April 2008 im Kontext
Sonntag, 04 Mai 2008 15:55 MET
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Webgestaltung im April 2008
Malte Landwehr bediente uns mit einer Bildgalerie von gefundenen möglichen und unmöglichen Gestaltungsformen zu RSS: Die besten Feedicons und warum sie so wichtig sind.
CSS (Cascading Style Sheets)
Dass Browser beziehungsweise Server CSS-Dateien vorhalten (cachen) und nicht immer neu laden, ist ja an sich eine gute Sache. Es gibt aber Szenarien in denen dieses Verhalten kontraproduktiv sein kann. Zum Beispiel in Entwicklungsphasen oder größeren Änderungen im CSS, die dann ohne speziellen Hinweis (die Aktualisieren
-Schaltfläche zu betätigen) bei Benutzern sogar Irritationen auslösen könnte.
Mit den Möglichkeiten, automatisch und sofort die letzten Änderungen einer CSS-Datei im Browser anzuzeigen, beschäftigt sich Chris Coyer in seinem Blog mit zwei Beiträgen:
Dass sich Definitionslisten durchaus für die klassischen Frequently Asked Questions
(FAQ) eignen und auch schön formatiert werden können, zeigt uns dieser Beitrag: Using Definition Lists: Question & Answer formatting.
Wie Balkengrafiken für die Ausgabe so konstruiert werden, dass sie per CSS formatiert werden können, zeigt uns Wilson Miner in einem Artikel auf A List Apart
: Accessible Data Visualization with Web Standards.
Und in den folgenden Verweisen geht es noch um grundlegende Praktiken mit CSS, die mit aussterbendem IE6 immer wichtiger werden aber bis jetzt durch genanntes Monstrum sehr spärlich eingesetzt werden:
- CSS Adjacent-Sibling Selector [onyx-design.net]
- Tomorrow's CSS Today: 8 Techniques They Don't Want You To Know [sitepoint.com]
- Ein paar Hinweise zu den @-Regeln von CSS [highresolution.info]
Barrierearm – Zugang bewahren
Mit sogenannten Reset-Styles
werden unterschiedliche Interpretationen von CSS zurück gesetzt und für alle Browser die selbe Ausgangsbasis geschaffen.
Jared Smith von WebAIM regte sich im April fürchterlich über die Verwendung von outline:0 in sogenannten Reset-Styles
auf: The plague of outline:0.
Die Argumentation lässt sich nachvollziehen. Wenn nämlich – wie leider oft üblich – auf die Verwendung der Pseudoklasse :focus verzichtet oder vergessen wurde, dann ist das meist im Browser standardmäßige Verhalten – per Tastatur – angesprungene Verweise mit einem (gestrichelten) Rahmen zu versehen der einzige Anhaltspunkt, wo ich mich gerade befinde. Wenn das auch noch – von inkompetenten Entwicklern nichtsahnend – durch einen anfänglichen Reset-Style ausgeschaltet wird, dann wird die Seite für eine sehende aber die Tastatur benutzende Person fast unbrauchbar.
Daher: Umfangreiche Reset-Styles
sind auf keinen Fall dafür gedacht, sie dogmatisch in jedes Projekt reinzukopieren. In CSS-Frameworks sollten wir uns über die jeweils eingesetzten Resets informieren, um danach die eigenen Stile aufzubauen.
Verführerisch ist dies natürlich leider vor allem für Leute die gar nicht wissen (wollen), was das unter Umständen für Schneeballeffekte hervorrufen kann und wie sich das im Detail auswirkt.
Browser – Internet Explorer (IE)
Nach vielen Jahren wird nun auch von offizieller Seite des Herstellers scheibchenweise offenbart, dass die bisherigen Internet Explorer eine Fehlkonstruktion sind. Dies zeigt sich in der Tatsache, dass der kommende IE8 auch eine komplett neue Rendering-Engine verpasst bekam und dafür die Webkit-Engine verwendet wird: Microsoft lizenziert Webkit-Engine für IE8. Ups, da bin ich einem durchaus gelungenen Aprilscherz aufgesessen.
Meine Meinung zu dieser Produktpolitik:
Das Unternehmen hätte die Serie Internet Explorer mit dem IE7 beenden, dem kommenden Produkt einen neuen Namen verpassen sollen und nicht an das Betriebssystem binden. Dazu müsste dann auch dementsprechend kommuniziert werden, dass die Serie IE nicht mehr empfohlen wird. Zu dieser Offenheit hat es bis jetzt leider nicht gereicht.
Wir müssen uns aber noch ein ganzes Weilchen mit den holprigen Konstruktionen dieser Serie herumschlagen. Hierzu gehört vor allem auch eine Testumgebung für die nummerierten Zustände, weil allein schon das Vorhalten verschiedener Versionen bekanntlich ohne Herumgetrickse nicht möglich ist.
