August 2009 im Kontext

Dienstag, 08 September 2009 16:06 MET

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Foto: Radarschirm
August 2009 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Neben Kontrast und Lesbarkeit waren die wichtigsten Erkenntnisse zur Webgestaltung im August, dass ein neues Design kaum eine Sau interessiert.

30 Millionen hungernde Amis werden für den IE8 vorgeführt und eine kleine Anleitung, wie Sie mit der Spezies Manager-Karli umgehen sollten. Aber auch die Ausnahmen von der Regel.

Lizenz zum Abzocken: Kleine Ganoven haben in der Regel einen höheren Ehrenkodex als so manche Rechtsanwälte.

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  1. Webgestaltung im August 2009
  2. 30 Mio. hungernde Amis für IE8 vorgeführt
  3. Wer vertraut denn einem Karli
  4. Lizenz zum Abzocken

Webgestaltung im August 2009

Sommerloch ist vielleicht ein guter Ausdruck. In der Tat hielten sich im August interessante Fachbeiträge über Webgestaltung und -entwicklung im überschaubaren Rahmen.

The 5-Minute CSS Mobile Makeover [Jeff Starr] ist eine Anleitung zum Einbinden von Stylesheets für mobile Endgeräte. Die 5-Minuten-Angabe halte ich allerdings für schwer untertrieben.

HTML5 in Webdesigners Munde:

Lesbarkeit und Kontraste

Vor kurzem schrieb ich einen Beitrag zum optimalen Zeilenabstand auf Webseiten. Zwei Tage später veröffentlichte das Design Tagebuch mit einem Gastbeitrag die lesenswerte Aufbereitung einer Studie: Die gefühlte Lesbarkeit. Darin befindet sich auch ein Abschnitt zum Zeilenabstand.

Flankierend dazu noch vier Artikel aus dem August 2009, die sich mittelbar auch mit der Lesbarkeit und Zugänglichkeit beschäftigen:

Dein neues Design interessiert keine Sau

Für den Anfang nicht schlecht, aber das Logo ist zu klein

Der Kunde klärt den Webdesigner auf, das Logo würde einfach nicht so gut rüberkommen wie auf dem Hochglanzprospekt, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem web­gestalter­ischen Alltag, den Nils Pooker in einem Artikel auf Create or Die sehr gut verdichtet.

Am Ende wirbt er für das Erkennen der Realitäten, denn es hapert an den richtigen Prioritäten und an der Autorität:

Nicht nur die Hobbygrafiker, auch die auf Print fokussierten Profis sollten den Webdesigner endlich ernst nehmen und nicht als einen ausführenden Hilfsarbeiter am Ende der Kette betrachten. Logo: immer zu klein

Da werden wochenlange Eiertänze um das visuelle Erscheinungsbild gemacht, während sich zur selben Zeit noch niemand um Inhalte kümmert und mit den Möglichkeiten des Hypermediums auseinander setzt.

Viel zu oft werden Sites released, die eigentlich gar keine Inhalte haben oder die Inhalts­erstellung auf später verschoben wird.

Der Schein, die Verpackung – oft ohne Substanz und Inhalt –, ist ein erbärmlicher Ausdruck unserer Zeit.

Ich bin ein Freund von Klartext und habe das durchaus auch schon so kommuniziert, wie Siegfried Gipp in seinem Blog Rorkvell einen Artikel von Gerry McGovern kommentiert. In einprägsamem Deutsch tituliert er: Dein neues Webseiten-Design interessiert keine Sau – sehr wohl aber aktuelle Inhalte und die übersichtliche und zugängliche Erreichbarkeit dieser!

30 Mio. hungernde Amis für IE8 vorgeführt

Die folgende Geschichte ist eigentlich zynisch und viele merken es nicht einmal mehr. Manche beklatschen die Aktion sogar noch als gutes Werk.

Hier werden Dinge verknüpft, die ich einfach nur mehr als zynischen PR-Gag bezeichne.

Laut Feeding America leiden rund 12% der Einwohner der USA an Hunger. Das ergibt über den Daumen gerechnet so 30 Millionen Menschen.

Wir schreiben das Jahr 2009! Von einer Kranken­versicherung reden wir da noch gar nicht.

Wenn ich den Internet Explorer 8 herunterlade, spendiert der weltweit führende Hersteller virtueller Fenster acht Mahlzeiten für hungernde Amerikaner: Continuing to Help Fight Hunger with Browser for the Better Campaign.

