August 2008 im Kontext

Dienstag, 02 September 2008 22:36 MET

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Foto: Radarschirm
August 2008 im Kontext [hyperkontext | Weblog]

Videos zugänglich machen für bisher ausgeschlossene Gruppen von Menschen, war ein hauptsächliches Thema der Accessibility-Szene. Die globale Intranet-Sau wird auch wieder durchs Dorf getrieben.

Innovation braucht Konflikte, statt heuchlerischer Harmonie. Viele übertreiben es mit Web2.0 und haben Angst, etwas zu versäumen. Derweil übt sich die derzeitige Generation von Managern in der Ignoranz, nichts zu vermissen.

Abschnitte

  1. Webstandards, zugängliche Videos, CSS, IE8 und Usability
  2. Innovation und Unternehmen: Wikis, Web- und Intranet2.0

Webstandards und Barrierefreiheit

Zugängliche Videos

Über Laura's Notebook stieß ich auf eine Ankündigung von YouTube für ein neues Feature: New Captions Feature For Videos. Ab nun können also Videos untertitelt und textlich beschrieben werden.

Diese Komponente wird meiner Einschätzung nach vor allem deswegen integriert, um Suchmaschinen nun endlich eine effektive Möglichkeit zur Indizierung zu geben. Denn wie ich schon öfters erwähnt hatte, im interaktiven Rausch vergessen die meisten (Site-Betreiber), dass Search-Engines nach wie vor (und bis auf weiteres) auf Text angewiesen sind, um Inhalte erfassen zu können.

Der schöne Nebeneffekt davon ist natürlich, dass die Videos damit auch für bisher ausgeschlossene Gruppen von Menschen zugänglicher werden (könnten). Bleibt nämlich abzuwarten, wie viele Uploader diese Möglichkeit auch nutzen – ich bin skeptisch.

Der barrierefreie Zugang zu Videos war offenbar ein Thema des Monats August.

Vor ein paar Tagen war das auch Thema des monatlichen Stammtisches von Accessible-Media in Wien und auch ich persönlich anwesend.

Edith Vosta hielt einen sehr interessanten Vortrag mit anschließender Diskussion über die barrierefreie Implementierung von Videos. Die vorgetragenen Folien stellt sie freundlicherweise auch im Web zur Verfügung: Barrierefreies Web Design - Multimedia.

Eine Zusammenfassung gibt es von Markus Ladstätter auf BIZEPS: 12. Accessibility-Stammtisch: Ein Rückblick.

CSS (3)

Ich habe einmal über den Einsatz der CSS3 Pseudo-Klasse geschrieben, welche auch schon jetzt Anwendungsmöglichkeiten hat: Pseudoklasse :target in CSS-3. In diesem Zusammenhang verwendete ich auch die Pseudoklasse :not.

Kilian Valkhof zeigt uns noch einige erstaunliche Möglichkeiten die sich mit :not(X) eröffnen: The CSS3 :not() selector.

Wie wir Wasserzeichen für gedruckte Webseiten sehr einfach mit CSS (Cascading Style Sheets) erzeugen können, erklärt und zeigt Andy Pemberton: Print Watermarks with CSS.

Dieses Buch habe ich noch nicht gelesen und deswegen die Rezension: CSS-Design - Die Tutorials für Einsteiger mit Interesse verschlungen. Diese exzellente Beschreibung ist eine Gemeinschaftsarbeit von Dirk Jesse und Peter Müller und lässt an Information über das Werk kaum etwas vermissen.

Danke. Es gäbe nur einen Grund nach persönlicher Lektüre auch eine Rezension zu schreiben: Wenn ich nämlich komplett konträrer Meinung wäre.

Tragikomödie Internet Explorer

Zweite Beta der achten Inkarnation der großen Internet-Pest beschreibt Peter Kröner sehr treffend die Veröffentlichung der zweiten Beta des kommenden Internet Explorer 8. Daran schließen sich bis jetzt 65 Kommentare. Warum bekommt dieses Ding (ich meine den IE und nicht Peter's Blog) eigentlich immer so viel Aufmerksamkeit?

