Asoziale Manager machen kein soziales Intranet 2.0
Donnerstag, 22 November 2007 09:14 MET
Stephan Schillerwein hat freundlicherweise einen seiner Artikel, der in der schweizerischen Netzwoche (Druckausgabe) erschienen ist, vor kurzem als PDF (Portable Document Format) via ECM-World zur Verfügung gestellt.
Lesebefehl: Schlüssige Strategien für das Intranet 2.0.
Er beschreibt auf einer Druckseite kurz und bündig all die Fallstricke auf dem Weg zu einem kollaborativen Intranet und die langfristige Ausrichtung, die deutlich weiter in die Zukunft blickt als bis zu einer
(Schillerwein). Versionsnummer 2.0
Bei der Lektüre des hervorragenden Artikels fiel mir dann sehr schnell eine Schlussfolgerung ein:
Realistisch können wir davon ausgehen, dass die wenigsten Unternehmen – mit über 100 Mitarbeiterinnen – einen geplanten strategischen Weg zu einem Intranet 2.0 suchen und erfolgreich umsetzen werden.
Es wird von den Fallstricken gesprochen, die oft am nebulosen Ausdruck der Unternehmenskultur
festgemacht werden. Manchmal wird auch von Mitarbeitern 1.0 gesprochen, wenn es denn doch konkreter wird.
Warum spricht kaum jemand von den Managern 1.0?
Nun, viele denken es wahrscheinlich, aber können und wollen es nicht so konkret schreiben, weil sie entweder ihre Kunden damit beleidigen würden oder sich ihren Berufsweg nicht versauern wollen.
Reden wir doch einmal von den Managern 1.0
Egozentrische, unflexible und asoziale Manager und Führungskräfte, welche steinzeitliche Grabenkämpfe führen und ständig Kontrollverlust fürchten, stehen in diametralem Gegensatz zu kooperativem Umgang, flexiblem Denken und Handeln, das sich in sozialen Web-Komponenten festigt und vertieft.
Solche Leute verfestigen nur das Kriechertum
, verhindern Wissensteilung, beschränken ihre eigenen Potentiale, die ihrer Mitarbeiter und die des Unternehmens. Letztendlich fahren sie den Karren sehenden Auges gegen die Wand (zumindest für die Mitarbeiterinnen).
Um es also unmissverständlich auszudrücken:
Soziale Intra-Web-Komponenten sind mit asozialen Führungskräften nicht möglich.
Halbgares Intranet 1.1
Unter solchen Bedingungen werden höchstens punktuelle kleinräumige Silos entstehen. Das eigentliche Potential einer kollaborativen (internen) Web-Umgebung wird sich nie entfalten und für die Internet-Analphabeten das Rekursiv-Argument der Fehlinvestition (wir haben es ja gewusst
) liefern.
Auch hier macht sich bereits die von mir oft erwähnte digitale Spaltung der Gesellschaft bemerkbar. Ein dringender Upgrade-Bedarf und jede Menge Bug-Fixes zur Führungskraft 2.0 liegen also auf dem Weg zum Intra-Web 2.0.
Wenden wir uns daher den Folgeerscheinungen zu:
Mitarbeiter basteln sich selbst ein Intranet 2.0beta
Das ist allerdings der Weg mit den unangenehmen Stolpersteinen, die sehr konkret absehbar sind und bereits jetzt schon Beispiele liefern.
Es gibt genügend Organisationen und Unternehmen, in denen Mitarbeiter mittlerweile keine Gefühlsregungen mehr zeigen und denen – volkstümlich ausgedrückt – alles am Allerwertesten abgleitet. Nobel umschrieben wird dieser Zustand mit innerer Kündigung
, Demotivation
, Boreout
, Burnout
, Depression
, Desinteresse
, mangelnder Teamfähigkeit
und was den Experten
sonst noch so alles hierzu einfällt. Dies soll aber nicht das Thema dieses Beitrages sein.
Es gibt nämlich auch durchaus motivierte Gruppen in erklecklicher Anzahl, die – nach mehrmaligen erfolglosen Anläufen beim Management – geheime
Kommunikations- und Wissensplattformen via Weblogs, Wikis, Lesezeichen-Listen mit selbst installierten RSS-Readern aufgebaut haben. Teils auf privaten Servern und Rechnern, teils auf Firmenrechnern und oft auf öffentlichen Plattformen.