Wenn ich damit gar von IE6 auf IE8 aktualisiere, dann zieht das Unternehmen die Überzieh-Spendierhose an und verdoppelt auf 16 Mahlzeiten!

Die Geschichte des Internet Explorer ist eine Tragikomödie. Dieser zynische Aktionismus erweitert sie um einen tragischen Akt.

Als Verantwortlicher eines Unternehmens dieser Größe aus den USA würde ich gegen diesen beschämenden Zustand im eigenen Land die an Hunger leidenden Menschen nicht noch für einen PR-Gag vorführen.

Was kommt als nächstes? Vielleicht für das Runterladen von Grafiken eine Decke an Obdachlose? Motto: Warming America?

Wahrscheinlich verstehe ich als Europäer die Mentalität der Amis nicht genug und ich will mich da auch nicht weiter einmischen.

Eine Abwrackprämie für den IE6 würde wenigstens nur auf die unmittelbaren wirtschaftlichen Aspekte zielen.

Wer vertraut denn einem Karli

Es gibt wohl nicht mehr viele, die einem Karli Manager vertrauen. Diese Gattung ist narzisstisch, raffgierig und menschenverachtend. Karlis sind auch für äußerste Brutalität untereinander bekannt. Es ist ratsam, zu Manager-Karlis einen Sicherheitsabstand zu wahren und sie so weit als möglich zu ignorieren.

Im August 2009 taucht wieder eine dieser Schriften auf, die eine einfache Erkenntnis den Karlis näherbringen will: Wer vertraut, ist klar im Vorteil [business-wissen.de].

Dieses Pamphlet liest sich zwar ganz toll, ist aber kaum praxistauglich. Einige Eigenschaften dieser gemeinen Manager-Gattung werden gar nicht berücksichtigt: Einfältigkeit, Arroganz und oft auch der Arschloch-Faktor.

Was also tun, wenn Sie mit dieser Spezies zu tun haben?

So ein Karli tut sich ja schon schwer, Vertrauen und Rück­sichts­losig­keit überhaupt von einander zu unterscheiden.

Bringen Sie für diese bedauerns­werte Psyche etwas Verständnis auf und beherzigen Sie folgende Punkte:

  1. Vertrauen beruht zuerst auf Vorschuss und dann auf Gegenseitigkeit. Karlis sind aber in der Regel darauf aus, Sie auszubeuten. Was anderes haben sie nicht gelernt.
  2. Karlis operieren nur zwischen zwei Parametern: Geld und alles was die eigene Person betrifft.
  3. Versuchen Sie nie, einem Karli etwas zu erklären. Es ist verschwendete Zeit. Zuhören ist bestenfalls gespielt und meist antrainiert. Für Interesse fehlt einfach die soziale, für Empathie die mentale Kompetenz.
  4. Denken, arbeiten und etwas bewerkstelligen, müssen sowieso Sie. Karlis können das selten; sie reden nur viel oder gar nichts.
  5. Karlis betrachten Sie wie eine Maschine, die nach ihrem Gutdünken ausgestauscht und manipuliert werden kann. Damit wird klar, warum Karlis einfach nicht mit Ihnen kommunizieren.
  6. Wenn Karlis Sie einlullen wollen, dann schmeißen sie bei Ihnen ein paar Münzen mehr ein und erwarten eine zusätzliche Dosis.
  7. Oft treten Karlis auch einfach gegen Sie und hoffen, dass dann eine unbezahlte Dosis aus Ihnen rausblubbert.
  8. Wenn Karlis Sie nicht mehr mögen, dann schmeißen sie keine Münzen mehr ein und lassen Sie in der Ecke stehen. Manchmal kriegen Sie im Vorbeigehen noch einen Fußtritt ab und über kurz oder lang wird der Entrümpelungsdienst (Denglisch: Consulter) verständigt.

Fazit: Vertrauen Sie niemals einem Manager-Karli! Erst wenn er Ihnen Vertrauensvorschuss gibt, können Sie das mit Gegenseitigkeit erwidern.