Die Komödie

Der IE8 wird alle Spezifikationen von CSS 2.1 in der Endfassung wohl erfüllen. Mittlerweile unterstützen aber schon fast alle modernen Browser den – zwar noch nicht verabschiedeten, aber quasi in den offiziellen Startlöchern stehenden – CSS3 Standard in großen Teilen.

Dann ist der IE8 wieder um zwei Jahre zurück und braucht bei jedem Layout Sonderbehandlung.

Die Tragik

Der IE wird zu einer nie endenden Tragikomödie. Peter schiebt ein paar Tage später den tragischen Teil – fast ohne Worte – aus Sicht des Webentwicklers nach: Spaßfaktor. Sehenswert!

Usability

Ein Beitrag auf dem Seibert/Media Weblog fiel mir auf, der sich mit einer Studie (aus dem Jahr 2005) zur Usability für ältere Menschen beschäftigt: Usability-Spezifika für Senioren: Was Silversurfer von Websites erwarten.

Zu den Anforderungen an Hyperlinks heißt es dort:

  • Bereits angeklickte Links als solche kennzeichnen.
  • Links verständliche Titel geben und Links, die auf unterschiedliche Seiten verweisen, nicht denselben Titel zuweisen.
  • Auflistungen als Aufzählungen darstellen und nicht in engen Rastern.

Nun, das mit der benutzerfreundlichen Kennzeichnung von Verweisen im Web ist keine Neuigkeit.

Cameron Moll stellte aber am 31. Juli ein verzwicktes Beispiel zur Diskussion: Welche Wörter im gezeigten Kontext nun als Hyperlink markiert werden sollten. Bis zum 31. August liefen schon 279 Kommentare auf. Das Beispiel ist interessant und vielleicht wollen Sie sich ja auch noch mit einer Meinung beteiligen: Linkification.

Für Journalisten sind Überschriften wichtig …

Screenshot vom Kopf des Zeitungsartikels

… dachte ich.

Gute Überschriften

Auf Condomunity findet sich ein umfassender und hervorragend recherchierter Artikel zum Thema Überschriften. Angefangen von den Gründen für gute Überschriften, über Typografie und Inspirationen, bis zum umfangreichen Quellenverzeichnis: How to Get Half a Million People to Visit Your Blog.

Jack Pickard macht in Undefined Headline auf den Lapsus eines Online-Journalisten aufmerksam, der die Überschrift in seinem Artikel schlicht vergessen hatte und das CMS Undefined Headline als Ersatz dafür schreibt. Das war am 5. August 2008.

Nun, dieser Lapsus findet sich zumindest am 2. September 2008 immer noch. Es gibt zwar den selben Artikel mit der richtigen Überschrift mittlerweile mit anderer Adresse auch, aber niemand in der Redaktion scheint daran interessiert zu sein den falschen Artikel zu löschen.

Die globale Intranet-Sau wird wieder durchs Dorf getrieben

Die folgenden Artikel versuchen allesamt vorsichtig zu differenzieren, dass es die globale, eierlegende Wollmilch-Intranet-Sau nicht gibt. Und schon gar nicht die massiv beworbene eines sehr großen Software-Herstellers.

Ein Aspekt kommt aus Sicht des Webgestalters hinzu: Das Ding strotzt vor unglaublich steinzeitlichem HTML.

Sauber getrennte HTML-CSS Architektur ist fast unmöglich. Die Optionen zur Anpassung, sowohl im Code, als auch von der Informationsstruktur, sind so beschränkt oder kompliziert, dass auch schon Cameron Moll vor längerer Zeit festgestellt hat: Avoid it like the plague.

Soziales Intra-Web

Manager mit mangelnder Online-Affinität suchen fälschlicherweise nur nach Software-Produkten, wenn sie von Intranet reden. Software die installiert wird und dann ein bilanzierbares Ergebnis liefert. Sie verstehen nicht – oder wollen nicht verstehen –, um was es eigentlich geht.

The lesson here might be not to wait for the perfect CMS to come along, but instead to focus on content quality and cleanup to improve information discovery. Nancy Goebel, Highlights from Intranet Week 2008

Und auf contentmanager.de wird ein Artikel aus der Zeitschrift Wissensmanagement aus dem Jahr 2007 im August 2008 veröffentlicht, der damit aber nichts an Aktualität eingebüßt hat: Corporate Web 2.0 - eine Herausforderung für Unternehmen.

