stuff and Nonsense

Screenshot: Seite in schwarz-weiß
Fahren kannst du natürlich auch mit dem einfachen Roller, aber cooler ist es doch mit dem modernen.
Screenshot: Seite in Farbe

Ein eindrucksvolles Beispiel liefert Andy Clarke auf der Website Stuff and Nonsense. Der Autor des Buches Transcending CSS (Rezension folgt in Kürze hier) zeigt Benutzern des Internet Explorers von Version 6 und darunter, eine schwarz-weiß Version seiner Site und in einer sehr ansprechenden Zeichenillustration von Kevin Cornell einen einfachen Motorroller, der sich in moderneren Browsern bunt und mit viel Zusatzausstattung präsentiert.

Es wird Zeit

Es wird Zeit, sich aus der optischen Geiselhaft des IE6 – von niedrigeren Versionen spreche ich ja gar nicht mehr – zu befreien.

Es wird Zeit, selbstbewusster ranzugehen und Auftraggebern und auf pixelgenaue Druckentwürfe fixierten Grafikern auch mal karzumachen, dass

  1. die optische Darstellung ihrer Seiten in Browsern der vorletzten Generation eben nicht perfekt aussehen wird oder gar nicht erscheint
  2. die Inhalte aber in jedem Fall vorhanden sind und damit nichts verloren geht
  3. eine Website – mit Ausnahme natürlich von explizit visuell deklarierten – keine optische Einweg-Darstellung, vergleichbar mit einem Hochglanzprospekt ist

Natürlich sei auch noch erwähnt, dass es viele Gründe geben kann, warum die Aktualisierung einer Software verzögert wird oder nicht stattfindet. Das ist aber kein Grund, Innovations-Schlampigkeit durch Webentwickler ausgleichen lassen zu wollen!

Abschnitt 1 von 1

Quellenverzeichnis

  1. Spotted the difference? (by Stuff and Nonsense)
  2. Was es heisst, ältere Browser zu unterstützen (Manuela Hoffmann auf CSSHilfe)
  3. Transcending CSS (Buch aus Leseliste)

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Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 16. September 2008 auf Relevanz geprüft.

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veröffentlicht am 09 Juli 2007, 01:05 MET.
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  1. Rezension: Transcending CSS vom 15. Juli 2007
  2. Warum der Internet Explorer für Webgestalter ein Albtraum ist vom 12. November 2008
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