Neben den bisher bekannten Möglichkeiten von Testumgebungen für IE verbreitete sich die Nachricht eines leicht zu installierenden Programmes mit grafischer Oberfläche in Entwicklerkreisen wie ein Lauffeuer:
- IETester [my-debugbar.com] – ich habe es zum ersten Mal via Peter Kröner erfahren.
Momentan in Version 0.2 und noch mit ein paar berichteten Macken, soll das Ding aber recht gut funktionieren. Ich persönlich habe das Programm noch nicht getestet.
An dieser Stelle sei dann auch noch auf eine gut erklärte Einführung in Doctypes
verwiesen, speziell für das Verständnis des sogenannten Quirks-Mode
: Standards vs Quirks Mode [cssnewbie.com].
Webstandards und Accessibility
Es scheint, dass sich barrierearme Webgestaltung nun zunehmend einen ernsthaften Status erarbeitet. Nun hakt es aber in der nächsten Stufe (typischerweise) oft an der Empathie – Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen – und dem bescheidenen Umgebungswissen der Entscheider und Entwickler.
In der Umsetzung entstehen daraus mitunter herzig unschuldige
Konstruktionen.
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In der harmlosen Variante finden wir so etwas im Relaunch der Bayerischen Staatsregierung. BIK (barrierefrei informieren und kommunizieren) hat die Site einem Test unterzogen: Test des Monats - April 2008: bayern.de.
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Die haarsträubendere Variante findet sich auf einer Site der Steirischen Tourismus GmbH, die eine barrierefreie Initiative steirischer Betriebe begleitet und sich
Steiermark für alle
nennt. Sylvia Egger (sprungmarker.de) hat da mal genauer hingesehen: sprungmarker testet: Steiermark barrierefrei.Abgesehen von der web-technischen Umsetzung sollten diese Seiten und der damit kommunizierte Zwiespalt auch einmal im Gesamtkontext beachtet werden:
- Ein isolierter Unterbereich wird
speziell barrierefrei aufbereitet
– der sich kurioserweisefür alle
nennt – für vermeintlicharme Hascherln
. Dieser Teil beschränkt sich nur auf die Suche von Betrieben, die für spezielle Bedürfnisse gerüstet sind (unter anderem auch kinderfreundliche Hotels). - Die eigentliche Site steiermark.com ist nicht wirklich barrierearm. Was die Steiermark bietet, lässt sich also über spezielle Ausgabegeräte nur schwer in Erfahrung bringen.
- Von steiermark.com gibt es erst auf einer Unterseite einen sichtbaren Verweis (bis 3. Mai 2008) zum sogenannten Teil
Steiermark für alle
. Nur ein per CSSversteckter Verweis
im Quelltext existiert auf allen Seiten, der nur von Screen-Readern erfasst wird. - Suche ich eine Herberge die auf Bedürfnisse von Gehörlosen speziell ausgerichtet ist, dann findet sich von derzeit 50 Betrieben leider keiner. Für Rollstuhlfahrer ohne Begleitperson sieht die Sache auch nicht viel besser aus: 2 von 50 = 4% der Betriebe. Allerdings auf jeden Fall besser als die Betriebe geben Leistungen an, die sie dann in der Praxis nicht erfüllen können.
- Dass die fünf Betriebe die sich mit dem Suchkriterium
für Blinde Personen
entpuppen, bis auf das Gästehaus des steierischen Blindenverbandes, nicht einmal ansatzweise eine barrierearme Website haben, ist ja dann mal eine andere Geschichte und Zuständigkeit. Diese Einsicht hilft allerdings denen mit fehlender Sehkraft, aber nach mehr Information dürstend, wenig.
- Ein isolierter Unterbereich wird
Die Verabschiedung der WCAG 2.0 ist absehbar
Es scheint nun langsam absehbar, dass die Version 2 der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) die mittlerweile seit 1999 bestehende erste Version ablöst. Es gab hierzu bereits einige Beiträge.
Hier nur ein Verweis zum informativen Eintrag von Tomas Caspers auf der Plattform der Webkrauts dazu: WCAG 2.0 erreicht den Status einer Candidate Recommendation.
Unternehmen 2.0
Von Unternehmensseite und Werbe-Fritzen wird ja immer die Nähe zum Kunden gepriesen. Nun, genau das bewirkt das soziale Web
oder auch Web 2.0
genannt. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass nicht mehr nur die Unternehmen Nähe und Distanz bestimmen, sondern (potenzielle) Kundinnen dann auch schon mal ein Produkt mitentwickeln und die Intensität und Geschwindigkeit der Kommunikation bestimmen.