Die Postmoderne und das Web 2.0

es ist nun schon mehr als zwanzig Jahre her [dass Christian das Buch gelesen hat], aber wenn man in Lyotards Buch liest, glaubt man phasenweise, es ist vom Web2.0 die Rede. Christian Henner-Fehr, Lost in Space oder was die Postmoderne mit dem Web2.0 zu tun hat

Die Angst, etwas zu versäumen

Fantastisch! Christian [Kulturmanagement Blog] verdichtet dieses Phänomen in seinem Beitrag, welches offenbar eine ureigenste Eigenschaft des Menschen ist.

Es braucht wohl mehr den Kurator und nicht den Aggregator – anspielend auf die schier unüberschaubare Menge an Werkzeugen und Plattformen zur Aggregation, Sortierung und Einteilung von Informationen – schreibt Christian Henner-Fehr und schließt seinen Beitrag mit den Worten, kein Tool dieser Welt wird jemals in der Lage sein, für jeden von uns die Informationen dieser Welt umfassend aufzubereiten.

Hierzu passt gleich ein Blog-Eintrag von Leo Babauta [zenhabits.net, via Alexander Greisle], in dem er zwölf Regeln für heutige Arbeitsweisen aufstellt. While the old way of thinking said that we should Get Things Done, that’s just not possible anymore, meint er in seiner achten Regel. Und anschließend in der letzten:

Today, more and more people are realizing that when you constantly switch between tasks, you get very little done. […] Instead, simplify, identify the essential, and learn to focus on one task at a time. Leo Babauta, 12 New Rules of Working You Should Embrace Today

Es ist wohl eine Art Lernkurve und eine Frage der Zeit, wie Alexander Greisle [work.innovation] meint: Dann haben wir den Umgang mit den Zeitschriften gelernt.

Die Ignoranz, nichts zu vermissen

Die Angst, etwas zu versäumen hat die derzeitige Generation von Managern wohl nicht.

Frank Hamm [injelea.de] holt in einem bissigen Artikel (wie er selbst meint) zu einem kleinen Rundumschlag aus und wirft Führungskräften unter anderem vor:

  • Mangelnde Online-Affinität gepaart mit historisch gewachsener Printorientierung.
  • Fokussierung auf monetär-quantitative Bewertungsverfahren.
  • Monokausales Denken.

Ich kann mich dem mit heftigem Nicken nur anschließen und verweise auf den gesamten Beitrag: Rundumschlag: Social Networking, Online, Facebook, War for Talents, Banken.

Die Zufriedenheit der Anwender im Unternehmen wird in dem Maß weiter sinken, wie der Anteil der digitalen Generation an der Belegschaft zunimmt, konstatiert das CIO-Magazin in einem Artikel über eine Gartner-Studie: Anwender frustriert über zu langsame IT-Abteilungen.

Auch hier spielt offenbar die mangelnde Online-Affinität der Führungskräfte in IT-Abteilungen mit, die an anachronistischen Systemen festhalten, deren Interaktion sich auf Eingabeformulare beschränken, die den Charme einer Steuererklärung ausstrahlen.

Innovation braucht Konflikte

Heuchlerische Harmonie ist ja nicht unbedingt die Grundlage für innovative Prozesse. Hierzu habe ich ja schon in meinem letzten Monatsrückblick auf interessante Beiträge hingewiesen.

Als Unterstützung für kreative Teams startete übrigens eine neue deutschsprachige – auch wenn der Titel anderes vermuten lässt – Plattform: Let's Brain - gemeinsam mehr Ideen.

Wikis sind auch nicht zwingend harmonische Instrumente.

Wikimania?

Derzeit nehmen Artikel über Einsatz- und Nutzungsmöglichkeiten von Wikis geradezu inflationäre Ausmaße an. Ich blicke da schon kaum mehr durch, aber vielleicht ist ja das ein oder andere für meine LeserInnen dabei:

Und sonst so im August

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Datum:
veröffentlicht am 02 September 2008, 22:36 MET.
Artikel:
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