Kein Interesse, keine Kompetenz

In a way, most business conversations are like dark matter, schreibt Oscar Berg im August, und dann weiter:

Social software and the use of tools such as wikis, blogs and micro-blogs in a business context help to make potentially important business conversations visible and thereby possible to analyze and learn from. The Dark Matter of the Business Universe

Der Durchschnittskarli befasst sich lieber damit, Internet-Seiten vor Mitarbeitern sperren oder den Stromverbrauch zum Aufladen eines Handys berechnen zu lassen, um fristlose Kündigungen auszusprechen: Wer Handy-Aufladen zum Thema macht, statt echte Lecks zu finden [Claudia Tödtmann, HandelsblattManagement-Blog].

Dass Angestellte am Wertschöpfungsprozess wesentlichen Anteil haben und nicht bloß ein buchhalterischer Kostenfaktor, spricht sich auch erst langsam herum. Deswegen ist auch der Text von Leander Wattig für Karlis vermutlich unverständlich: Mitarbeiter als Chance für Unternehmens-Websites.

Bereit oder nicht, es kommt

Dabei ist die Frage schon längst beantwortet: Unternehmen kommunizieren in Social Media. Dabei ist es ganz egal, ob sie sich dafür entschieden haben oder nicht. Der erste Schritt – Corporate Social Media Governance

Eine noch schwierigere Lektüre für Karli Manager findet sich im August beim PR-Blogger: Der Online-Dialog – Versuch einer Definition.

Ein echter Manager-Karli schert sich nicht um Definitionen. 25 Prozent von unlängst befragten Karlis würden auch glatt alles mit dem Wort »Social-Media« einfach ihrem IT-Administrator übertragen, obwohl sie gar nicht verstehen worum es geht.

Kein Wunder, wenn Studien mit dem Titel Entscheidern fehlt Webkompetenz auftauchen.

Jakob Nielsen sieht denn die Sache mittlerweile auch ziemlich pragmatisch, wenn er meint, Ready or Not, Here Comes Enterprise 2.0.

Da wir uns in einem offenen, turbulenten Wandel befinden geht es in den Unternehmen darum, die Selbst­orga­ni­sations­poten­ziale zu erschließen und zu nutzen – mit dieser Aussage steuerte Robert Freund dann noch den wissenschaftlichen Kontext im August bei: Wandel ist nicht gleich Wandel: Sicherer Wandel, abschätzbarer Wandel, offener Wandel.

Die Ausnahmen von der Regel

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass das Weberlebnis alleine von kurzfristigen Erfahrungen geprägt wird, ist die Loyalität zu einer Marke ein bleibender Wert, den auch das Web zu festigen vermag. Markenführung im Web: Interaktionspunkte, die Schnittstellen zur Marke

Das Versandhaus Otto scheint den vorherigen Satz konsequent umzusetzen. Dominik Bernauer zeigt im Multimediablog in einer detaillierten Artikelserie, wie Otto mittlerweile via Twitter eine sehr fruchtbare Kommunikation aufbaut:

Hier zum ersten Teil der Serie: Unternehmenskommunikation mit Twitter bei Otto.

Wie das nun intern bei Otto abläuft ist natürlich eine andere Frage. Das folgende Beispiel ist interessant, welches Florian Ranner [Grenzpfosten] am Unternehmen Netflix zeigt, die ihre Unternehmenskultur im Detail veröffentlichten:

Meine Einschränkung, welche ich auch als Kommentator dort artikulierte: Nicht von PowerPoint Bullshit-Bingo blenden lassen.

Lizenz zum Abzocken

Offenbar sehen so manche Rechtsanwälte in ihrer Zulassung eine Lizenz zum Abzocken. Manche agieren gar nicht mehr im Auftrag, sondern schaffen sich ihr eigenes Geschäftsmodell. Was rechtlich machbar ist, wird einfach gemacht.

Kleine Ganoven haben in der Regel einen höheren Ehrenkodex.

Da wird im Internet nach gebräuchlichen Wortkreationen gesucht, die anschließend patentiert werden.

Gleich nach der Widerspruchsfrist geht es dann los. Die Betreiber der Websites, auf denen ursprünglich diese Wörter gefunden wurden, werden kostenpflichtig abgemahnt.

Alexandra Grassler hat es nun auch erwischt und sie erzählt ihre Geschichte hier genauer: Wie man mit Abmahnungen Geld verdienen kann.

Ein dubioses Geschäftsmodell, das ganz offenkundig nur dem Zweck der Geldeintreibung dient.

Abschnitt 1 von 1

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veröffentlicht am 08 September 2009, 16:06 MET.
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