Selbstverständlich entstehen damit wiederum Wissensinseln. Synergiepotenzial und gruppenübergreifende Kooperation im Unternehmenskontext bleibt sehr eingeschränkt.
Vermeidbare Risiken sind die Folge
Nun kommt es darauf an, mit welchen Komponenten und mit welchem technischen Wissen solche (intra-inoffiziellen) Netzwerke aufgebaut werden.
Wir können uns vorstellen, dass
intra
undinter
auf diesem Wege (ungewollt) schnell verschwimmt.- weniger technikaffine Leute, aber web-begeistert, unbedacht auf die Angebote der unzählig vorhandenen offenen Plattformen zugreifen und trotzdem sehr freizügig wirklich firmeninternes ausgetauscht wird.
- es allein durch mangelndes technisches Verständnis zu Missverständnissen in der Wirkungsweise und Handhabung dieser offenen Komponenten kommt und dadurch vermeintlich gruppeninterner Austausch auch öffentlich stattfindet.
- auch selbstinstallierte Komponenten mit sehr bekannter Software durch laienhafte Installation oder nicht stattfindende Aktualisierungen ein Fressen für Exploits sind, die von jedem Script-Kiddy bedient werden können.
- es mit zunehmender Menge und dem Wissen um solch geartete
interne
Netzwerke, auch organisiertes (kriminelles) Suchen danach gibt. Von welchen Leuten auch immer.
Diese Risiken sind die Folge von unflexiblen, ignoranten Führungskräften, die Motivation und Selbstorganisation am Altar starrer Prozesse und Strategien opfern.
Dann sind sie aufgewacht, die Manager 1.0
Es werden die Momente kommen, bei denen die Manager 1.0 mit den Folgen dieser Ignoranz auf unangenehme Weise konfrontiert werden. Blinder Aktionismus in Form von noch mehr Pamphleten, Richtlinien und Verboten wird dann die Reaktion sein.
Nach dem ersten Schock, was sich in ihrem Unternehmen ganz ohne Strategiepapier und hinter ihrem Rücken entwickelt hat, werden sich aber dann doch einige an einen bekannten Spruch des Industriezeitalters erinnern:
If you can't beat it, join it.
Vielleicht beginnen sich die 1.0er dann langsam zu aktualisieren. Bloggen und Podcasten was das Zeug hält und träumen von einem ergiebigen Unternehmens-Wiki. Und langsam entdecken sie, dass Wissensteilung, Kooperation und glückliche Mitarbeiter ungeahnte Potentiale freisetzen, die sie nie für möglich gehalten hätten. Thanks for joining us.
Naja, …genug geträumt von Managern 2.0.
- Abschnitt 1 von 1
Quellenverzeichnis
- Schlüssige Strategien für das Intranet 2.0 [Stephan Schillerwein auf ECM-World] – von dort der Link zum PDF des Artikels für die Netzwoche
- Mit dem Intranet 2.0 auf dem Weg zur internen Kommunikation im Web 2.0 Zeitalter [ECM-World]
- Burnout als Ausdruck der Entfremdung [pressetext] –
Im Management-Bereich herrscht vielerorts immer noch tiefste Steinzeit. Zudem funktioniert die Kommunikation in vielen Unternehmen schlecht bis gar nicht.
(Lisbeth Jerich). - Management bremst Web 2.0 [wortgefecht.net]
- hinzugefügt am 30. November 2007:
Facebook for companies - open or closed? [globally local] –Like the Wikipedia, some may not yet have discovered they have a page. The era of shared communication is getting stronger every day.
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 30. November 2007 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 22 November 2007, 09:14 MET.
- Artikel:
- Asoziale Manager machen kein soziales Intranet 2.0 [hyperkontext | Weblog]
- Kurz-URL:
- http://hyperkontext.at/s/100
- Thema:
- Kommunikation
- Stichworte:
- Intranet, Unternehmen
Dieser Artikel bezieht sich intern auf frühere Einträge:
- Intranet als strategischer Zündstoff vom 09. September 2007
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