Mit Näher beim Kunden mit Web 2.0
wird von Hans Fischer (rolotech.ch) damit ein Zeitungsartikel zitiert und im verwiesenen Beitrag kommentiert.
Es beginnt auch langsam eine Konsolidierungsphase im Bereich der kommerziellen Produkte für Intranet und Internet-Portale. Oracle hat BEA gekauft und lässt gleich einmal das Produkt WebLogicPortal
sterben. Ihre Portal-Lösung stirbt … oder wird zu einer Web2.0 Plattform
, konstatiert Toby Ward (Intranet-Blog): Intranet portal solutions die, evolve & move to Web 2.0.
Sarah Perez kommentiert auf ReadWriteWeb
einen neuen Report von Forrester Research, der dem Markt für Enterprise2.0 Produkte in der nahen Zukunft ein Volumen von $ 4,6 Milliarden zutraut: Enterprise 2.0 To Become a $4.6 Billion Industry By 2013.
Wikis in Unternehmen
Den Namen wählte Cunningham, da er bei der Ankunft am Flughafen auf Hawaii die Bezeichnung
Wiki Wikifür den dortigen Shuttlebus kennengelernt hatte. Dabei übernahm er die Verdoppelung, die im Hawaiischen für eine Steigerung (sehr schnell) steht. Cunningham betrachtetWikiweiterhin als eine Abkürzung für den eigentlichen NamenWikiWikiWeb. Wikipedia (deutsch)
Ja, da machen wir ein Wiki dafür
, scheint sich zunehmend in Meetings als neues Synonym der Fraktion IT-Phrasen-Drescher
für die eierlegende Wollmilchsau zu etablieren. Die Mehrzahl der Anwesenden dabei in einer Gedankenblase Zeichentrick-Figuren nordischen Typs (Helm mit Hörnern und blonde Zöpfe) vor sich sehen, die unermüdlich barawern – Wiener Dialektwort (tschechischer Sprachstamm) für schwer arbeiten
.
Von diesen Gedankenmodellen holt dann gleich mal ein Artikel von Echo-Online die Träumer auf den Boden, denn problematischer als die technische Umsetzung ist die nötige offene Informationspolitik
: Teamleistung zählt mehr als persönliche Erfolge.
Heute haben wir den Abschluss unseres internen Wiki-Projekts gefeiert. Damit rumgeturnt haben wir seit Juli 2007
, lesen wir in einem Blogeintrag von Marcel Bernet der zeigt, dass es alleine für die Auswahl der geeigneten Software Zeit braucht und die laufende Pflege der Struktur schon in einem kleinen Team nicht zu unterschätzen ist.
Der zeitliche Einsatz für Web 2.0 Plattformen (nicht nur Wikis) wird dann auch hier ganz offen behandelt: How Much Time Does Web 2.0 Take? [Museum 2.0].
Und wenn dann wieder alle auf dem Boden sind, dann können wir uns der Sache ganz nüchtern und kühl in folgenden Beiträgen vom April widmen:
- Wikis in Unternehmen: Fraport und Sixt AG [kooptech.de]
- 8 Argumente gegen den Einsatz von Wikis in Unternehmen [kooptech.de]
- 10+ Gründe für den Einsatz von Wikis in Unternehmen [kooptech.de]
- Enterprise intranet wikis [Prescient Digital Media]
Loslassen auf dem Weg zum Hypernet
Der Autor und Vordenker Don Tapscott (siehe zum Beispiel Wikinomics) wurde vom Manager-Magazin
zu den kommenden Entwicklungen befragt. Vom Fahrrad bis hin zu Werkzeugen in der Produktion verbindet sich alles miteinander zu einem wirklich umfassenden Netzwerk
, Don Tapscott, Auf dem Weg zum Hypernet.
Auf dem Weg dorthin bedarf es allerdings einer Fähigkeit, die – sowohl für die allgegenwärtigen hierarchischen Organisationsstrukturen, als auch für einzelne Akteure in solchen – eine extreme Herausforderung darstellt und maßgeblich über die erfolgreiche Positionierung in den kommenden Zeiten entscheidet: Die Kunst, loszulassen.
Das eben erschienene gleichnamige Buch, ein Sammelwerk verschiedener Autoren, beschäftigt sich mit diesen Eigenschaften:
- Enterprise 2.0 - Die Kunst, loszulassen – Website zum Buch
- Die Kunst loszulassen [kooperationssysteme.de]
- Abschnitt 1 von 1
Externe Verweise dieses Artikels wurden zuletzt am 3. Mai 2008 auf Relevanz geprüft.
- Datum:
- veröffentlicht am 04 Mai 2008, 15:55 MET.
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- barrierearm, Browser, IE, IE8, CSS, Intranet, Unternehmen, Webstandards, Wikis, Wirtschaft
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